Zurück zum Content

Kategorie: Musik

Wagner: Der Ring – Vierteilige Dokumentation

Ich gab einmal auf diesem Blog, und das ist Ewigkeiten her, den Hinweis auf eine vierteilige Dokumentation zu Wagners Ring, die im 2012 zum 200. Geburtstag des Meisters ausgestahlt wurde. Schon bald aus der Mediathek entfernt, erhielt ich immer wieder Emails von Menschen, die auf der Suche nach ebendieser Doku auf meinen Blog stießen.

YouTube ist unser Freund:

Ich gebe zu mich in der Welt der Oper, trotz Musik-LK, trotz prinzipieller Offenheit, trotz durchaus vorhandener E-Musik-Begeisterung, nicht besonders gut auszukennen.
2013 ist aber Wagner-Jahr, der große Komponist wäre am 22.5. diesen Jahres 200 geworden; der Mann der nicht einfach gemocht oder nicht gemocht werden, sondern nur gehasst oder geliebt, ja vergöttert, werden kann. Eingestimmt habe ich mich bereits mit der Lektüre des Zeit Geschichte Hefts zu Wagner und bin gestern durch Zufall auf eine Dokumentation auf 3sat gestoßen, die wirklich eine richtig starke Einführung in die Welt des Rings bietet. Statt sich das monumentale Opus unkommentiert zu Gemüte zu führen, arbeiten Pianisten, Literaturwissenschaftlicher, Dirigenten, Autoren und Journalisten dieses häppchenweise auf: die zugrundeliegende Geschichte wird erzählt, Themen und Musik am Klavier vorgestellt und erläutert, Orchesterproben und letzlich verschiedene Inzinierungen gezeigt, sich alles chronologisch an der Geschichte entlanghangelnd.

Für Einsteiger, wie mich, genau die richtige Mischung; für Kenner und Liebhaber, sicher auch neues Hintergrundwissen und neue Bilder.

1 Kommentar

30 Songs von Büchern inspiriert

Es gibt bei Spotify eine Playlist von NME, auf der 30 Songs versammelt sind, die sich auf Bücher oder Autoren beziehen bzw. von diesen inspiriert wurden. Mit dabei eindeutige Titel wie Sylvia Plath von Ryan Adams oder Albert Camus von Titus Andronicus, aber auch etwas verwinkeltere für Eingeweihte. Wer einzelne Titel enträtselt möge dies bitte mit uns unten in den Kommentaren teilen, denn ich kann nicht mal mehr als die beiden genannten entdecken.

8s Kommentare

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland


Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste ‘ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ‘ne Birn.«
So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. ‘s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu ‘ne Beer?«
So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn’ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.
Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung’ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: »Wiste ‘ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew’ di ‘ne Birn.«
So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Theodor Fontane

Hinterlasse einen Kommentar

Erleuchtung durch Pop

Es gibt Bücher, die ich eigentlich doof finden will – Kassette auf dem Cover, Nilz Bokelberg (Ex-VIVA-Mann, Blogger, Moderator), das sieht nach einem Zeigefingerbuch aus: hört mal Kinder, was ihr alles für schlechte Musik hört, das muss aufhören. (So bin ich ja eigentlich auch, sowohl mit Büchern als auch Musik.) Ich will mir nicht sagen lassen was gute Musik ist, weiß ich doch. Und jetzt würde ich gerne sagen, der will nur belehren, der hat keine Ahnung. Aber nein, der will begeistern, der weiß Bescheid. (Hoffentlich bin ich so auch.)

nilz bokelberg endlich gute musikÜber lose zusammenhängende Episoden nähert sich Bokelberg der Geschichte seiner musikalischen Sozialisation, der Entwicklung seines Geschmacks. Pantera und die Smashing Pumpkins neben Italopop, NDW und The Housemartins und N.W.A. Bokelberg ist kein Rocker, kein Metaller, kein Hip Hopper – er ist bekennender “Popper” in dem Sinne, dass er all das hört, was ihm gefällt. Also kann er in dem einen Kapitel über Techno Tracks schreiben und im nächsten zugeben, dass er Halt mich von Grönemeyer großartig findet (so do I). Und so langsam zieht er mich in seinen Bann, trotz manchmal etwas holpriger Prosa und allzu häufigem Gebrauch des Worts cheesy, denn solche Schwächen werden durch Bokelbergs Leidenschaft ausgeglichen.

