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Von Memes und Menschen – In den Tiefen von 4chan

von Titus Blome

Memes sind längst die dominante Kulturform des Internets. Bilder, Sprüche, Tänze, das Soziale selbst. Alles ergibt sich der strukturellen Logik der Imitation und Mutation, die Memes kennzeichnet. Der Ursprung eines Memes verliert sich dabei unter zahllosen Ebenen (layern) aus Ironie und Post-Ironie, Referenz und Remix bis niemand mehr bis auf den Grund hinabblicken kann. Die Autor*in eines Memes setzt keinen Akt göttlicher Eingebung um, sondern zeichnet sich dadurch aus, verschiedene Beziehungsebenen möglichst geschickt in eine Einheit zu schichten. Um mir geschicktere Worte bei Roland Barthes zu leihen: Ein Text Meme ist ein Gewebe von Zitaten aus unzähligen Stätten der Kultur. Kein Meme entsteht aus dem Nichts. Es ist immer Imitation und Remix von schon Bestehendem – strukturell oder inhaltlich.

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Erfahrungen und Widersprüche – Zum hundertsten Geburtstag Franz Fühmanns

von Lukas Betzler

Vor hundert Jahren, am 15. Januar 1922, wurde Franz Fühmann im böhmischen Rokytnice nad Jizerou (Rochlitz an der Iser) geboren. Fühmann wurde einst zu den bedeutendsten Schriftsteller:innen der DDR gezählt und auch im Westen gelesen, wo seine Werke vor allem bei Suhrkamp und Luchterhand erschienen. Heute hingegen, knapp 38 Jahre nach seinem Tod, ist er weitgehend in Vergessenheit geraten. Nur unter denjenigen, die in der DDR aufwuchsen, hat sein Name noch einen vertrauteren Klang, denn es gab dort in den siebziger und achtziger Jahren wohl kaum ein Kind, das keine seiner Kindergeschichten oder Mythen-Nacherzählungen kannte. Aber diese Lektüren liegen schon weit zurück und werden nur bei wenigen seither erneuert worden sein. Auf dem Radar der Literaturkritik und -wissenschaft befindet sich Fühmann, von wenigen Ausnahmen abgesehen, sowieso schon seit längerer Zeit nicht mehr. Daran hat bislang auch der Umstand wenig geändert, dass Fühmann von Schriftsteller:innen wie Marcel Beyer, Annett Gröschner, Peter Härtling oder Ingo Schulze zu ihren wichtigsten Vorbildern gezählt wird. Die „Fühmann-Renaissance“, von der Stephan Krause schon 2018 auf literaturkritik.de angesichts zahlreicher neuer Veröffentlichungen zu Fühmann freudig schrieb, ist bedauerlicherweise immer noch mehr Wunsch als Wirklichkeit.

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Solidarität auf Eis – Ein Kommentar zu Phrasen der Pandemiebekämpfung

von Katharina Walser

Anfang Dezember letzten Jahres erntete Olaf Scholz Jubelrufe, Schlagzeilen und Bewunderung dafür, wie er zur Primetime bei einem großen Fernsehsender über die Corona-Pandemie sprach. Tags darauf hieß es unter anderem, er habe einen “kühlen Kopf”(handelsblatt) behalten; um eine „beispiellose Pandemieansprache”(focus) habe es sich gehandelt und der neue Bundeskanzler nehme nun „den Kampf gegen die Pandemie auf”(Spiegel).

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Ein hässliches Geschäft – Die Realität des Kunstdiebstahls

von Christina Dongowski

Arsène Lupin, Thomas Crown, Simon Dermott, Danny Ocean, Neal Caffrey – in der kulturellen Imagination ist der Raub und das Stehlen von Kunst- und Luxusobjekten eine Sache gut aussehender Männer in perfekt sitzenden Anzügen. (Sarah Black alias The Bishop in Red Notice von 2021, ist bisher eine der ganz wenigen Frauen im Business.) Ihre Motivation, sich als agil-eleganter Fassadenkletterer oder als Mastermind eines komplizierten Heists den  Kunstbesitz anderer Leute oder gleich die Kunstschätze einer Nation anzueignen, sind nicht einfach materieller Natur. Mindestens so wichtig sind die intellektuelle und sportliche Herausforderung, Sicherungssystem und Wächter zu überwinden, sowie der Trieb, dieses spezielle Objekt besitzen zu müssen. Kunstraub erscheint als von gutem Geschmack und ästhetischer Reizbarkeit geadelte Zwangsneurose oder als die eigentlich höchste Form des Sammelns. 

