Zurück zum Content

Kategorie: Anstelle eines Nachrufs

Ich habe das Bedürfnis nach Freunden

stefan_zweig____ich_habe_das_beduerfnis_nach_freunden_-9783222133725_xxlMeine große Liebe zu und tiefe Verehrung für Stefan Zweig dürfte dem regelmäßigen Leser bereits bekannt sein. Der empfindsame, einfühlsame, scheue Österreicher feiert heute Geburtstag und gehört sicher zu den Intellektuellen des vergangenen Jahrhunderts. Seine Novellen, nicht nur die vielgelesene Schachnovelle, seine historischen Biographien und, für mich, allem voran seine Autobiographie Die Welt von Gestern bilden Glanzpunkte der deutschsprachigen Literatur.

Mit dem 70. Jahrestag seines Todes letztes Jahr lief auch der Urheberschutzes seines Werkes aus und daher dürften in naher Zeit einige Stefan Zweig Neuveröffentlichungen und -zusammenstellungen erscheinen. Einen maßstabsetzenden Anfang machte nun der österreichische styria Verlag mit der Sammlung “Ich habe das Befürfnis nach Freunden”.

Neben den unbedingt zu lesenden Erzählungen Angst, Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau , Verwirrung der Gefühle und natürlich der Schachnovelle, versammelt dieser von Klemens Renoldner herausgegebene Band u.a. auch bisher unveröffentlichte Aufsätze, Essays und Porträts Zweigs: Erinnerungen an Theodor Herzl, unter dem Zweig als junger Mann arbeitete, an Arthur Schnitzler und Hermann Bahr, Essays über Lou Andreas-Salomé und sein ergreifender Abschied von Joseph Roth, ebenso wie die Worte am Sarge Sigmund Freuds. Wird im ersten Teil des Buches klar warum Zweig einer der meistgelesenen Schriftsteller seiner Zeit war, bildet der zweite sein Schaffen als Chronist seiner Zeit ab. Stellenweise lesen sich die Texte im hinteren Teil, wie die Quellen zu Die Welt von Gestern.

Niemand ist fort, den man liebt. Liebe ist ewige Gegenwart.

Das kluge Nachwort des Herausgebers, immerhin als Direktor des Stefan Zweig Centre in Salzburg eine Kapazität, beschließt eine lohnenswerte Neuerscheinung, die nicht als einfaches Potpourri oder Best of daher kommt, sondern gerade durch die geschickte Kombination der Novellen mit den Essays auch für Kenner Neues und eben bisher Unveröffentlichtes bereithält. Für den Zweig Novizen dagegen stellt sie einen Kanon zusammen, der für hoffentlich viele zur (Neu-)Entdeckung dieses großen Europäers führen mag.

Hinterlasse einen Kommentar

Friedhofsspaziergänge in Paris

Paris als eine der Überstätten der Kultur und europäischen Geistesgeschichte, ist vielen seiner Bewohner über deren Tod hinaus auch letzte Ruhestätte geworden. Bei meinen Besuch im Mai und erst kürzlich im November 2013 war es für mich Pflichtprogramm, die Gräber der von mir verehrten zu besuchen. Der Vorteil an dieser morbid-bedrückenden Freizeitbeschäftigung liegt in der besonderen Schönheit jedes der Friedhöfe, die meist, von teilweise auftretenden Touristengruppen abgesehen, einen starken Kontrast zum hektischen Paris außerhalb der Mauern darstellen. Zudem liegen sie nicht am Stadtrand, sondern finden sich inmitten der belebten Viertel Montmartre, Montparnasse, Pére Lachaise mitten in Belleville im Osten und das Panthéon fußläufig von der Sorbonne im 5. Arrondissement.

Bereits im Mai habe ich den Cimetière de Montmartre besucht. Direkt innerhalb des malerischen Künstlerviertels, in dem z.B. auch Die fabelhafte Welt der Amélie gedreht wurde, zu Füßen der Sacré-Cœur Basilika liegt dieser kleine Friedhof, auf dem, neben den untenstehenden, außerdem noch der Maler Edgar Degas, der Schriftsteller Alexandre Dumas der Jüngere (Die Kameliendame; der Ältere liegt im Pantéon, s.u.) die Brüder Goncourt, Stifter des gleichnamigen, wichtigsten Literaturpreis Frankreichs, der Komponist Jacques Offenbach, aber auch die Physiker Jean Bernard Léon Foucault und André-Marie Ampère liegen.
Zu meinem Beitrag zum Grab Heinrich Heines.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

In unmittelbarer Nähe zu meiner Bleibe bei meinem Freund Max lag der Cimetière du Père Lachaise, der größte Friedhof Paris’. Dieser riesige Park ist wahrscheinlich einer der berühmtesten Friedhöfe der Welt. Hier brach der Kommune-Aufstand 1871 zwischen den Gräbern zusammen, die letzten 147 überlebenden Auständischen wurden am Rande des Gräberfeldes an der Mur des Fédérés erschossen und gemeinsam bestattet. Heute noch ein Wallfahrtsort für Linke aller Welt.