Diese Leidenschaft ist deswegen so ansteckend, weil nicht nur für jeden etwas dabei ist, was zwangsläufig bei einer solchen Bandbreite der Fall wäre, sondern, weil er Lust auf jedes der besprochenen Genres macht. Man fühlt mit dem jungen Nils/z als Kurt Cobain stirbt, man kennt das Problem des pubertierenden Nilz, der verzweifelt versucht seine neue Freundin von seiner Lieblingsmusik zu überzeugen und enttäuscht feststellen muss, dass man leider nicht passt. Bokelberg schafft es diese “Kenn-ich-doch-Geschichten” nicht nur so zu erzählen, dass sie Spaß machen, sondern dass sie berühren, dass man sich wieder erinnert was einem selbst Musik damals bedeutet hat und heute noch bedeutet.

Klar Saxophonsoli in Popmusik sind immer kitschig, warum also nicht eine Liste mit den 5 besten Saxophonsoli aufstellen? Die Liste ist in diesem Buch sowieso ein probates Mittel zur Vermittlung von Inhalten. Die besten Balladen, die besten Technotracks (obwohl er [und ich] eigentlich kein Techno hören), die besten Ärzte-Songs; im Kopf erstelle ich während der Lektüre bereits eigene Listen. Die Liebe zum Stöbern, das Bedürfnis einen Song unbedingt besitzen zu müssen, das Hören von Bootlegs in erbärmlicher Tonqualität, das Suchen nach der 10x Coverversion des Lieblingssongs – das alles könnte meine Geschichte sein. Spätestens bei seiner Predigt über die Größe von Weezer bin ich völlig überzeugt, ich will mit Bokelberg Bier trinken gehen und mit ihm über Musik reden, vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen und entlegene Perlen finden und natürlich am Rivers Cuomo Alter niederknien. Solange ich nicht in Berlin und nicht eingeladen bin, reicht mir erstmal sein Buch.

Zu jedem Kapitel gibt es am Ende eine Liste Weiterführendes auf die Ohren, die ich, war mal so frei, zusammen mit den meisten in den Kapiteln besprochenen Songs auf eine Spotify Playlist gepackt habe, ausgenommen sind, selbstredend, die Künstler, die es nicht bei Spotify gibt (z.B. Beatles, Ärzte):

Und weil man sich für keinen Song, den man liebt, wirklich schämen muss, egal wer ihn singt – soviel auch zum Thema Cover (danke für den Hinweis @BigTicket):

Ich ziehe mich jetzt zurück, vervollständige meine eigenen Listen und schreibe ein Buch über Musik, im Vorwort werde ich Nilz Bokelberg danken.

Last but not least: wer das Buch von Bokelberg schon gelesen hat und ähnliches sucht, dem sei Komm wir werfen ein Schlafgzeug in den Schnee: Die Poptagebücher von Eric Pfeil ans Herz gelegt.

P.S.: Alter! Miley Cyrus covert Jeff Buckley und zwar nicht das ausgenudelte Halleluja. MEGA! Ihr Jolene Cover bei derselben Session ist ein ähnlicher Kracher!

P.S. #2:

2s Kommentare

Navid Kermani – “Das Buch der von Neil Young Getöteten”

Auf der Rückseite von Das Buch der von Neil Young Getöteten überschlagen sich die Rezensenten förmlich: wunderbar, ästhetisches Wunder, eindringlich, witzig, aufrichtig, schön, klug usw. usf. Das sagen aber nicht die Hörzu, die Freundin und der Meppener Anzeiger, sondern Zeit, SZ und FAZ. Da ich institutionshörig und musikinteressiert bin, bei Suhrkamp keine schlechten Bücher erscheinen, schon immer den Zauber, den Neil Young auf manche auszuüben vermag, verstehen wollte, habe ich das Buch gekauft.