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Unheimlich blond – Der Weihnachtsfilm „Der kleine Lord“

von Thomas Wortmann

In meiner Erinnerung ist Weihnachten das Fest der blonden Kinder. So zumindest wirkte es im Fernsehen: Der oder die mit einem Atomkraftwerk im Miniaturformat beschenkte Dicki Hoppenstedt, der alleine zu Hause bleibende Kevin – und natürlich das Christkind selbst: ob glatt oder gelockt, alle waren sie blond. Geradezu unheimlich blond und strahlend aber war Cedric Errol, dieser kleine amerikanische Junge, der eines Tages zum Lord wird und durch seine Güte die Herzen aller Menschen gewinnt und dasjenige seines griesgrämigen Großvaters erweicht. An Cedrics Engagement musste ich denken, als ich las, dass Ricky Schroder, der 1980 als Zehnjähriger den kleinen Lord spielte, sich 2020 mit einem mindestens sechsstelligen Betrag an der Millionenkaution beteiligte, um Kyle Rittenhouse, der während der Proteste in Kenosha zwei Menschen erschossen hatte, aus dem Gefängnis zu befreien. Ganz so blond wie 1980 ist Schroder auf aktuellen Bildern nicht mehr, unheimlich wirkt er aber trotzdem, gerade weil es so eine auffallende Nähe zwischen Figur und Schauspieler gibt: Wie der kleine Lord, den er vor über vierzig Jahren spielte, setzt Schroder sein Geld für andere ein. Nur die Ziele sind unterschiedlich, um es freundlich zu formulieren. Irgendwo muss Ricky falsch abgebogen sein.

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Weihnachten mit Cinderella: Über Nostalgie, Genres und märchenhafte Ordnungen bei „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“

von Andrea Geier

„Den kenne ich nicht.“ Ich bin immer wieder aufs Neue überrascht, wenn ich das erfahre. Wie kann man sich diesen Märchenklassiker entgehen lassen? “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel”, die binationale tschechoslowakisch-deutsche Koproduktion (Filmstudio Barrandov, ČSSR/Prag, DEFA, DDR/Berlin) unter der Regie von Václav Vorlíček aus dem Jahr 1973 ist international bekannt und hat nicht nur in meinem persönlichen Weihnachtsfilmkanon einen festen Platz.

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Have Yourself a Merry Little Covid

von Matthias Warkus

Das größte globale kulturelle Einzelereignis der Moderne, wenn nicht aller Zeiten, war die amerikanische Beteiligung am Zweiten Weltkrieg. Das größte regelmäßig wiederkehrende globale kulturelle Phänomen der Moderne ist Weihnachten in seiner aktuellen Fassung als säkularisierte, transnationale atmosphärische Veranstaltung. Es liegt auf der Hand, dass das eine mit dem anderen zu tun haben könnte.

Und in der Tat gibt es ein Konvolut äußerst bekannter kultureller Äußerungen am exakten Berührpunkt beider Phänomene, nämlich die anlässlich von Weihnachten entstandene amerikanische Popularmusik aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Der Kern des Kanons der amerikanischen »Christmas Songs« verdankt sich den »Kriegsweihnachten« 1941 bis 1944.

Das Flaggschiff ist dabei »White Christmas«, uraufgeführt am Weihnachtstag 1941, achtzehn Tage nach dem Angriff auf Pearl Harbor. Bis heute handelt es sich dabei mit vermutlich über 100 Millionen verkauften Exemplaren – alleine 50 Millionen von der Originalaufnahme mit Bing Crosby –, um die erfolgreichste Single aller Zeiten, und den mit mehr als 500 Versionen meistgecoverten Weihnachtssong überhaupt.

