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Kategorie: CDs

Britischer Anachronismus

Es gibt Leute, die eher geschützt werden müssen als Liam Gallagher. Der Ex-Oasis-Frontman ist nun wirklich kein Bescheidener; immer wieder wurde das beste Album, der beste Song, die beste Band von ihm gekürt und immer wieder war er, oh Wunder, an diesem beteiligt oder deren Gesicht. Nach dem, vorerst letzten, entzweienden Streit der Gallagher Brüder im Oktober 2009, legt der jüngere nun mit seiner neuen Band “Beady Eye” bereits das zweite Album vor und zieht – quantitativ –  wieder an Noel vorbei. Sollte “Different gear, still speeding”, aus der Hüfte geschossen, rotzigen Rock ‘n Roll alter Schule zelebrieren und hatte durchaus Höhepunkte (The Roller, Three Ring Circus), hielt Noel mit seinen High Flying Birds dagegen und legte ein nachdenklich, sphärisches Album ohne diese Rockattitüde vor, das beim Publikum deutlich besser ankam als das des kleinen Bruders.

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Der König ist tot, es lebe der König!

51-2hAIgCWL._SL500_AA300_Mit ungebrochener Kontinuität bringt Jimi Hendrix auch über 40 Jahre nach seinem Ableben noch neue CDs heraus. Neu aufgelegte Alben, zig Best of-Zusammenstellungen, das “fertige nächste” Album “First Rays of the New Rising Sun”, remasterte Live Mitschnitte und immer wieder auch “bisher unveröffentlichte Songs”. Was als Leichenfledderei und als Versuch der Geldschneiderei irgendwelcher Nachkommen und Rechteinhaber abgetan werden kann, kann für Liebhaber durchaus neue Kleinigkeiten zu Tage fördern und manchmal vielleicht auch neue Fans generieren. Und jetzt kommt “People, Hell and Angels”!

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Erich mit beiden Händen in der Wäsche

clapton-306-1359473322Die drei prägendsten Gitarristen der Rockmusik? Hendrix, Page und Clapton!
Letzterer geht wieder einmal auf Tour, die Tickets für seine Gastspiele in Hamburg und Köln habe ich mir bereits gesichert, nun auch das zu “betourende” Album: Old Sock. Ähnlich rätselhaft wie der Titel ist auch das Cover des Albums, das vielmehr an den Schnappschuss des 15-jährigen Jungen im Urlaub erinnert, als an die Verpackung eines ernstzunehmenden Tonträgers, fehlt nur noch die Grimasse oder die gespielte Coolness. Aber der Inhalt zählt ja..

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Rezension: Steven Wilson – The Raven That Refused to Sing

Möchte meinen Lesern in der Kürze nur schnell eine, für mich, Neuentdeckung ans Herz legen: Steven Wilson, vormals Gitarrist der Band “Procupine Tree”, mir vorher ebenfalls unbekannt, hat sich in meine Radar gespielt.
Sein neustes Album “The Raven That Refused to Sing” begeistert mich! Der Sänger, Gitarrist, Bassist und Keyboarder Wilson komponiert höchst komplexe Songs, keins unter 5, keins über 13, deren offenkundiger Zauber sich schnell entfaltet, alle Facetten aber erst nach und nach entdeckt werden. Genretechnisch wohl im “Progressive Rock” angesiedelt, jagt er aber, teilweise innerhalb von Minuten, durch so viele Stilrichtungen, dass es einem die Tränen in die Augen treibt: Jazz, Folk, Rock über Blues hin zu Metal. Ein nicht nur als Musiker, sondern auch als Produzent und Songwriter ein absoluter Tausendsassa dieser Mann!

