Jahr: 2017

Generation Generation

In stundenlanger, emsiger Kleinarbeit konnte der Verfasser des vorliegenden Beitrages folgende Liste von sogenannten Generationenbüchern zusammentragen:

  • Michael Adler (2011), Generation Mietwagen
  • Marcel Althaus (2017), Try Hard!: Generation YouTube
  • Sabine Asgodom/Bilen Asgodom (2010), Generation Erfolg
  • Roland Baader (1999), Die belogene Generation
  • Gabriele Bartsch/Raphael Gaßmann (2010), Generation Alkopops
  • Ulrich Beck (2007), Generation Global
  • Bernhard von Becker (2014), Babyboomer: Die Generation der Vielen
  • Peter Bergh (2003), Generation Golfkrieg
  • Hans Bertram/Carolin Deufhard (2014), Die überforderte Generation
  • Benjamin Bidder (2016), Generation Putin
  • Liane von Billerbeck (1999), Generation Ost
  • Herwig Birg (2006), Die ausgefallene Generation
  • Heike Bleuel (2007), Generation Handy
  • Stefan Bonner/Anne Weiss (2008), Generation Doof
  • Stefan Bonner/Anne Weiss (2016), Wir Kassettenkinder
  • Sascha Brinkmann/Joachim Hoppe (2010), Generation Einsatz: Fallschirmjäger berichten aus Afghanistan
  • Gisela Bruschek/Günter Keil (2008), Generation Kinderlos
  • Christina Bylow/Kristina Vaillant (2014), Die verratene Generation
  • Christian Cohrs/Eva Oer (2016), Generation Selfie
  • Dantse Dantse (2017), Burnout Generation
  • Annina Dessauer/Mirko Koch (2012), Generation Burn Out
  • Ursula Engelen-Kefer (2013), Eine verlorene Generation? Jugendarbeitslosigkeit in Europa
  • Gerhard Falschlehner (2014), Die digitale Generation
  • Susanne Finsterer/Edmund Fröhlich (2007), Generation Chips. Computer und Fastfood
  • Kathrin Fischer (2012), Generation Laminat
  • Leo Fischer (2012), Generation „Gefällt mir“
  • Erika Folges/Gerald Gatterer (2005), Generation 50 plus
  • Milan Freudenberg (2016), Generation Smartphone
  • Ines Geipel (2014), Generation Mauer
  • Christa Geissler/Monika Held (2007), Die Generation Plus lebt ihre Zukunft
  • Johannes Gernert (2010), Generation Porno
  • Manfred Gerspach (2014), Generation ADHS
  • Uta Glaubitz (2006), Generation Praktikum
  • Alina Gromova (2013), Generation »koscher light«
  • Meredith Haaf (2011), Heult doch: Über eine Generation und ihre Luxusprobleme
  • Michael Hacker/Stephanie Maiwald (2012), Dritte Generation Ost
  • Johnny Haeusler/Tanja Haeusler (2015), Netzgemüse: Aufzucht und Pflege der Generation Internet
  • Horst Hanisch (2016), Die flotte Generation Z im 21. Jahrhundert
  • Andreas Hock (2018), Generation Kohl
  • Ernst Hofacker/Meinrad Grewenig (2014), Generation Pop!
  • Klaus Hurrelmann/Erik Albrecht (2016), Die heimlichen Revolutionäre: Wie die Generation Y unsere Welt verändert
  • Katja Kullmann (2002), Generation Ally: Warum es heute so kompliziert ist, eine Frau zu sein
  • Philipp Ikrath/Bernhard Heinzlmaier (2013), Generation Ego
  • Florian Illies (2001), Generation Golf
  • Florian Illies (2003), Generation Golf zwei
  • Veronika Immler/Antje Steinhäuser (2010), Generation Yps
  • Maren Jahnke/Karen Schulz (2016), Schnellkochtopf: Die neue Generation
  • Oliver Jeges (2014), Generation Maybe
  • Sven Kuntze (2014), Die schamlose Generation
  • Daniel Kurth (2017), Generation Unverbindlich
  • Birgitta vom Lehn (2010), Generation G8
  • Theo Länge/Barbara Menke (2007), Generation 40plus
  • Claudia Langer (2012), Die Generation Man-müsste-mal
  • Roman Machens/Christoph Eydt (2015), Generation Sodbrennen
  • Ahmad Mansour (2017), Generation Allah
  • Rolf Meyer (2017), Generation der gewonnenen Jahre
  • Caren Miosga/Wolfgang Büscher (2011), Generation Wodka
  • Reinhard Mohr (2015), Generation Z
  • Jürgen Müller (2007), Generation Gold
  • Matthias Müller-Michaelis (2008), Generation Pleite
  • Michael Nast (2016), Generation Beziehungsunfähig
  • Paul Nolte (2005), Generation Reform
  • Michael Odent/Tanja Ohlsen (2014), Generation Kaiserschnitt
  • Nina Pauer (2011), Wir haben keine Angst: Gruppentherapie einer Generation
  • Christoph Quarch/Evelin König (2013), Wir Kinder der 80er
  • Hugo Ramnek (2017), Meine Ge-Ge-Generation
  • Martin Reichert (2008), Wenn ich mal groß bin: Das Lebensabschnittsbuch für die Generation Umhängetasche
  • Philipp Riederle (2013), Wer wir sind und was wir wollen: Ein Digital Native erklärt seine Generation
  • Jens Schneider et al. (2014), generation mix: Die superdiverse Zukunft unserer Städte
  • Christian Scholz (2014), Generation Z
  • Dirk Schunk (2004), Einführung in die Generation: Counter Strike
  • Stephanie Schwenkenbecher/Hannes Leitlein (2017), Generation Y
  • Michel Serres (2013), Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation
  • Hilal Sezgin (2006), Typisch Türkin? Porträt einer neuen Generation
  • Anna Spangenberg/Heike Kleffner (2016), Generation Hoyerswerda
  • Klaus Tauber (2008), Generation Fußnote
  • Gerlinde Unverzagt (2017), Generation ziemlich beste Freunde
  • Joachim Voss (2017), Generation Boxster S
  • Philippe Wampfler (2014), Generation „Social Media“
  • Katharina Weiß (2010), Generation Geil
  • Gülcin Wilhelm (2011), Generation Koffer: Die Pendelkinder der Türkei
  • Markus Willinger (2013), Die identitäre Generation
  • Bernhard Winkler (2013), So nicht! Anklage einer verlorenen Generation

Unschwer lässt sich erkennen, dass inzwischen quasi jeder Lebensaspekt in diesem nun immerhin auch schon über 15 Jahre alten Genre der deutschen Literatur (Generationenbücher vor Generation Golf zählen als Generationenbücher avant la lettre) abgebildet wird. Meine persönlichen Favoriten sind Generation Wodka, Generation Sodbrennen und Generation Laminat. Für die hiesige Sachbuchverriss-Rubrik plane ich derzeit, von denjenigen dieser Bücher, die für Centbeträge gebraucht zu bekommen sind (und das sind nicht wenige), die mit den lustigsten Titeln oder AutorInnennamen anzuschaffen und kurz zu rezensieren.

