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Ich fahre nicht in den Urlaub – ich komme nach Hause.

Petra von Philea’s Blog hat eine Serie namens “Bücherkoffer”. Seit zwei Jahren dürfen hier diverse “Internet-Bücher-Menschen” ganz nach ihrer Vorliebe sich einen fiktiven oder realen Koffer voller Bücher packen, natürlich vermehrt zur Urlaubszeit. Den 17. der Reihe durfte ich befüllen und habe hierzu den folgenden Text, natürlich mit dem Verweis auf Euer Mitbestimmungsrecht, an Petra geschickt:

IMG_20140807_101944Jeden Sommer meines Lebens war ich dort. Seit über 25 Jahren verbringe ich meinen Urlaub an der Ostsee. Ich kenne es nicht anders, ich kann schon lange nicht mehr anders. So wie mein Leben vom Lesen bestimmt wird, sind mit diesem Ort zwangsläufig vielfältige Leseerinnerungen verknüpft. Mein erstes Buch habe ich hier alleine gelesen: Fünf Freunde und das Burgverlies, in der Version, die bereits meine Mutter als Kind las. Ein Erweckungserlebnis!

Lesen im Urlaub ist Familienpflicht. Teilweise mussten wir für die dreiwöchige Sommerfrische, trotz Kombi, ein Buchpaket von der Heimat- an die Urlaubsadresse schicken. Denn an einem Ort, den man bereits vor Jahren vollständig erkundet hat, wurde und wird häufig tagelang nichts anderes unternommen als zu lesen. „Wir haben immer draußen gespielt, nur Tilman hat gelesen“, so beschrieb neulich ein alter Urlaubsfreund meine Kindheit im Sommer. In Hohwacht, so der Name dieser, meiner Ostseeperle, hatte ich endlich Zeit mich, nur unterbrochen von Essen, Schlafen und geringer sozialer Interaktion, meiner Lektüre zu widmen. Waren es in jungen Jahren ganze (Jugendbuch-)Serien die ich am Stück las (die Bücher um Berts Katastrophen, Artemis Fowl oder Walter Moers), habe ich mich in den letzten Jahren auf das konzentrierte Studium von Klassikern verlegt: Faust will mehrfach durchgearbeitet sein, um ihn ansatzweise zu erfassen, Krieg und Frieden in der Neuübersetzung von Barbara Conrad braucht mit über 2000 Seiten Aufmerksamkeit am Stück, ebenso Moby Dick im letzten Jahr, das ich mit Sicherheit nicht so konsequent zu Ende gelesen hätte, wäre mir die Lektüre durch Alltag zerstückelt worden.

Weil ich nun aber zu viele große Klassiker im Regal stehen habe, lasse ich seit letztem Jahr die Leser meines Blogs über meine Urlaubslektüre abstimmen. Den ersten großen Stapel mit rund 15 potenziellen Werken habe ich auf 6 eingeschmolzen, aus denen man noch bis zum 16.8. wählen kann.

Zur Auswahl stehen:

Welcher Klassiker soll dieses Jahr meine Urlaubslektüre werden?

  • Der Mann ohne Eigenschaften - Robert Musil (24%, 24 Votes)
  • Der Idiot - Fjodor Dostojewskij (24%, 24 Votes)
  • Leben und Ansichten von Tristram Shandy - Laurence Sterne (18%, 18 Votes)
  • Rot und Schwarz - Stendhal (18%, 18 Votes)
  • Doktor Faustus - Thomas Mann (9%, 9 Votes)
  • Dichtung und Wahrheit - Johann Wolfgang Goethe (8%, 8 Votes)

Total Voters: 101

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SONY DSCMeinen Bücherkoffer lasse ich also fremdbestimmt packen. Definitiv mitnehmen werde ich aber die erst zu 25 % gelesene Hitler-Biographie von Volker Ullrich und, hierfür stehen Carver und James nur als Beispiele, amerikanische Erzähler, denn ich habe ein Kurzgeschichtenphase: John Cheever ist schon geordert, Richard Yates wird folgen, John Updike auch noch eingepackt – alles als Snack zwischen dem noch zu wählenden Wälzer und A.H.