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Album Rezension: Jake Bugg

Der kleine Kollege ist gut!
Gerade dem Kindesalter entsprungen schon der Stern am Pophimmel. Parallelen zu Bob Dylan, Paul Weller, Don McLean und anderen Songwriter Größen deutlich zu erkennen, bereits bei Noel Gallagher im Vorprogramm gewesen, ebenso bei einem Konzert der Stone Roses und bereits im Oktober Nummer 1 in den UK-Charts gewesen. Also eigentlich auch keine richtiger Geheimtipp mehr. Schon gar nicht da die ZEIT und der Spiegel ihm eine Karriere in Deutschland 2013 prophezeien, Geheimtipp geht anders. Trotzdem ist sein Album ersten letzten Donnerstag in Deutschland erschienen und war gestern in meinem Briefkasten.
Eine aufsässige Stimme, folkige Acoustic-Gitarre, spärliche Instrumentierung und für einen 18jährigen doch erstaunlich großmäulige Texte wie:

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Albumrezension: Friska Viljor

Durch Zufall bin ich auf die Band Friska Viljor aufmerksam geworden, die gerade ihr fünftes Album “Remember Our Name” veröffentlicht haben. Ohne mich vorher groß informiert zu haben, einfach den IndieIndieIndie-Tipps gefolgt und jetzt läuft die CD schon zum dritten Mal von vorne.

Klingt abgedroschen, doch jeder Song ist anders, nicht nur in der Instrumentierung, denn die Schweden verwenden nicht (nur) klassische Indie-Rock-Pop-Instrumente, sondern auch auch Mandolinen, Klarinetten und elektronische Beats, nicht nur in den Stimmungen von Rock, Pop, Folk, Tanzbarem bis hin zu klassischen Popohrwürmern, aber man erkennt doch immer wieder eine eigene spezielle Handschrift – und die hebt sich in ihrer Kreativität angenehm ab. Das wird wahrscheinlich am deutlichsten wenn man das Album immer und immer wieder laufen lässt, denn vor jedem Song freut man sich auf die nächste angenehme Sound-/Stimmungs-/Song-Überraschung.

Besonders erfreulich, dass man mir und meinen, bis hierhin noch unbekannten, Vorlieben entgegenkommt und Friska Viljor im Feburar in der Sputnikhalle sind. Karten werden gleich geordert, suche mir noch schnell eine Begleitung.

I will remember their names!

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KurzRezension: Das Rainald Grebe Konzert

Ich bin bekennender Fan des Künstlers mit den großen Augen und dem wirren Blick, habe ihn mit seinem Orchester live gesehen, finde, dass auf jedem Album ein paar Hits drauf sind, die man nicht nur auf Grund geistreicher Texte und Wortspiele gerne hört, sondern die man immer und immer wieder hören kann, weil sie gute Musik sind.

Das neue Album, das ich mit großer Vorfreude erwartet habe, weil ich bereits den Song “Krümel” vorab von einem Konzertmitschnitt kannte, enttäuscht mich doch etwas. Man kann sich nicht immer neu erfinden, auch ein Rainald Grebe nicht, der doch z.B. mit dem obenerwähnten Orchester der Versöhnung, mal solo, mal mit Drei-Mann-Kombo immer anders daher kommt, nicht.

Ein autobiographisches Album das mit seinem Geburtsort “Frechen” startet und die “Welt vor meiner [seiner] Geburt” behandelt, sowie “Meine [seine] Familie” und die Probleme der pubertierenden Jugend, eben in “Krümel”.

Doch irgendwie bleibt der Aha-Effekt diesmal aus. Das Album klingt als hätte ich es schon gehört, die Arrangements und vor allem die Themen sind klassische Rainald-Grebe-Arrangements/-Themen. Für mich ragen aber “Künster” und “Krümel” heraus, die doch eben das bewusste Etwas haben und das Alltäglich so ausdrücken, wie wir es nicht, sondern nur er können. Speziell die Beschreibung der Sicht des “kleinen Mannes” auf den Künstler ist sehr gelungen.

Schön gemacht auch das Album an sich, als fotographische Zeitreise: der junge Rainald am Klavier im holzgetäfelten Zimmer vorne, der heutige hinten, innen links der Großvater (?) vor dem Bungalow, rechts Rainald heute.

Spezielles Grebekuriosum: Alle Anhänger des Bionadebiedermeiers, Klein- und Bildungsbürger sind inzwischen Grebe-Fans und merken nicht, dass eben sie besungen werden.

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