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Wie liest Du, Philipp?

Tilman Winterling

Tilman Winterling

Tilman Winterling berät als Rechtsanwalt Verlage, Autoren und andere Kreative im Urheber- und Medienrecht. Als Blogger hat er sich sowohl im Bereich der Literaturkritik als auch -vermittlung in der Branche einen Namen gemacht. Rechtsanwalt Winterling ist zudem als Jurymitglied (u.a. Hamburger Literaturförderpreise) und Moderator von Lesungen tätig, sowie gefragter Interviewpartner (u.a. Deutschlandfunk, Radio Eins), wenn es darum geht verständlich und unterhaltsam über rechtliche Themen und solche des Bloggens zu berichten.
Tilman Winterling

In „Wie liest Du?“ stellen in regelmäßig unregelmäßigen Abständen Kritiker, Autoren und Verlagsmitarbeiter, Blogger, Vielleser und Buchhändler ihre Art des Lesens vor. Hier geht es nicht um einzelne Inhalte, sondern vielmehr um die Technik sich ein Buch zu erarbeiten – den Akt des Lesens von außen betrachtet.

Heute mit Philipp Spreckels von Comic Kladde.

Der Literaturblog “Comic Kladde” beschäftigt sich mit aktuellen Comics und Graphic Novels. Was den Blog von vielen anderen unterscheidet: Statt kurzer Texte experimentiert Philipp Spreckels mit langen Interviews, essayistischen Analysen und versieht seine Artikel zum Teil auch mit selbst gestalteten (Info)Grafiken.

1. Überspringst Du einzelne Stellen – gar Kapitel – oder liest Du ein Buch, wenn dann komplett?

a. Viel schlimmer. Ich lese als Erstes immer den letzten Satz eines Romans. Manchmal führt das zu interessanten Verwirrungen, da mir häufig der Kontext zur korrekten Interpretation der Informationen fehlt. Schuld ist also eher die Lust an der Verwirrung als das nicht-aushalten-können der Spannung. Bei Comics ist es anders: Da die letzte Seite meist sehr viel verrät, spare ich sie mir bis zum Schluss auf.

b. Es gibt jedoch auch Buchteile, die ich regelmäßig überspringe. So ignoriere ich die bei Graphic Novels häufig vorangestellten Vorworte und Grußworte bewusst, um mir zunächst ein eigenes Bild von der Geschichte zu machen … bevor ich mich mit den Interpretationen und Lobeshymnen Dritter beschäftige.

2. Schummelst Du und springst vor, um das Ende schneller zu erfahren?

a. Wenn der letzte Satz nicht zählt … nein. Ich brauche Zeit und Muße zum Lesen von Romanen. Wenn ich Texte überfliege oder quer lese, hinterlässt das bei mir immer einen schalen Beigeschmack. Das Gefühl, etwas verpasst zu haben oder spätere Stellen nicht entziffern zu können, ist mir unangenehm. Lieber breche ich einen Roman ab, als ein Kapitel zu überspringen.

b. Beim Comic ist es wieder anders. Es kann durchaus vorkommen, dass mich ein Comic auf der grafischen Ebene überzeugt, die Texte jedoch enttäuschen. So habe ich festgestellt, dass ältere Comicgeschichten, wie Jim Sterankos S.H.I.E.L.D., von ganz anderen Seh- bzw. Lesegewohnheiten ausgehen. Wenn mich ein Comic genügend frustriert, ignoriere ich die Sprechblasen und lese die Story nur auf der Bildebene zu Ende.

3. Nutzt Du Lesezeichen (immer dasselbe/andere?) oder legst Du ein Buch offen auf die Nase?

Ich benutze das, was gerade zur Hand ist: Zeitungsschnipsel, Quittungen, Notizblätter, Postkarten, Bonbonpapier. Wenn es sich nicht gerade um eine schöne Hardcoverausgabe oder einen Comic handelt, schrecke ich auch vor Eselsohren nicht zurück. Man sieht: Im Gegensatz zu einfachen Taschenbüchern haben Comics für mich fast immer etwas Bibliophiles an sich.

4. Liest Du Taschenbücher einseitig, wie ein Magazin, indem Du das Cover komplett umklappst?

Auch wenn ich für viele Eselsohren verantwortlich bin: Das Umklappen bringe ich nicht übers Herz.

5. Liest Du lieber kurze oder lange Kapitel?

Ich bevorzuge gute Kapitel.

6. Markierst Du? Mit Bleistift, Marker, Klebezettel, einfach die entsprechende Seite umknicken oder schreibst du lieber Stellen raus?

a. Das kommt ganz darauf an, wofür ich im lese. Wenn ich ein Buch nur für den eigenen Genuss aufschlage, notiere ich mir nur selten ein paar Stichworte in meiner Kladde oder speichere sie auf meinem Smartphone ab. Für die lebhaften Diskussionen im Comiclesekreis greife ich oft auf Klebezettel zurück. Um bei 20-30 Notizen pro Comic schnell fündig zu werden, versehe ich die Zettel meist mit kleinen Piktogrammen und Symbolen.

b. Wenn ich einen Comic auf meinem Blog besprechen möchte, liegt meine Kladde immer griffbereit. Hier notiere ich mir einzelne Passagen, Seitenzahlen, fertige kleine Skizzen an und schreibe Ideen nieder die mir beim Lesen kommen. Aus diesem Fundus entstehen in Verbindung mit meinem Laptop später allmählich die Artikel für die Comic Kladde.

7. Schaust Du ältere Lektüre nochmal nach markierten Stellen durch?

Nicht so, wie Du denkst. Wenn ein Wälzer in meinen Besitz gelangt, notiere ich auf der ersten leeren Seite immer drei Dinge: wann, wo und ggf. warum ich mir das Buch gekauft habe oder wer es mir geschenkt hat. So kann ich später noch mal nachschauen, in welchem Urlaub ich “Der Name der Rose” gelesen habe oder wo ich “Jimmy Corrigan” gekauft habe.

8./9.

10. Benutzt Du einen eReader? Als Ergänzung zum Gedruckten – ausschließlich – gar nicht?

Noch nicht. Die aktuellen Geräte stellen mich, was Größe und Flexibilität aber auch was den Datenschutz anbelangt, noch nicht zufrieden. Außerdem fehlt mir der Geruch. So ein nach Druckerschwärze duftendes Buch / Comic, das hat schon was Sinnliches an sich.

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