Autor: Natalia Sadovnik

Ein kummergebrandmarktes ukrainisches Lexikon

von Natalia Sadovnik

So lebe ich: als Affe unter Affen

echt kummergebrandmarkt, mit sündiger Stirn,

schleudre ich mich gegen steinharte Wände,

bin ihr Sklave, Sklave, niedrigster Knecht.

Mit gewichtstrunkenen Schritten und firm

paradieren indes die Affen und tun so behände. (Wassyl Stus)

Deutsche Talkshow-Gäste dürfte das besonders freuen: Um die Hintergründe des russischen Krieges gegen die Ukraine zu verstehen, müssten sie nicht einmal Deutschland verlassen. Beginnen können wir in Bad Ems, wo der russische Zar Alexander II einst seinen Spa-Urlaub verbrachte. Die Gedenktafel am Haus der Vier Türme erinnert immer noch an seinen Emser Erlass von 1876, der Bücher, Theaterstücke und Konzerte auf Ukrainisch verbot. Dreizehn Jahre zuvor hatte der Innenminister Pjotr Walujew Ukrainisch bereits aus wissenschaftlichen und religiösen Schriften im Russischen Kaiserreich verbannt. Es war nicht das erste Mal: Bereits Peter der Große hatte das Ukrainische in mehreren Druckereien untersagt, eine ähnliche Sprachpolitik verfolgte auch seine Tochter Ekaterina. 

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