Jahr: 2014

Verstand und Kürzungen

Zweimal habe ich meinen Einsatz für die sonntägliche Lyrik erst verpasst, 64 Einträge hat diese Kategorie gesammelt und (zumindest mich) einmal wöchentlich in Berührung mit schönen, großen und erschütternden Gedichten gebracht. Trotzdem fällt es mir manchmal nicht leicht Neues für jeden Sonntag zu finden, Copyright-Probleme mit lebenden oder erst kürzlich (vor weniger als 70 Jahren) verstorbenen Autoren grenzen die Auswahl zudem etwas ein. Daher wird es die Lyrik Abteilung ab sofort nur noch in veränderter Form geben: Nicht der Ablauf einer Zeitspanne, sondern meine persönliche Begeisterung für ein Gedicht soll der Grund für dessen Veröffentlichung hier sein.

Besonderes Schmankerl anlässlich dieser Änderung und auch (mit) Anstoß hierfür ist meine kürzliche Lektüre der Gedichte Helmut Kraussers Verstand & Kürzungen, aus denen ich mit freundlicher Genehmigung des DuMont Verlages einzelne Gedichte an dieser Stelle veröffentlichen darf.

Verstand & Kürzungen ist als Lyrik Band derart ausgewogen und gelungen, dass ich ihn schon mehrmals von vorne nach hinten durchgearbeitet oder spontan aufgeschlagen habe. Das Buch versammelt zwei grandiose Tiergedichte in einer U-12-Abteilung, neue und “Bonus”-Gedichte Kraussers, hat eine eigene Ü-18-Abteilung mit Schmuddel, Coverversionen bekannter Gedichte und Neuübersetzungen Kraussers von den seiner Meinung nach 33 besten Shakespeare Sonetten.

Der Ü-18-Abteilung ist eine Warnung vorangestellt – Die folgenden Gedichte können Gefühle nicht nur verletzen, sondern auch verursachen. – und dies sagt fast alles was man über Kraussers Lyrik wissen muss. Sie kratzt und beißt, ist unbequem und schamerfüllend, abstoßend und anziehend zugleich, keines dieser Gedichte, und das gilt für den gesamten Band, wird man gleichgültig konsumieren. Wer hier nicht voll Verzücken oder Abscheu zu schreien beginnt, hat keine Gefühle, die man verletzen könnte, welche hervorzurufen scheint ebenso unmöglich.

Grandios ist schon der Krausser, welcher durch seine Lyrik spricht, in den Erläuterungen seiner Cover-Versionen oder in der Vorbemerkung der Sonette richtet er sich direkt an den Leser und entstaubt erfrischend Klassiker, entfernt was nicht wert ist bewahrt zu werden und stellt heraus was grandios dem Dichtergenie gelang. Mit Respekt, aber nicht ohne fundierte (beißende) Kritik, wird ein jeder behandelt, auch Shakespeare oder was der Leser heute aus ihm macht.

Diese Sonette erschienen zuvor im Berliner
Hochroth-Verlag in drei schmalen Bändchen,
die weiterhin dort bestellt werden können –
es ist eine der schönsten Editionsformen,
die ich kenne. Warum ich nur 33 der 154
Sonette übersetzt habe? Ich habe alle übersetzt,
die ich gut fand. Mehr fand ich eben nicht.
Proportional ähnlich geht es mir mit seinen
Stücken, und die christushafte, völlig unkritische
Verehrung, die ihm in letzter Zeit wieder
zuteil wird, geht mir ziemlich auf den Zeiger.
Mehr noch nerven aber die vielen Plapperer,
die von nichts ‘ne Ahnung haben, kaum Englisch
können, schon gar kein elisabethanisches
Englisch, aber als allererstes (und immer so
gönnerhaft und kennerisch) fallenlassen,
daß an die Originale halt doch nichts rankäme.

