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Kategorie: Zitate

Letzte Worte

Heute möchte ich gerne eine neue Kategorie im Blog begründen. Unter “Letzte Worte” werde ich in unregelmäßigen Abständen ebendiese großer Schriftsteller posten, die mir während der Lektüre über den Weg laufen, so wie heute die Stefan Zweigs. Mit letzten Worten meine ich nicht zwingend das gesprochene Wort, sondern durchaus auch die letzten geschriebenen.

In seinem Abschiedsbrief, den er kurz vor dem gemeinsamen Freitod mit seiner zweiten Frau in Petropolis am 22. Februar 1942 verfasst hat, schließt Zweig, resigniert und kriegsmüde, mit folgenden Worten:

Ich grüsse alle meine Freunde! Mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger, gehe ihnen voraus.

Abschiedsbrief_Stefan_Zweigs

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Der Bücherfreund

Während meiner Lektüre von “Jetzt auf allen Bestsellerlisten” dem Buch zum 60. Verlagsgeburtstag von Diogenes, habe ich das folgende schöne Ringelnatz Gedicht gefunden:

Ob ich Biblio- was bin?
Phile? “Freund von Büchern” meinen Sie?
Na, und ob ich das bin!
Ha! und wie!

 

Mir sind Bücher, was den anderen Leuten
Weiber, Tanz, Gesellschaft, Kartenspiel,
Turnsport, Wein und weiß ich was, bedeuten.
Meine Bücher — wie beliebt? Wieviel?

 

Was, zum Henker, kümmert mich die Zahl.
Bitte, doch mich auszureden lassen.
Jedenfalls: viel mehr, als mein Regal
Halb imstande ist zu fassen.

 

Unterhaltung? Ja, bei Gott, das geben
Sie mir reichlich. Morgens zwölfmal nur
Nüchtern zwanzig Brockhausbände heben —
Hei ! das gibt den Muskeln die Latur.

 

Oh, ich mußte meine Bücherei,
Wenn ich je verreiste, stets vermissen.
Ob ein Stuhl zu hoch, zu niedrig sei,
Sechzig Bücher sind wie sechzig Kissen.

 

Ja natürlich auch vom künstlerischen
Standpunkt. Denn ich weiß die Rücken
So nach Gold und Lederton zu mischen,
Daß sie wie ein Bild die Stube schmücken.

 

Äußerlich? Mein Bester, Sie vergessen
Meine ungeheure Leidenschaft,
Pflanzen fürs Herbarium zu pressen.
Bücher lasten, Bücher haben Kraft.

 

Junger Freund, Sie sind recht unerfahren,
Und Sie fragen etwas reichlich frei.
Auch bei andern Menschen als Barbaren
Gehen schließlich Bücher mal entzwei.

 

Wie ? – ich jemals auch in Büchern lese??
Oh, sie unerhörter Ese—
Nein, pardon! – Doch positus, ich säße
Auf dem Lokus und Sie harrten
Draußen meiner Rückkehr, ach dann nur
Ja nicht länger auf mich warten.
Denn der Lokus ist bei mir ein Garten,
Den man abseits ohne Zeit und Uhr
Düngt und erntet dann Literatur.

 

Bücher – Nein, ich bitte Sie inständig:
Nicht mehr fragen! Laß dich doch belehren!
Bücher, auch wenn sie nicht eigenhändig
Handsigniert sind, soll man hochverehren.

 

Bücher werden, wenn man will, lebendig.
Über Bücher kann man ganz befehlen.
Und wer Bücher kauft, der kauft sich Seelen,
Und die Seelen können sich nicht wehren.

 

Joachim Ringelnatz (1883-1934)

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Abschied von Paris

Ein Reisebericht wird folgen! Vorab nur Ringelnatz’ Abschied von Paris:

 

Herz, ich schreibe dies

In der letzten Stunde in Paris,

Aus der letzten Flasche echt Champagner

In dem Nègre de Toulouse,

Nicht so froh, wie ich zuvor aus mancher

Unsentimentalen Stunde sandte manchen Gruß.