Jedem Musikinteressierten ist er schon über den Weg gelaufen dieser Neil Young und viele finden nicht so richtig den Zugang zu dem Mann mit der nasalen Stimme, der Band mit dem kunstlosen Geschrammel, wo andere ein kunstvolles instrumentales Wunderwerk abbrennen. Es kommt mir ein bisschen so vor, dass man ihn entweder hasst oder liebt, gleich Wagner oder Bob Dylan.

They all sound the same ruft jemand aus dem Publikum bevor das Konzert beginnt, ungemein schlagfertig tönt es It’s all one song zurück, eine kraftvolle Gitarre setzt ein. Nicht nur eine lustige Anekdote, die zu meiner Abizeit in meinem Freundeskreis zum geflügelten Wort wurde, sondern tatsächlich auch der Beginn des Konzertmitschnitts Year Of The Horse. Die Eier muss man erstmal haben, diese Kritik nicht nur spontan derart entwaffnend und selbstironisch zu kontern, sondern den Kritiker zum Conférencier seines eigenen Albums zu erheben.

dasbuchdervonneilyounggetoetenenEigentlich klingen alle Neil Young Songs gleich oder besser, es gibt nur zwei Arten des Neil Young Songs: den mit Akustikgitarre, nach Belieben noch Mundharmonika, vorgetragenen und den mit Rockband. Einer zog nun aber aus, uns eines Besseren zu belehren. Navid Kermani ist nicht nur Schriftsteller, sondern eigentlich (vor allem? so scheint mir) auch Religionswissenschaftler, zu Beginn des Buches aber auch Vater geworden und seine Tochter leidet unter 3-Monats-Koliken. Nicht zu beruhigen, lässt Kermani erst für sich, später auch für seine Tochter Neil Young laufen (nicht zur Apotheke, sondern seine Musik) und seine Stimme, seine Lieder sind das einzige, das sie zu beruhigen weiß.

Dies bildet den Rahmen für ein außergewöhnliches Buch! Tatsächlich kein reines Musik-, sondern auch ein Lebensbuch. Der Anfang kam mir zum Teil etwas beschwerlich daher, aber Kermani schreibt sehr einfühlsam und dadurch zeigt er, auch wenn er immer wieder das Gegenteil beteuert, was für Ahnung er von Musik hat, denn, vielmehr als bei einem Buch, zählt hier nicht die Analyse der Struktur, das Knowhow in Bezug auf Harmonien – denn das alles hört man.

Wunderschön, wenn Kermani von seinen Interpretationen und Gedanken zu einzelnen Stücken berichtet, besonders, wenn diese, Spotify und YouTube sei Dank, noch in der besprochenen Version im Hintergrund erklingen. Last Trip To Tulsa, Sugar Mountain, Down By The River und Out On The Weekend, alles Stücke, die mich dank dieses Buches nach Portugal begleitet und mir unglaublich gut gefallen haben. Aber auch die Analyse zu Pocahontas und (besonders) Cortez The Killer sind nicht nur, politisch und zeitgeschichtlich, interessant, sondern brillant geschrieben und haben mir z.B.das vorher unerträglich Cortez zu einem besonderen Highlight werden lassen.

Kermani ist dabei nicht ein kritikloser Neil-Young-Jünger, sondern sich durchaus der Fehler seines Helden und dessen Band bewusst.

Selbst das Geschmacksempfinden gutwilliger Laien strapazieren diese Einspielungen von Down By The River und Cowgirl In The Sand, auf denen die Musiker ihre Fehlgriffe auch noch vernehmbar kommentieren, über das Erträgliche hinaus, für Hartgesottene sind sie grandios.