Bereits jetzt darf ich versprechen: Es wird dabei auch durchweg darum gehen, dass der Gebrauch des Ausdrucks »Generation« bei solchen Büchern und ganz allgemein bei »Generationentexten« sehr oft falsch und anmaßend ist; vgl. dazu auch die Kollegin Herrmann in ihrer Rezension zu Simon Strauß‘ »Generationenroman« Sieben Nächte.

Joachim Helfer et al. (Hg.) – Wenn ich mir etwas wünschen dürfte

Ein Buch mit dem Untertitel »Dichter und Denker zur Bundestagswahl 2017« wäre peinlich. Irgendjemand unter den Herausgebern (Joachim Helfer, Marco Meyer und Klaus Wettig) oder jemand beim Steidl-Verlag hat das noch rechtzeitig gemerkt, daher ist der 340-seitige Sammelband nicht mit dem verräterischen Untertitel, den man in der Artikelvorschau bei Amazon sehen konnte, erschienen, sondern heißt nun »Wenn ich mir etwas wünschen dürfte. Intellektuelle zur Bundestagswahl 2017«.

Von den 38 beteiligten Intellektuellen sind acht Frauen, das ist ein geringerer Anteil als bei der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, obwohl das knallrote Buch offen dafür antritt, für eine sozialdemokratische Bundesregierung zu argumentieren. (Harry Nutt stellt in seiner Rezension für die Frankfurter Rundschau auch fest, dass die Beiträge grob nach dem SPD-Parteiprogramm geordnet zu sein scheinen. Mir in meiner Naivität ist erst aufgefallen, dass es sich hier um eine parteipolitische Veröffentlichung handelt, als das Rezensionsexemplar schon auf meinem Schreibtisch lag.) Die Zusammenstellung der Beitragenden ist zumindest oberflächlich hochinteressant, da übliche Verdächtige (bis auf Tanja Dückers, die standesgemäß weniger als eine volle Doppelseite geliefert hat) komplett fehlen und stattdessen allein 22 größtenteils recht junge Philosophie-ProfessorInnen und -Dozierende aufgefahren werden. Die anderen sind nahezu vollständig entweder in Schriftstellerei, Publizistik, Politikwissenschaft oder -beratung zuhause, bis auf einen einsamen Musikwissenschaftler. Viele, wenn nicht gar die meisten von ihnen haben renommierte Adressen im Ausland im Lebenslauf (Harvard, Cambridge, Sankt Gallen usw.). Wie es sich für einen ordentlichen deutschen Diskursbeitrag gehört, kommen Naturwissenschaften nur zufällig vor, beispielsweise, weil einige der Beitragenden mal so etwas studiert oder darin promoviert haben. Dass aber auch andere geisteswissenschaftliche Felder jenseits der Philosophie und mit ihr verbandelter Querschnittsfächer gar nicht auftauchen, dass insbesondere die empirische Sozialforschung, die Kultur- und Religionswissenschaft, die Fachwissenschaften um Recht und innere Sicherheit nicht systematisch berücksichtigt wurden, ist angesichts der Konzeption des Buches als detailliertes und praxisnahes parteipolitisches Plädoyer anlässlich einer unmittelbar bevorstehenden Wahl kaum verständlich.

Das unübersichtliche, aber schicke Layout mit Großdruck und Flattersatz kontrastiert stark mit der Betulichkeit der Texte, die nahezu durchweg in dem zurückhaltenden und trockenen Idiom geschrieben sind, in das deutsche WissenschaftlerInnen meistens verfallen, wenn sie politische Forderungen kommunizieren. Wo immer man es aufschlägt, wimmelt es von Sharing Economy, globaler Gerechtigkeit, Kapitalflucht und Steuerwettbewerb. Eine gewisse unfreiwillige Komik kommt etwa dort auf, wo Marco Meyer in großer Ernsthaftigkeit bespricht, was eine SPD-Position zur zunehmenden Bedeutung computergestützter Entscheidungsverfahren (hier wie üblich mit Frank Schirrmacher, wenn auch nicht korrekt, als »Algorithmen« bezeichnet) sein könnte. Nur wenige Stellen stechen sprachlich aus dem mehr oder minder technokratischen Einheitsbrei hervor, etwa der haarsträubende Kurzbeitrag von Antje Rávic Strubel, der sich völlig darauf beschränkt, in von entsprechenden Texten aus der rechten Ecke nur im Detail unterscheidbarer Manier ein von sexueller Gewalt, drohenden Bürgerkriegen und einer bevorstehenden atomkriegsartigen Endzeitkatastrophe gebeuteltes Europa zu zeichnen.

Inhaltlich bietet sich wenig Überraschendes (mehr Geld für Bildung; mehr unbefristete Stellen, nicht nur, aber vor allem an der Uni; mehr Solidarität in Europa und überhaupt), und das, was überrascht, ist selten angenehm – so träumt Liane Dirks uns vor, dass sie gerne alle Politiker zwangsweise auf eine hübsch gelegene, sozusagen kastalische Akademie schicken würde, wo manfred-spitzer-mäßig allen die Handys abgenommen werden und WhatsApp verboten ist. Nicht nur bei solchen Beiträgen wird mir nicht klar, welche Lesezielgruppe dieses Buch hat – es hat seine Momente, mit denen es, wie bei Dirks und Strubel, das sanft reaktionäre Ü55-Milieu anspricht, das dieses Land seit mindestens 2010 dadurch dominiert, dass es auf jeden kulturpessimistischen Schlachtruf mit heftigem Kopfnicken reagiert; es ist in seiner Anlage aber eigentlich doch zu jung und zu differenziert, um den Baby-Boomern wirklich aus dem Herzen zu sprechen und sie einer Stimme für die SPD zuzutreiben. Für die akademische Intelligenz unter 40, die stark unter den Beitragenden vertreten ist, sind die Inhalte jedoch tendenziell zu bieder. Vielleicht wurde der Band hauptsächlich für Büchertische oder als Giveaway im Wahlkampf konzipiert?

Lehrreich ist er vor allem insofern, als man daraus erfährt, dass es tatsächlich noch ein SPD-geprägtes intellektuelles Milieu gibt, in dem holzschnittartige Erzählungen über das Elend des Neoliberalismus, die dann lediglich in völlig handelsübliche Forderungen nach gebührenfreier Kinderbetreuung und mehr Transferleistungen münden (Joachim Helfer), ebenso einen Ort haben wie Forderungen nach einer Art staatlicher Presse (Steffen Kopetzky) oder nach der völligen Enteignung der Kirchen (Michael Wildenhain). Ich prophezeie dem Buch jedenfalls: Es wird wenig gelesen werden und viel rumliegen. Erfreut bin ich immerhin darüber, dass Topoi des Antifeminismus und des Männerrechtlertums, obwohl punktuell zu finden, nicht so stark vertreten sind, wie man angesichts des Untertitels, der Geschlechterverteilung der Beitragenden und der Präsenz von Ralf Bönt befürchten konnte.

