Chronik: Februar 2021

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Die Leipziger Buchmesse wurde abgesagt und das macht den Weg frei für ein paar klagende Leitartikel über den Niedergang der Buchkultur: ein Lieblingsgenre in der ecriture automatique des Feuilletons. Ein gutes Beispiel ist dieser Kommentar im Deutschlandfunk Kultur. Dort wird der Niedergang als etwas diagnostiziert, das vage mit dem Internet zu hat (eine “Beschleunigungsmaschinerie”) und außerdem mit Marktförmigkeit, denn: 

“Man hatte die Kultur noch lange als ein gesondertes Feld angesehen, das Angelegenheit einer speziellen Minderheit ist und es nicht von vornherein nach ökonomischen Prämissen bewertet. Sie ist mittlerweile aber zwangsläufig ein Teil dessen, was man von politischer Seite gern „Kreativwirtschaft“ nennt. Die Literatur bildet ein, wenn auch vergleichsweise kleines, Marktsegment. Es gibt eine immer dichter gewordene Infrastruktur mit Veranstaltungen, Festivals, Podiumsdiskussionen und sonstigen Events. Es geht um das Funktionieren. Dafür hat sich ein dichtes Netz von Organisatoren, Funktionären und Kulturmanagern herausgebildet, die für die richtige Performance sorgen.”

Der Austausch über das eigentlich wichtige, das Ästhetische, Inhaltliche sei durch die Absage der Buchmesse nun zusätzlich in Gefahr. Die seltsame Nostalgie, mit der einerseits betrauert wird, dass das Buch nicht mehr die herrschende Kulturform bildet, andererseits eine Zeit beschworen wird, in der es noch das Boutiquemedium der Happy Few war, erzeugt eine seltsame Form von Diagnose. Denn wo genau findet die Eventisierung, das Funktionärsaufkommen, die reine Freude an der betrieblichen Gschaftlhuberei ihren Höhepunkt, wenn nicht auf der Buchmesse?

 

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Ein großes Wehklagen erfasste das Feuilleton auch, als bekannt gegeben wurde, dass der WDR3 seine Literaturkritiken streichen und/oder umgestalten wolle. Seitdem tobt eine Debatte über den Status der Lit…