Allein die Idee die Vorbemerkungen wie die folgenden Sonette zu setzen ist zwar nur eine kleine Idee, aber bereits ein deutliches Zeichen für die Lust, mit der Krausser an und mit Texten spielt. Welche noch deutlicher wird, wenn er sich den Cover-Versionen widmet, in diesen geht es nicht, wenigstens in den meisten Fällen, um Verbesserungen. Krausser interessiert sich “schlicht”, was er aus diesem oder jenem Einfall gemacht hätte – hätte er ihn gehabt. Seine Auswahl reicht von Ovid, Rilke, Brecht und Hölderlin, über William Blake, Goethe und Benn, zu Heine und Nietzsche. Vor allem aus diesen Cover-Versionen werden in nächster Zeit einige, mit der Gegenüberstellung des Originals, hier erscheinen. Ich freue mich sehr dies mit euch teilen zu können und kann jeden, aber auch jeden Lyrikmuffel, nur ermuntern dieses Buch zu kaufen, noch nie wurde man so einzigartig zur Liebe zu einer Gattung bekehrt.

Titel sind eine Verlockung

Warum kaufst Du ein Buch? – Cover, Klappentext, Name des Autors oder wegen Titel und Gestaltung? Klar, mal bekommt man einen Tipp und sucht daher gezielt, der Lieblingsautor hat etwas neues veröffentlicht oder man sucht Band 637 der Reihe vom traurigen Marienkäfer, der aus Liebe zum Mond fliegen will. Manchmal stöbert man aber nur und lässt Titel und Cover auf sich einrieseln. Der Titel verrät einem manchmal in einem Satzfetzen, ob der Autor kreativ ist oder nur ein Wortspieler, plump oder ein Künstler, direkt oder verwinkelt. Schon “über den Titel wird das Buch vermarktet, gegoogelt, bestellt, gelistet, rezensiert und diskutiert”, schreiben die Herausgeber des im Piper Verlag erschienen Die Bibliothek der ungeschriebenen Bücher. Die Zusammenstellung von Annette Pehnt, Friedemann Holder und Michael Staiger, lässt in die Werkstatt von Autoren wie Marcel Beyer, Friedrich Christian Delius, Ulrike Draesner, Lutz Seiler, Terézia Mora oder Tilman Rammstedt blicken. Mit kurzen Texten stellen sie ihre Bücher vor, zu denen sie zwar den Titel nicht aber die Geschichte fanden, der Titel später geändert wurde oder das Buch noch ungeschrieben in ihnen schlummert.

Nun blättert man also durch diese Sammlung und bedauert all die fehlenden Büchern zu den teils grandiosen Titeln (natürlich sind manche auch so schwach, dass man nicht bedauern muss). Etwas fies, denn man wird immer nur angefixt – ähnlich Calvinos Wenn ein Reisender in einer Winternacht. Viel größer dann aber die Freude über die Idee die Umsetzung der Titel durch Grafiker und Designer der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und des Fachbereichs für Gestaltung der FH Bielefeld gestalten zu lassen (hierzu gilt natürlich ähnliches wie für die Titel). Und so streift man durch diese Bibliothek und grübelt, ob das spontane Entdecken von Cover und Titel einen Kaufanreiz gesetzt hätte. Ganz klares Ja z.B. bei: Ich habe keine Leidenschaften von Georg Klein oder Hinweise für den, der nicht weiß, wer er ist von Markus Orths oder Wie ich die Eltern verschlang von Nora Gomringer. Beim Blättern fällt mir auf, dass ein guter Titel mich zwar neugierig machen kann, ein schlechtes Cover aber genauso schnell abschrecken, die drei genannten stechen für mich in der Kombination besonders hervor, aber es gibt noch so viele andere. Bitte kommen Sie also in die Bibliothek der ungeschriebenen Bücher und schauen Sie, nur leider kann man am Ende des Rundgangs nichts kaufen, diese Präsenzbibliothek erlaubt nicht mal die Bücher zu öffnen.

Durchaus auch erwähnenswert: Rote Fadenheftung und Lesebändchen, sind keine Selbstverständlichkeit, das Papier in der Haptik nicht das Schönste, wohl aber dem Farbdruck geschuldet – Farbdruck!