Disclaimer: Matthias Warkus ist kein Mitglied der SPD und ist es nie gewesen

Gespräch mit Albert Eibl vom DVB Verlag über „Das Vergessene Buch“

Als Student wundert man sich irgendwann, dass die Talente im Fußball mit Millionenverträgen jünger sind als man selbst. Doch Verleger und Verlegerinnen, so hat man zumeist das Glück, sind bis ins hohe Alter älter als man selbst. Der aus München stammende in Wien studierende Albert Eibl hat mit 24 Jahren den DVB Verlag gegründet und verlegt dort (bisher) vergessene österreichische Literatur der Zwischenkriegszeit. Verrückt? Nein! Denn Albert Eibl hat einen Plan und vor allem grandiose Literatur vor sich, davon erzählt er bei 54books.

1. Wo verläuft bei Dir die Grenze zwischen Liebhaberei, überambitioniert und Wahnsinn? Ein heute 27-jähriger Student, der bereits vor 3 Jahren einen Verlag gegründet hat, um vergessene Bücher wiederzuentdecken in einer Zeit des ständigen Abgesangs auf Buch und Buchhandel, voller Genretitel und immer schneller drehendem Markt. Die Frage muss also sein WARUM?

Die Grenze ist vielmehr ein schmaler Grad. Wer heutzutage einen anspruchsvollen Belletristikverlag gründet, muss sowohl ehrgeizig, als auch Liebhaber und ein Wahnsinniger. Trotz der generell schlechten Marktsituation denke ich, dass die Sehnsucht nach echter Kultur in unserer Generation gerade wächst. Nicht nur in der Literatur macht sich das bemerkbar. Darin liegt dann auch die Chance von Programmen, die Qualität über Quantität stellen und es damit schaffen, einen kleinen, aber feinen Zirkel von Lesern nachhaltig an sich zu binden.

2. Stoffe, die einmal funktioniert haben, funktionieren auch nochmal? Ist das eine Rechnung die aufgeht oder ist das viel zu kurz gedacht (sowohl vom Fragenden als auch vielleicht [?] vom Ausführenden)?

Das ist natürlich etwas zu kurz gedacht. Jedes Buch stellt ein eigenes Wagnis dar. Ich kann aufgrund von den bisher von mir verlegten Titeln natürlich irgendwelche Vorhersagen über den potentiellen Erfolg eines Titels treffen – wieviele Exemplare sich dann aber wirklich verkaufen, steht in den Sternen. Dafür spielen zuviele Faktoren mit rein – angefangen von der Wahl des richtigen Covers bis zur persönlichen Leidensgeschichte der Autorin. Verlegen ist da ein bisschen wie Roulette spielen. Wenn man Erfahrung hat und den richtigen Riecher kann das Risiko etwas minimieren. Wohin die Kugel dann aber genau fällt, bleibt dem Leser bzw. dem Markt und dem Literaturbetrieb überlassen.

3. Als Mitglied der Internationalen Stefan Zweig Gesellschaft kenne ich die Vorwürfe, dass sich das Nachkriegsösterreich zu wenig um den berühmten Wiener/“Salzburger“ gekümmert hat. Du hast Dich ebenfalls auf Österreicher, bisher Frauen, spezialisert – warum sollen wir diese Titel auch heute noch lesen?

Die fünf bisher von mir verlegten Romane sind nicht nur für Österreicher oder Wiener interessant, obwohl sie in der Tat hauptsächlich in Wien und Umgebung spielen. Ich verlege nur Romane, von denen ich mir auch vorstellen kann, dass sie ein größeres Publikum interessieren könnten. Als Spiegel ihrer eigenen Zeit geben sie das spezifische Timbre wieder, die charakteristische Schwingung, die zur Zeit ihrer Entstehung in den Straßen und Cafes, auf den Plätzen und in den Vergnügungsstätten der mondänen Großstadt webte und durch die wir uns, wie in einer Zeitmaschine, zurückversetzen können zu jenem einzigartigen Nachmittag um 1900 an dem Arthur Schnitzler seine Melange mit Stefan Zweig und Felix Salten im berühmten Griensteidl trank und sich dabei gehörig seine Zunge verbrühte…Durch so manchen guten Roman kommen wir der Vergangenheit bedeutend näher als durch ein auf Hochglanz poliertes Geschichtsbuch – so meine Meinung.

4. Wie findest man solche Bücher? Ist es wirklich Recherche Arbeit im Antiquariat mit Wühlen durch „vergessene Bücher“ oder ist es Arbeit am Lexikon und durch alte „Bestsellerlisten“?

Es ist weniger das wilde Wühlen im Antiquariat als die gezielte Recherche in Fachlexika, Tagebüchern der Zeit und Feuilletons, durch die man auf den ein oder anderen literarischen Schatz stoßen kann, der es Wert ist, wiederentdeckt zu werden. Zu den Tipps von interessierten Lesern kommen mittlerweile auch regelmäßig Anfragen und Angebote von Literaturwissenschaftlern, die ihrerseits vergessene Werke ausgegraben haben, die sie in meinem Verlag herausgeben wollen. Zusätzlich zu meinen eigenen Recherchen sondiere ich diese Angebote und entscheide mich dann für das Werk, das mir selbst am besten gefällt und von dem ich finde, dass es es Wert ist, ins kulturelle Gedächtnis der Leser zurückgeholt zu werden.

Auf Maria Lazar, die erste Autorin, die ich Ende 2014 verlegt habe, stieß ich durch eine Vorlesung zur österreichischen Zwischenkriegszeit von Herrn Prof. Johann Sonnleitner. Er erklärte sich dann überraschend schnell bereit, die beiden völlig in Vergessenheit geratenen Romane „Die Vergiftung“ und „Die Eingeborenen von Maria Blut“ in meinem noch völlig unbekannten Verlag neu herauszugeben und mit einem Nachwort zu versehen. Auch bei den beiden Werken von Marta Karlweis, die bis jetzt im DVB Verlag erschienen sind („Ein österreichischer Don Juan“ und „Schwindel. Geschichte einer Realität“) firmierte er als Herausgeber.

Auf den bisher medial und verkaufstechnisch erfolgreichsten Roman meines Verlags, den skandalträchtigen Rotlichtroman „Der heilige Skarabäus“ von 1909 machte mich erstmals die Grazer Germanistin Brigitte Spreitzer aufmerksam. Wenn du das im selben Band abgedruckte, rund 60 Seiten umfassende Nachwort zu Leben und Werk der Autorin Else Jerusalem liest, merkst du schnell, wieviel Arbeit es sein kann, eine völlig vergessene Autorin wieder zu rehabilitieren und sie im Kontext ihrer Zeit zu verorten. Dennoch lohnt sich der Aufwand allemal.

5. Du brauchst sicher Kritierien, ganz sicher ist es auch literarische Qualität, aber spielen bei Dir auch Überlegeungen hinsichtlich Zeitbezug, Skandalträchtigkeit oder andere Faktoren eine Rolle?

