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Wie liest Du, Sophie?

In „Wie liest Du?“ stellen in regelmäßig unregelmäßigen Abständen Kritiker, Autoren und Verlagsmitarbeiter, Blogger, Vielleser und Buchhändler ihre Art des Lesens vor. Hier geht es nicht um einzelne Inhalte, sondern vielmehr um die Technik sich ein Buch zu erarbeiten – den Akt des Lesens von außen betrachtet.

1. Überspringst Du einzelne Stellen – gar Kapitel – oder liest Du ein Buch, wenn dann komplett?

Wenn ich ein Buch lese – in der Absicht, es danach zu besprechen, was ja mittlerweile auf den Großteil meiner Lektüre zutrifft –, lese ich es komplett! Andernfalls erschiene es mir nicht rechtens, eine Bewertung über etwas abzugeben. Entweder, ich habe es mir ganz angesehen und kann mir anhand des ganzen Werkes ein Urteil bilden oder ich kenne nur Fragmente, dann muss ich damit rechnen, dass mir wichtige Dinge unbekannt sind und mein Urteil wäre halbherzig. Einzige Ausnahme: Anthologien, die in sich abgeschlossene Texte beinhalten.

2. Schummelst Du und springst vor, um das Ende schneller zu erfahren?

Nein. Ich bin da allerdings auch nicht so hibbelig. Das Ende kommt schon früher oder später, ich hab’s da nicht eilig.

3. Nutzt Du Lesezeichen (immer dasselbe/andere?) oder legst Du ein Buch offen auf die Nase?

Ich habe zwar Lesezeichen, verlege sie aber regelmäßig. Das ist ein bisschen wie mit Socken oder mit Feuerzeugen bei Rauchern. Man hat eine Menge davon, man weiß bloß nicht wo. Meistens müssen dann Post-It-Zettel herhalten. Oder ich lege das Buch eben mal offen hin. Ich finde das nicht so dramatisch wie viele andere.

4. Liest Du Taschenbücher einseitig, wie ein Magazin, indem Du das Cover komplett umklappst?

Nein. Weniger aus Rücksicht vor dem Buch als aus ästhetischen Gründen. Es sieht irgendwie blöd und beiläufig aus.

5. Liest Du lieber kurze oder lange Kapitel?

Das hängt ganz vom Buch und dem Schreibstil ab. Wenn mich ein Buch fesselt,ist es völlig gleichgültig, wie lang oder kurz die Kapitel sind, da bleibe ich ganz automatisch am Ball. Bei solchen, mit denen man etwas mehr kämpfen muss, sind mir kurze Kapitel schon lieber, – zum Durchschnaufen und für das Gefühl, voranzukommen. Es hat wahrscheinlich jeder von uns schon Bücher gelesen, bei denen er das Gefühl hatte, trotzdem man jetzt drei Stunden drübergesessen hat, ist man nicht weitergekommen.

6. Markierst Du? Mit Bleistift, Marker, Klebezettel, einfach die entsprechende Seite umknicken oder schreibst du lieber Stellen raus?

Ich markiere mit farbigen Post-It Zetteln Textstellen, die mir interessant erscheinen und die ich gegebenenfalls für die spätere Besprechung verwenden will. Allerdings entferne ich die Zettel nach Beendigung und Besprechung, weil ich es irgendwie unansehnlich finde, in meinem Regal zahllose Bücher mit bunten Zettelchen stehen zu haben.

7. Schaust Du ältere Lektüre nochmal nach markierten Stellen durch?

Siehe oben, – wenn die Zettel erst einmal raus sind, kann ich das nicht mehr. Allerdings glaube ich auch, dass man bei Romanen nach Beendigung der Lektüre seltener alte Textstellen sucht. Bei Sach – und Fachbüchern ist das anders, da markiere ich auch.

8. Welches ist das (nichtwissenschaftliche) Buch, in dem Du am meisten markiert hast?

Ich kann das nicht mehr nachprüfen, aber die Känguru-Bücher von Marc-Uwe Kling waren schon ziemlich bunt. Insgesamt bleiben bei mir aber nicht bestimmte Stellen haften. An denen erfreue ich mich bei der Lektüre, was aber bleibt, ist ein Gesamteindruck, den ich auch nach langer Zeit noch abrufen kann.

9. Deine liebste markierte Stelle:

Siehe oben, Zettelchen sind raus.

10. Benutzt Du einen eReader? Als Ergänzung zum Gedruckten – ausschließlich – gar nicht?

Ich plane jedenfalls, mir einen E-Reader anzuschaffen. Schon allein aus Platzgründen, meine Wohnung ist begrenzt. Ich schließe das jedenfalls nicht mehr kategorisch aus. Ich muss mich bloß noch für ein Modell entscheiden und sparen.

haareab12-292x300Sophie Weigand ist ausgebildete Buchhändlerin und bloggt auf Literaturen über Graphic Novels, Klassiker und Gegenwartsliteratur. Sie ist Teil der Bloggerinitiative We Read Indie und beschäftigt sich auf Ein Achtel Lorbeerblatt mit Liedermachern und Chansoniers.

Tilman Winterling

Tilman Winterling

Tilman Winterling berät als Rechtsanwalt Verlage, Autoren und andere Kreative im Urheber- und Medienrecht. Als Blogger hat er sich sowohl im Bereich der Literaturkritik als auch -vermittlung in der Branche einen Namen gemacht. Rechtsanwalt Winterling ist zudem als Jurymitglied (u.a. Hamburger Literaturförderpreise) und Moderator von Lesungen tätig, sowie gefragter Interviewpartner (u.a. Deutschlandfunk, Radio Eins), wenn es darum geht verständlich und unterhaltsam über rechtliche Themen und solche des Bloggens zu berichten.
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