Mit »White Christmas« war der Markt für säkulare Weihnachts-Popsongs etabliert. Ihm folgte unter anderem das außerhalb der USA weniger bekannte, aber dort enorm beliebte Medley »Happy Holiday/The Holiday Season« (1942). Wieder an das nostalgische, melancholische Muster von »White Christmas« halten sich »Have Yourself a Merry Little Christmas« und »I’ll Be Home for Christmas« (beide 1943), die das Motiv endgültig auf den Punkt bringen. Vor allem um diese beiden letztgenannten Lieder soll es mir im Folgenden gehen.

Ich möchte aber zuvor wenigstens erwähnen, dass danach noch »Let it Snow, Let It Snow, Let It Snow« und »The Christmas Song (Chestnuts Roasting on an Open Fire)« entstanden, beide im Juli 1945, als der Pazifikkrieg noch nicht beendet war und man durchaus damit rechnete, die Kampfhandlungen bis weit ins Jahr 1946 fortsetzen zu müssen: Die Invasion der japanischen Hauptinseln war vorläufig für den 1. November 1945 (Südkyushu) und den 1. März 1946 (Honshu) angesetzt.

Bereits 1944 hatte spätestens das letzte Aufbäumen Deutschlands in der Ardennenoffensive ab dem 16.12. an der amerikanischen »Heimatfront« für ein deprimiertes und enttäuschtes Weihnachten gesorgt. Das Gefühl, in einer apokalyptischen Endzeit, einem nie enden wollenden, immer weiter ins Unvorstellbare eskalierenden Krieg zu versinken, setzte sich fest. Lee Sandlin schreibt 1997 in »Losing the War«, einem der sicherlich besten essayistischen Texte über die amerikanische Kriegsbeteiligung überhaupt:

Sogar in Amerika, der am wenigsten beschädigten aller am Krieg teilnehmenden Nationen, griff das letzte Kriegsjahr dann doch die Grundbedingungen des Lebens an. Nachdem jener übermütige Sommer der Erwartung [1944] vorbei war, wurde die Lebensmittelrationierung strenger als zuvor wieder eingeführt. Der Schwarzmarkt trocknete aus, und Rindfleisch wurde zum ersten Mal seit Kriegsbeginn knapp. Zum Jahresende hin herrschte ernsthafter Mangel an Heizöl, mitten im kältesten Winter seit zehn Jahren. An beiden Küsten wurden die Städte nachts immer noch verdunkelt, und um Brennstoffe zu sparen, ordnete die Regierung in den Städten des Mittelwestens »brownouts« an – alle Geschäfte hatten mit Einbruch der Dämmerung zu schließen. Zum ersten Mal seit Anfang des Krieges gingen auch in Chicago wie in allen anderen großen Städten der nördlichen Hemisphäre die Lichter aus.

Lee Sandlin 1997, Übers. M.W.

Für den Fall einer Invasion der japanischen Heimatinseln rechneten die amerikanischen Streitkräfte mit Verlusten, die jene des gesamten bisherigen Krieges übertreffen konnten. Zudem war damit zu rechnen, dass Japan mit Beginn der Invasion alle ca. 100 000 amerikanischen Gefangenen töten würde.

In diese Stimmung hinein lauten die ursprünglichen ersten Verse von »Have Yourself a Merry Little Christmas« angemessen endzeitlich:

Have yourself a merry little Christmas
It may be your last
Next year we will all be living in the past.