Als rein ideelles Unternehmen bleibt ein Verlag heutzutage leider schnell auf der Strecke. Ich muss mir also bei jedem wiederentdeckten Roman schon im voraus Gedanken machen, inwieweit ich genügend Aufmerksamkeit für ihn generieren kann, damit er bei seinem Erscheinen in einschlägigen Medien besprochen wird. Das wiederum führt dazu, dass Buchhändler ihn überhaupt in ihre Regale stellen und Leser ihn letztlich kaufen können. Ohne einen gewissen Umsatz und die Unterstützung von Förderungen für einzelne waghalsige Buchprojekte geht es nicht. So gesehen kommt der Wiederentdeckung eine skandalträchtige Autorenbiographie oder eine aufwühlende Hintergrundgeschichte natürlich immer zugute.

6. Wo willst Du hin mit Deinem Programm? Ist es absehbar, dass Du irgendwann sagst, „es gibt keine Bücher aus diesem Bereich mehr, die interessant für mich sind“ oder wirst Du Dein Recherchegebiet einfach öffnen?

In der von mir in den letzten drei Jahren beackerten Nische der österreichischen Zwischenkriegszeit gibt es noch einige Werke, von denen es sich mit Sicherheit lohnen würde, sie wiederzuentdecken. Welche genau, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten (Berufsgeheimnis;)). Ich bin aber durchaus offen, mein Verlagsprogramm in Zukunft auszuweiten und noch ungeahnte und entferntere Gebiete der deutschsprachigen Literatur nach archäologischen Sensationen zu durchkämmen.


Albert-Eibl Eva Reisinger
©Eva Reisinger

Albert C. Eibl, Jg. 1990, studierte Deutsche Philologie, Philosophie und Politikwissenschaft in Zürich und Wien. Nach einer Hospitanz im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gründete er den Verlag Das vergessene Buch (DVB Verlag), dessen Inhaber und Geschäftsführer er ist. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge im Wiener Falter und dem österreichischen Nachrichtenmagazin PROFIL und ist seit 2016 Mitglied des österreichischen PEN Clubs.

Glanz und Schatten – Michael Fehr

michael fehr glanz und schattenMit Erzählungen ist der schmale Band des Schweizer Verlages Der gesunde Menschenversand untertitelt. Beim Durchblättern fällt aber sofort der Satzspiegel ins Auge, der vielmehr Gedichte als Erzählungen vermuten lässt, tatsächlich sind die Texte wohl beides. Michael Fehr sieht so schlecht, dass er nicht schreibt, sondern spricht. Seine Lesungen sind dementsprechend eindrückliche Ereignisse, bei denen ein geheimnisvoller Mann mit geschlossenen Augen, zerbrechlich und in sich versunken, mit Kopfhörern seine Texte vor dem Rezitieren nachhört, sie also sich selbst nachspricht.

Der berühmteste Lyrik-Spruch, Musst Du laut lesen, sollte hier unbedingt einmal ausprobiert werden, bevor man dem dies Sagenden vor das Schienbein tritt. Michael Fehr arbeitet vor allem mit Wiederholungen, Variationen und die Parallele zur Fuge – vgl. Todesfuge von Celan – ist offensichtlich und glänzend umgesetzt. Seine Erzählungen daher viel poetischer, wirkmächtiger, eindringlicher als normale Prosa. Inhaltich sind sie meist eine Mischung aus Parabel und Fabel, Tiere sprechen, Menschen sind und bleiben allein oder fallen nach einem scheinbar rauschhaft-erfolgreichem Leben auf sich selbst zurück.

Die Kunst Fehrs ist selbstverständlich nicht unbeachtet geblieben, beim Bachmannpreis gewann er 2014 den Kelag-Preis, zweimal bereits den Literaturpreis des Kantons Bern. Weil aber seine Texte Aufmerksamkeit und Geduld erfordern, die die Wenigsten aufzubringen bereit sind, fliegt er trotzdem in Deutschland unter dem Radar. Wer jedoch Lust auf Kunst mit Sprache und Kunst aus Sprache hat, sollte zu Glanz und Schatten greifen und erleben was in der deutschsprachigen Literatur geschieht und mit der deutschen Sprache möglich ist.

„Er redet glänzend“
reden die Leute und schwatzen
„Ich sehe mies“
redet er zwischen sie hinein
„Er redet gut“
reden die Leute
strecken ihm glänzenden Fisch hin

In die Arbeitsweise Michael Fehrs führt das folgende Video ein. Sollte man die Gelegenheit haben eine Lesung von ihm in der Nähe veranstaltet zu wissen, sollte diese auch besucht werden. Schwizerdütsch sollte man sowieso viel mehr hören.

Zur Rezension von Jochen Kienbaum zu Michael Fehrs Krimi Simeliberg hier entlang.

Wir sind das Blog

Wenn Dinge aufeinanderprallen, geht meistens etwas kaputt. Prallt beispielsweise eine Faust auf eine Nase, ist die Nase kaputt. Fällt eine Vase zu Boden, ist die Vase kaputt. Und wenn der Blog Kulturgeschwätz auf den Blog 54books aufschlägt, geht Kulturgeschwätz aufgrund seiner porösen Beschaffenheit kaputt – und wird ein Teil von 54books. Will sagen: In Zukunft passiert auf Kulturgeschwätz nichts mehr, weil Tilman der zugehörigen Bloggerin freundlicherweise eine kleine Spielecke auf 54books eingerichtet hat. Zukünftige Beiträge von Katharina erscheinen dann auf 54books, die alten Kulturgeschwätz-Beiträge werden nach und nach hier eingespeist.

Der eine sucht einen Geburtshelfer für seine Gedanken, der andre einen, dem er helfen kann: so entsteht ein gutes Gespräch.
Friedrich Nietzsche

Wir könnten unsere Fusion jetzt natürlich mit großen Duos der Literaturgeschichte vergleichen, beispielsweise mit Goethe und Schiller, Holz und Schlaf, Andersch und Frisch, Graf und Horvath, Fix und Foxi, wir belassen es aber lieber bei dem Hinweis, dass es ja laut Adorno bei manchen Leuten schon eine Unverschämtheit ist, wenn sie „ich“ sagen, weswegen wir ganz froh sind, ab jetzt „wir“ zu sagen, damit sind wir natürlich fein raus. Zu unserer Blogfusion haben wir auch einige wichtige Persönlichkeiten des Kulturbetriebs befragt:

Franz Kafka: „54books muss der Blog sein für die gefrorene Axt in uns!“

Marcel Reich-Ranicki: „Mich interessiert die Literatur, nicht das Blog.“

BILD: „Wir sind Blog!“

Fritz J. Raddatz: „Am meisten sind doch die gekränkt, die nicht in diesem Blog vorkommen.“

Plato: „Das ist ja dann die Idee des Buchblogs an sich!“

Albert Camus: „Das Absurde hat nur insofern einen Sinn, als man sich nicht mit ihm abfindet.“

Die Spannung ist also riesig – und wer weiß: Als vor ein paar Jahrtausenden ein Asteroid auf die Erde aufschlug, starben die Dinosaurier aus. Mal sehen, was wir noch so alles kaputt machen können.

