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Autor: Tilman Winterling

Tilman Winterling berät als Rechtsanwalt Verlage, Autoren und andere Kreative im Urheber- und Medienrecht. Als Blogger hat er sich sowohl im Bereich der Literaturkritik als auch -vermittlung in der Branche einen Namen gemacht. Rechtsanwalt Winterling ist zudem als Jurymitglied (u.a. Hamburger Literaturförderpreise) und Moderator von Lesungen tätig, sowie gefragter Interviewpartner (u.a. Deutschlandfunk, Radio Eins), wenn es darum geht verständlich und unterhaltsam über rechtliche Themen und solche des Bloggens zu berichten.

Die Grundlage meines Geschäfts: Origin von Dan Brown

Keine Fragen, sinnierte der Killer. Das ist die ungeschriebene Regel, die Grundlage meines Geschäfts.

Ohne Frage ist Dan Brown mit Illuminati und Sakrileg etwas – nicht nur kommerziell – außergewöhnliches gelungen. Dabei war das Verknüpfen von Verschwörungstheorien – in der Vor-YouTube-und-Fake-News-Zeit meist nur bekannt als harmlose als Mondlandung-in-der-Wüste und Elvis-lebt-Szenarios – und einfach, aber rasant erzähltem Thriller, keine Erfindung von dan brown origin lübbe coverBrown, auch nicht die Kombination des Jahrhunderte währenden Kampfes zwischen Kirche und Wissenschaft, die legendenartige Zelebrierung des Fights des Fortschritts gegen die Mär vom Paradies und dem Apfel, der sprechenden Schlange und den Salzsäulen, gab es als denkbar offensichtlichen Plot ebenfalls in der Zeit vor Dan.

So offensichtlich und durchschaubar bleibt bis heute alles was Dan Brown schreibt. So sehr die beiden Turbo-Bestseller damals einen Hype entfachten und wahrscheinlich nur irgendwie zur rechten Zeit am rechten Ort waren, schaffen es Autor und Verlag bis heute immer wieder den alten Wein in neue Schläuche zu füllen und von Bahnhofsbuchhandlung bis Bestsellerliste, sicher bald auch wieder Kinosäle, zu fluten.

Dabei will ich nicht verschweigen, dass ich die Brownschen Powerbücher Sakrileg und Illuminati schätze. Nicht weil sie besonders pfiffig konstruiert wären oder (das am wenigsten) gut geschrieben, sondern weil sie einem damals Heranwachsenden dieses Lesegefühl gaben, den Sog, den sonst nur Harry Potter Bücher hatten und eben auch genau in meine (Lebens)Zeit passten, die Empfänglichkeit für das Ablehnen des Alten, der Glaube an die Macht der Wissenschaft und die Faszination für das Uminterpretieren von Geschichte und Geschichten.

Wenn’s am schönsten ist

Der Fehler des Dan Brown war dabei, dass er sich nicht einfach ausgeruht hat. Wobei was heißt dabei Fehler, natürlich ist es sehr, sehr klug von ihm weiterzumachen, denn so wird er ja noch reicher, auch sein neustes Werk verkauft sich bestens und bei einem Ladenverkaufspreis von 28 Euro in deutschen Läden freuen sich Verlage, Buchhändler und Daniel Braun gleichermaßen über Origin. Literaturpreise und/pder Kritikeranerkennung stinken sowieso ziemlich gegen das ab was wirklich wichtig ist: Geld.

Deswegen hat der Bestseller Autor sein altes Kochrezept rausgeholt und damit ein neues, altes Buch geschrieben:

  • Hauptfigur: moderner Indiana Jones = Professor, aber cool, gebildet, aber nicht eingebildet, Tweed (ausgerechnet!), aber sexy
  • irgendeine geschichtsträchtige europäische Stadt: Rom, Paris, Florenz
  • ein Toter am Anfang, der irgendeiner superkrassen Entdeckung auf der Spur war oder supergeheimes Geheimwissen hatte
  • schöne Frau, die mit Professor zusammenarbeitet
  • ein fieslicher Killer, der am besten religös verblendet ist
  • supermächtige Drahtzieher irgendeiner unsympathischen Lobby (am besten katholisch)

Daher der Plot schnell für Origin gebaut:

