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Wie liest Du, Birgit?

Tilman Winterling

Tilman Winterling

Tilman berät als Rechtsanwalt Verlage, Autoren und andere Kreative im Urheber- und Medienrecht. Als Blogger hat er sich sowohl im Bereich der Literaturkritik als auch -vermittlung in der Branche einen Namen gemacht. Rechtsanwalt Winterling ist zudem als Jurymitglied (u.a. Hamburger Literaturförderpreise) und Moderator von Lesungen tätig, sowie gefragter Interviewpartner (u.a. Deutschlandfunk, Radio Eins), wenn es darum geht verständlich und unterhaltsam über rechtliche Themen und solche des Bloggens zu berichten.
Tilman Winterling

In „Wie liest Du?“ stellen in regelmäßig unregelmäßigen Abständen Kritiker, Autoren und Verlagsmitarbeiter, Blogger, Vielleser und Buchhändler ihre Art des Lesens vor. Hier geht es nicht um einzelne Inhalte, sondern vielmehr um die Technik sich ein Buch zu erarbeiten – den Akt des Lesens von außen betrachtet.
Die erste Folge und somit die Serie eröffnet heute Birgit Böllinger von Sätze & Schätze.

1. Überspringst Du einzelne Stellen – gar Kapitel – oder liest Du ein Buch, wenn dann komplett?
Da muss ich den Arno Schmidt anbringen, auch wenn das Zitat – trotz Kürzung = siehe gleich (…) – recht lang ist: „Setzen wir, daß man vom 5000. Tage an leidlich mit Verstand zu lesen fähig sei; dann hätte man, bei einem green old age von 20000, demnach rund 15000 Lesetage zur Verfügung. (…) Sagen wir, durchschnittlich alle 5 Tage 1 neues Buch – dann ergibt sich der erschreckende Umstand, daß man im Laufe des Lebens nur 3000 Bücher zu lesen vermag! Und selbst, wenn man nur 3 Tage für eines benötigte, wären`s immer erst arme 5000. Da sollte es doch wahrlich, bei Erwägung der Tatsache, daß es bereits zwischen 10 und 20 Millionen verschiedener Bücher auf unserem Erdrund gibt, sorgfältig auswählen heißen. Ich möchte es noch heilsam=schroffer formulieren:
Sie haben einfach keine Zeit, Kitsch oder auch nur Durchschnittliches zu lesen;
Sie schaffen in Ihrem Leben nicht einmal sämtliche Bände der Hochliteratur!“ –

Also, hier wieder O-Ton Sätzebirgit: Ich hab es mir selbst erlaubt und anerzogen, alle Bücher, die mich nicht völlig umhauen, abzubrechen, in diesen Kapitel zu überspringen, einzelne Absätze zu ignorieren. Aber jedesmal plagt mich danach doch ein schlechtes bibliophiles Gewissen.

2. Schummelst Du und springst vor, um das Ende schneller zu erfahren?
Nur bei Krimis. Ich ertrage sonst die Spannung nicht.

3. Nutzt Du Lesezeichen (immer dasselbe/andere?) oder legst Du ein Buch offen auf die Nase?
Auf die Nase? Hatschi. Niemals. Als Lesezeichen muss, wenn kein echtes Lesezeichen da ist, halt herhalten, was greifbar ist – Quittungen, Papierschnipsel, etc.

4. Liest Du Taschenbücher einseitig, wie ein Magazin, indem Du das Cover komplett umklappst?
Aber hallo! Papier ist heilig!

5. Liest Du lieber kurze oder lange Kapitel?

Ich lese nur gute Kapitel.

6. Markierst Du? Mit Bleistift, Marker, Klebezettel, einfach die entsprechende Seite umknicken oder schreibst du lieber Stellen raus?

Höchstens, allerhöchstens Bleistift. Ansonsten habe ich Hefte, in denen ich mir aus den Büchern was notiere.

7. Schaust Du ältere Lektüre nochmal nach markierten Stellen durch?

Nein. Ich schau in meine Hefte.

8. Welches ist das (nichtwissenschaftliche) Buch, in dem Du am meisten markiert hast?

Das Buch der Unruhe von Fernando Pessoa – ich habe davon eins mit Markierungen und ein „jungfräuliches“.

9. Deine liebste markierte Stelle:

Abermals Pessoa: „Zwischen mir und dem Leben ist eine dünne Glasscheibe. So deutlich ich das Leben auch erkenne und verstehe, berühren kann ich es nicht.“

10. Benutzt Du einen eReader? Als Ergänzung zum Gedruckten – ausschließlich – gar nicht?

Nein, niemals, will ich nicht, mag ich nicht, ich brauche Papier.

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Folge 54books.

6s Kommentare

  1. Hey, danke schön auch, dass ich hier debütieren darf 🙂 Herzliche Grüße, Birgit

  2. Eine feine Idee, diese Interviewreihe! Sowohl was die Fragestellung betrifft als auch aus Gründen der Vernetzung – ich mag solche Serien : )

  3. Hinterher, lieber Tilman, ist aber eine Auswertung notwendig! Wie viele der Befragten malträtieren wie ihre Bücher (Fragen 3 und4), wie wird markiert/recherchiert? Wer braucht Strom?

  4. Birgit, ich bin bin heilfroh, dass du keine buchschändende Knickerin, Markiererin und Kritzlerin bist und lieber unplugged liest.
    Tolle Interviewreihe, Tilman. Da trennt sich der bibliophile vom hochmodernen Leser.

    • Lieber Frank,
      freut mich, dass ich Dich heilfroh machen konnte mit meiner sorgsamen Buchbehandlung :-). Und über die von Norman vorgeschlagene Auswertung würde ich mich auch freuen – Hausaufgaben, Tilman! 🙂

  5. Oh je! 3000. Nur? Nicht gerade überaus viel, könnte man meinen. Dennoch ein schönes Zitat von Schmidt.

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