Aber auch die auf Wunsch der Erstinterpretin Judy Garland aufgehellte spätere Textfassung beschwört, dass man sich bald wieder – wenn das Schicksal es erlaubt – treffen möge wie in alter Zeit:

Once again as in olden days
Happy golden days of yore
Faithful friends who were near to us
Will be dear to us once more
Someday soon, we all will be together
If the fates allow

Bis dahin gilt es, sich weiter irgendwie durchzuwurschteln:

Until then, we’ll have to muddle through somehow

»I’ll Be Home for Christmas« ist noch desolater, denn die Pointe seines Texts ist gerade die, dass das lyrische Ich nur davon träumt, zu Weihnachten zu Hause zu sein:

I’ll be home for Christmas
If only in my dreams

Man könnte es so sagen: Das global standardisierte, melancholisch rückwärtsgewandte Midcentury-Weihnachtsgefühl, das Berit Glanz vergangenes Jahr in ihrem Beitrag über Weihnachtslieder in der Popkultur umrissen hat, hat als seinen finsteren Kern, wie hoffnungslos unerreichbar in New York oder Chicago 1944 ein Weihnachtsfest scheinen konnte, für das alle nach Hause kommen und bei dem es so viel Licht, Wärme und Essen wie vor dem Krieg geben würde.

Dass das Schema so gut funktioniert, hat natürlich auch damit zu tun, dass es erstens im Zusammenhang von Advent und Weihnachten auf der Linie zwischen dem christlichen Ursprung des Fests (und seinen etwaigen heidnischen Substraten) und dem heutigen säkularisierten, kanonisch nostalgischen Weihnachten ein überall dichtes Kontinuum von etablierten Zeichen gibt, die mit Hoffnung, Erlösung, Fremdheit, Heimkommen, Licht im Dunkeln, Vervollständigung von Familie und so weiter zu tun haben.

Zweitens war die konkrete Situation der amerikanischen Kriegsweihnacht bereits mit langanhaltender Melancholie aufgeladen, da das Land erst mit dem Krieg aus der Großen Depression herauskam und man je nach persönlicher Situation nicht bloß zwei oder drei Jahre zurückgehen musste bis zu einem »Weihnachten, wie es früher einmal war«, sondern deutlich mehr als zehn. Auch wenn es vor »White Christmas« noch keine Produktion kanonischer amerikanischer Weihnachtssongs gibt, ist das Muster von melancholischer Sehnsucht, nach einem schwach verschlüsselten Prä-Depressions-Früher bereits verfügbar. Nicht zuletzt schlägt Judy Garland in ihrer Person selbst die Brücke von »Over the Rainbow« zu »Have Yourself a Merry Little Christmas«.

– Das amerikanische Kriegsweihnachten 1944 war darum so außerordentlich desolat, weil ihm der euphorische Sommer 1944 mit der Hoffnung auf eine baldige Kapitulation der Achsenmächte vorausgegangen war, sich nun aber die dystopische Vorstellung eines nie mehr endenden Krieges breitmachte. Die Pointe dabei, im Dezember 2021 darüber zu schreiben, ist so offensichtlich, dass es mir fast ein bisschen unangenehm ist, sie auszubuchstabieren.

Ich habe am Samstag vor dem dritten Advent mit einem kleinen Chor im Nieselregen auf einem Feld nördlich der Marburger Innenstadt Adventslieder gesungen. (In der Stadt für Publikum zu singen war nicht genehmigt worden, da befürchtet wurde, es könnten sich Menschenmengen bilden.) Zu Beginn der zweiten Strophe von »Die Nacht ist vorgedrungen« überflog uns ein Intensivtransporthubschrauber und mir kamen fast die Tränen. Es ist geradezu gespenstisch, wie kulturelle Muster und Sinnzusammenhänge, massenfabrizierte Atmosphären, die ihre Wurzeln in andere Zeitalter strecken, sich sofort und bereitwillig an dem festmachen, was wir nun seit bald zwei Jahren »die aktuelle Situation« nennen.

Es überrascht daher nicht, dass unsere »aktuelle Situation« eine Epoche ist, die vermutlich einmal auch dafür bekannt sein wird, dass in ihr zuvor nie gekannte Mengen an Weihnachten hergestellt und verbraucht wurden – allein die amerikanische Fernseh- und Streamingindustrie präsentiert in der aktuellen Saison die Rekordzahl von mindestens 146 neuen Weihnachtsfilmen. Im ersten Covid-Winter 2020 war bereits eine Steigerung der Serienfertigung von Weihnachtsfilmen zu beobachten gewesen, auch aufgrund von größeren Anstrengungen konkurrierender Medienunternehmen wie Hallmark und Netflix, den Markt zu erobern.