Die Bibliothek der ungeschriebenen Bücher: Für alle, die gerne Bücher auf den ersten Blick kaufen, sich von Titeln catchen lassen oder in Cover verlieben, kauft dieses Buch, ihr werdet sicher enttäuscht werden – denn nach nur einer Seite ist Schluss – und trotzdem zufrieden lächeln.

Wie liest Du, Alex

In „Wie liest Du?“ stellen in regelmäßig unregelmäßigen Abständen Kritiker, Autoren und Verlagsmitarbeiter, Blogger, Vielleser und Buchhändler ihre Art des Lesens vor. Hier geht es nicht um einzelne Inhalte, sondern vielmehr um die Technik sich ein Buch zu erarbeiten – den Akt des Lesens von außen betrachtet. Heute mit Alex Schau von Neue Wörtlichkeit.

1. Überspringst Du einzelne Stellen – gar Kapitel – oder liest Du ein Buch, wenn dann komplett?

Ich lese prinzipiell jede Seite, jeden Absatz, jedes Wort. Einzig beim „Herrn der Ringe“ habe ich teilweise bündelweise vorgeblättert. Ich bin kein Freund von ausufernden Landschaftsbeschreibungen 😉

2. Schummelst Du und springst vor, um das Ende schneller zu erfahren?

Nein.

3. Nutzt Du Lesezeichen (immer dasselbe/andere?) oder legst Du ein Buch offen auf die Nase?

Ich lese eigentlich seit geraumer Zeit fast nur noch eBooks. Das Praktische daran ist, dass ich genau dort weiterlesen kann, wo ich aufgehört habe. In diesem Sinne: Ja zu (digitalen) Lesezeichen!

4. Liest Du Taschenbücher einseitig, wie ein Magazin, indem Du das Cover komplett umklappst?

Die armen Bücher …

5. Liest Du lieber kurze oder lange Kapitel?

Das kann ich so pauschal nicht sagen. Wenn das Buch gut ist, gern lange Kapitel. Bei schlechten Büchern sind oft schon kurze Kapitel zu lang.

6. Markierst Du? Mit Bleistift, Marker, Klebezettel, einfach die entsprechende Seite umknicken oder schreibst du lieber Stellen raus?

Ich nutze eine App (Readmore), in der ich mir erinnernswerte Stellen markiere und/oder herauskopiere. Zum einen hilft mir das als Gedankenstütze für Rezensionen, zum anderen ist es ein tolles Gefühl, immer mal wieder bereits gelesene Bücher hervorzuholen und zu schauen, welche Textstellen mir damals während des Lesens so wichtig waren, dass ich sie aufgeschrieben habe.

7. Schaust Du ältere Lektüre nochmal nach markierten Stellen durch?

Siehe vorherige Antwort.

8. Welches ist das (nichtwissenschaftliche) Buch, in dem Du am meisten markiert hast?

Saša Stanišićs Roman „Vor dem Fest“. Dieses Buch ist eine Fundgrube an sprachlicher Schönheit. Eigentlich könnte man es Wort für Wort abschreiben, weil jeder Satz für sich ein Kunstwerk ist.

9. Deine liebste markierte Stelle:

Viel Zeit ist seitdem vergangen. Den Pestteufel gibt es nicht mehr. Alle dreizehn Jahre aber, an einem Abend im Herbst, schweigen die Frösche und schweigt der Wind und schweigt das Wasser und hört man ein Keuchen und das Geräusch schwerer Ruderschläge und eine heisere Stimme, die ruft: »Sag, alter Mann, fällt dir das Rudern schwer?«.

10. Benutzt Du einen eReader? Als Ergänzung zum Gedruckten – ausschließlich – gar nicht?

Ich liebe eBooks, und ich würde meinen eBook-Reader um nichts in der Welt mehr hergeben. Schade ist nur, dass viele ältere Titel nicht in digitaler Version zu bekommen sind. Ich greife natürlich auch immer wieder gern zu einem gedruckten Buch, aber ich gebe es gern zu: Ich liebe Technik, und die Symbiose aus Literatur und einem Display ist für mich das Höchste der Gefühle.

logoAlex Schau glaubt an die Macht der Literatur und gute Bücher. Die „Neue Woertlichkeit“ hat sich voll und ganz der schönsten Hauptsache der Welt verschrieben: Dem Lesen.