#ReisegruppeSonnenschein: Verlagebesuchen

verlagebesuchen welttag des buchs

Der Börsenverein des deutschen Buchhandels verschenkte zum Welttag des Buches, stets der 23. April eines Jahres, Bücher. Es folgten Blogger mit dem Häshtag #BloggerschenkenLesefreude und nun steigen auch die Verlage mit ein. Denn zum ersten Mal öffnen solche in ganz Deutschland am Wochenende vom 21. bis 23. April ihre Türen, laden zu Werkstattgesprächen, Lesungen, Erkundungen und Kennenlernen ein. Was sonst nur Blogger dürfen, soll nun auch der kleine Mann können: lauschen und Schnittchen essen. Der Kompetenz- und Serviceblog 54books hat für das Wochenende eine Reiseroute durch Berlin abgesteckt (Stichwort „Spaß“: Bollerwagen; Stichwort „Service“: Google Maps zum Ausdrucken).

#ReisegruppeSonnenschein

Die Übersicht über sämtliche Verlage und Orte gibt es hier.

Matthes & Seitz: Werkstattgespräch

22. April 2017 // 11:00-13:00 // Berlin

Göhrener Str. 4
Berlin, 10437

Anmeldung unter: info@matthes-seitz-berlin.de

In den 13 Jahren seines Bestehens hat der Verlag Matthes & Seitz sich mit kontinuierlich guter, nicht selten herausragender, Arbeit in den Olymp der Indies verdient. Der Morgen eurer Tour beginnt also mit Verleger Andreas Rötzer, der einen Einblick in die Verlagsgeschichte geben und von der Entstehungsgeschichte einiger Bücher, insbesondere aus der Reihe »Naturkunden«, berichten wird. Darauf einen ersten Feigling!

Secession Verlag für Literatur: Hier haben wir eine Sammlung indiskreter Bilder.

22. April 2017// 14:00-16:00// Berlin

Secession Verlag c/o Galerie p98a
Potsdamer Straße 98a
Berlin, 10785

Anmeldung unter: weidel@secession-verlag.com

Neben der obligatorischen Einführung in die Arbeit eines Verlags, die traditionell mit einem Aquavit begleitet wird, wird 54stories-Autorin Maren Kames lesen. Anschließend dürfen Dilettanten selbst Hand an eine Bleisatzmaschine legen, „um wenigstens einmal im Leben Druck auszuüben“, preist Secession an und stellt eine (die hoffentlich zweite) Goodie-Bag des Tages in Aussicht.

Eden Books: Der Name ist Programm

21. April 2017 //16:00-18:00// Berlin

Rosa-Luxemburg-Straße 14
Berlin, 10178

Anmeldung unter: hallo@edenbooks.de

Der Weg von der Postdamer Straße in die Rosa-Luxemburg-Straße sollte nicht länger als eine juristische Sekunde dauern. Denn dort begrüßen Jennifer Kroll und ihr Team die Reisegruppe mit einem Highball aus Ambrosia und Absinth (60:40). Frau Kroll, die möglicherweise ihre Wort von der Leipziger Autorenrunde, auf der ich sie traf, recyclen wird, behauptet, vor Ort gäbe es „etwas zum Lachen“ und „Nähkästchen“. Dass das Ganze unterhaltsam wird, habe ich bei eben dieser Autorenrunde überprüft.

AvivA Verlag: Wir holen die zwanziger Jahre nach Moabit

21. April 2017 // 18:00-20:00 // Berlin

Emdener Str. 33
Berlin, 10551

Anmeldung unter: info@aviva-verlag.de

Auch hier dürfte der Übergang knapp werden, aber beim AvivA spricht die Verlegerin Britta Jürgs über ihre Schwäche für Literatur der zwanziger Jahre, die sie mit dem Reiseleiter teilt, darüber wie aus Ideen Bücher werden und was einen unabhängigen Verlag ausmacht. Nach Angabe der Verlegerin freut man sich darauf ins Gespräch zu kommen, was im Klartext wohl heißen dürfte, dass Kaltgetränke gereicht werden.

 

Anlässlich 150 Jahren Reclams Universalbibliothek – Ein Interview mit Claudia Feldtenzer

1. Mit dem Slogan „Gehasst. Geliebt. Gelesen!“ feiert Reclam die 150 Jahre des Bestehens der Universal-Bibliothek. Ich schwanke zwischen Hochachtung für diese Form der Selbstironie und dem Eindruck, dass auch etwas Trotz im Slogan mitschwingt, „Ihr mögt uns nicht, aber ihr werdet zu uns gezwungen“. Ist das so?

Für mich ist der Slogan vor allem eine selbstironische Annahme der Tatsache, dass wir von vielen Lesern in der Schule zwar mit unter gehasst werden, sich dieses Gefühl aber im Laufe der Jahre augenscheinlich ändert, das hören wir immer wieder – und zur nostalgischen Verliebtheit, manchmal auch zur großen Liebe wird. Kennt man ja vielleicht auch von dem einen oder anderen Mitschüler oder Mitschülerin.

2. Der Unwille des Schüles für die Lektüre von „Bahnwärter Thiel“ 3,00 € Taschengeld auszugeben ist sicher nicht neu. Wie kann man sich trotzdem die niedrigen Preise der Universal-Bibliothek erklären?

Die niedrigen Preise der Universal-Bibliothek erklären sich durch den rechtlich gemeinfreien Textbestand und die hohen Auflagen, die wir bei Schulklassikern wie zum Beispiel Hauptmanns „Bahnwärter Thiel“ oder auch Goethes „Faust“ erreichen – aber auch erreichen müssen, um die niedrigen Preise halten können. Das eine bedingt das andere.

3. Was müssen „Neuaufnahmen“ mitbringen, um das gelbe Jäckchen anzuziehen zu dürfen?

70 Jahren tot sein. Keine schöne Aussicht für Nachwuchsautoren also.

4. Eure Jubiläumsedition sieht optisch anders aus – aber ist es überhaupt denkbar das Design, gar das Format der UB dauerhaft zu verändern?

Das UB-Format kann man nicht ändern; das ist Reclam, das Herzstück des Verlag. Passend für jede Jackentasche. Unschlagbar beliebt – ja Kult. Gerade in Gelb. Die Bände sind auch bei jüngeren Leserschichten weiterhin überaus populär. Sie repräsentieren ein Lebensgefühl, das eines breites Intellektualismus, der zudem gut in die hippe Instagram-Optik der Gegenwart passt. Dass eine Designanpassung darüber hinaus hervorragend funktioniert, sehen wir an der Jubiläumsedition. Hier ist es uns gelungen, das kanonische Aussehen der UB in schwarz/ gelb in eine moderne bibliophile Gestaltung zu überführen, die der Marke Reclam treu bleibt. Im Herbst werden noch einmal 8 Bände erscheinen, die sich von den Frühjahrstitel zwar etwas unterscheiden, sich zu diesen jedoch komplementär verhalten. Zusammen laden Frühjahrs- und Herbstkollektion ein, große Literatur wiederzuentdecken. Es sind viele Lieblingsbücher von mir dabei, Bücher, die einen ein Leben begleiten – die hübschen Bücher sind also auch nicht nur optisch ein Genuss!