 

Daß ich hier nicht länger durfte bleiben,

Läßt glückstraurig jetzt mich selber quälen.

Morgen aber werd’ ich frech erzählen

Und deutschabenteuerlich viel übertreiben,

 

Wie von einer sternenweiten Ferne,

Wie Paris mir ist — ach nein, dann war —.

Denke dir nur: Jede siebente Laterne

Hier ist ein naives Pissoir.

 

Unsympathisch, unergründlich

Comme chez nous ist die Bourgeoisie,

Doch die simplen Leute von Pari

Und die Künsder und die bunten Fremden,

Pascin, Eiffelturm und der und das und die —

Morgen, Liebste, schildre ich das mündlich.

Und die Strümpfe und koketten Hemden.

 

Zwar nach einundzwanzig Bummeltagen

Ist noch nichts Erschöpfendes zu sagen

Über dies

Land Paris.

Auch was ich dir morgen angter nus

Glühend loben werde, prüfe du’s.

 

Bums! Ein Glas zerschlug im Nègre de Toulouse.

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Mehr Lesungen lauschen?

Thomas Bernhard ist ein ganz großer und noch mit zwei Büchern auf meinem Stapel der Ungelesenen vertreten, mit “Holzfällen” hat er mich schon begeistert.
Hier nun als kurze Lese- und spätere Hörempfehlung ein Artikel der FAZ zu Lesungen des Großmeisters:

Liebeserklärung an das Hörbuch: Sei still, der Bernhard spricht!

Man bedenke aber immer:

Die Kunst ist das Höchste und das Widerlichste gleichzeitig.

Thomas Bernhard “Alte Meister”

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Herz der Finsternis

Nein, ich liebe die Arbeit nicht, mir gefällt es viel besser, herumzuliegen und all die schönen Dinge zu überdenken, die getan werden könnten. Ich liebe die Arbeit nicht – kein Mann tut das –, aber ich liebe das, was in der Arbeit drinsteckt – die Möglichkeit, sich selbst zu finden. Die eigene Wirklichkeit – für einen selbst, nicht für andere –, das was kein anderer Mensch jemals wissen kann. Die anderen können immer nur die bloße Leistung sehen und nie begreifen, was eigentlich dahintersteckt.

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Pessimismus und Erlösung

Jeder junge Mann hat wohl während der Adoleszenz diese pessimistisch, nihilistische Phase; bester Freund dann: Arthur Schopenhauer. In diesem Sinne alles Gute zum 225. Geburtstag.

Der Lebenslauf des Menschen besteht darin, dass er, von der Hoffnung genarrt, dem Tod in die Arme tanzt.

Inwieweit das oben Gesagte für junge Damen gilt, wage und mag ich nicht zu beurteilen.

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Weiter weg

Ein kurzes Zitat von Jonathan Franzen, das mich heute morgen im Zug begeisterte und ich nicht für mich für mich behalten kann:

Wenn Sie jeden Tag eine Stunde damit verbringen, an Ihrem Facebook-Profil zu basteln, wenn Sie keinen Unterschied darin sehen, Jane Austen auf einem Kindle oder als gedrucktes Buch zu lesen, oder wenn Sie Grand Theft Auto IV für das größte Gesamtkunstwerkt seit Wagner halten, freue ich mich für Sie, solange Sie es für sich behalten.

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Schloss Gripsholm

978-3-596-90069-5.jpgIst doch albern!

Tucholskys bekannte Erzählung startet mit einem fiktiven Briefwechsel zwischen dem berühmten Autor und seinem ebenso berühmten Verleger Ernst Rowohlt. Bereits hier wird dem Leser klar: alles Kommende wird halb Spaß, halb Ernst sein. Eine “heitere Liebesgeschichte” soll geschrieben werden und noch sträubt sich der Kurt noch, mehr Geld will er sowieso haben.

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