Wie liest Du, Uwe?

In „Wie liest Du?“ stellen in regelmäßig unregelmäßigen Abständen Kritiker, Autoren und Verlagsmitarbeiter, Blogger, Vielleser und Buchhändler ihre Art des Lesens vor. Hier geht es nicht um einzelne Inhalte, sondern vielmehr um die Technik sich ein Buch zu erarbeiten – den Akt des Lesens von außen betrachtet. Heute mit Uwe Kalkowski von Kaffeehaussitzer.

1. Überspringst Du einzelne Stellen – gar Kapitel – oder liest Du ein Buch, wenn dann komplett?

Ich lese ein Buch immer komplett – oder breche es ab, wenn es mir gar nicht gefallen sollte. Jedes Buch hat seine Zeit und manchmal passt es einfach nicht zur momentanen Stimmung oder irgendetwas anderes ist nicht so, wie es sein sollte. Dann kommt es zurück ins Regal. Ich habe einige Bücher, die mir erst beim zweiten oder dritten Versuch gefallen haben. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man immer gut mit ungelesenen Büchern bevorratet ist – aber das sollte einen Buchmenschen ja nicht vor ein Problem stellen. Wenn mir übrigens ein Buch ganz und gar nicht gefällt, dann habe ich auch keine Skrupel, es einfach wegzuschmeißen. Das kann durchaus eine befreiende Erfahrung sein.

2. Schummelst Du und springst vor, um das Ende schneller zu erfahren?

Nie! Es ist mir schon passiert, dass ich auf die letzte Seite geschaut habe, um zu sehen, wie viele Seiten das Buch hat und mir dabei eine Formulierung ins Auge gesprungen ist, durch die man die Auflösung der Geschichte erahnen konnte – das hat mir das gesamte Lesevergnügen verdorben.

3. Nutzt Du Lesezeichen (immer dasselbe/andere?) oder legst Du ein Buch offen auf die Nase?

Aufklappt mit dem Buchrücken nach oben lege ich ein Buch nie hin! Es tut mir schon fast körperlich weh, wenn ich sehe, dass es so behandelt wird. Wenn ich ein Buch gelesen habe, könnte man es danach als neuwertig verkaufen – wobei ich nicht extra darauf achte, Bücher besonders pfleglich zu behandeln, das geschieht völlig unbewußt. Es ist einfach so. Nur eine Marotte habe ich tatsächlich: Es stört mich ungemein, wenn gebundene Bücher nach dem Lesen „schief“ gelesen sind. Also falte ich die Seiten wieder zurück, damit der Buchblock wieder gerade steht. Meine Freunde halten das für ein wenig wunderlich, aber damit kann ich leben. Und als Lesezeichen nehme ich immer das, was mir gerade in die Hände kommt, von Fahrkarten über Einkaufszettel bis zu (unbenutzten) Papiertaschentüchern. Da findet man manchmal auch nette Urlaubserinnerungen wieder.

4. Liest Du Taschenbücher einseitig, wie ein Magazin, indem Du das Cover komplett umklappst?

Aua.

5. Liest Du lieber kurze oder lange Kapitel?

Das ist mir vollig egal, jedes Buch ist anders. Manche Autoren wie z.B. Don Winslow arbeiten mit Kapiteln, die manchmal nur aus zwei Wörtern bestehen, andere Autoren packen epische Textlängen in die einzelnen Kapitel – wenn mich ein Buch fesselt, achte ich nicht auf den Kapitelaufbau.

6. Markierst Du? Mit Bleistift, Marker, Klebezettel, einfach die entsprechende Seite umknicken oder schreibst du lieber Stellen raus?

Beim Lesen habe ich immer einen Bleistift griffbereit und markiere Stellen: Wenn mir ein Satz besonders gut gefällt, wenn mich eine Stelle in diesem Moment besonders bewegt, bei Sachbüchern zentrale Aussagen zum Thema.

