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Der (königlich) Bayerische Buchpreis 2017: Rückblick und Bloggerpreis

Grias di!

Gestern wurde der Bayerischer Buchpreis 2017 verliehen, Birgit Böllinger von Sätze & Schätze, Marius Müller von Buch-Haltung.com und ich waren vor Ort, um im Internet rumzujodeln und das Buffet abzuräumen.

Wer die Preisverleihung im Live-Stream mit verfolgt hat, hat ja sehen können, dass es wirklich eine sehr interessante, gelungene Veranstaltung war. Die Jurydiskussionen waren für mein Empfinden bei den Sachbüchern nicht ganz so tiefschürfend, wie sie hätten sein können, weil wenig am Text gearbeitet und viel über die Themen so ganz allgemein herumassoziiert wurde, besonders bei der Diskussion von „Rot“ von Gerd Koenen, bei der eher alle mal alles erzählt haben, was ihnen so zu „Kommunismus“ einfällt – und natürlich gäbe es aber auch bei Sachbüchern Kriterien, die man anlegen könnte: Wie innovativ ist das, was dargestellt wird, und auf welcher Ebene (Methodik/Inhalt/Fragestellung/Darstellungsart)? Ist das Buch auf der Höhe der wissenschaftlichen Forschung? Ist die Argumentation transparent, überzeugend, nachvollziehbar? Wie gelungen ist die sprachliche Umsetzung? All diese Kriterien wurden leider nur in Ansätzen bemüht, am ehesten tatsächlich noch bei der Diskussion von Andreas Reckwitz‘ „Die Gesellschaft der Singularitäten“, das ja auch gewonnen hat. Auch wenn ich von dem Buch bekanntlich nicht völlig überzeugt bin, freue ich mich, dass damit – wie Reckwitz ja auch in seiner Dankesrede gesagt hat – die Geistes- bzw. Sozialwissenschaften eine positive Würdigung erfahren haben, die ansonsten leider selten ist (gerade eben auch im Wissenschaftsbereich: Wer sich anschaut, wie viele Exzellenzinitiativen noch im Rennen sind, die aus dem Bereich der Geisteswissenschaften stammen, und wie viele dagegen aus dem MINT-Bereich noch im Rennen sind, weiß, wo hier die Prioritäten in der Förderung und Wertung liegen). Insofern freue ich mich wirklich ehrlich, dass „Die Gesellschaft der Singularitäten“ gewonnen hat. Gratulation!

Sehr spannend und interessant waren dann aber die Jurydiskussionen zu den Romanen, insbesondere bei „Justizpalast“ von Petra Morsbach, das von den Jurymitgliedern sehr unterschiedlich gelesen und interpretiert worden ist (wobei diese Deutungsoffenheit ja wiederum für den Roman spricht). Gewonnen hat dann ein sehr guter Roman, „Das Floß der Medusa“ von Franzobel – auch hier: Gratulation von uns!

Und am besten war sowieso die Rede vom Tomi Ungerer, der den Ehrenpreis erhalten hat – Gratulation auch an Herrn Ungerer, den ich gerne als Opa hätte.

Wir Blogger saßen während all dem im Publikum und haben Twitter und Facebook so mit Nachrichten überflutet, dass am Ende des Abends der Hashtag des Bayerischen Buchpreises #baybuch auf Platz 2 der Hashtag-Trends lief – getoppt nur vom Hashtag zu „Die Höhle der Löwen“, und das, obwohl doch beim Bayerischen Buchpreis Löwen verliehen werden. Was aber viel wichtiger ist als das: Wir hatten einfach wahnsinnig viel Spaß, miteinander, mit der Veranstaltung, mit den Mitdiskutierenden im Netz. Danke dafür an alle Mitlesenden und Mitdiskutierenden! Ich denke, den Spaß hat man euch und uns angemerkt.