5. Trotz 150 Jahren UB ist ziemlich Bewegung bei euch. Eine beachtete Neuübersetzung von Prousts À la recherche du temps perdu, die Reihe „100 Seiten“, sowie gänzlich neue Formate, probiert Reclam sich nur aus oder ist sogar denkbar, dass man in den Bereich der zeitgenössischen Belletristik vordringt?

Das hast du richtig erkannt, Reclam probiert gerade im Programm viel Neues aus. Wir wollen uns neuen Lesern öffnen ohne unsere klassischen Themen zu vernachlässigen – die 100 Seiten Reihe ist hierfür ein ausgezeichnetes Beispiel. Wir haben die Reihe innerhalb eines Jahres im Team entwickelt, das war sehr intensiv und hat einen Riesenspaß gemacht. Total die Glücksgefühle! Und ja, da machen wir weiter. Da kann man auch schlecht aufhören. An Ideen mangelt es nicht, aber zeitgenössische Belletristik sehe ich ehrlich gesagt bei uns erst mal nicht. Ich denke im Moment mehr in Richtung Philosophie, da haben wir gerade eine tolle Kooperation mit dem Philosophie Magazin gestartet; und auch weitere Klassiker-Editionen ähnlich zur Jubiläumsedition kann ich mir vorstellen.

6. Die nächsten 150 Jahre werden schwer zu überblicken oder zu prognostizieren sein, aber was wünscht Du Dir für die kommenden 5 oder 10 Jahre im Hause Reclam?

Ich wünsche mir, dass wir auch in den nächsten Jahren so mutig in der Programmgestaltung bleiben können, neue Buchformen und Reihenformate zu entwickeln. Wir haben eine wahnsinnig tolle Textbasis und ein kaum zu überschätzendes Potential, das verschenkt wäre, würden wir es nicht nutzen. Ich wünsche mir, dass sich die Ideen und die ganze Kreativität in wirtschaftliche Erfolge umwandeln, denn nur so kann der Verlag noch weitere 150 Jahre bestehen. Und nichts weniger wünsche ich ihm.


reclam universalbibliothek interview claudia feldtenzer

Claudia Feldtenzer, geb. 1982, ist seit 2012 Presseleitung bei Reclam. Seit März 2015 arbeitet sie zudem in der Programmplanung inhaltlich mit und ist als Reihenkoordinatorin für die Reihe „100 Seiten“ verantwortlich. Weitere Projekte: Buchreihe mit dem Philosophie Magazin, Jubiläumsedition.

Beitragsbild: Fredrik von Erichsen, Wikipedia
Bild Claudia Feldtenzer: privat

B. Traven – Der Caoba Zyklus

Blogbuster-Autor Torsten Seifert schreibt in seinem Roman „Der Schatten des Unsichtbaren“ über die Suche nach dem mysteriösen Schriftsteller B. Traven. Aus dem umfangreichen Werk des Bestseller-Autors empfiehlt er vor allem den sechsteiligen Caoba-Zyklus:

  • „Der Karren“
  • „Regierung“
  • „Der Marsch ins Reich der Caoba“
  • „Die Troza“
  • „Die Rebellion der Gehenkten“
  • „Ein General kommt aus dem Dschungel“

Das Werk einer Dekade

Es war im Jahr 1930, als Kurt Tucholsky den Schriftsteller B. Traven in einem Weltbühne-Artikel als aufsehenerregendes Phänomen bezeichnete – und das, obwohl er ihm die eigentlichen literarischen und sprachlichen Qualitäten absprach. Die Gesamtauflage des geheimnisvollen Autors, um dessen Identität sich die wildesten Gerüchte rankten, steuerte damals bereits auf die erste Million zu. In dieser Phase erschienen in kurzer Folge seine neuen Romane „Der Karren“ und „Regierung“ (beide 1931). Sie bildeten den Anfang eines sechsteiligen Zyklus über die Zwangsarbeit der Indios in den Mahagoni-Lagern sowie über die mexikanische Revolution von 1910. Der Zyklus wurde zum Mittelpunkt von Travens Schaffen in den Dreißigerjahren. Während die ersten beiden Bände von der Büchergilde Gutenberg noch in Deutschland veröffentlicht werden konnten, erschienen „Der Marsch ins Reich der Caoba“ (1933), „Die Troza“ (1936) und „Die Rebellion der Gehenkten“ (1936) bereits aus dem Züricher Büchergilde-Exil. Der abschließende Roman „Ein General kommt aus dem Dschungel“ (1940) wurde zuerst in Amsterdam veröffentlicht.

Literarischer Sprengstoff gegen das Naziregime

Traven hatte seine Anklage von sozialer Ungerechtigkeit, Profitgier und Willkür so angelegt, dass die Analogien zur damaligen welthistorischen Situation schwer zu übersehen waren. Das blieb auch den Zensoren des Hitler-Regimes nicht verborgen, die bereits den zweiten Roman „Regierung“ auf ihre Verbotsliste setzten.

Worum geht es? Mexiko zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die indianische Bevölkerung ist entrechtet und wird unterdrückt. In den Holzfällerlagern, den berüchtigten Monterias im Dschungel von Chiapas, schuften Indios unter menschenunwürdigen Bedingungen, um den Hunger der reichen Nationen nach edlem Holz zu stillen. Ein perfides Schuldensystem, aus dem die Holzfäller sich mit ehrlicher Arbeit unmöglich befreien können, macht sie praktisch zu Sklaven der Großgrundbesitzer.

Eine der Hauptfiguren ist Andres. Im Alter von 11 Jahren war er Leibeigner des Kaufmanns Don Leonardo geworden. Neben der Tätigkeit im Laden gewährt ihm sein Gutsherr den abendlichen Schulbesuch. Doch nach vier Jahren verliert Don Leonardo seinen Burschen beim Glücksspiel an Don Laureano, dem er von da an als Fuhrknecht dient. Als 18jähriger entscheidet sich Andres, in die Monteria zu gehen, um die Schulden seines alten Vaters abzuarbeiten. Ein ähnliches Schicksal hat Candido ereilt, den ebenfalls hohe Schulden drücken. Anders ist die Lage bei Celso, der gerade erst dem Holzfällerlager entkommen ist. Auf dem Weg in sein Dorf, wo er endlich sein Mädchen heiraten wollte, die zwei Jahre lang auf ihn gewartet hatte, wird er Opfer von Schergen der Monterias. Sie verwickeln ihn in eine Schlägerei und sorgen für seine Verurteilung. Der Gutsherr Don Gabriel kauft ihn aus dem Gefängnis frei und schickt ihn zurück in das Holzfällerlager.

Unmenschliche Bedingungen

Gemeinsam mit 200 weiteren Männern und  Frauen machen sich die drei auf den beschwerlichen Marsch in den Dschungel. Gepeinigt von Moskitos, Hunger und sadistischen Aufsehern kommen sie in der Monteria an. Im Laden der Firma müssen sie sich zu überhöhten Preisen mit dem Nötigsten eindecken und geraten dabei in die nächste Schuldenfalle.

