Zurück zum Content

Wie viel darf eine Lesung kosten?

Im Moment findet das Harbour Front Literatur Festival in Hamburg statt. Beim Besuch der Lesung von Thomas Hettche fiel mir erneut auf, dass diese Veranstaltungen zu spärlich besucht sind, führt man sich das Potenzial einer Millionenstadt wie Hamburg vor Augen. Der jüngste Besucher war ich bei den vorangegangenen Veranstaltungen, wie gestern, sowieso. Liegt es vor allem am Preis der Veranstaltungen?

Frank Schätzing nimmt für die besten Plätze bei seiner Multimedia-Show zu Breaking News stolze 32 Euro. Der Debütantensalon mit zwei jungen Autoren kostet 10 Euro. Thomas Hettche gestern kostete 14 Euro im Vorverkauf, an der Abendkasse 18 Euro. Bei Bernhard Schlink bekommt man leichte Unterhaltung zwischen 15 und 23 Euro. Harald Martenstein ist für den gleichen Preis zu haben. Dazu kommt der Aufreger, dass man beim Vorverkauf via AdTicket.de 2 Euro zahlen muss, möchte man sein Ticket zu Hause ausdrucken, Versand kostet der Euro 4.

Zu teuer, genau richtig, sogar günstig? Was seid ihr bereit für eine Lesung zu zahlen?

Wie viel bist Du bereit für eine Lesung zu zahlen?

View Results

Loading ... Loading ...

Tilman Winterling

Tilman Winterling

Tilman Winterling berät als Rechtsanwalt Verlage, Autoren und andere Kreative im Urheber- und Medienrecht. Als Blogger hat er sich sowohl im Bereich der Literaturkritik als auch -vermittlung in der Branche einen Namen gemacht. Rechtsanwalt Winterling ist zudem als Jurymitglied (u.a. Hamburger Literaturförderpreise) und Moderator von Lesungen tätig, sowie gefragter Interviewpartner (u.a. Deutschlandfunk, Radio Eins), wenn es darum geht verständlich und unterhaltsam über rechtliche Themen und solche des Bloggens zu berichten.
Tilman Winterling

Letzte Artikel von Tilman Winterling (Alle anzeigen)

Einen sehr sehr guten Blog abonnieren

Gib Deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Schließe dich 355 anderen Abonnenten an

Folge 54books.

24s Kommentare

  1. Guten Morgen,
    ich bin mir aber auch nicht sicher, ob es nur am Preis festzumachen ist, dass diese Veranstaltungen so wenig besucht sind.
    Ich habe den Eindruck, dass einerseits Werbung fehlt und andererseits kein großes Interesse besteht. Im Oktober kommt hier S. Stanisic zur Lesung mit “Vor dem Fest”. Und er hat ja schon den Ruf, ein sehr guter und unterhaltender Leser zu sein. Im Moment sind von knapp 400 Karten noch 380 frei…

    • 54books 54books

      Es gibt in Hamburg wirklich deutlich zu wenig Werbung, vor allem da wirklich für jeden Geschmack etwas dabei ist: leichte Unterhaltung, große Literatur, Graphic Novels, junge Autoren, Veranstaltungen für Kinder, SciFi – alles, nur warum sagt man es den Leuten nicht und warum gibt es dann gerade für Zielgruppe Schüler/Studenten keine vergünstigten Karten?

      Sasa ist großartig! Habe eine sehr unterhaltsame Lesung bei der Langen Nacht der Literatur in der Buchhandlung Lüders in Eimsbüttel genossen.

      • Ich verstehe das ja auch nicht. Man muss echt wissen, wo man nach den Veranstaltungen suchen soll. Hätte ich nicht zufällig in der Stadtbücherei eine “Herbstflyer” vom Literaturhaus Darmstadt entdeckt, wüsste ich nicht, was es für wunderbare Lesungen dieses Jahr geben wird. Man muss dazu sagen, ich lebe erst seit ein paar Monaten in der Nähe von Darmstadt. Interessanterweise fahre ich fast täglich am Literaturhaus vorbei. Dort steht allerdings “nur” groß “John F. Kennedy”-Haus drauf…Auch sehr hilfreich… Im Literaturhaus Wiesbaden ist das Schild am Eingang schon so abschreckend, dass sich wohl “Neu-Interessierte” gar nicht erst hineintrauen: “Zutritt für Unbefugte verboten”. Ab wann bin ich denn bitte schön befugt, das Gelände zu betreten und Teil der Society zu werden? Darf ich Trivialliteratur lesen? Oder ist das ein Ausschlusskriterium…wah…ich steigere mich da gerade rein…sorry…

        • 54books 54books

          Ich darf dazu vielleicht meine bisher einzige Begegnung mit dem Literaturhaus Hamburg schildern:
          Nach der Langen Nacht der Literatur, auf der ich ausnahmslos interessierte Menschen bei tollen Lesungen getroffen habe, gab es eine After-Show-Party in besagter Lokalität. Niemand der dort vertretenen Leute war vorher auf einer Lesung! Nur Anzugträger, die sich an der Bar mit anderen Anzugträgern unterhielt, netzwerkten und Häppchen aßen. Hier trafen sich nicht die Literaturinteressierten, sondern nur die Honoratioren der Stadt zum Stelldichein, um sich in dem kulturellen Glanz einer rundum gelungenen Lesungsreihe zu sonnen.