Langdon + Bilbao, Barcelona, Madrid + toter Mentee des Profs, der publikumswirksam seine Superentdeckung präsentieren wollte, aber kurz vorher ebenso publikumswirksam erschossen wird + schöne Frau ist die superkluge, superschöne Leiterin des Guggenheim in Bilbao, die mit dem spanischen Thronfolger verlobt ist, der möglicherweise mit der katholischen Kirche Spaniens hinter dem Anschlag steckt + der Killer ein ehemaliger Marine Offizier mit – KLAR! – direktem Draht zum (Gegen-)Papst einer absurden Strömung der katholischen Kirche

Und der Mann zieht das ja durch, das ist wirklich derselbe (nicht dergleiche!) Plot wie alle anderen vorher auch. Großes Problem aber zu den Vorgängern, die Story ist jetzt wirklich endgültig durchgekaut und größtes Problem, mindestens die ersten 300 Seiten (so weit bin ich [Update: habe es zu Ende gelesen, es bleibt langweilig]) sind unglaublich langweilig. Von der Superentdeckung weiß der Leser immer noch nichts, es gibt einen superschlauen Computer und superböse Bösewichte, das isses. 28 Steine für den fünften Aufguss eines alten Tees, geschrieben von einem nicht so superschlauen Computer.

Damit ihr euch die Euros für den nächsten Bestseller sparen könnt, hier bereits der von mir durchgeplottete nächste Robert Langdon Powerseller:

  • Berlin
  • ein junger Historiker, der aber nebenbei an Quantencomputern forscht, hat entdeckt, dass Hitler gar nicht tot ist, er arbeitet (wirklich!) als Schichtleiter in einem VW-Werk in Argentinien,
  • weil aber Merkel nicht will, dass das rauskommt, verbündet sie sich mit der katholischen Kirche (obwohl ostdeutsche Pastorentochter!) und lässt Hitler und den Wissenschaftler umbringen, den Mord bezahlt sie mit Bitcoins und organisiert ihn über das Darknet mit ihrem Alias “Mutti” (hintergründiger Humor, aber doch so platt, dass es alle verstehen)
  • Robert Langdon war zu einem Kongress in Berlin und findet eine verschlüsselte Nachricht, er will die Entdeckung publik machen, weil Mutti das rausfindet, hetzt sie ihm und der schönen Elsa (Indianer Jones Referenz) auch einen Killer auf den Hals
  • Langdon muss deshalb superschnell nach Argentinien und rausfinden, ob Hitler einen Sohn hatte
  • am Ende wird alles gut
Beitragsbild von Cristina Gottardi auf Unsplash
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High five

Fünf, so weiß Wikipedia, ist eine natürliche Zahl zwischen vier und sechs. In Deutschland, so belehrt die Online Enzyklopädie weiter, ist 5 die zweitschlechteste Schulnote, in Österreich die schlechteste. In Russland, Ungarn, Türkei ist die Fünf die beste Schulnote. 54books ist jetzt auch 5, Platz wäre also noch für vier weitere oder 49 weitere Reckinnen und Recken. Unter dem Strich soll dies aber erstmal bedeuten: 54books wächst erneut.

Gegründet als Ventil für einen einzelnen Narzissten, bietet diese kleine Internethütte inzwischen Platz für vier weitere. Nachdem die hochgeschätzte Katharina Herrmann bereits mit ihrem vieldisktierten Beitrag Zur Kritik des normierten Lesens das Internet zum Beben brachte, lud man sie endlich auf Auch ein Land der Dichterinnen und Denkerinnen zum Gespräch ins Radio gewordene Feuilleton. Nach kurzfristiger Erweiterung des Teams um Matthias Warkus, der sich als dezidierter Sachbuchverreißer einen Namen machen soll, heiße ich, Tilman Winterling, nun auch noch Katrin Schuster und Samuel Hamen im Kreis der 54 willkommen.

Zu diesen Persönlichkeiten im Einzelnen:

Dr. Matthias Warkus wohnt als humanoider Roboter in einem Schuhkarton. Er ernährt sich von Sachbüchern und getragenen Tweedjackets alter Männer. Er liebt es gern warm und politisch aufgeheißt. Seine Freizeit füllt er mit dem Erstellen von Listen und Verrissen. Man möchte ihn gerne ermuntern auch das eigene Buch zu verreißen, aber Dr. MW kennt selbst genug schlechte Bücher.

