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ZEIT online: Wochenmarkt oder Kommentare in Blogs

Auf der Seite der ZEIT fühle ich mich wohl! Es gibt nicht nur aktuelle Nachrichten, sondern hintergründige Informationen zu Kultur, Geschichte und Gesellschaft, aber auch kleinere Rubriken und z.B. auch Auszüge aus dem, sehr starken, ZEIT Magazin, u.a. die Rubrik “Wochenmarkt”. Hier werden in wöchentlicher Regelmäßigkeit Tipps und Rezepte zu Saisonalem gegeben. Auch innerhalb der ZEITeigenen Blogosphäre kann man viel entdecken. So bin ich zum Beispiel auch ein großer Freund des Rezeptorblogs, der “alltagstaugliche” Rezepte vorstellt, denn hin und wieder hat man eben nicht genug Zeit (Lust vielleicht doch) sich nach der Arbeit noch stundenlang in die Küche zu stellen.

Interessant ist aber, und das scheint bei Kochblogs besonders ausgeprägt, dass es kein Rezept gibt, bei dem nicht ein Aufschrei aus den Kommentaren ertönt.

“Das arme Lamm, welches hierfür umkommen musste”

“Nein danke: Ich verzichte auf die
Leber eines Lammes, welches
Qualen erleiden musste, bei jenem
unerträglich grausamen Schächten
nach islamischen „Ritus“.
Ansonsten: WANN ENDLICH wird
es in Deutschland ein Verbot geben,
für diese islamische Schlachtmethode
des Schächtens ??”
(Hier wurde scheinbar die Grass’sche Methode verwendet: einfach Sätze durch Absätze in kleine Abschnitte untergliedern – fertig ist das Gedicht) By the way: im Rezept stand natürlich nicht, dass man ein geschächtetes Lamm benötigt; kriegt man bei uns auf dem Markt auch gar nicht.

Und schon geht ein Kleinkrieg in den Kommentaren los. Die armen Tiere – ihr doofen Vegetarier dann lest doch keine Rezepte mit Fleisch – wir haben aber eine Mission – ich gehe aber zum Bio-Metzger – das Tier ist trotzdem tot usw. usf.

Erfrischend daher die Einleitung beim “Wochenmarkt”: http://www.zeit.de/2013/05/Wochenmarkt-Rote-Bete

Ähnlich stark dann nur noch die Verbesserungswünsche oder nur die Mäkeleien am Rezept, derer die mehr wissen, können oder nur so tun.

”Ich kann mir nicht helfen, aber Fisch und Speck passen einfach nicht zusammen. Sobald man irgendwo Speck dazu gibt, schmeckt alles einfach nur noch geräuchert und eben nach – Speck. […] Viel besser vorstellen könnte ich mir z.B. geröstetes Knäckebrot als Ersatz. Nicht so dominant, lässt dem Fisch und den Pilzen mehr Raum und bringt doch diese knackige Komponente mit rein.”

”Habe etwas gekörnte Gemüsebrühe dran gemacht”

”Habe es mit etwas Schmand verfeinert”

”Eine Prise Zucker – wirklich nur ein bisschen. Aber das gibt der Sauce das gewisse “Etwas”, den besonderen Kick, die Abrundung. Ein absolutes Muss!”

Einzige richtige Reaktion von Thorsten von Rezeptor zum Muschelrezept:

“Geschätzte Kommentierer/-innen, wenn einem die 100 ml Weißwein zu wenig erscheinen, macht man halt 200 ml oder 750 ml in den Topf, jeder nach seiner Façon.” Dass man es nicht immer unbedingt in die Welt posaunen muss, hat er nicht geschrieben.

Ich freue mich über alle Kommentare, was noch nicht allzu viele sind, und jeder sei herzlich dazu eingeladen, gerne auch streiten, denn Kommentare sind das Salz in der Suppe, um beim Thema zu bleiben, des Bloggens (starker Satz Smiley). Trotzdem gibt es doch manchmal den ein oder anderen Klugscheißer, dem man gerne …

Tilman Winterling

Tilman Winterling

Tilman Winterling berät als Rechtsanwalt Verlage, Autoren und andere Kreative im Urheber- und Medienrecht. Als Blogger hat er sich sowohl im Bereich der Literaturkritik als auch -vermittlung in der Branche einen Namen gemacht. Rechtsanwalt Winterling ist zudem als Jurymitglied (u.a. Hamburger Literaturförderpreise) und Moderator von Lesungen tätig, sowie gefragter Interviewpartner (u.a. Deutschlandfunk, Radio Eins), wenn es darum geht verständlich und unterhaltsam über rechtliche Themen und solche des Bloggens zu berichten.
Tilman Winterling

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2s Kommentare

  1. Raupe Nimmer-des Lesens-satt Raupe Nimmer-des Lesens-satt

    Ein kleiner Einwurf an dieser Stelle: Da ich das Privileg der Printausgabe der Zeit -und ihres wirklich überragenden Magazins- genieße, muss ich an dieser Stelle auch auf die Kolumne von Harald Martenstein aufmerksam machen und den Hinweis auf sein Buch “Gefühlte Nähe” geben. Zwar kein Klassiker, aber die 23 Episoden und das schlanke Format, eignen sich wunderbar als eine etwas andere Art von literarischem Intermezzo 🙂

    http://www.randomhouse.de/Buch/Gefuehlte-Naehe-Roman-in-23-Paarungen/Harald-Martenstein/e310380.rhd?mid=4&serviceAvailable=true&showpdf=false#tabbox

    • 54books 54books

      Wirklich eine wunderbare Kolumne! Ich kann im Gegenzug auch Martensteins “Der Titel ist die halbe Miete” empfehlen. Der Mann selbst ist doch inzwischen Klassiker oder?!

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