7. Schaust Du ältere Lektüre nochmal nach markierten Stellen durch?

Das mache ich sehr oft. Es ist manchmal wie eine kleine Zeitreise in die eigene Vergangenheit, wenn man liest, was man zehn Jahr zuvor als wichtig erachtet hat. Ich kann mich dann oftmals an die Situation erinnern, in der ich das Buch gelesen habe und was mir der Text in diesem Moment bedeutete.

8. Welches ist das (nichtwissenschaftliche) Buch, in dem Du am meisten markiert hast?

„Die Schlafwandler“ von Christopher Clark. Oder ist das jetzt ein zu wissenschaftlicher Titel? Ich finde nicht, es läuft eher unter populäres Sachbuch. Um es nach der Lektüre in meinem Blog zu besprechen, habe ich mir eine Menge Notizen gemacht und Stellen markiert. Das Thema des Buches ist so komplex, dass ich ohne diese Markierungen Mühe gehabt hätte, die 720 Seiten über politische Verstrickungen in einem Blogbeitrag mit knapp 1.200 Wörtern zusammenzufassen und zu bewerten. Ein Bild davon liefere ich mit und wer wissen möchte, was dabei herausgekommen ist, bitte hier entlang.

9. Deine liebste markierte Stelle:

Die gibt es, eigentlich sind es zwei und ich kann mich nicht entscheiden, welche mir mehr bedeutet. Zu diesem Thema gibt es in meinem Blog eine eigene Rubrik, sie heißt „Textbausteine“. Die Textstellen, die ich meine, sind von Oscar Wilde und von Franz Kafka. In „Das Bildnis des Dorian Gray“ habe ich einen der wunderbarsten Sätze gefunden, den ich kenne. Und in Kafkas Erzählung „Die Fürsprecher“ gibt es eine Stelle, die mich das positive Denken schlechthin gelehrt hat. Ja, wirklich von Franz Kafka.

10. Benutzt Du einen eReader? Als Ergänzung zum Gedruckten – ausschließlich – gar nicht?

Ich lese und arbeite den ganzen Tag mit Texten am Bildschirm. Ich liebe die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation und des Sozialen Netzes. Und ebenso liebe ich gedruckte Bücher. E-Books machen mir keinen Spaß, aber ich finde es praktisch, mir eine Leseprobe aufs Smartphone oder iPad herunterzuladen, um einen Eindruck von einem Buch zu bekommen, bevor ich es mir in einer Buchhandlung kaufe. Und zwar ausschließlich dort. Aber das ist noch einmal eine ganz andere Geschichte.

Uwe Kalkowski bloggt auf Kaffeehaussitzer über Bücher, Photos und Texte.

Die liebsten Liebesgeschichten

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“Sorry, ich lese keine Liebesromane, und ich kenne auch keine außer dem Werther.“ So hätte meine unbedachte Antwort auf Frank Duwalds Frage lauten können, als er mich bat, bei seiner Reihe Die liebsten Liebesgeschichten mitzumachen. Wohlüberlegt, wie meist, habe ich mir aber keine Gedanken gemacht und zugesagt, über Werther kann man ja immer mal zwei, drei Zeilen schreiben. Nun schlich ich an meinen Regalen vorbei und belud mir die Arme mit zu erwähnenden Büchern: alles Liebesgeschichten.

Aber was ist schon eine Liebesgeschichte? Geht es nicht sowieso in jeder Form von Literatur immer nur um Liebe: Liebe zwischen Graf und Gräfin, Graf und Bauernmädchen, Eheleuten, Dahergelaufenen, Vampiren und Mondscheinmädchen, Monstern und Burgfräulein usw. usf. Die Bücher, welche ich mir auf den Arm lud, könnten unterschiedlicher nicht sein, und da sie bereits zweistellig sind, nur wenige Worte zu jedem.

Lehrjahre des Gefühls – Gustave Flaubert
In Flauberts L’Éducation sentimentale (Übersetzungen u.a. auch als Die Schule der Empfindsamkeit, Die Erziehung des Herzens, Die Erziehung des Gefühls) verliebt sich Frédéric Moreau in eine verheiratete Frau. Aufgrund dieser unerfüllt bleibenden Liebe verliert sich Moreau in Affären und versucht sich als Weltmann, um am Ende in Liebe und Leben zu scheitern.

