Kategorie: Kolumne

Es zählt nur die Qualität – Über ein fadenscheiniges Argument

Von Nicole Seifert

 

Dass es beim Büchermachen ausschließlich um Qualität gehen sollte, darin sind wir uns ja alle einig, oder? Und dass Männer die besseren Bücher schreiben auch. Ach nein, das darf man ja nicht mehr sagen. Also: Wenn Männer nun mal die besseren Bücher schreiben, dann – nee, Moment, ich fang noch mal an: „Wir machen Literatur, nicht Männer und/oder Frauen. Entscheidend ist allein die Qualität und nicht das Geschlecht. Entscheidend ist die Aussage, der Stil, da braucht es keine Genderaufsicht.“ So kann man es schon sagen. Oder? Weiterlesen

Chronik: Januar 2020

Das Jahr begann mit einer Kontroverse, die keiner gebraucht hatte und einer Debatte, die überfällig war. Zunächst ein Video, über das jedes Wort zu viel gewesen wäre, nämlich das unwitzige Umweltsau-Lied, das der WDR in die Öffentlichkeit entließ, um danach in jede Falle der rechten Medienstrategie hineinzutappen. Dabei wurden vor lauter Entschuldigungs- und Distanzierungsgeilheit leider die eigenen Mitarbeiter*innen dem rechten Mob ausgeliefert. Soweit zum Thema: Debatten, die zu verhindern gewesen wären. Am 31.12. dann veröffentlichte der Journalist Richard Gutjahr einen erschütternden offenen Brief, der sich zu Jahresbeginn schnell verbreitete, und in dem er berichtete, wie sein Arbeitgeber, der Bayerische Rundfunk, ihn über Jahre hinweg mit einer rechtsradikalen Hetzkampagne allein gelassen habe. Überliefert wird der Kommentar von leitender Stelle, “man könne ja nicht jedem freien Mitarbeiter gleich einen Anwalt stellen, nur weil man mal im Netz ‘angepöbelt’ werde.” Man möchte den Zuständigen beim WDR und BR dringend empfehlen, sich einmal selbst eine Weile in diesem Netz  aufzuhalten, denn dort passieren Dinge, die gesellschaftlichen und kulturellen Einfluss haben (und gefühlt 90 Prozent aller ‘Pöbeleien’). Weiterlesen

Blickpolitik: Flaneur rempelt Phoneur

 

Zombies, unheimliche Wiedergänger ohne Persönlichkeit oder Seele, treffen auf Smartphones und heraus kommt das Kofferwort „Smombies“, das nun unbeaufsichtigt durch den Diskurs geistern darf. Der Begriff für Menschen, die sich in ihrem Smartphone versenken und ihre Umwelt gar nicht oder kaum noch wahrnehmen, machte eine rasche Karriere und wurde 2015 sogar mit dem Titel des „Jugendworts des Jahres“ gekrönt, und das, obwohl es kaum Nachweise über eine tatsächliche Verwendung des Wortes gab. Aber wer kann schon einem smarten Jugendwort widerstehen, das so schön die (eigene) Technikskepsis zusammenfasst. Weiterlesen

Frauen zählen gegen #frauenzählen?

Der zeitgenössische literarische Diskurs ist ein streitgeplagter Ort. Und Mara Delius, die Leiterin der Literarischen Welt, ist nicht zufrieden damit. Wieder werden nämlich Verlagsprogramme kalt durchgezählt, und wieder wird der Umstand angeprangert, dass in manchen Verlagsprogrammen Autorinnen signifikant weniger präsent sind als Autoren. Einen Überblick über diese Misere hatten Nicole Seifert und unsere Autorin Berit Glanz für Spiegel Online zusammengestellt. Aus dem Durchzählen der Verlagsprogramme ergab sich vor allem, dass die etablierten Literaturverlage nach wie vor kein Problem damit haben, Programme mit wenigen Autorinnen in die Saison zu schicken (Hanser 4/14, Fischer 4/11, Diogenes 5/15). Weiterlesen