Schlagwort: Digitalität

„Everything Everywhere All at Once“ – Der Film, der das Internet versteht

von Titus Blome

Ohne es zu erwähnen, zeichnet Everything Everywhere All At Once ein buntes doch pessimistisches Bild des Internets – und ist glorreich darin. Der SciFi-Film des Regieduos »Daniels« (Daniel Kwan und Daniel Scheinert) gibt sich als Kaleidoskop unterschiedlichster Szenerien, Charaktere und Emotionen. In rasanter Abfolge ist der Film tragisch, lustig, eklig, flach und tiefgründig. Um die halsbrecherische Geschwindigkeit und absurde Ästhetik des Films zu genießen, darf man sich nicht dagegenstemmen: Es heißt zurücklehnen und mitreißen lassen.

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Von Memes und Menschen – In den Tiefen von 4chan

von Titus Blome

Memes sind längst die dominante Kulturform des Internets. Bilder, Sprüche, Tänze, das Soziale selbst. Alles ergibt sich der strukturellen Logik der Imitation und Mutation, die Memes kennzeichnet. Der Ursprung eines Memes verliert sich dabei unter zahllosen Ebenen (layern) aus Ironie und Post-Ironie, Referenz und Remix bis niemand mehr bis auf den Grund hinabblicken kann. Die Autor*in eines Memes setzt keinen Akt göttlicher Eingebung um, sondern zeichnet sich dadurch aus, verschiedene Beziehungsebenen möglichst geschickt in eine Einheit zu schichten. Um mir geschicktere Worte bei Roland Barthes zu leihen: Ein Text Meme ist ein Gewebe von Zitaten aus unzähligen Stätten der Kultur. Kein Meme entsteht aus dem Nichts. Es ist immer Imitation und Remix von schon Bestehendem – strukturell oder inhaltlich.

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Pixel machen Leute? Überlegungen zu den Potenzialen und Grenzen digitaler Mode

von Katharina Walser

Im Sinne seiner sprachlichen Wurzeln im lateinischen Wort modus, bezeichnet auch der heutige Modebegriff die “Art und Weise”, in der ein Zeitgeist oder eine Lebensweise in der Kultur zum Ausdruck kommt. Er bezieht sich auch auf die Bereiche der Kunst, der Literatur und der Sprache. Häufiger wird er im Alltag jedoch mit dem Auftreten im gesellschaftlichen Raum gleichgesetzt – er meint also zumeist die Formen unserer Garderobe, unserer Kleidung. Die Art und Weise wie diese Garderobe in Erscheinung tritt, drückt inzwischen einen fundamentalen Wandel aus. Ein Wandel, den unsere Lebenswirklichkeit und ihre Ausdrucksformen bereits seit geraumer Zeit aufgrund ihrer zunehmenden Digitalisierung durchlaufen und der in den vergangenen Jahren immer wieder in der Kunst und Literatur in Erscheinung getreten ist. Im Falle unserer Kleidung offenbart er sich nun im Phänomen der “digital Fashion”. 

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Der Stoff aus dem Meme-Träume sind – Deepdive in die digitale Kultur

von Simon Sahner

Manchmal ist es erst einmal nur eine Ahnung, ein Aufscheinen von bestimmten Schlagwörtern im unübersichtlichen Feed der Twitter Timeline oder im endlosen Strom von TikTok-Videos. Begriffe oder Namen werden wiederholt genannt, etwas, das viele beschäftigt, ist aufgetaucht. In den Kommentaren zu Tweets wird über etwas gesprochen, was auf den ersten Blick nicht greifbar erscheint. Beim Durchscrollen erfüllt einen das gleiche Gefühl wie, wenn man sich zu einer Gruppe dazu setzt, die sich seit längerer Zeit unterhält. Alle teilen ein Wissen, das man sich selbst erst erschließen muss, bevor man selbst ins Gespräch einsteigen kann. „wie heisst das ding auf dem zuckerberg steht und wo kann ich das machen“, fragt @chr_eichler. @scheeewittchen schreibt „mark zuckerberg hat das meer angez“, „Ja, das ist echt ein Video von und mit Mark Zuckerberg und die Musik war auch schon drin“ (@derlampenputzer). Wenige Klicks weiter habe ich das Video gefunden, das Mark Zuckerberg zur Feier des amerikanischen Nationalfeiertags am 04. Juli 2021 auf Instagram veröffentlicht hat. Es zeigt den Facebook-Gründer auf einem elektrischen Surfbrett vor einem bewölkten Abendhimmel. In der Hand hält er eine amerikanische Flagge, die im Fahrtwind flattert, musikalisch unterlegt ist das Video mit dem Pop-Country-Klassiker „Country Roads“. Innerhalb von Stunden haben Twitternutzer*innen das Video tausendfach geteilt und in ein Meme verwandelt. Besonders häufig wird dabei auf das Video einer beschädigten Öl-Pipeline Bezug genommen, das vor allem ein brennendes Loch im Meer im Golf von Mexiko zeigt und das in den ersten Julitagen omnipräsent in sozialen Medien war. „Mark Zuckerberg einf auf dem Weg das Feuer im Meer zu löschen“ (@avocadogucci)

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