Katrin Schuster hat bei dastelefonbuch.de nur eine Bewertung von zwei Sternen, ein erbärmliches Resultat, bedenkt man, dass das bloße Führen einer Telefonnummer keine allzu große Herausforderung darstellt. Mit einer Mischung aus Mitleid und Hoffnung auf Steigerung, nimmt 54books die studierte Germanistin und bereits viele Jahre als freie Journalistin tätig Gewesene, die heute für die digitale Kommunikation der Münchner Stadtbibliothek zuständig ist, gerne in seine Reihen auf. Mehr zu Katrin erfährt man dazu hier.

Samuel Hamen zitierte Jelinek in einem Zeit Online-Artikel über Buch Blogs und hat damit die Blogosprähe gegen sich aufgebracht (vgl. Katharina Herrmann, die macht das auch ständig). Entgegen der eigenen Darstellung trinkt er aber gerne Heißgetränke zu einem guten Schmöker, betreibt heimlich einen Instagram Account mit 1,7 Mrd. Followern und bloggt bereits auf ltrtr. Da die URL des Blogs zu sperrig ist, soll er 54books als Spielwiese und Versuchslabor erhalten, während er über Terrorvögel in der ostindischen Literatur des 13. Jahrhunderts: der Vogel muss die Axt sein für das gefrorene Buch in uns an der FH Schmalkalden promoviert.

Wir laden Sie, liebe Leserin und lieben Leser, ein uns zu folgen. 54books ist jetzt zu fünf – wie die Beatles!

Mehr zum Team und weitere erlogene Biographien der Mitglieder des Teamsa finden Sie hier.

Beitragsfoto von Đức Mạnh bei Unsplash
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Gespräch mit Albert Eibl vom DVB Verlag über “Das Vergessene Buch”

Als Student wundert man sich irgendwann, dass die Talente im Fußball mit Millionenverträgen jünger sind als man selbst. Doch Verleger und Verlegerinnen, so hat man zumeist das Glück, sind bis ins hohe Alter älter als man selbst. Der aus München stammende in Wien studierende Albert Eibl hat mit 24 Jahren den DVB Verlag gegründet und verlegt dort (bisher) vergessene österreichische Literatur der Zwischenkriegszeit. Verrückt? Nein! Denn Albert Eibl hat einen Plan und vor allem grandiose Literatur vor sich, davon erzählt er bei 54books.

1. Wo verläuft bei Dir die Grenze zwischen Liebhaberei, überambitioniert und Wahnsinn? Ein heute 27-jähriger Student, der bereits vor 3 Jahren einen Verlag gegründet hat, um vergessene Bücher wiederzuentdecken in einer Zeit des ständigen Abgesangs auf Buch und Buchhandel, voller Genretitel und immer schneller drehendem Markt. Die Frage muss also sein WARUM?

Die Grenze ist vielmehr ein schmaler Grad. Wer heutzutage einen anspruchsvollen Belletristikverlag gründet, muss sowohl ehrgeizig, als auch Liebhaber und ein Wahnsinniger. Trotz der generell schlechten Marktsituation denke ich, dass die Sehnsucht nach echter Kultur in unserer Generation gerade wächst. Nicht nur in der Literatur macht sich das bemerkbar. Darin liegt dann auch die Chance von Programmen, die Qualität über Quantität stellen und es damit schaffen, einen kleinen, aber feinen Zirkel von Lesern nachhaltig an sich zu binden.

2. Stoffe, die einmal funktioniert haben, funktionieren auch nochmal? Ist das eine Rechnung die aufgeht oder ist das viel zu kurz gedacht (sowohl vom Fragenden als auch vielleicht [?] vom Ausführenden)?