          • Mich beschleicht der Verdacht, Literaturhäuser sind landauf, landab identisch. Dröge, völlig vorbei am eigentlichen Publikum und unengagiert.

            Beispiel Leipzig: Eine Stadt, die schon immer und immer noch die deutsche Literaturlandschaft prägt(e), nennt ein Literaturhaus ihr Eigen, das ein schlechter Scherz ist. In dieser Stadt finden einfach keine Lesungen statt – wenn ein halbwegs interessanter Autor in Leipzig liest, dann in einer Buchhandlung. Außerhalb der Buchmesse ist Leipzig literarisch tot, wenn man von Lesebühnen und Kleinformaten absieht.

            (Das hat zwar grad gar nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun, musste aber kurz raus.)

          • 54books 54books

            Bin absolut Deiner Meinung. Literaturhäuser wollen das völlig falsche Publikum bedienen. Literatur ist selten elitär, warum versucht man das in diesen Häusern derart zu transportieren?

          • Vermutlich, weil es chic ist und zum guten Ton gehört, sich als Halbwegs-Metropole einen kulturellen Mittelpunkt zu leisten. Mit Theatern, Oper etc. funktioniert das schließlich auch.
            Nur, und das ist eben der Knackpunkt, sind Theater & Co. wesentlich spannender als ein Raum mit eng gedrängten Stühlen. Dort passiert was auf der Bühne, und dafür sind Leute auch bereit Geld auszugeben. Was wieder zum Thema zurückführt: An einem Abend in der Oper sind etliche Menschen beteiligt, da stecken viel, viel Arbeit, Zeit, Ideen (na ja, meistens zumindest ..) und Geld dahinter. Das darf man sich dann auch mal was kosten lassen, und da geht eine Karte dann acuh gern mal für 60 Euro und mehr weg.

            Lesungen dürfen natürlich Geld kosten, müssen sogar, denn Autoren wollen auch von etwas leben. Wenn aber eine Lesung mehr kostet als ein dreistündiger Theaterabend mit einem Dutzend Beteiligten, stimmt das Verhältnis nicht mehr.

          • …ohne Worte…

            ich muss allerdings noch etwas richtig stellen: Ich bin vorhin noch einmal am John F. Kennedy-Haus vorbei gefahren. Etwas weiter unten steht in blasseren Buchstaben, aber auch recht deutlich, Literaturhaus. Das ist mir bisher nicht aufgefallen. Also Entschuldigung an dieser Stelle!

  2. Für ein Buch zahle ich gerne. Aber für das Lesen eines Ausschnitts Eintritt zu zahlen, nein danke.

    • 54books 54books

      Das ist natürlich die günstigste Variante.

    • Mir fehlte auch die Option “Ich gehe nur zu Lesungen ohne Eintritt”. Ich habe nicht den Eindruck, daß so etwas selten ist (wohne allerdings auch nicht in Hamburg). Alle Lesungen, bei denen ich war, haben nie etwas gekostet. Der Autor/Verlag wollte verkaufen, also lud er ein, oft in den Räumen einer Buchhandlung oder einer Stadtbibliothek, die dafür auch nichts verlangten, sondern es als Bestandteil ihrer Aufgaben oder ihres Marketings ansahen.

  3. Kommst du zu meiner Lesung am 22. im Museum der Arbeit. Kostet nicht 5, nicht 20, nicht 10, sondern überhaupt nichts. Würde mich freuen.

    • 54books 54books

      Vorgemerkt. Sehe zu, dass ich das einrichten kann!

  4. Ulrich Schneider Ulrich Schneider

    Für Thomas Hettche 14 € empfinde ich ganz angemessen. Warum sollte eine Lesung unentgeldlich sein? Das erschließt sich mir nicht. Frank Schätzing würde ich zwar gern hören und sehen, aber 32 € sind dann doch etwas happig. Der gesamte Literaturbetrieb muss einfach lernen, sich mehr auf seine Kunden einzustellen. Viele der neuen Übersetzungen von Klassikern sind einfach viel zu teuer. Ich würde sie gern kaufen, kann mir aber 34, 39 oder gar 49 €, wie von Hanser verlangt, einfach nicht leisten.

    • 54books 54books

      Die Hanser Übersetzungen erscheinen häufig (immer?) etwas später auch als Lizenzausgaben bei anderen Verlagen. So kostet der teure (sehr schöne, aber Du kennst ja die Ausgaben) Don Quijote bei Hanser 68 € in zwei Bänden, die Übersetzung gibt es bei dtv, ebenfalls in zwei Bänden, für 38 € weniger, und das immerhin in einem sehr schön gestalteten Taschenbuch.