Und in diesem Zusammenhang möchte ich auch noch einmal betonen, wie gut ich den Einbezug von Internetaktivitäten in die Veranstaltung fand: Nicht nur dass Kommentare aus dem Netz vorgelesen wurden, war sehr gut, sondern auch die Tatsache, dass eben auch kritische Kommentare vorgelesen wurden. So konnte tatsächlich die Jurydiskussion auf der Bühne noch um weitere Diskursstimmen erweitert werden – es war ein Abend des Austauschs, der Vielstimmigkeit. Und damit war es für mich ein extrem gelungenes Format.

Weil wir Buchblogger – wie ja schon im Beitrag auf Buch-Haltung.com deutlich geworden ist (guckt mal da, wie ich das Ergebnis vorausorakelt habe, ich bin eine BUCHBLOGGERMENTALISTIN!!!!11!1) – uns im Mehrheitsverhältnis andere Preisträger gewünscht hätten (nur beim Roman waren wir nicht einstimmig anderer Meinung als die Fachjury auf der Bühne), haben wir beschlossen, noch einen eigenen Preis zu vergeben. Während der offizielle Bayerische Buchpreis mit Geld und Porzellanlöwen verbunden ist, vergeben wir Buchbloggerliebe und bayerische Plüschlöwen, wie so richtige Buchblogger eben.

Und unsere Königlich-Bayerischen Buchpreisbloggerplüschlöwen vergeben wir an:

Jürgen Goldstein – Blau. Eine Wunderkammer seiner Bedeutungen

Petra Morsbach – Justizpalast

Die Plüschlöwen schicken wir den Autoren per Post zu und hoffen, sie freuen sich ein bisschen.

Wir zumindest freuen uns sehr. Über den lustigen Abend gestern, die interessanten Gespräche, die wir im Vorfeld und während des Abends geführt haben und denen wir lauschen durften, und vor allem aber: auf den Bayerischen Buchpreis 2018. Danke, dass ihr mitgelesen und mitdiskutiert habt!

 

Pfiad di, bis next‘s Johr!

P.S.: Die anderen Gäste der Preisverleihung haben übrigens auch noch was vom Buffet abbekommen, keine Sorge.

 

Katharina Herrmann

Katharina Herrmann

Vordenkerin der postfaktischen Literaturkritik, bloggt 4 the lulz, lebt in München.
Mail: katharina.herrmann (at) 54books.de
Katharina Herrmann

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6s Kommentare

  1. Gerockt habt ihr das Ganze – wie erwartet. Und was Du da schreibst bzgl. der Diskussion bei den Sachbüchern – ich muss gestehen, dass ich ein wenig später eingestiegen bin, weil das Kind mich noch in Beschlag genommen hatte – schreibst: sehr interessant. Auch die Reaktion von Frau Dorn, die wie immer sehr sachlich. leidenschaftlich und klug argumentierte – ich bin ein Fan, auch wenn ich nicht immer ihrer Meinung bin – vor der endgültigen Entscheidung in diesem Bereich sprach Bände. Alles in allem, sehr schön, die Veranstaltung und eure Begleitung vorher, währenddessen und nachher war für die Sichtbarkeit des Preises gerade im Netz ganz wichtig. Well done.

  2. Super Idee, noch eine eigene plüschige Auszeichnung mit echt-bayrischen Teddybären zu initiieren! 🙂

  3. Katharina Herrmann Katharina Herrmann

    Dankedankedanke! Aber: Wir hatten ja auch die weltbesten Mitleser/innen – wie dich.:)

  4. Katharina Herrmann Katharina Herrmann

    😀

  5. Klasse Bericht, fast so gut wie dabei zu sein und was abzubekommen vom Buffet. Bei der Live-Schalte musste ich leider schuften, sonst hätte ich euch gerne noch intensiver begleitet, aber das Projekt hat mir großen Spaß gemacht und ihr habt das echt klasse gemacht. Justizpalast und Franzobel klingen spannend, auf die habt ihr mich definitiv neugierig gemacht.
    Grüße vom Tierpark 😉

  6. Katharina Herrmann Katharina Herrmann

    Dankeschön! Erzähl dann mal, wie dir die Bücher gefallen haben, wenn du zum Lesen gekommen sein solltest! Kann man das Video vom Livestream nicht noch nachträglich anschauen?

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