Das ist natürlich etwas zu kurz gedacht. Jedes Buch stellt ein eigenes Wagnis dar. Ich kann aufgrund von den bisher von mir verlegten Titeln natürlich irgendwelche Vorhersagen über den potentiellen Erfolg eines Titels treffen – wieviele Exemplare sich dann aber wirklich verkaufen, steht in den Sternen. Dafür spielen zuviele Faktoren mit rein – angefangen von der Wahl des richtigen Covers bis zur persönlichen Leidensgeschichte der Autorin. Verlegen ist da ein bisschen wie Roulette spielen. Wenn man Erfahrung hat und den richtigen Riecher kann das Risiko etwas minimieren. Wohin die Kugel dann aber genau fällt, bleibt dem Leser bzw. dem Markt und dem Literaturbetrieb überlassen.

3. Als Mitglied der Internationalen Stefan Zweig Gesellschaft kenne ich die Vorwürfe, dass sich das Nachkriegsösterreich zu wenig um den berühmten Wiener/”Salzburger” gekümmert hat. Du hast Dich ebenfalls auf Österreicher, bisher Frauen, spezialisert – warum sollen wir diese Titel auch heute noch lesen?

Die fünf bisher von mir verlegten Romane sind nicht nur für Österreicher oder Wiener interessant, obwohl sie in der Tat hauptsächlich in Wien und Umgebung spielen. Ich verlege nur Romane, von denen ich mir auch vorstellen kann, dass sie ein größeres Publikum interessieren könnten. Als Spiegel ihrer eigenen Zeit geben sie das spezifische Timbre wieder, die charakteristische Schwingung, die zur Zeit ihrer Entstehung in den Straßen und Cafes, auf den Plätzen und in den Vergnügungsstätten der mondänen Großstadt webte und durch die wir uns, wie in einer Zeitmaschine, zurückversetzen können zu jenem einzigartigen Nachmittag um 1900 an dem Arthur Schnitzler seine Melange mit Stefan Zweig und Felix Salten im berühmten Griensteidl trank und sich dabei gehörig seine Zunge verbrühte…Durch so manchen guten Roman kommen wir der Vergangenheit bedeutend näher als durch ein auf Hochglanz poliertes Geschichtsbuch – so meine Meinung.

4. Wie findest man solche Bücher? Ist es wirklich Recherche Arbeit im Antiquariat mit Wühlen durch “vergessene Bücher” oder ist es Arbeit am Lexikon und durch alte “Bestsellerlisten”?

Es ist weniger das wilde Wühlen im Antiquariat als die gezielte Recherche in Fachlexika, Tagebüchern der Zeit und Feuilletons, durch die man auf den ein oder anderen literarischen Schatz stoßen kann, der es Wert ist, wiederentdeckt zu werden. Zu den Tipps von interessierten Lesern kommen mittlerweile auch regelmäßig Anfragen und Angebote von Literaturwissenschaftlern, die ihrerseits vergessene Werke ausgegraben haben, die sie in meinem Verlag herausgeben wollen. Zusätzlich zu meinen eigenen Recherchen sondiere ich diese Angebote und entscheide mich dann für das Werk, das mir selbst am besten gefällt und von dem ich finde, dass es es Wert ist, ins kulturelle Gedächtnis der Leser zurückgeholt zu werden.

Auf Maria Lazar, die erste Autorin, die ich Ende 2014 verlegt habe, stieß ich durch eine Vorlesung zur österreichischen Zwischenkriegszeit von Herrn Prof. Johann Sonnleitner. Er erklärte sich dann überraschend schnell bereit, die beiden völlig in Vergessenheit geratenen Romane „Die Vergiftung“ und „Die Eingeborenen von Maria Blut“ in meinem noch völlig unbekannten Verlag neu herauszugeben und mit einem Nachwort zu versehen. Auch bei den beiden Werken von Marta Karlweis, die bis jetzt im DVB Verlag erschienen sind („Ein österreichischer Don Juan“ und „Schwindel. Geschichte einer Realität“) firmierte er als Herausgeber.

Auf den bisher medial und verkaufstechnisch erfolgreichsten Roman meines Verlags, den skandalträchtigen Rotlichtroman „Der heilige Skarabäus“ von 1909 machte mich erstmals die Grazer Germanistin Brigitte Spreitzer aufmerksam. Wenn du das im selben Band abgedruckte, rund 60 Seiten umfassende Nachwort zu Leben und Werk der Autorin Else Jerusalem liest, merkst du schnell, wieviel Arbeit es sein kann, eine völlig vergessene Autorin wieder zu rehabilitieren und sie im Kontext ihrer Zeit zu verorten. Dennoch lohnt sich der Aufwand allemal.

