Schlagwort: Kunst

Ein hässliches Geschäft – Die Realität des Kunstdiebstahls

von Christina Dongowski

Arsène Lupin, Thomas Crown, Simon Dermott, Danny Ocean, Neal Caffrey – in der kulturellen Imagination ist der Raub und das Stehlen von Kunst- und Luxusobjekten eine Sache gut aussehender Männer in perfekt sitzenden Anzügen. (Sarah Black alias The Bishop in Red Notice von 2021, ist bisher eine der ganz wenigen Frauen im Business.) Ihre Motivation, sich als agil-eleganter Fassadenkletterer oder als Mastermind eines komplizierten Heists den  Kunstbesitz anderer Leute oder gleich die Kunstschätze einer Nation anzueignen, sind nicht einfach materieller Natur. Mindestens so wichtig sind die intellektuelle und sportliche Herausforderung, Sicherungssystem und Wächter zu überwinden, sowie der Trieb, dieses spezielle Objekt besitzen zu müssen. Kunstraub erscheint als von gutem Geschmack und ästhetischer Reizbarkeit geadelte Zwangsneurose oder als die eigentlich höchste Form des Sammelns. 

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Leben als Kunst und Kunst als Geschäft –  Andy Warhol wird erzählt

von Christina Dongowski

 

Als Anfang März die Museen in vielen Teilen Deutschlands für Besucher:innen wieder geöffnet wurden, brach das Ticketing-System des Museum Ludwig in Köln in kurzer Zeit zusammen. Die Server konnten den Ansturm von Menschen, die sich einen Zeit-Slot für die große Warhol-Ausstellung sichern wollten, nicht bewältigen. Man arbeite fieberhaft daran, das System wieder online zu bekommen. Mit so viel Interesse habe man einfach nicht gerechnet, verkündete das Museum etwas zerknirscht – den Glitch in der musealen Vermarktungsmaschine souverän für die Vermarktung der Ausstellung nutzend. Dass sich nach monatelangem erzwungenem Starren auf Bildschirme der Hunger nach „echten“ Bildern ausgerechnet in einer Warhol-Ausstellung austoben will (und kann), passt perfekt zu Warhols künstlerischer Auseinandersetzung mit der Ideologie und Metaphysik des Kunstwerks – es erscheint fast schon ein bisschen zu sehr „on the nose“. Weiterlesen

Ein sehr fälschbarer Künstler – der Fall Modigliani

von Christina Dongowski

 

London, August 1919: Der Weltkrieg geht noch zu Ende. In der Mansard Gallery, tatsächlich ein Mansarden-Geschoß im Kaufhaus Heale, findet aber bereits wieder eine Ausstellung aktueller französischer Kunst statt. Organisiert und finanziert von den Brüdern Osbert und Sacheverell Sitwell, Weltkriegsveteranen, die mit der Ausstellung ihre Karriere als Kunst- und Literaturkritiker, Schriftsteller und exzentrische Figuren des englischen Kulturbetriebs beginnen. Ausgestellt werden fast alle französischen, oder besser Pariser Künstler*innen, die heute zum Kanon der Modernen Kunst und der Avantgarde(n) gehören. In den Londoner Zeitungen und Zeitschriften wird ausführlich über die Ausstellung berichtet. Weiterlesen