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Wo sind die Buddenbrooks?

wo-sind-die-buddenbrooks.jpg Und andere juristische Anekdoten aus der Weltliteratur von Jürgen Seul habe ich entgegen meiner Ankündigung doch erst nach Anna Karenina fertig gelesen.

Bei dem Buch handelt es sich, wie schon gesagt (s.o.), um eine Sammlung von 16 Essays über Momenten in denen Juristen Weltliteratur geschaffen haben, Literaten mit der Justiz in Konflikt kam oder auch Bücher, über die vor Gericht verhandelt werden mussten. Jeder der vier Kategorien der Essays ist eine kurze Einführung vorangestellt, die etwas allgemeiner und mit vielen weiteren Beispielen, die vielleicht keine mehrseitige Bearbeitung hergaben, auf das Kommende einleitet. Viele die in der deutschen Literatur Rang und Namen haben, werden erwähnt und häufig weiß der Autor auch wirklich Kuriositäten zu berichten. Interessant z.B. die Entstehungsgeschichte der Dreigroschenoper von Bert Brecht und dessen Umgang mit Plagiaten (einfach plagiieren, wird schon keiner merken). Für den Nichtjuristen hier auch eine kurze, aber lehrreiche, Einführung in  “Was ist ein Plagiat”, was auch manchem Juristen als Lektüre guttäte/gut getan hätte (K.T.z.G.). Insgesamt handelt es sich um eine Sammlung kurzer und gutlesbarer Geschichten aus einem interessantem (eben juristischen) Blickwinkel. Dass Herr Seul eben auch Jurist ist, merkt man hin und wieder, wenn allzu sehr auf Formulierungen des Bundesverfassungsgerichts zurückgegriffen wird und diese dann etwas in der Luft hängen. Dies ist zumindest bei dem Artikel über den “Fall Heinrich Böll”, wo es um die Abgrenzung Satire – Schmähkritik geht und man sich doch argumentativ arg im Kreis dreht, ein Schwachpunkt. Guter Ausgleich dagegen die Aufarbeitung der (posthumen) Fehde Klaus Mann/Gustaf Gründgens. Hier wird die berühmte “Mephisto”-Entscheidung des BVerfG schön eingearbeitet. Absoluter Klassiker in der Juristenausbildung, aber auch für den Laien interessant und wer sich nicht das gesamte Urteil zu Gemüte führen möchte, bekommt hier eine schöne Einführung.

In der Summe handelt es sich hier um eine schöne Sammlung kleiner Lehrstück der Marke “Hätten Sie’s gewusst”, die auch, quatsch, gerade für Nichtjuristen, interessant ist. Die 24,90 €, wenn man nicht gebraucht irgendwo zuschlägt, sind hierfür allerdings ein stolzer Preis.

Tilman Winterling

Tilman Winterling

Tilman Winterling berät als Rechtsanwalt Verlage, Autoren und andere Kreative im Urheber- und Medienrecht. Als Blogger hat er sich sowohl im Bereich der Literaturkritik als auch -vermittlung in der Branche einen Namen gemacht. Rechtsanwalt Winterling ist zudem als Jurymitglied (u.a. Hamburger Literaturförderpreise) und Moderator von Lesungen tätig, sowie gefragter Interviewpartner (u.a. Deutschlandfunk, Radio Eins), wenn es darum geht verständlich und unterhaltsam über rechtliche Themen und solche des Bloggens zu berichten.
Tilman Winterling

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Folge 54books.

3s Kommentare

  1. Sehr spannend, hatte es ja schon in der Hand und bin nun vollends überzeugt: Das Teil muss ich haben. Auch (und gerade) aufgrund des erschreckenden Umstands, dass ich beim Lesen der Rezension beim Stichwort “Mephisto” erstmal ein paar Augenblicke überlegen musste, bis ich drauf kam, um was es dabei nochmal ging…für den literarisch interessierten Juristen somit wohl auch zur Auffrischung geeignet.

    • 54books 54books

      Du als Mann vom Fach kannst ja auch erstmal das Mephisto-Urteil lesen und rezensieren, Link steht ja oben 🙂

  2. 54books 54books

    Ich bringe es Dir mal mit..
    Einzelne Essays, die einen nicht interessieren darf man auch ruhig überspringen, finde ich 😉

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