Die ohnehin schon harten Arbeitsbedingungen werden untragbar, als die berüchtigten Brüder Montellano den Betrieb übernehmen. Sie verlangen unmenschliche Leistungen, die selbst von den stärksten Arbeitern nicht mehr erbracht werden können. Allmählich wächst der Widerstand, bis die Bestrafung eines kleinen unschuldigen Jungen, dem die Unterdrücker die Ohren abschneiden, das Fass zum Überlaufen bringt. Endlich begehren die Entrechteten auf. Sie erschlagen ihre Aufseher und holen sich im Akt der Rebellion ihre Würde und Individualität zurück. Schon bald bildet sich eine Gruppe, die von desertierten Soldaten und ehemaligen Lehrern angeleitet wird. Aus den Geknechteten wird eine Rebelleneinheit. Sie lassen das Lager hinter sich und werden Teil der mexikanischen Revolution, der aus B. Travens Sicht, „interessantesten Revolution, die sich je zugetragen hat“. Sie nehmen erste Anwesen ein und finden weitere Mitstreiter. Ihr Feind ist in der Überzahl und besser bewaffnet. Doch ihre Kampfmoral lässt sie die Scharmützel ein ums andere Mal gewinnen.

Derb, proletarisch und zutiefst menschlich

Traven erzählt die Geschichte in unverstellter, derber, proletarischer Sprache und ist dennoch voller Menschlichkeit oder sogar Zärtlichkeit, etwa, als er die aufkeimende Liebe zwischen Andres und seinem „Sternchen“ beschreibt, einem Indianermädchen, das er völlig verängstigt auf einem Fest entdeckt. Happy Ends sind seine Sache allerdings nicht. Denn letztlich führt die neu gewonnene Freiheit der Indios schnell zu denselben Konflikten, die vor der Revolution bestanden – nur mit umgekehrten Vorzeichen. Während der eine Teil der Truppe die Verhältnisse im ganzen Land ändern will, reicht dem anderen die Aussicht auf Freiheit, einen Esel und ein eigenes Stückchen Erde. Auch die Verhaltensweisen bei den Offizieren der Rebellenarmee erinnern schon bald an die der Regierungstruppen. Der revolutionäre Gedanke wird im Streit um Posten und Vorteile zerrieben.

Die gnadenlose Beschreibung des Scheiterns der Revolution wollte Traven womöglich als Warnung verstanden wissen. Er war allerdings Literat genug, um den Leser nach der Lektüre des mehr als tausendseitigen Mammutwerks wenigstens mit einer kleinen Utopie zu versöhnen: der Kommune „Solipaz“. Der Anschein, alles wäre umsonst gewesen, gewinnt dadurch nicht völlig die Oberhand.

Ein bemerkenswertes und im wahrsten Sinne episches Werk, das auch 90 Jahre nach seinem Erscheinen nichts an Aktualität verloren hat.

Beitragsbild: Francisco Madero, seine Frau und Rebellen (Foto aus der ersten Jahreshälfte 1911), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=262269

Interview zu „Der Schatten des Unsichtbaren“ mit Torsten Seifert [Blogbuster]

torsten seifert der schatten des unsichtbaren blogbuster

Eine provokante Frage zum Start: Warum ist „Der Schatten des Unsichtbaren“ nicht schon längst bei einem Verlag erschienen?

Bis letzten Juni war ich bei einer Literaturagentur unter Vertrag. Da gab es den einen oder anderen Verlagskontakt. Doch offenbar fanden sie nicht die richtige „Schublade“. Historisch, Abenteuer, Liebesroman? Es steckt von allem etwas drin. Der Hauptgrund ist letztlich aber vermutlich, dass man es als Newcomer mit einem Nischenthema immer etwas schwer hat.

Self-Publishing wird nicht selten belächelt – ich nehme mich davon nicht aus. Wie hat sich bei dir der Entschluss gefestigt, diesen Weg zu gehen und wie hast du ihn realisiert?

Im letzten Mai ist meine Agentin Susan Bindermann überraschend verstorben. Das hat mich persönlich sehr schwer getroffen. Sie hat immer an diesen Stoff geglaubt und mir Mut gemacht und plötzlich war sie nicht mehr da. Im Buch spiele ich an einer Stelle darauf an, dass viele, die nach Traven suchten, ein schreckliches Ende genommen haben. Er wurde zeitweise auch der „Tutanchamun der Literaturwelt“ genannt. Letzten Sommer fühlte es sich für mich so an, als gelte dieser Fluch noch immer. Ich bin nicht abergläubisch, aber in dieser Stimmung habe ich damals beschlossen, das Thema für mich abzuschließen. Deshalb habe ich kurz darauf bei Twentysix veröffentlicht. Glücklicherweise behandelt Blogbuster Veröffentlichungen im Self-Publishing genau wie noch nicht veröffentlichte Manuskripte. So konnte ich trotzdem am Wettbewerb teilnehmen. Und dass es jetzt damit noch ein Stückchen weitergeht, ist einfach schön.

Ich verstehe, wenn Leute über Self-Publishing lächeln. Aber das Thema hat auch eine Seite, die man nicht geringschätzen sollte. Du hast von Freunden und Kollegen sicher schon oft den Satz gehört „Darüber könnte ich ein Buch schreiben.“ Nicht jeder kann das tatsächlich und kaum einer zieht es wirklich durch. Doch jeder, der sich auf diesen langen Weg macht, ohne Vorschuss und Aussicht auf Erfolg, einzig angetrieben vom eigenen Idealismus, der möchte am Ende einfach etwas in der Hand halten, was sich zwischen zwei Buchdeckeln befindet. Self-Publishing erfüllt diesen Traum. Auch wenn der Leserkreis in der Regel überschaubar bleibt.

Braucht es so etwas wie Blogbuster überhaupt, wenn angeblich Verlage und Agenten den Markt so gut im Blick haben, dass sie wissen, was taugt und was der Veröffentlichung wert ist?

Ich bin in meinem Hauptjob seit langem mit Werbung und Marketing beschäftigt, deshalb weiß ich, wie schwer es ist, Erfolg vorauszusagen. Letztlich stochern wir doch alle im dichten Nebel. Aber so ist der Markt nun mal. Und am Ende wird auch bei Blogbuster nur ein einziges von 252 Manuskripten veröffentlicht. Aber überhaupt die Möglichkeit zu bekommen, von Elisabeth Ruge, Denis Scheck & Co. gelesen zu werden, ist für mich eine große Sache, für die ich Blogbuster dankbar bin.

Wenn du selbst den Klappentext für „Der Schatten des Unsichtbaren“ schreiben könntest, wie würdest du dem potentiellen Käufer das Buch ans Herz legen?

Nun, ich habe ihn ja selber geschrieben. Verkürzt gesagt, geht es um die Suche nach dem mysteriösen Schriftsteller B. Traven im Mexiko der späten Vierzigerjahre. Die Lösung dieses Rätsels versprach damals viel Renommee. Es wurde sogar ein Kopfgeld für denjenigen ausgelobt, der den entscheidenden Hinweis liefert. Der Leser erlebt diese spannende Jagd gemeinsam mit meiner Hauptfigur Leon Borenstein, einem Reporter.

