Autor: Maryam Aras

Erzählerischer Universalismus – “Adas Raum” von Sharon Dodua Otoo

von Maryam Aras 

 

Da ist er nun, Sharon Dodua Otoos erster Roman Adas Raum. ‚Erster Raum‘, wollen meine Finger zunächst tippen und vielleicht ist das auch gar nicht so falsch. Natürlich gibt es schon diverse Räume in Otoos schriftstellerischem Denkgebäude – ihre Novellen die dinge die ich denke während ich höflich lächle, die im besten Sinne wirklich kaum in einem Nebensatz zu beschreiben ist, und Synchronicity, die Geschichte einer Grafikdesignerin, die nach und nach ihre Farbsehkraft verliert und die mit der Lebensweise ihrer Vormütter, selbstständig schwanger zu werden, zu leben und zu sterben, hadert. Und natürlich ihre preisgekrönte Bachmann-Kurzgeschichte von 2016 Herr Gröttrup setzt sich hin – ein Meister*innenstück sprachlicher Präzision und Ironie, in der ein störrisches Frühstücksei das bürgerliche Idyll des pensionierten Raketeningenieurs Helmut Gröttrup aus den Angeln hebt. Weiterlesen

Nicht mitgemeint – Olivia Wenzels ‘1000 Serpentinen Angst’ im ‘Literaturclub’

von Maryam Aras

 

„Wie gesagt, ich, Elke, bin auch kein Freund von Rap.“ „Ich, Elke, bin kein Freund von R-A-P.“  Olivia Wenzel und Malu Peeters sitzen auf der Bühne der Frankfurter Naxos Halle, an einem Tisch mit ungefähr einem Meter Abstand zueinander. Hinter ihnen ist ein Bild einer Hand an die Wand geworfen, die wiederum ein kleineres Foto einer Hand verziert mit einer Kette und vielen Ringen zu halten scheint. „Hallo, ich bin Philipp Tingler und ich finde, das ist kein Schreiben, das ist Seitenfüllen.“ „Das ist Seiten-FÜHLEN.“ Weiterlesen

Wenn das Lachen vergeht – Abbas Khider schreibt den modernen Irak

von Maryam Aras

 

In der britischen TV-Serie Baghdad Central kämpft der ehemalige Polizei-Kommissar Muhsin al Khafaji (gespielt von Waleed Zuaiter) sich mit seinen Töchtern durch die Hölle der von US-Amerikanern und Briten besetzten irakischen Metropole. Weil er unter Saddam Hussein gedient hatte, ist er im post-baathistischen Irak in Ungnade gefallen. Nun wirbt ihn ein britischer Regierungsbeamter an, der – aus politisch aufrichtigen Motiven scheint es – eine irakisch geführte Polizei wiederaufbauen will. Doch Khafaji verfolgt seine eigene Agenda: Seine ältere Tochter Sausan (Leem Lubany) ist verschwunden und die jüngere Mrouj (July Namir) ist schwer krank und kommt ohne Hilfe von außen nicht an die lebensnotwendige Dialyse-Behandlung. Kommissar Khafaji macht sich jeden Tag aus seinem halbzerstörten Viertel, in dem mittlerweile die Jungen der Nachbarschaft bewaffnet mit ein paar Maschinengewehren und islamistischen Sprüchen das Sagen haben, auf in die „Green Zone“, in das Hochsicherheitsgebiet der Besatzer. Doch auch die scheinen verstrickt in Sausans Verschwinden. Sobald beide Töchter zurück und gesund sind, will Khafaji nur eins – raus aus Irak. Weiterlesen

Braune Held*innen, große Literatur – ‘Das Paradies meines Nachbarn’ von Nava Ebrahimi und das weiße Feuilleton

von Maryam Aras

 

„In der Vagheit fühle ich mich geborgen“, lässt Nava Ebrahimi ihre Heldin Mona in ihrem ersten Roman Sechzehn Wörter sagen. Mona ist, wie die Autorin selbst, im Iran geboren und in Köln groß geworden. Anders als ihre Schöpferin ist Mona, 34, Ghostwriterin eines  Ghostwriters für Celebrity-Autobiographien. Als ihre Großmutter in Maschhad stirbt, reist sie mit ihrer Mutter in den Iran und eine roadmovieartige Geschichte, entlang erzählt an sechzehn persischen Wörtern und Redewendungen, nimmt ihren Lauf. Weiterlesen