Schlagwort: Ukraine

Ein kummergebrandmarktes ukrainisches Lexikon

von Natalia Sadovnik

So lebe ich: als Affe unter Affen

echt kummergebrandmarkt, mit sündiger Stirn,

schleudre ich mich gegen steinharte Wände,

bin ihr Sklave, Sklave, niedrigster Knecht.

Mit gewichtstrunkenen Schritten und firm

paradieren indes die Affen und tun so behände. (Wassyl Stus)

Deutsche Talkshow-Gäste dürfte das besonders freuen: Um die Hintergründe des russischen Krieges gegen die Ukraine zu verstehen, müssten sie nicht einmal Deutschland verlassen. Beginnen können wir in Bad Ems, wo der russische Zar Alexander II einst seinen Spa-Urlaub verbrachte. Die Gedenktafel am Haus der Vier Türme erinnert immer noch an seinen Emser Erlass von 1876, der Bücher, Theaterstücke und Konzerte auf Ukrainisch verbot. Dreizehn Jahre zuvor hatte der Innenminister Pjotr Walujew Ukrainisch bereits aus wissenschaftlichen und religiösen Schriften im Russischen Kaiserreich verbannt. Es war nicht das erste Mal: Bereits Peter der Große hatte das Ukrainische in mehreren Druckereien untersagt, eine ähnliche Sprachpolitik verfolgte auch seine Tochter Ekaterina. 

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Echter Krieg, unsichere Bilder – Wahrnehmung und Erzählungen in Sozialen Medien

von Simon Sahner

„This is a Romeo Foxtrot. Shall we dance?“

Mit diesen Worten legt der sonnenbebrillte Lieutenant Colonel Kilgore einen Schalter am Tonbandgerät um und über den Lärm der rotierenden Flügel der Helikopter erklingt Richard Wagners „Walkürenritt“. Die sichtbar nervösen Soldaten schauen sich teilweise irritiert an, während die hymnischen Klänge scheppernd im Hintergrund zu hören sind. In der ikonischen Szene aus dem Kriegsfilm Apocalypse Now fallen in diesem Moment zwei Ebenen des Erzählens ineinander, die meistens voneinander trennbar sind, die von Form und Inhalt.

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