      Die 14 € finde ich für Hettche auch noch an der oberen Grenze von “in Ordnung”, dass ich dann aber mit Gebühren doch auf 16,35 € komme, finde ich dagegen unschön, das sind ja fast 20 % für Gebühren und das eigene Ausdrucken zu Hause – dreist!

    • Ich würde als Autor Lesungen deshalb kostenlos anbieten, weil es Werbung ist. Je mehr Leute kommen, desto mehr erzählen darüber und kaufen hoffentlich gleich das Buch, weil sie wollen daß ich vorne “für meine im Sterben liegende Mama” oder sowas reinschreibe.

  5. werner karl müller werner karl müller

    in münchen kosten lesungen um die12,00.ansonsten sind alle buchmessen, lesungen, wie ihr beispeil hamburg nur für besser verdienende.

  6. Christos Raptis Christos Raptis

    Guten Abend liebe Freunde der Literatur,

    aus meiner Sicht ist es sehr bedauerlich, dass solche Veranstaltungen kaum von jungen Menschen besucht werden. Ich
    konstatierte aber nach Diskussionen, die ich mit verschiedenen Kommilitonen über dieses Thema hatte, dass die sich für Literatur interessierende heutige Jugend (in Berlin) nicht in der finanziellen Lage ist, über 10 Euro für Eintrittsgeld auszugeben.

    • 54books 54books

      Was mich besonders traurig macht ist das Ungleichgewicht, in dem sich die Wertschätzung von vielen Dingen befindet.
      Früher habe ich schon die Meinung vertreten, man entschuldige das plumpe Beispiel, dass ich mir lieber für 30 Euro eine gute Flasche Gin kaufe und die mit Freunden zu Hause trinke und mich unterhalte, statt mich in einen Club zu stellen, mir für 7 Euro pro Glas den No-Name Fusel aus dem Großmarkt reinzuschütten und für die Houseparty noch 12 Euro Eintritt gezahlt zu haben.

      Man macht sich ins Hemd, weil die Lesung 12 Euro kostet, aber man zuckt nicht mit der Wimper 25 Euro pauschal für einen Kinobesuch auszugeben (ok bei Lesungen git es selten Popcorn). Sind Lesungen zu wenig Action? Verkauft sich Schätzung auch für 32 Euro so gut, weil es eben eine “Multimediashow” ist? Ähnliches habe ich zu meinen Schülertagen auf Konzerten meiner Band erlebt: meinen eigenen Freunden war es keinen Fünfer wert auf unser Konzert zu gehen, bei dem den ganzen Abend handgemachte Musik geliefert wurde, lieber legten sie zwei Euro drauf und fahren auch noch 40km zur nächsten Disco.

      Manchmal ist man zwar finanziell in der Lage, nur ist einem die Leistung nicht genug wert.

      • Christos Christos

        Sie haben absolut Recht. Ihrer Meinung kann ich nun beipflichten. Bedauerlicherweise ist aber die Gesamtheit der jungen Menschen Opfer dieser Multimediashows und Clubs geworden.

  7. Ich finde es kommt immer auf den Aufwand, die Location und den Autor an. Wir besuchen das HarbourFront Literaturfestival zum ersten Mal. Haben uns lediglich für “Der ungeteilte Himmel” im Thalia Theater entschieden. Ein Festival-Pass oder ähnliches wäre toll, wenn man verschiedene Lesungen inc. HVV u. Plan zu einem Festpreis bekäme. Mich würde interessieren, wie das ILB organisiert ist. Höre immer nur positives. 10 Euro bis 15 Euro pro Lesung sind noch zu verkraften, aber jeder kann sich das halt auch nicht leisten. In Berlin gibt es auch angemessene Ermäßigungen für Arbeitlose, Studenten, Schüler und Behinderte Menschen. So kann jeder am kulturellen Leben teilhaben. Muss man in Berlin eigentlich auch für den Audruck der Tickets einen Aufschlag bezahlen? Ich glaube nicht!

    LG

  8. Ich war diese Woche bisher auch auf 3 Lesungen des Harbour Front Festivals und hab mir die gleiche Frage gestellt, weil alle 3 nur halb besetzt waren. Für mich sind die Preise ok, weil ja 2-3 Leute auf der Bühne sitzen, die alle anreisen und ihre Miete bezahlen wollen, dazu noch ein Raum angemietet werden muss und darin eine Technik stecken muss, bei der jeder gut das Gesprochene versteht. Mich sprechen allerdings bisher die Lesungsorte nicht besonders an. Im Bunker hat’s gezogen, im Hörsaal der Kühne+Nagel Uni war’s total steril und in einer Kirche einem Thriller lauschen… na ja. Ich weiss, es ist kein Krimifestival, aber ein wenig könnte man ja doch den Lesungsort auf das Buch anpassen. In Hamburg gibt’s doch auch Polizeistationen, Gefängnisse, Institute für Rechtsmedizin etc. Bisschen mehr Flair und ich zahl diese Eintrittspreise gern.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: