Zurück zum Content

Endlich sagt’s mal einer!

„Endlich sagt’s mal einer!“, dachte ich mir dieses Jahr schon mehrfach, denn dieses Jahr hat zahlreiche überraschende Neuigkeiten mit sich gebracht.

Da hat zum Beispiel Maxim Biller das Literarische Quartett verlassen, alle liefen im Internet auf einmal herum wie aufgescheuchte Hühner und fragten sich, wer nun wohl seinen Platz einnehmen wird. „Thea Dorn, Thea Dorn“, war die häufigste Forderung, und ich dachte mir: „Bitte, bitte, bitte seid nicht so vorhersehbar und nehmt  Dorn/Lovenberg/Mangold/irgendwenausdemSchweizerLiteraturfernsehen“, und zack: Thea Dorn wurde es. Thea Dorn scheint die Merkel der Fernsehliteraturkritik zu sein, offensichtlich ist sie für manche völlig alternativlos. Vielleicht habe ich ja zu viel Fantasie, aber wäre es nicht denkbar, mal nicht jemand in so eine Sendung zu setzen, der schon “alt bewährt” ist, bei dem man schon vorher genau weiß, was man kriegt? Gibt es da gar kein Interesse an Profil, an einem Alleinstellungsmerkmal der Sendung? Denn die Neubesetzung führt doch jetzt vor allem zu dem erfreulichen Zustand, dass man das Literarische Quartett überhaupt nicht mehr braucht, weil man auch gleich die Gesprächsrunden im Schweizer Fernsehen anschauen kann. Die Atmosphäre und die Art, über Literatur zu sprechen, ist dieselbe, ich weiß ehrlich gesagt nicht mal, was das Kritikerprofil von Dorn/Weidermann/Mangold/Lovenberg/Hansundfranz groß unterscheiden soll, für mich sieht das alles sehr austauschbar aus. Man muss ja Maxim Biller nicht mögen, aber wenigstens hatte der ein klar erkennbares Profil. Und nichts gegen Thea Dorn, es hat schon einen Grund, warum sie überall sitzt und überall hingesetzt werden kann, die kann das schon – aber es ist eben auch sehr risikoarm, sie zu nehmen, und deswegen eben leider auch: sehr langweilig. Warum macht das ZDF eigentlich eine Sendung, die eben nicht nur der Neuaufguss “guter alter Zeiten” ist, sondern die eigentlich gar nie weg war, denn “Literatur im Foyer” war doch nie weg, und wie eine Kopie des zugehörigen Quartetts wirkt das “Literarische Quartett” nun.

Was genau verpasse ich, wenn ich das “Literarische Quartett” nicht schaue?

Was genau verpasse ich, wenn ich das “Literarische Quartett” nicht schaue? Mit Biller hat man wenigstens noch Billereien verpassen können, jetzt schätze ich, verpasst man nichts mehr. Gibt es weder neue Gesichter noch andere Sichtweisen noch ein anderes Sendekonzept, müssen wir auf dem Personal und den Formanten weiterreiten, die schon seit Jahrzehnten da sind? Gibt es da weder bei ZDF noch bem SWR Ideen und Mut zu Neuem? Und schon die erste Runde des neuen-neuen Literarischen Quartetts bestach ja dann durch eine Auswahl literarischer Geheimtipps, wie sie ungewöhnlicher nicht hätten sein können: Das neue Buch von Walser (von Dorn eingebracht, die Buchauswahl ist hier so innovativ wie die Personalentscheidung), das neue Buch von Barnes, das ohnehin schon allgegenwärtige Buch von Yanagihara, na ja, aber immer hin auch Chris Kraus. Endlich bespricht mal einer Walser, endlich gibt jemand mal Thea Dorn ein Format, um im Fernsehen über Bücher zu sprechen, 2017 ist voller Überraschungen. Ehe wir uns versehen, wird am Ende irgendwer beim ZDF noch auf die verrückte Ideen kommen und vielleicht mal Mangold als Gast zum “Literarischen Quartett” einladen, oder Lovenberg, oder Scheck, aus lauter Freude an Innovationen!

Von so viel frischem Wind im Literaturbetrieb beflügelt denkt man sich: Was jetzt noch fehlen würde, wäre ja, dass endlich mal jemand dem medial völlig unterrepräsentierten Denis Scheck eine Plattform bietet, um Bücher zu empfehlen. Und – Hurra – 2017 ist voller Überraschungen: Mara Delius hat den Job von Richard Kämmerlings übernommen und macht jetzt alles neu in der „Literarischen Welt“. Und was könnte die maximale Neuerung sein? Richtig: Denis Scheck. Versteht mich nicht falsch: Mir ist Denis Scheck lieber, als es viele anderen wären, weil er tatsächlich einen eigenen Blick auf Literatur hat und weil er tatsächlich offener mit Literatur umgeht als manche andere (was nicht bedeutet, dass ich nicht bei jedem Zitat, das er verwendet, mit den Augen rolle, aber immerhin hat er dieses Alleinstellungsmerkmal, und dass ich sein Blackfacing vergessen hätte). Und ja, natürlich ist er im Medium Print bisher kaum präsent. Aber trotzdem:

Deutschlehrer hinter dem Ofen hervorlocken

Und weil Denis Scheck im Printbereich jetzt noch nicht genug Neuerung ist, hat er sich eines Themas angenommen, über das endlich mal gesprochen werden muss: Der literarische Kanon. Ein Beben geht durch die Literaturwelt: Endlich stellt mal jemand die Kanonfrage. Im Jahr 2017.

Tatsächlich hat das sein Gutes: Denis Scheck will mit seinem Kanon ja wirklich etwas Neues, er will einen Kanon ohne Genregrenzen. Das könnte eine gute Idee sein, wäre sie nicht gleichzeitig so kurz gedacht und so langweilig ausgeführt, denn welche Perlen der genreübergreifenden Literaturgeschichte finden sich denn so in diesem Kanon? „Karlsson vom Dach“, „Walden“ und jetzt noch – endlich empfiehlt das mal einer – „Herr der Ringe“. Die wirklich einzige Neuerung, die dieser Kanon bringt, ist bislang eben auch die, dass hier unterschiedliche Genres nebeneinander stehen. Reicht das aus, wenn dafür dann Werke aufgelistet werden, von denen keiner – schon gar nicht ein Leser der „Literarischen Welt“, der sich ja vermutlich ohnehin schon für Literatur interessiert –, wirklich keiner bezweifeln würde, dass sie eben Klassiker ihres Genres sind? Denis Scheck stellt hier doch keinen neuen Kanon auf, er erstellt einen Remix aus längst Kanonisiertem, er schreibt auf, was längst feststeht.

Und das im Jahr 2017, als ob irgendjemanden jenseits von Deutschlehrern und Germanistikstudenten noch so etwas wie ein „Kanon“ interessieren würde. Es mag im Literaturbetrieb noch nicht angekommen sein, aber die Zeiten, in denen Marcel Reich-Ranicki mit seinem Kanon funktioniert hat, sind vorbei. Expertenmeinungen haben heute auf keinem Feld mehr die Deutungshoheit, die sie noch in den 90ern hatten – das gilt nicht nur für die Literatur, fragt bitte mal einen Arzt, wie oft er mit selbstgestellten google-Diagnosen konfrontiert wird, die die Patienten in ihrer Expertise für fast gleichwertig mit der eines Arztes halten. In den 80ern und 90ern, da hat sich das im Aussterben befindliche Bildungsbürgertum, das genau deswegen umso mehr um Distinktion bemüht war, gerne mit Reich-Ranickis Segen das Bücherregal füllen wollen, um möglichst viel durch eine Expertenautorität verbürgtes, gesellschaftlich also anerkanntes kulturelles Kapital anzuhäufen. Die Zeiten sind vorbei – umso mehr, wenn der Überraschungswert von Schecks Kanon hinter den der unterschiedlichen Bibliotheks-Ausgaben der Süddeutschen Zeitung zurückfällt. Ich mag den demokratischen Ansatz hinter Schecks Kanon wirklich, es ist überfällig, dass endlich mal jemand die Grenze zwischen sog. Genreliteratur und sog. Hochliteratur auflöst. Aber wenn schon demokratisch, dann bitte richtig: Dann ohne Expertensegen und ohne den festschreibenden Begriff „Kanon“, der eben höchstens Deutschlehrer hinter dem Ofen hervorlockt. Na ja, gut, und vielleicht auch Bibliothekare, auch die haben ein gewisses Interesse an der Verwaltung von Literatur, und nichts anderes passiert hier. Aber auch die sind garantiert nicht so weltfremd, dass ihnen bislang nicht eingefallen wäre, dass „Herr der Ringe“ und „Walden“ irgendwie Klassiker sein könnten.

54books lackiert sich die Nägel – sehr stylisch!

Und während Denis Scheck sich aber wenigstens dankenswerter Weise darum bemüht, die ein oder andere distinktive Grenze aufzuheben, reißt in der total neuen, total überraschenden „Literarischen Welt“ Marc Reichwein – pardon my french, ich bin eben ein bisschen prollig – quasi mit dem Arsch ein, was Scheck mit den Händen aufbaut. Endlich hat nämlich mal jemand aus den Printmedien sich des Themas „Literaturblogger“ angenommen, und endlich schreibt da mal jemand das, was schon in allen Feuilleton-Artikeln über Buchblogger zu lesen ist. Reichwein hat intensiv recherchiert und dabei herausgefunden, dass Buchblogger oft weiblich sind, „irgendwie stylish“ und mit lackierten Nägeln (das ist meine liebste Randbemerkung, die sich anscheinend kein Herr aus dem Feuilleton verkneifen kann, ohne dabei zu bedenken, was damit kommuniziert wird: Das herablassende Hinweisen darauf, dass hier Frauen sich um ihr Äußeres bemühen, ist nichts anderes als ein Belächeln ihrer vermeintlichen Oberflächlichkeit, die man damit unterstellt; ohne zu bedenken, dass man selbst dabei der eigentlich Oberflächliche ist). Außerdem hat Reichwein über Buchblogger gelernt, dass sie nach voll oberflächlichen Kriterien lesen und total extrovertiert sind, während er selbst ja der stille, ernsthafte Leser ist.

Vor knapp einem Jahr, am 6.6.2016, schrieb Oliver Jungen in der FAZ einen Artikel über Buchblogger unter dem Titel „Wie entsteht ein Mega-Bestseller?“, darin kam er zu ähnlich tiefschürfenden Ergebnissen, wenn sie auch zugegebener Maßen noch exorbitant mehr vor Sexismus und Oberflächlichkeit triefen als der Artikel von Reichwein: „Gemeint ist nicht das kontemplative Lesen, das auch gewöhnliche Kulturheinis kennen, sondern das exzessiv mitteilsame, das geschminkte Lesen. Sie nennen sich Literaturblogger, rutschen mit Geschrei durch den Bestsellerschlamm und halten bei Youtube oder Facebook reihenweise beschwärmte Titel in die Kamera, von denen man in den Feuilletons des Landes nicht einmal ahnt, dass sie existieren: „Schattentraum“, „Küsse zum Nachtisch“, „Allein unter Spaniern“. Mit etwas so Drögem wie Literaturkritik hat das nichts zu tun. Es geht um Fantum, Gemeinschaft und den offenbar unvergänglichen Traum junger Frauen, allein unter Spaniern zu landen. In Köln waren die mehr als 150 Blogger und „BuchTuber“ jedenfalls zu 98 Prozent weiblich.“ Im Februar 2016 erschien in der Zeit ein Artikel mit ähnlichen Vorwürfen. Aber hey, danke „Literarische Welt“, dass du endlich mal Marc Reichwein eine Plattform bietest, um alten Wein in neue Schläuche zu gießen. Allein: Was ist jetzt eigentlich dein Konzept, neue „Literarische Welt“? Distinktion vom lesenden Pöbel oder demokratische Aufhebung der Genre-Grenzen?

Für eine Literaturbeilage ist das echt dünn

Mara Delius, die ja Verantwortlich für all die Neuerungen und Überraschungen in der neuen „Literarischen Welt“ ist, hat es dann vielleicht doch auf mehr Volksnähe und weniger Distinktion abgesehen – zumindest würde das erklären, warum sie dem Türsteher des “Berghain”, Sven Marquardt, einen ganzen Artikel Platz gibt, um mal echt spannende Lektüretipps zu geben. Wenn man in seinem Leben nie, wirklich nie Kontakt mit einer Subkultur hatte, dann findet man bestimmt, dass Sven Marquardt hier als „Original“ und als total exzentrischer Individualist präsentiert wird – wenn man aber auch nur einmal in seinem Leben davon gehört hat, dass es so etwas wie Metal, Gothic oder Punk gibt, dann entlockt einem ein im Gesicht tätowierter Fotograf und Türsteher mit Kreuzchenringen, der sich als „Existentialisten“ bezeichnet, halt nur ein Gähnen. Ziemlich sicher kann Marquardt ja nicht einmal etwas dafür, dass er hier präsentiert wird wie ein wandelndes Klischee, denn was er in dem Artikel über Bücher so sagt, lässt schon erahnen, dass hier jemand wäre, der interessante Dinge zu erzählen hätte. Aber leider gibt es hier keinen interessanten Artikel, hier gibt es nur recht schnell transkribierte Buchtipps. Da möchte man doch dann wenigstens hoffen, dass Marquardt wirklich irgendwie etwas Besonderes über Bücher zu erzählen weiß, einen besonderen “Buchgeschmack” hat, nach irgendeinem Kriterium muss Mara Delius ihn ja ausgewählt haben jenseits von “Der ist doch mal wirklich ein Original”.

Ja und was empfiehlt der jetzt für spannende Bücher? „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, „Just Kids“, die Fassbinder-Filme und natürlich „Gespräch mit einem Vampir“, wobei eigentlich den Film „Interview mit einem Vampir“, denn das Buch hat Herr Marquardt zugegebenermaßen „nie gelesen“. Na endlich empfiehlt mal einer diese abseitigen Werke der Literaturgeschichte! Na zum Glück sind Leute, die in der „Literarischen Welt“ solch überraschende Tipps zum Besten geben dürfen viel ernsthaftere, interessantere Leser als diese fingernagellackierten Quasselstrippen von „Booktubern“. Während Nagellack nämlich ein Zeichen für die Oberflächlichkeit von Bloggern ist, ist das Auswählen eines mittelwichtigen Fotografen mit Gesichtstattoo für einen Artikel, in dem er dann ein Buch empfiehlt, das er nicht gelesen hat, ein Zeichen kulturjournalistischer Expertise. Das einzig überraschende an den Buchtipps von Marquardt ist doch eigentlich, dass er nicht auch noch Edgar Allan Poe und Charles Baudelaire empfohlen hat, aber wenn die auch noch aufgetaucht wären, wäre ich vermutlich auch direkt vom Augenrollen in Tiefschlaf verfallen. Über Sven Marquardt hätte man, wenn man mehr als anscheinend eine halbe Stunde in den Artikel hätte investieren wollen (denn auf mehr Arbeitsaufwand lässt der Artikel nicht schließen), sicher etwas Interessantes schreiben können. So, mit diesen Tipps und diesem Tiefgang wäre der Artikel vielleicht interessant für ein Magazin für Fotografen, denn der Hinweis auf “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” ist auch nur dann irgendwie relevant, wenn man etwas über den Fotografen Marquardt und seine Inspirationsquellen erfahren will. Hier wäre dann die Leserschaft und vor allem die Motivation für die Artikelauswahl eine andere. Aber für eine Literaturbeilage, bei aller Liebe, ist das echt dünn.

Revolution #9

Alles in allem: 2017 ist das Jahr der Revolutionen im Literaturbetrieb. Thea Dorn redet jetzt im Literarischen Quartett über Walser, Scheck weist darauf hin, dass „Herr der Ringe“ ein Klassiker der Fantasyliteratur ist, Marc Reichwein findet Buchblogger irgendwie blöd und endlich, endlich wurde auch mal „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ empfohlen.

Als Mara Delius die “Literarische Welt” übernommen hat, habe ich mich wirklich gefreut, weil ich mir dachte: Endlich mal eine intelligente Frau mit Mut zu klarer Haltung in so einer Position. Sie wäre mir auch im “Literarischen Qaurtett” lieber gewesen als Dorn. Jetzt, nach ein paar Ausgaben der neuen „Literarischen Welt“, bleibt leider vor allem gähnende Langeweile. Am Samstag kommt die neue Ausgabe der „Literarischen Welt“. Am 5.5. kommt die nächste Folge des „Literarischen Quartetts“. Bitte, bitte, bitte: Erzählt mir mal was Neues. Erzählt mir mal was Interessantes.

P.S.: Der einzige, der diese langweiligen literaturbetrieblichen Veranstaltungen noch retten könnte, ist Leo Fischer.

Katharina Herrmann

Katharina Herrmann

Vordenkerin der postfaktischen Literaturkritik, bloggt 4 the lulz, lebt in München.
Mail: katharina.herrmann (at) 54books.de
Katharina Herrmann

Einen sehr sehr guten Blog abonnieren

Gib Deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Schließe dich 307 anderen Abonnenten an

Folge 54books.

6s Kommentare

  1. Ruth Leukam Ruth Leukam

    Danke für den Artikel. Über die Bloggerschelte habe ich mich auch geärgert. Wenn sich der Schreiber die Mühe gemacht hätte zu recherchieren, wäre er auf Beiträge gestoßen, die differenzierter und qualifizierter sind als mancher Artikel von Profikritikern. “Das literarische Quartett” hat mich enttäuscht ( es war sowas von vorhersehbar, dass die ( von mir geschätzte )Thea Dorn ihren Martin Walser präsentieren muss. Und die neue ” Literarische Welt” ist nur enttäuschend, eine Feuilletonbeilage ( was brauche ich hier eine Tatortkritik ) mit ein paar zweifelhaften Leseempfehlungen . Schade!
    Aber es kann nur besser werden!
    Liebe Grüße
    Ruth ( keine Buchbloggerin )

  2. Du bloggst mit unlackierten Nägeln? Ts! Und guckst “Literarisches Quartett”? Möchtest Du ein Buch empfohlen haben? Gegen Langeweile und so?
    Im Ernst: Ich finde das Nebeneinander von Blogs und Profikritik sehr okay. Man muss sich ja nicht alles antun und kann sich aussuchen, was man spannend findet. Das dauert, zugegeben, eine Weile, schon wegen der Informationsflut. Aber nu, das ist die Zeit. (Ich bin Doc. Und die Leute kommen mit Google-Diagnosen. Ist voll in Ordnung. Man muss halt reden drüber und einordnen, damit nix schief geht.)
    Ich geh mir jetzt mal die Nägel lackieren und Rezension schreiben, fürn Blog.
    Danke für den Artikel!
    Fröhlichen Samstag!
    Anne

  3. Cora Cora

    Ein wunderbarer Artikel! Ich selbst war ziemlich enttäuscht von der letzten Ausgabe des Literarischen Quartetts. Auch wenn ich Thea Dorn ganz gern mag, weil sie so eine in sich ruhende Ausstrahlung hat, fehlten mir die Ecken und Kanten von Maxim Biller, der nicht nur den Inhalt eines Buches wiederkäut und sagt, wie großartig es sei.
    Ich mag das Nebeneinander von Buchbloggs und “ernsthafter” Literaturkritik in Feuilletons sehr gern. Es mag nun einmal nicht jeder immer Hochliteratur lesen, sondern auch mal zum spannenden Krimi oder anrührenden Liebesroman greifen. Buchbloggs erreichen teilweise so viele Menschen und können nicht nur die Kunst der Literatur, sondern auch die private/persönliche Leidenschaft für Bücher verbreiten. Etwas, das bspw. Literaturbeilagen in Zeitungen nicht können.
    Was Thea Dorn betrifft, hoffe ich, dass die eher mauen ersten Ausgaben von einer anfänglichen Zurückhaltung oder Vorsicht herrühren und sie sich in Zukunft immer mehr trauen wird.
    Danke für diesen wirklich tollen Beitrag!
    Liebe Grüße,
    Cora

  4. Schöner schneller Text, Danke dafür! (Nur) 2 Dinge:

    – Unabhängig davon, dass Feuilletonisten immer mal wieder gerne die Keule gegen die Bloggerei schwingen, um sich so des eigenen argumentativen Schwungs rückzuversichern, greift es, meine ich, zu kurz, die angebrachte Kritik in ihrer Gänze zu verwerfen. Ja, es sind dumme sexistische Grundannahmen und ja, es stehen snobistische Print-Haltungen dahinter, und das muss leider immer wieder gesagt werden. Bloß: Es stimmt teilweise durchaus, dass viele sogenannten Literaturblogs, die sich über das Label “Literaturkritik” legitimieren, sehr oft sehr miese Texte schreiben, die kein selbstkritisches Verhältnis zum eigenen Metier kennen und die auf die immergleiche unsäglich banale Weise mit Büchern umgehen (“Das hat mir gefallen”, “Ich war voll drin”, “Die Sprache ist sehr schön”). Derlei ist auch völlig okay, jeder möge das lesen und denken und schreiben, was er möchte, aber es nimmt nicht wunder, dass es Leute gibt, die gegen eine derartige Verhunzung und Plattitüdisierung der eigenen Kritikerarbeit anschreiben. Problematisch finde ich nämlich, wie alle unter dem selben Label operieren, alle sind “Kritiker” und alle schreiben plötzlich “Kritiken”, vermeintlich legitimiert durch die neue demokratisch(er)e Medienlandschaft. Dass dabei auch viele schlechte Texte entstehen, muss angemerkt werden dürfen – halt ohne auf falsche Erklärungsweisen zurückzufallen, etwa wenn die Bloggerei als ein Frauenphänomen dargestellt wird.

    – als Eigenwerbung und Ergänzung zu den Absätzen zu Denis Scheck, ein Beitrag von mir, der sich eigentlich mit ganz Ähnlichem beschäftigt:

    https://ltrtr.wordpress.com/2017/04/24/blog-vs-feuilleton-oder-ueber-literaturbetriebswaerme/

    Merci & bG,

    Samuel

  5. Jens Künzel Jens Künzel

    Toll geschriebener Beitrag, der aber an mehreren Stellen zu Widerspruch einlädt (wär’ ja sonst auch nicht so interessant und lustig):

    Zum Literarischen Quartett: Ich mag Maxim Biller als Autor sehr. Es ist sicherlich nicht alles von ihm gut, aber sein Ton ist einfach super, und er ist niemals langweilig. Habe gerade “Der gebrauchte Jude – Selbstporträt” gelesen – fantastisch. Er kann in ein, zwei Sätzen ganze Szenen entwerfen und trotzdem zwischendurch noch einen bösen Kommentar absondern. Aber: Für das “Literarische Quartett” war er leider eine Fehlbesetzung, nicht weil er langweilig gewesen wäre, oh nein, sondern weil er jede einigermaßen vernünftige Diskussion über die Bücher verhindert hat. Nicht dass er nicht fähig dazu wäre, oh nein (er hat ja immer kluge und bedenkenswerte Gründe genannt: “… ich kann’s ja begründen …”). Allerdings hat er letztlich doch immer nur entweder geschimpft (“Juli Zeh” oder “Elena Ferrante”) oder ist auf die Knie gefallen (“Ismail Kadare”). Etwas dazwischen gab’s leider nicht.

    Ich habe mich daher gefreut, als ich gehört habe, dass Thea Dorn für ihn übernimmt. Sie ist überhaupt nicht langweilig oder vorhersehbar. Jeder hat Lieblingsschriftsteller (Marcel Reich-Ranicki hatte auch so seine Lieblinge und Lieblingsfeinde, trotzdem war er nicht immer vorhersehbar). Insbesondere kann sie sowohl engagiert sein als auch gut und flott formulieren. Langweilig ist es mit ihr überhaupt nicht. Die erste Sendung mit ihr war insofern – jedenfalls für mich – gleich ganz anders als die ersten Sendungen seit 2015, und zwar nur im positiven Sinne. Mara Delius wäre mir zwar auch recht gewesen, aber Thea Dorn hat in jedem Fall die Statur, die eine solche Sendung eindeutig braucht.

    Zu den Buchbloggerinnen: Es ist für einen “Außenstehenden” wie mich wirklich auffällig, dass die meisten Buchblogs eher den Charakter von “Bibis Beauty-Palace” haben, sie also eher etwas aufgemotzte Instagram-Accounts von Mädchen für Mädchen sind. Die Auswahl der dort vorgestellten Bücher spiegeln diesen Charakter eindeutig wieder. Blogs wie der vorliegende sind also eher die Ausnahme. Dabei finde ich durchaus, dass auch die “Masse” an Bestsellern einmal vernünftig in Blogs vorgestellt gehört, und ich habe auch nichts dagegen, dass sog. “Unterhaltungsliteratur” in Blogs positiv bewertet oder sogar ganz hingerissen angepriesen wird. Aber ich vermisse ein bisschen, dass man sich wirklich mit der Qualität der vorgestellten Bücher auf ernsthafte Weise beschäftigt.

  6. […] den letzten Wochen wurde mir, vor allem anlässlich meines Beitrags „Endlich sagt’s mal einer“, aber auch in anderen Kontexten, vorgehalten, ich wolle Kritik an Bloggern grundsätzlich […]

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: