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Wie lesen Sie, Michael Maar?

Tilman Winterling

Tilman Winterling

Tilman berät als Rechtsanwalt Verlage, Autoren und andere Kreative im Urheber- und Medienrecht. Als Blogger hat er sich sowohl im Bereich der Literaturkritik als auch -vermittlung in der Branche einen Namen gemacht. Rechtsanwalt Winterling ist zudem als Jurymitglied (u.a. Hamburger Literaturförderpreise) und Moderator von Lesungen tätig, sowie gefragter Interviewpartner (u.a. Deutschlandfunk, Radio Eins), wenn es darum geht verständlich und unterhaltsam über rechtliche Themen und solche des Bloggens zu berichten.
Tilman Winterling

In „Wie liest Du?“ stellen in regelmäßig unregelmäßigen Abständen Kritiker, Autoren und Verlagsmitarbeiter, Blogger, Vielleser und Buchhändler ihre Art des Lesens vor. Hier geht es nicht um einzelne Inhalte, sondern vielmehr um die Technik sich ein Buch zu erarbeiten – den Akt des Lesens von außen betrachtet. Heute mit Michael Maar.

1. Überspringen Sie einzelne Stellen – gar Kapitel – oder lesen Sie ein Buch, wenn dann komplett?

Kapitel überspringen nein; anblättern ja, komplett lesen nicht immer.

2. Schummeln Sie und springen vor, um das Ende schneller zu erfahren?

Ab und zu blättere ich vor oder schaue ich mir den Schlußsatz an.

3. Nutzen Sie Lesezeichen (immer dasselbe/andere?) oder legen Sie ein Buch offen auf die Nase?

Ein Filz- oder Bleistift, mit dem ich auch markiere, dient als Lesezeichen.

4. Lesen Sie Taschenbücher einseitig, wie ein Magazin, indem Sie das Cover komplett umklappen?

Nein.

5. Lesen Sie lieber kurze oder lange Kapitel?

Im Prinzip eher kurze, aber dieses Prinzip duldet Ausnahmen; bei Proust können sie ruhig lang sein. In Màrquez „Herbst des Patriachen“ hätten sie kürzer sein können.

6. Markieren Sie? Mit Bleistift, Marker, Klebezettel, einfach die entsprechende Seite umknicken oder schreiben Sie lieber Stellen raus?

Immer; das ist das Los des Pedanten. Ich korrigiere sogar Druckfehler. In Sloterdijks neuem Buch – siehe unten – steht in der Fußnote auf S. 100 „Frankfurt an Main“. – Im besseren Fall markiere ich mit Bleistift, im Regelfall rücksichtslos mit dem endemischen Stabilo point 88. Natürlich nicht bei Klassikerausgaben.

7. Schauen Sie ältere Lektüre nochmal nach markierten Stellen durch?

Wenn ich die Bücher zur Hand nehme, stoße ich unweigerlich auf sie. Erschreckend, wieviel man vergißt. Befriedigend, wie man sich wiedererkennt.

8. Welches ist das (nichtwissenschaftliche) Buch, in dem Sie am meisten markiert haben?

Aus der letzten Zeit: Sloterdijks „Die schrecklichen Kinder der Neuzeit“, Canettis Buch über den Tod und Jim Holts „Why does the World exist?“.

9. Ihre liebste markierte Stelle:

Aus der Studie Jim Holts: Bertrand Russell wird in seiner Vorlesung über Kosmologie von einer älteren Zuhörerin unterbrochen: Was Russel da erzähle, sei Nonsense, die Erde werde von einem riesigen Elefanten getragen, der auf dem Rücken einer Schildkröte stehe. Auf Russells milde Gegenfrage, worauf denn die Schildkröte ihrerseits ruhe, erwidert die Dame: It’s turtles all the way down!

10 .Benutzen Sie einen eReader? Als Ergänzung zum Gedruckten – ausschließlich – gar nicht?

Nope.

Michael Maar, geboren 1960 in Stuttgart, veröffentlichte u.a. Bücher über Thomas Mann, Vladimir Nabokov, Harry Potter und Marcel Proust, erhielt zahlreiche Preise, u.a. den Heinrich-Mann-Preis der Berliner Akademie der Künste. Er lebt als freier Autor in Berlin. 2012 erschien bei C.H.Beck sein erster Roman “Die Betrogenen” und 2013 “Heute bedeckt und kühl. Große Tagebücher von Samuel Pepys bis Virginia Woolf”. Kurzem erschien ebendort “Tamburinis Buckel. Meister von heute”.

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3s Kommentare

  1. Nichtwissenschaftliches Buch? – Sloterdijks „Schreckliche Kinder der Neuzeit“…

    • 54books

      Ich käme, abgesehen vom Genre, gar nicht auf die Idee das zu lesen 😉

  2. Die Russel-Anekdote finde ich gut. Ob die Frau wohl zu viel Terry Pratchett gelesen hat?

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