5. Du brauchst sicher Kritierien, ganz sicher ist es auch literarische Qualität, aber spielen bei Dir auch Überlegeungen hinsichtlich Zeitbezug, Skandalträchtigkeit oder andere Faktoren eine Rolle?

Als rein ideelles Unternehmen bleibt ein Verlag heutzutage leider schnell auf der Strecke. Ich muss mir also bei jedem wiederentdeckten Roman schon im voraus Gedanken machen, inwieweit ich genügend Aufmerksamkeit für ihn generieren kann, damit er bei seinem Erscheinen in einschlägigen Medien besprochen wird. Das wiederum führt dazu, dass Buchhändler ihn überhaupt in ihre Regale stellen und Leser ihn letztlich kaufen können. Ohne einen gewissen Umsatz und die Unterstützung von Förderungen für einzelne waghalsige Buchprojekte geht es nicht. So gesehen kommt der Wiederentdeckung eine skandalträchtige Autorenbiographie oder eine aufwühlende Hintergrundgeschichte natürlich immer zugute.

6. Wo willst Du hin mit Deinem Programm? Ist es absehbar, dass Du irgendwann sagst, “es gibt keine Bücher aus diesem Bereich mehr, die interessant für mich sind” oder wirst Du Dein Recherchegebiet einfach öffnen?

In der von mir in den letzten drei Jahren beackerten Nische der österreichischen Zwischenkriegszeit gibt es noch einige Werke, von denen es sich mit Sicherheit lohnen würde, sie wiederzuentdecken. Welche genau, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten (Berufsgeheimnis;)). Ich bin aber durchaus offen, mein Verlagsprogramm in Zukunft auszuweiten und noch ungeahnte und entferntere Gebiete der deutschsprachigen Literatur nach archäologischen Sensationen zu durchkämmen.


Albert-Eibl Eva Reisinger
©Eva Reisinger

Albert C. Eibl, Jg. 1990, studierte Deutsche Philologie, Philosophie und Politikwissenschaft in Zürich und Wien. Nach einer Hospitanz im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gründete er den Verlag Das vergessene Buch (DVB Verlag), dessen Inhaber und Geschäftsführer er ist. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge im Wiener Falter und dem österreichischen Nachrichtenmagazin PROFIL und ist seit 2016 Mitglied des österreichischen PEN Clubs.

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Moin aus dem Lesesaal

Blogs sind etwas für Opas! Wer heute angesagt ist und auf das schnelle Geld schielt, der muss zu YouTube gehen, denken zumindest die Leute, die den Trends immer geschmeidig hinterherhinken. Das Rückständigste sind dabei natürlich Bücher. Als Leser toter Bäume und Nutzer veralteter Technologie, kann man daher getrost jetzt erstmal paar YouTube-Videos machen, bevor das wieder retro wird. Videoschnipsel mit einer Länge von nicht mehr als 2 Minuten als Medium für Minimalaufmerksame eignen sich hervorragend auch für die schnelle Empfehlung von Büchern.

Der frische und angesagte Blogger dieser Zeilen betreibt daher seit Kurzem auch einen YouTube-Kanal. Mit im Boot ist dabei Stephanie Krawehl von der Hamburger Buchhandlung Lesesaal. Wer neben Lesen als auch Gucken und Hören kann, ist daher herzlich eingeladen dort vorbeizusehen und natürlich den Kanal zu abonnieren

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Glanz und Schatten – Michael Fehr

michael fehr glanz und schattenMit Erzählungen ist der schmale Band des Schweizer Verlages Der gesunde Menschenversand untertitelt. Beim Durchblättern fällt aber sofort der Satzspiegel ins Auge, der vielmehr Gedichte als Erzählungen vermuten lässt, tatsächlich sind die Texte wohl beides. Michael Fehr sieht so schlecht, dass er nicht schreibt, sondern spricht. Seine Lesungen sind dementsprechend eindrückliche Ereignisse, bei denen ein geheimnisvoller Mann mit geschlossenen Augen, zerbrechlich und in sich versunken, mit Kopfhörern seine Texte vor dem Rezitieren nachhört, sie also sich selbst nachspricht.

