Autor: Isabella Caldart

Was nicht tötet, härtet ab? Funktion von Vergewaltigung in aktuellen Serien

von Isabella Caldart

CN: Sexualisierte Gewalt

 

„Bist du deswegen so stark?“, fragt Ginny ihre Mutter Georgia in der Serie Ginny & Georgia, nachdem diese ihr gesagt hat, dass sie als Kind von ihrem Stiefvater vergewaltigt wurde. „Weil ich missbraucht wurde?“, fragt Georgia zurück. „Nein, ich bin keine Game of Thrones-Figur. Nein, ich wäre noch viel stärker gewesen, wenn mich der Mist nicht so viel Energie gekostet hätte.“

Vergewaltigung als Plot Device

In nahezu jedem Seriengenre gehört sexualisierte Gewalt zu den beliebtesten Hürden, die sich Drehbuchautor*innen für ihre Frauenfiguren ausdenken. Das ist von einem narrativen Standpunkt her nicht nur schade, machen es sich die Filme und Serien damit doch sehr leicht, es ist in zweierlei Hinsicht sogar höchst problematisch: Noch immer werden die Vergewaltigungen zumeist explizit gezeigt, obwohl es außer zu schockieren keinen Grund dafür gibt, schließlich könnten sie szenisch auch nur angedeutet werden. Und noch immer dient die Vergewaltigung einer Frau zumeist einem konkreten Ziel, das nichts mit der sexualisierten Gewalt selbst zu tun hat, sondern eine bestimmte Handlung ermöglichen soll, beispielsweise den Rachefeldzug der vergewaltigten Frau wie in den Kill Bill-Filmen. Manchmal geht es bei der Vergewaltigung nicht einmal um dem Plot der Frauenfigur, sondern um den männlichen Protagonisten, der seine Frau/Schwester/Tochter rächt. Nicht die Vergewaltigung an sich ist relevant, sie ist vielmehr ein Plot Device, das handlungsvorantreibende Mittel. Weiterlesen

Keine Schuldgefühle – Guilty Pleasures als notwendiger Eskapismus  

von Isabella Caldart

 

Unsere Guilty Pleasures haben eine wichtige Funktion – sie sind nicht nur spaßig, sondern helfen uns auch dabei, nicht an der Welt zu verzweifeln. Das Konzept des Guilty Pleasure ist etwas schwierig zu greifen, weniger der Definition wegen als der Terminologie: Viele Expert:innen wie Konsument:innen kritisieren den Begriff „Guilty“, weil er zum einen nah an der ermüdenden Debatte der Unterscheidung von sogenannter Hoch- und Unterhaltungskultur kratzt, was immer einen elitären Beigeschmack hat, und schlicht und ergreifend weil man sich für etwas, das Freude bereitet, nicht schuldig fühlen sollte. Weiterlesen

Wir sind hier, und ihr seid es auch – Ein Jahr nach Hanau

von Isabella Caldart

 

Hanau war kein Einzelfall. Wie rassistisch ist die deutsche Gesellschaft? Wie kann Schreiben nach Hanau aussehen? Was kann die Literatur für den antirassistischen Diskurs tun? Diesen und weiteren Fragen widmet sich das dreitägige „Wir sind hier“-Festival für kulturelle Diversität vom Literaturhaus Frankfurt in Kooperation mit der Bildungsstätte Anne Frank, das am Wochendende aus dem Literaturhaus Frankfurt und dem Kulturforum Hanau live gestreamt wird. Ein Bericht. Weiterlesen

When The Party’s Over – Warhols Kinder und das Ende von Manhattans Nachtleben

von Isabella Caldart

 

New York: Stadt der Tristesse? Erst vor einigen Tagen konnte man in der ZEIT lesen, die Corona-Pandemie habe New York in die achtziger Jahre zurückversetzt. Aus der „glitzernden Weltmetropole” sei wieder eine „eine entleerte, unterkühlte, vermüllte, gefährliche Kulisse” geworden. Aber was heißt das? Wie war New York in den Achtzigern? Eine Ahnung von dieser ambivalenten Stadt liefert die Geschichte der Club Kids, die damals das Manhattaner Nachtleben revolutionierten – bis Mitte der neunziger Jahre ein Mord die Szene beendete. Wie konnte es so weit kommen? Eine Geschichte von Drag, Drogen und Drano. In den Nebenrollen: Siri Hustvedt, RuPaul und Rudy Giuliani. Weiterlesen

Nord Verlag – Skandinavische Literatur abseits von Krimis

von Isabella Caldart

 

Und plötzlich war der kleine Verlag sehr präsent auf Instagram – spätestens mit dem Roman „Ich, Unica“ von Kirstine Reffstrup, der von zahlreichen Bookstagram-Accounts empfohlen wurde. Erschienen ist er im Nord Verlag, gegründet von der 29-jährigen Camilla Zuleger. Das Besondere am Nord Verlag: Er sitzt in Kopenhagen, blickt aber auf den deutschsprachigen Buchmarkt – Zuleger veröffentlicht skandinavische Literatur in deutscher Übersetzung. Wie und wieso sie das macht, erzählt sie im Interview mit 54books. Weiterlesen

Ein Zweiter Frühling – Der Verlag Voland & Quist verschiebt sein aktuelles Programm

von Isabella Caldart (@isi_peazy)

 

Dass Voland & Quist äußerst kreativ und zugleich resilient ist, hat der Verlag in der Vergangenheit bereits mehrfach bewiesen. 12 Prozent des Jahresumsatzes gingen im vergangenen Jahr durch die KNV-Insolvenz verloren – also stellte Voland & Quist kurzerhand eine Benefizveranstaltung auf die Beine. Ebenfalls letztes Jahr kündigte der Verlag ein außergewöhnliches Imprint an, das im Herbst 2020 mit dem ersten Programm an den Start geht: V&Q Books wird deutschsprachige Literatur ins Englische übersetzen und in Großbritannien vertreiben. Da wundert es wenig, dass sich Voland & Quist auch von der Coronakrise nicht in die Knie zwingen ließ und stattdessen den Zweiten Frühling ausrief (dem sich hoffentlich viele Verlage anschließen werden): Das Frühjahrsprogramm wird im Herbst erneut aufgelegt. Bereits einen Tag zuvor hatte der Elif Verlag auf Facebook angekündigt, das Frühjahrsprogramm zu schieben, und den Börsenverein und die Kurt Wolff Stiftung dazu aufgerufen, diese Idee zu verbreiten. In vielen weiteren Verlagen wird intern bereits diskutiert, ob und wie eine Programmverschiebung gehandhabt werden kann. Weiterlesen