Ebenso Wallfahrtsort die Gräber von Oscar Wilde und Jim Morrison, inzwischen aufgrund des starken Publikumsandrangs aber mit einer Plexiglasscheibe geschützt bzw. abgesperrt. Hier ruht auch in einem kleinen neugotischen Tabernakel das berühmte Liebespaar Abaelard und Héloise. Wäre dies nicht alles schon genug liegen hier neben den unten abgebildeten u.a. noch Moliére, La Fontaine, Barbusse, Gertrude Stein, Edith Piaf, die Komponisten Bizet und Rossini sowie die Maler Delacroix und Max Ernst.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Als letzter der drei besuchten Friedhöfe, es gibt außerdem noch den Cimetière de Passy, auf diesem liegt aber “nur” Claude Debussy, der mich interessiert hätte, abschließend der Cimetière Montparnasse. Dieser Friedhof wurde 1824 nur für die Bewohner des linken Seineufers eröffnet. Auch hier liegen berühmte Franzosen und Weltbürger, vor allem des 20. Jahrhunderts. Nicht abgebildet weil nicht besucht oder nicht gefunden sind hier Guy de Maupassant, Camille Saint-Saëns, Charles Augustin Sainte-Beuve, Alfred Dreyfus, Joris-Karl Huysmans, Henri Poincaré und Susan Sontag. Seit dem Frühjahr diesen Jahres liegt hier auch Stéphane Hessel begraben.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Das Wort gibt es, zumindest bei den Franzosen, tatsächlich: Panthéonisierung. Es bedeutet, dass einem Verstorbenen die Ehre zuteil wird im Panthéon beigesetzt zu werden. Im Kreis der großen Männer Frankreichs liegt dabei nur eine Frau, obwohl Marie Curie streng gesehen ja eigentlich Polin ist. Erst kürzlich wurde diskutiert, ob Albert Camus panthéonisiert werden solle, was aber weder vor seinem 50. Todes- noch zu seinem 100. Geburtstag gelang und wohl auch nicht seinem Willen entsprechen würde, sprach er doch sogar davon, dass er seine stumpfsinnigen Jahre in Paris bereue, er der Dichter des Südens. So muss das Panthéon also weiterhin ohne Camus auskommen, hat doch aber trotzdem die Gräber großer Franzosen zu bieten, anders als auf den Friedhöfen ist man (als Franzose) hier wirklich unter sich, also die Toten, nicht die Touristen. Eine Gruft teilen sich Victor Hugo, Émile Zola und Alexandre Dumas (diesmal der Ältere), die großen Philosophen Voltaire und Jean-Jacques Rousseau liegen bereits am Eingang der Krypta. Im illustren Kreis ebenso Louis Braille, der Erfinder der Blindenschrift, nicht nur Marie, sondern auch Pierre Curie, der Widerstandskämpfer Jean Moulin und René Cassin, der für das Verfassen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen 1968 den Friedensnobelpreis erhielt. Ähnlich wie Camus wird wohl auch Charles de Gaulle nie in das Panthéon einziehen, verbat sich dieser sogar im Testament den Pomp eines großen Grabes und gar einer großen Beerdigung, auf seinen Wunsch wurde er in Colombey, einem winzigen Ort in der Champagne, beerdigt.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

[Nachtrag] Durch den Beitrag von Birgit bin ich auf den virtuellen Rundgang über den Pére Lachaise aufmerksam geworden, hier kann man alle besuchen, die ich vergessen oder nicht gefunden habe.

8s Kommentare

Auf den Spuren französischer Klassiker

Echte Klassiker lebend anzutreffen ist schwer bis unmöglich; allein schon, weil das Qualitätssiegel “Klassiker” zumeist erst nach dem Tod des Autors diesem angeheftet wird, hat sich denn sein Werk bis hierin und weiter bewährt.

Im Nachgang hier also nur wenige Bilder von meiner Paris-Reise und den von mir besuchten großen Autoren Frankreichs. (Zu meinem Beitrag zu Heinrich Heine geht es hier)

Hinterlasse einen Kommentar

Anstelle eines Nachrufs: Am Grab von Heinrich Heine

DSCF4026Letzte Woche war ich auf dem Friedhof in Montmartre und natürlich auch am Grab von Heinrich Heine. Neben Heine liegen auf dem Cimetiére de Montmartre nicht nur der Komponist Hector Berlioz, sondern auch Stendhal, Edgar Degas, Alexandre Dumas der Jüngere und Jacques Offenbach. Etwas verwirrend: Es gibt zwar ein Grabmal Emile Zolas, dessen sterblichen Überreste wurden allerdings bereits 1908 in das Panthéon überführt.

Auf der Grabplatte Heines prangt Heines Gedicht Wo?

Wo wird einst des Wandermüden
Letzte Ruhestätte seyn?
Unter Palmen in dem Süden?
Unter Linden an dem Rhein?

Werd ich wo in einer Wüste
Eingescharrt von fremder Hand?
Oder ruh ich an der Küste
Eines Meeres in dem Sand.

Immerhin mich wird umgeben
Gotteshimmel, dort wie hier,
Und als Todtenlampen schweben
Nachts die Sterne über mir.

DSCF4025

2s Kommentare

Anstelle eines Nachrufs: Zum 70. Geburtstag

Heute wäre George Harrison 70 Jahre alt geworden.
Statt großer Worte an dieser Stelle nur zwei Höreindrücke.
Aus dem erfolgreichsten Album eines Ex-Beatles (!)

Und das von seinem Sohn und seinen engen Freunden Eric Clapton, Billy Preston und Jeff Lynne beim “Concert for George” gespielte “Isn’t it a pity”

George Harrison (*25.2.1943 †29.11.2001)

Hinterlasse einen Kommentar

“Die Toten von 2012”

Die “Zeit”, die traumhafte Wochenzeitung, tut mir immer wieder den Gefallen ihre Artikel online zu veröffentlichen und erspart mir als Sofaleser kleiner Formate so mich an den Tisch zu setzen und das Papier auszubreiten.
2012 ist fast vorbei und als ich mit “Anstelle eines Nachrufs” begann, waren schon viele zu spät, wie die “Zeit” mir jetzt in ihrer Liste aufzeigt.
Besonders hervorheben und mit entsprechenden Verweisen “anstelle eines Nachrufs” ausstatten, möchte ich diese Herren: Weiterlesen “Die Toten von 2012”

Hinterlasse einen Kommentar