Der berühmteste Lyrik-Spruch, Musst Du laut lesen, sollte hier unbedingt einmal ausprobiert werden, bevor man dem dies Sagenden vor das Schienbein tritt. Michael Fehr arbeitet vor allem mit Wiederholungen, Variationen und die Parallele zur Fuge – vgl. Todesfuge von Celan – ist offensichtlich und glänzend umgesetzt. Seine Erzählungen daher viel poetischer, wirkmächtiger, eindringlicher als normale Prosa. Inhaltich sind sie meist eine Mischung aus Parabel und Fabel, Tiere sprechen, Menschen sind und bleiben allein oder fallen nach einem scheinbar rauschhaft-erfolgreichem Leben auf sich selbst zurück.

Die Kunst Fehrs ist selbstverständlich nicht unbeachtet geblieben, beim Bachmannpreis gewann er 2014 den Kelag-Preis, zweimal bereits den Literaturpreis des Kantons Bern. Weil aber seine Texte Aufmerksamkeit und Geduld erfordern, die die Wenigsten aufzubringen bereit sind, fliegt er trotzdem in Deutschland unter dem Radar. Wer jedoch Lust auf Kunst mit Sprache und Kunst aus Sprache hat, sollte zu Glanz und Schatten greifen und erleben was in der deutschsprachigen Literatur geschieht und mit der deutschen Sprache möglich ist.

“Er redet glänzend”
reden die Leute und schwatzen
“Ich sehe mies”
redet er zwischen sie hinein
“Er redet gut”
reden die Leute
strecken ihm glänzenden Fisch hin

In die Arbeitsweise Michael Fehrs führt das folgende Video ein. Sollte man die Gelegenheit haben eine Lesung von ihm in der Nähe veranstaltet zu wissen, sollte diese auch besucht werden. Schwizerdütsch sollte man sowieso viel mehr hören.

Zur Rezension von Jochen Kienbaum zu Michael Fehrs Krimi Simeliberg hier entlang.

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Wir sind das Blog

Wenn Dinge aufeinanderprallen, geht meistens etwas kaputt. Prallt beispielsweise eine Faust auf eine Nase, ist die Nase kaputt. Fällt eine Vase zu Boden, ist die Vase kaputt. Und wenn der Blog Kulturgeschwätz auf den Blog 54books aufschlägt, geht Kulturgeschwätz aufgrund seiner porösen Beschaffenheit kaputt – und wird ein Teil von 54books. Will sagen: In Zukunft passiert auf Kulturgeschwätz nichts mehr, weil Tilman der zugehörigen Bloggerin freundlicherweise eine kleine Spielecke auf 54books eingerichtet hat. Zukünftige Beiträge von Katharina erscheinen dann auf 54books, die alten Kulturgeschwätz-Beiträge werden nach und nach hier eingespeist.

Der eine sucht einen Geburtshelfer für seine Gedanken, der andre einen, dem er helfen kann: so entsteht ein gutes Gespräch.
Friedrich Nietzsche

Wir könnten unsere Fusion jetzt natürlich mit großen Duos der Literaturgeschichte vergleichen, beispielsweise mit Goethe und Schiller, Holz und Schlaf, Andersch und Frisch, Graf und Horvath, Fix und Foxi, wir belassen es aber lieber bei dem Hinweis, dass es ja laut Adorno bei manchen Leuten schon eine Unverschämtheit ist, wenn sie „ich“ sagen, weswegen wir ganz froh sind, ab jetzt „wir“ zu sagen, damit sind wir natürlich fein raus. Zu unserer Blogfusion haben wir auch einige wichtige Persönlichkeiten des Kulturbetriebs befragt:

Franz Kafka: „54books muss der Blog sein für die gefrorene Axt in uns!“

Marcel Reich-Ranicki: “Mich interessiert die Literatur, nicht das Blog.”

BILD: “Wir sind Blog!”

Fritz J. Raddatz: “Am meisten sind doch die gekränkt, die nicht in diesem Blog vorkommen.”

Plato: „Das ist ja dann die Idee des Buchblogs an sich!“

Albert Camus: “Das Absurde hat nur insofern einen Sinn, als man sich nicht mit ihm abfindet.”

