Schlagwort: Dystopie

Über die Zukunft

von Shida Bazyar und Emma Braslavsky

Emma: Als Kind dachte ich, Zukunft sei ein ferner Ort, so wie ein Briefkasten auf dem Mond, an den ich meine Träume und Sorgen adressieren konnte. Ich empfand Zukunft als Wohltat, weil ich dort oft meinen Kram loswurde, mit dem ich mich gerade nicht beschäftigen wollte. Zukunft war mir mehr Trost als Herausforderung, mehr Abenteuer als Vision. Das änderte sich, als ich im Teenager-Alter war. Plötzlich wurde Zukunft für mich immer dort sichtbar, wo Menschen scheiterten.

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Gesundheit! – Über Juli Zeh und über Juli Zeh über Juli Zeh

von Matthias Warkus

Die Pandemie ist irgendwie von Amts wegen beendet, und allmählich weicht auch das große Kopfschütteln und Händeringen über die Reaktionen der Intellektuellen einer Art Rückschau. Vielleicht nicht der schlechteste Zeitpunkt, um auf etwas zurückzuschauen, was selbst eine Rückschau ist. Im Juli 2020 veröffentlichte die Brandenburger Landesverfassungsrichterin Juli Zeh ein enorm ungewöhnliches Buch namens »Fragen zu Corpus Delicti« (btb, München; im Folgenden zitiert unter F). Cover des Buchs »Fragen zu Corpus Delicti«Ungewöhnlich ist nicht nur die Form – es handelt sich um ein Selbstinterview, ein Format, das man in Deutschland hauptsächlich von der dezent cringigen taz-Kolumne »Die Woche« von Friedrich Küppersbusch kennt, nur eben mit buchfüllender Länge. Ungewöhnlich ist zudem der Gegenstand, das Buch bietet nämlich erschöpfende Erläuterungen zu Zehs Roman Corpus Delicti von 2009, gerichtet »an Schüler und Studenten« (F10). Die Autorin liefert Lehrenden und Lernenden direkt die Sekundärliteratur für ihr eigenes fantastisch erfolgreiches, bis 2019 allein 380.000-mal verkauftes und vielerorts zur Schullektüre gewordenes (F188) Werk. Der Rückentext spricht unbescheiden von einem »unverzichtbare[n] Begleitbuch«. Weiterlesen

Das Unabwendbare schreiben – Vom Erzählen der Klimakatastrophe

von Fabius Mayland

Wie schreibt man Literatur über Umweltschutz und katastrophalen Klimawandel? Das Thema ist mittlerweile überaus relevant, und Literatur hat regelmäßig den Anspruch, auf irgendeine Art relevant zu sein. In den USA gibt es seit nunmehr mindestens fünfzig Jahren eine ökologisch orientierte Untergattung speziell des Science-Fiction-Genres, aus der sich auch beträchtliche Teile des neueren Begriffs climate fiction oder cli-fi erschließen. Doch die Klimakatastrophe setzt auch der Science-Fiction eine Grenze.

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