Nicht alles, was mit Weihnachten und historischen Ausnahmesituationen zu tun hat, landet auch im dauerhaften atmosphärischen Inventar. So sind beispielweise die deutschen Kriegsweihnachten beider Weltkriege mit ihrer eigenen Atmosphäre aus Durchhalterhetorik, selbstgefälliger Askese zugunsten der Front und Chauvinismus völlig weggeschoben und verdrängt worden. Vermutlich entscheidet sich zwischen jetzt und Weihnachten 2022, ob auch die Pandemiewinter mit ihren Einschränkungen, ihrem Leid und ihrer Frustration in den Bauch des allesverschmelzenden popkulturellen Melancholie- und Hoffnungsmonsters Weihnachten einverleibt oder doch eher als Ausnahme ausgeklammert werden.

Foto von Kieran White

Growling – Über einen Visionär des Death Metal

“Death metal has now become exclusively about being evil, Satanic and playing full speed ahead. It’s not what I’m into at all.”

Chuck Schuldiner

Meinen ersten Kontakt mit der Musik von Death hatte ich während meines ersten Besuchs des Wacken Open Airs 2007. Ich war 16 Jahre alt und fuhr relativ naiv auf das größte deutsche Metalfestival. An einem Abend, während ich mit Besucher*innen, die neben mir campten, Bier trank, fragte ich einen Typen, was das für eine Band auf seinem Shirt sei. Ich hatte dieses markante Logo, mit der Sense mitten im Bandnamen, schon oft auf dem Festivalgelände gesehen. Häufig getragen von Menschen, die, wie ich später lernte, noch Kinder waren, als Death 1998 ihr letztes Album The Sound of Perseverance veröffentlicht hatten. 

Von diesem Fremden habe ich eine erste Version der Geschichte der Band gehört, die den modernen Metal revolutionierte. In den folgenden Jahren habe ich immer wieder sporadisch in einzelne Songs Deaths reingehört. Ironischerweise war es lange die toxische Fankultur in Online-Foren, die mich abschreckte. Ein Umfeld, in dem jede Unwissenheit und Abweichung von der Gruppenmeinung mit Häme und Beleidigungen bestraft wird. Erst als Mitzwanziger, als ich mich verstärkt mit Musik auseinandergesetzt und mich ein Stück weit von dem toxischen Teil der Metalszene emanzipiert hatte, begann ich, auch Death intensiver zu hören. Nach und nach habe ich mir die Diskografie erschlossen.

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John McClane im Bade – Weihnachten mit „Die Hard“

von Sandra Beck

In meiner persönlichen Filmbiographie hat Die Hard einen eigenen Platz. Einerseits ist das historische Datum meiner Erstrezeption mit Weihnachten verbunden. Denn das erste Mal habe ich die Schweinebackerei und den Hohoho-Showdown zwischen John McClane (Bruce Willis) und Hans Gruber (Alan Rickman) als Stirb langsam irgendwann in den 90er Jahren gesehen, als ich mich – ebenfalls zum ersten Mal – geweigert habe, nach dem Kindergottesdienst auch noch die Christmette im Dom zu besuchen. Blut, Gewalt, Fluchen und seltsames Deutsch on screen, Krippe, Christbaum, ausgepackte Geschenke schräg rechts neben den Fernseher. Andererseits markiert das Sehen des Filmes ein Gegenkonzept zu einem Weihnachten, dessen familiär verordneten Rituale und Zeremonien wesentlich durch die Gottesdienst-Besuche getaktet wurden. Anders formuliert: Bedingung dafür, den Film zu sehen, war der kurzzeitige Austritt aus dem Familienverbund, denn alle anderen sind in die Kirche gegangen.

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