Hier geht es zum Beitrag auf Petras Seite.
Hier geht es zur Homepage meiner Feriendomizile.

Tilman Winterling

Tilman Winterling

Tilman Winterling berät als Rechtsanwalt Verlage, Autoren und andere Kreative im Urheber- und Medienrecht. Als Blogger hat er sich sowohl im Bereich der Literaturkritik als auch -vermittlung in der Branche einen Namen gemacht. Rechtsanwalt Winterling ist zudem als Jurymitglied (u.a. Hamburger Literaturförderpreise) und Moderator von Lesungen tätig, sowie gefragter Interviewpartner (u.a. Deutschlandfunk, Radio Eins), wenn es darum geht verständlich und unterhaltsam über rechtliche Themen und solche des Bloggens zu berichten.
Tilman Winterling

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Folge 54books.

6s Kommentare

  1. Schön, dass du mitgemacht hast : ) Ich freue mich, dass die Serie rechtzeitig zur Feriensaison wieder so viele Fans gefunden hat! Liebe Grüße
    Petra

  2. Lieber Mr. 54 – Booktraveller Tilman,

    war eine Freude, Deinen aktuellen Beitrag zu lesen. Gehöre ich doch seit ebenfalls über 25 Jahren in dieses, Dein buch-orientiertes Setting, zunächst als Sohn der Vermieterin, die Dir und Deiner Familie zunächst die schon mit Bücher ausgestatteten Hotel-Wohnungen vermietet hat. Und dann, nach Übernahme eines wunderbaren, kleinen, reetgedeckten, alleinstehenden, von 10.000-en von Quadratmetern Naturland mit direktem Zugang zum Strand lokalisierten Ferienhauses zum Begleiter, vieljährigen Begleiter Deiner “Lesereisen” der anderen Art. Und noch einen draufgesattelt: Deine Mutter hat nicht nur Dich geprägt, sondern in ihrer unnachahmlichen Lesewut auch mich angestachelt, eine hauseigene Bibliothek aufzubauen, immer wieder aufzustocken, und auch wieder auszusortieren.

    Dein Blog ein literarischer, aber noch kein kommerzieller Blog: Ansonsten würde ich jetzt die Webseite genau dieser Ferienbibliothek an der Ostsee posten, und um weitere Empfehlungen für ein nächstes Aufstocken selbiger Bibliothek bitten. Könnte es auch anders schreiben: Nimm doch einfach Deinen Koffer gelesen und geleert wieder mit – und lasse die wichtigsten Empfehlungen bei uns am Meer.

    Herzlichen Gruß – und beste Zeit dieses Jahr wieder an der Ostsee im vertrauten Deichhaus.

    Andreas

    • 54books 54books

      Mein lieber Andreas,
      Deine Mutter hat natürlich auch mit der Zusammenstellung der Handbibliotheken einen wichtigen Beitrag geleistet. Man denke nur an Karl May, Kinderbücher im alten Rom oder auch die angesprochenen Bert-Romane, die zum Anfixen und Austauschen innerhalb der Wohngemeinschaften bereit standen. Nur an Deine Sparks-Romane werde ich nicht herankommen, dafür hast Du dann politische Sachbücher oder auch den geschätzten Paten von Mario Putzo bereitgehalten.

      Trotz fehlender Kommerzialisierung werde ich oben einen entsprechenden Link einfügen – sollen doch ruhig alle sehen, wo es mich hinzieht und wie ich dort untergebracht bin.

      Counting the days
      Tilman

  3. Ein Buch, auf dem fett ADOLF HITLER steht, würde ich in der Öffentlichkeit nicht lesen. Das lockt doch nur die falschen Urlaubsbekanntschaften an.

    • guter Punkt. Habe auch sehr lange gebraucht, mich an “Er ist wieder da” zu wagen. Und habe es dann aber doch über das Hörbuch von “Rainer Maria Stromberg” getan. Und mir den Urlaub auch nicht verbaut. Wüßte nicht, wie ich da mit dem A.H. Schinken jetzt entscheiden würde….

    • 54books 54books

      Das ist ein reines Indoor Buch 😉

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