Die Spannung ist also riesig – und wer weiß: Als vor ein paar Jahrtausenden ein Asteroid auf die Erde aufschlug, starben die Dinosaurier aus. Mal sehen, was wir noch so alles kaputt machen können.

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#ReisegruppeSonnenschein: Verlagebesuchen

Der Börsenverein des deutschen Buchhandels verschenkte zum Welttag des Buches, stets der 23. April eines Jahres, Bücher. Es folgten Blogger mit dem Häshtag #BloggerschenkenLesefreude und nun steigen auch die Verlage mit ein. Denn zum ersten Mal öffnen solche in ganz Deutschland am Wochenende vom 21. bis 23. April ihre Türen, laden zu Werkstattgesprächen, Lesungen, Erkundungen und Kennenlernen ein. Was sonst nur Blogger dürfen, soll nun auch der kleine Mann können: lauschen und Schnittchen essen. Der Kompetenz- und Serviceblog 54books hat für das Wochenende eine Reiseroute durch Berlin abgesteckt (Stichwort “Spaß”: Bollerwagen; Stichwort “Service”: Google Maps zum Ausdrucken).

#ReisegruppeSonnenschein

Die Übersicht über sämtliche Verlage und Orte gibt es hier.

Matthes & Seitz: Werkstattgespräch

22. April 2017 // 11:00-13:00 // Berlin

Göhrener Str. 4
Berlin, 10437

Anmeldung unter: info@matthes-seitz-berlin.de

In den 13 Jahren seines Bestehens hat der Verlag Matthes & Seitz sich mit kontinuierlich guter, nicht selten herausragender, Arbeit in den Olymp der Indies verdient. Der Morgen eurer Tour beginnt also mit Verleger Andreas Rötzer, der einen Einblick in die Verlagsgeschichte geben und von der Entstehungsgeschichte einiger Bücher, insbesondere aus der Reihe »Naturkunden«, berichten wird. Darauf einen ersten Feigling!

Secession Verlag für Literatur: Hier haben wir eine Sammlung indiskreter Bilder.

22. April 2017// 14:00-16:00// Berlin

Secession Verlag c/o Galerie p98a
Potsdamer Straße 98a
Berlin, 10785

Anmeldung unter: weidel@secession-verlag.com

Neben der obligatorischen Einführung in die Arbeit eines Verlags, die traditionell mit einem Aquavit begleitet wird, wird 54stories-Autorin Maren Kames lesen. Anschließend dürfen Dilettanten selbst Hand an eine Bleisatzmaschine legen, “um wenigstens einmal im Leben Druck auszuüben”, preist Secession an und stellt eine (die hoffentlich zweite) Goodie-Bag des Tages in Aussicht.

Eden Books: Der Name ist Programm

21. April 2017 //16:00-18:00// Berlin

Rosa-Luxemburg-Straße 14
Berlin, 10178

Anmeldung unter: hallo@edenbooks.de

Der Weg von der Postdamer Straße in die Rosa-Luxemburg-Straße sollte nicht länger als eine juristische Sekunde dauern. Denn dort begrüßen Jennifer Kroll und ihr Team die Reisegruppe mit einem Highball aus Ambrosia und Absinth (60:40). Frau Kroll, die möglicherweise ihre Wort von der Leipziger Autorenrunde, auf der ich sie traf, recyclen wird, behauptet, vor Ort gäbe es “etwas zum Lachen” und “Nähkästchen”. Dass das Ganze unterhaltsam wird, habe ich bei eben dieser Autorenrunde überprüft.

AvivA Verlag: Wir holen die zwanziger Jahre nach Moabit

21. April 2017 // 18:00-20:00 // Berlin

Emdener Str. 33
Berlin, 10551

Anmeldung unter: info@aviva-verlag.de

Auch hier dürfte der Übergang knapp werden, aber beim AvivA spricht die Verlegerin Britta Jürgs über ihre Schwäche für Literatur der zwanziger Jahre, die sie mit dem Reiseleiter teilt, darüber wie aus Ideen Bücher werden und was einen unabhängigen Verlag ausmacht. Nach Angabe der Verlegerin freut man sich darauf ins Gespräch zu kommen, was im Klartext wohl heißen dürfte, dass Kaltgetränke gereicht werden.

 

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