Genau dieses Gefühl der Hartgesottenen kenne ich nur zu gut, habe ich vor Jahren noch jeden Oasis Mitschnitt aufgesogen und besonderes Highlight waren Fehler, Ansagen und andere Kleinheiten, die das Live-Erlebnis so besonders machen, war auch die Qualität der Aufnahmen teilweise mehr als gewöhnungsbedürftig. Doch der Autor ist auch der Schwierigkeit der Vermittlung dieses Gefühls und der Liebe zu einer speziellen Musik bewusst (gerade bei Frauen):

Meine Tochter wird, wenn nicht weitere Wunder geschehen, nie zu ihrer frühen Leidenschaft für Neil Young zurückkehren, aber ich hoffe darauf, daß sie die meine nicht minder freundlich als die Frauen belächeln wird, die mich eine Wegstrecke begleitet haben […]. Keine von ihnen habe ich zu Neil Young bekehrt [also eigentlich doch ein Jünger – 54books], aber sie alle denken noch immer an mich, sooft sie ihn hören.

Alles in allem ein wunderbares Buch, dessen Lektüre jedem Musikinteressierten nur ans Herz gelegt werden kann, aber auch Betrachtungen über das Leben enthält, die berühren (zum Ende hin, habe ich sehr ausgiebig markiert!). Ich werde es wieder lesen und wieder Neil Youngs Musik dazu hören und ich muss, ich kann nicht anders, sagen, alle Stimmen auf dem Buchrücken hatten recht: Ein wunderbares Musik-, Mystik- und Lebensbuch und ein ästhetisches Wunder (Stuttgarter Zeitung).

Bock auf Neil Young?

Bock auf Cortez The Killer ohne Neil Young? (Die Neil Young Version ist in ihrer Kraft und Urwüchsigkeit durchaus einzigartig, Warren Haynes mit seiner Stimme und seinem Gitarrenspiel kitzelt aber nochmal ganz andere Emotionen heraus)

Unbedingt muss auch gesagt werden, dass es sich bei diesem Buch um ein ganz besonders schönes Taschenbuch handelt! Matter, irgendwas-farbiger (?) Einband, tolles, handliches Format und schöner Satz. Erinnert mich an Die kleine Bibliothek der Weltweisheit, in der ebenso schöne Bücher erschienen.

10s Kommentare

Brot und Spiele

Eric-Clapton-in-Hamburg
(c) Hamburger Abendblatt

Obwohl ich das neue Album von Eric Clapton nicht gut finde, war es für mich klar, dass ich mindestens eins seiner Deutschlandkonzerte besuchen werde; allein schon, weil er immer nur wenige Songs seiner neuen Alben spielt, weiß er doch ganz genau, dass alle die Klassiker hören wollen. So kam es nun also, dass ich vor zwei Wochen in der O2 World zu Hamburg und gestern in der Lanxess Arena in Köln saß und Eric seinen Bandscheibenvorfall zwischen die beiden Konzerte legen konnte.

Weiterlesen Brot und Spiele

Hinterlasse einen Kommentar

Der kleine Wagnerianer

Es ist Wagner-Jahr, denn 200 würde der Mann dieses Jahr, der wie kein anderer gehasst oder vergöttert wird. Kein Wunder also, dass nicht nur die Denkmäler poliert, sondern auch alte Ressentiments aus der Schublade geholt werden. Ein solches Jubiläum eines Superstars der E-Musik wird in kulturscheuen Zeiten entsprechend vermarktet und vielleicht so auch der ein oder andere Fan gewonnen. Nach der Lektüre des (empfehlenswerten) ZEIT Geschichte Heftes zu Wagner und dem Genuss der vierteiligen 3sat Doku versuche ich mich nun also an “Der kleine Wagnerianer” von Enrik Lauer und Regine Müller aus dem C.H.Beck Verlag. Weiterlesen Der kleine Wagnerianer

Hinterlasse einen Kommentar