Wessen „Blurb“ sollte als Aufkleber darauf prangen und was steht drauf?

Am liebsten wäre mir jemand, der sich mit B. Traven gut auskennt aber nicht sofort damit in Verbindung gebracht wird. Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten wäre so ein Kandidat. Oder der Schauspieler Bernd Michael Lade. Ein Ritterschlag wäre aber natürlich auch ein Blurb von Jan-Christoph Hausschild, dem Mann, der – was die wahre Herkunft B. Travens angeht – vor wenigen Jahren das letzte Puzzlestück fand.

Dein Roman spielt nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem in Los Angeles und in Mexiko. Ist das eine Zeit, die dich grundsätzlich reizt oder war es „nur“ die Geschichte, die dich zum Setting zwang?

Es war für mich sehr schnell klar, dass ich die Geschichte in den Jahren 1947 und 1948 anlegen wollte, weil diese Jahre in gewisser Hinsicht einen letzten Höhepunkt von Travens Ruhm markierten und er danach kaum noch Spuren hinterließ. Insofern war es der Stoff. Aber Los Angeles spielte schon in meinem ersten Roman „Rodeo für Anfänger“ eine Rolle. Und in Mexiko habe ich mich spätestens auf meiner Recherchereise verliebt.

Volker Weidermann schreibt über Stefan Zweig und Joseph Roth halbfiktional „Ostende“, Frederic Beigbeder in „Oona & Salinger“ über Oona O’Neill/Chaplin und J.D. Salinger, Klaus Modick in „Sunset“ über Brecht und Feuchtwanger, Michael Lentz in „Pazifik Exil“ über eine ganze Generation von deutschen Schriftstellern im Exil. Du hast dir mit B. Traven einen Schriftsteller ebendieser Generation ausgesucht. Woher kommt der Reiz dieses Genres, „tatsächliche Geschichten weiterzuschreiben“?

Ich kannte damals nur „Pazifik Exil“. Die Art und Weise, wie ich die Geschichte erzählen wollte, ist mir allerdings nicht beim Lesen, sondern im Kino eingefallen. Ich habe mir „Der letzte König von Schottland“ über den ugandischen Diktator Idi Amin angesehen. Den Arzt Dr. Nicholas Garrigan – eine der Hauptfiguren des Films – hat es ebenso wenig gegeben, wie meinen Leon Borenstein. An dem Abend wurde mir klar: Mit Hilfe eines solchen fiktiven Charakters lässt es sich herrlich durch die Historie spazieren. Es gibt Leitplanken aber dennoch genug Spielraum. Das meiste, was ich zum Beispiel über die Arbeit am Set von „Der Schatz der Sierra Madre“ schreibe – dem Film, den John Huston nach Travens Vorlage drehte –, ist verbrieft. Es stimmt auch, dass Humphrey Bogart in den Drehpausen leidenschaftlich gern Schach spielte. Es war sehr reizvoll, meinen Protagonisten mit Bogart spielen und sprechen zu lassen.

Anders als bei den Vorgenannten, Beigbeder mit dem Phantom Salinger ausgenommen, ist das Leben B. Travens in großen Teilen weiterhin ein Rätsel. Ist das eine carte blanche für den Schriftsteller, das Leben einer realen Person mit Fiktion zu füllen?

Was das „Lücken füllen“ angeht, hast du Recht. Das lädt ein. Aber B. Travens Leben ist eigentlich kein Rätsel mehr. Es macht nur einfach zu viel Spaß, weiterhin zu spekulieren. Die Hardcore-Fans, die sich selbst Travenologen nennen, möchten damit möglicherweise nur ungern aufhören.

Wie kamst du überhaupt auf B. Traven? War es zuerst die Lektüre seiner Bücher und das Interesse für sein Leben oder warst du auf der Suche nach einer solchen Geschichte?

Eine Hamburger Freundin schenkte mir das Buch „Wilde Dichter“, in dem die Lebensläufe von Schriftstellern thematisiert wurden, die nicht nur über Abenteuer geschrieben, sondern auch selbst welche erlebt haben. Hemmingway, Conrad, London … dann kam das Kapitel zu B. Traven. Und da hat es – einfach ausgedrückt – gefunkt. Ich wollte mehr über diesen Typen wissen und habe mir Karl S. Guthkes großartige Traven-Biographie besorgt. Beim Lesen wusste ich schon, da steckt ein Stoff für mich drin. Aber dann folgte erst mal die Lektüre von Travens Büchern …

Wie kann man ein solches Leben recherchieren?

Es gibt wirklich sehr viel Literatur über B. Traven. Mit einer Gesamtauflage von über 30 Millionen verkauften Exemplaren war er ein literarischer Weltstar. Das Interesse an seinen Werken schlief eigentlich erst Anfang der neunzehnhundertneunziger Jahre ein. Ich saß während der Recherche oft im Lesesaal der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig. Im selben, in dem ich schon während meines Studiums saß. Diesmal aber mit einer deutlich besseren Motivation.

Travens Werke sind weiterhin in Deutschland erhältlich, lohnen sie? Womit sollte man als Interessierter beginnen?

Traven hatte viele Facetten. Sein größter Erfolg „Das Totenschiff“ beschreibt das knallharte Seefahrerleben und kommt ganz ohne Romantik aus. In „Die Brücke im Dschungel“ zeigt er dagegen seine zarte Seite und erzählt eine zutiefst menschliche und tragische Geschichte aus dem Alltag eines indigenen Volkes. Mein persönlicher Favorit ist der gewaltige Caoba-Zyklus. Sechs Bände über das Entstehen und Scheitern der mexikanischen Revolution Anfang des 20. Jahrhunderts. Episch, ursprünglich und trotz der mehr als tausend Seiten nie langweilig.

Eine Traven-Renaissance dank Seifert?

Ha, ich hätte nichts dagegen. Aber im Ernst. Er hat eine Menge zu sagen, was heute aktueller denn je klingt – auch wenn ich nicht jede seiner politischen Positionen teile. Ich fände es toll, wenn er nicht nur von mir wiederentdeckt werden würde.

Fällt dir eine ähnliche Figur ein, deren Leben man sich wie in „Der Schatten des Unsichtbaren“ zum „Literarisieren“ vornehmen könnte?

Eine vergleichbare Figur nicht. Aber ich arbeite an einem Stoff, in dem ich wieder einen fiktiven Charakter in eine reale Begebenheit der Geschichte schicke. Diesmal geht es um die jüdischen Immigranten in den 30er Jahren. Und Los Angeles spielt erneut eine Rolle. Genau wie meine Wahlheimat Babelsberg.

Warum gewinnen wir zwei den Blogbuster?

Warum nicht? Ich treibe Sport, seit ich denken kann und bin durchaus ein Wettkampftyp. Aber das hat mich auch gelehrt, demütig zu sein. Die anderen Kandidaten haben schließlich auch etwas zu bieten. Klar ist: Nur ein Manuskript wird gewinnen. Und wenn es am Ende nicht meines sein sollte, werde wir beide dennoch gemeinsam mit dem Sieger oder der Siegerin den „Blogbuster“ feiern, oder?