Die Wahlverwandtschaften – Johann Wolfgang von Goethe
Ein überaus unterhaltsamer Roman aus der Feder des Dichterfürsten. Zwei Paare verlieben sich “über Kreuz“ und sind hin- und hergerissen zwischen Leidenschaft und Pflichtgefühl. Der Versuch, der Liebe zu entsagen, misslingt, und tragische Ereignisse nehmen ihren Lauf.

Oblomow – Iwan Gontscharow
Ilja Iljitsch Oblomow ist ein russischer Adliger, der, auf seinen Reichtum gebettet, die eigene Faulheit zur Lebensmaxime kultiviert hat. Die Überwindung der Lethargie bahnt sich an, als Oblomow sich in Olga verliebt. Doch die Trägheit ist stärker als die aufkeimende Liebe.

Tante Julia und der Kunstschreiber – Mario Vargas Llosa
Ein inzestuöses Verhältnis des Neffen zu seiner (nur) vierzehn Jahre älteren Tante im Lima der 50er, eine Militärdiktatur und der ewige Kampf von Autoren um Anerkennung, zwischen dem eigenen Anspruch, Unterhaltung und der Notwendigkeit des Geldverdienens. Große, nobelpreisgekrönte Unterhaltung aus Südamerika – Anspruch und Unterhaltung in symbiotischer Liebe.

High Fidelity – Nick Hornby
Rob wird von seiner Freundin verlassen und nimmt dies zum Anlass, über die verflossenen Lieben seines Lebens zu sinnieren, sortiert in einer Top 5. Nick Hornby lässt den Trennungsschmerz mit Popmusik verschmelzen, ein Genuss für alle, die schon mal versucht haben, im Plattenladen um die Ecke ihre Sorgen abzugeben.

Die Nacht von Lissabon – Erich Maria Remarque
Eine große Liebe in den Wirren des Zweiten Weltkriegs, ein Buch über Verlust, Treue und die Kraft zweier Menschen, sich trotz des ihnen widerfahrenden Unrechts einander zu begleiten. Wen dieses Buch nicht berührt, der hat kein Herz.

Ansichten eines Clowns – Heinrich Böll
Eines meiner ersten Lieblingsbücher, welches ich trotz aller Leidenschaft immer nur schlecht an andere vermitteln kann (entweder die Leute mögen keine Clowns oder sie mögen Böll nicht, meist sogar beides). Hans Schniers Leben und Karriere als Komiker zerbricht, nachdem ihn seine Freundin Marie nach einer Diskussion über die religiösen Voraussetzungen einer möglichen Ehe verlassen hat. Verlogene Moral in Nachkriegsdeutschland zwischen nationalsozialistischen und katholischen Werten.

Brand’s Haide – Arno Schmidt
Ein Kurzroman zum Herantasten an das Werk Schmidts. Der Kriegsheimkehrer Schmidt freundet sich mit zwei Flüchtlingsfrauen an und verliebt sich in eine. Im Deutschland 1946 stehen diese zarten Bande aber vor erheblichen materiellen Schwierigkeiten.

Mitten ins Gesicht – Kluun
Stijn begleitet seine krebskranke Frau beim Sterben. Selten so viel geweint und einer der Gründe, warum ich keine Krebsbücher mehr lese.

Eine blaßblaue Frauenschrift – Franz Werfel
Leonidas ist ein höchst erfolgreicher, weil aalglatter, Beamter im Wien der 30er Jahre. Sein Leben und seine Karriere geraten ins Wanken, als eine verflossene Jugendliebe mit der Bitte an ihn herantritt, sich für ihren Sohn einzusetzen. Nachgerechnet vermutet er, dass es sich um den gemeinsamen handelt und er denkt darüber nach, sein Leben zu ändern. Aber …

Die Leiden des jungen Werther – Johann Wolfgang von Goethe
Mein absolutes Liebeshighlight. Man hasst oder liebt den empfindsamen Werther in seiner Liebe zu Lotte, hält ihn für ein Weichei oder den Helden seiner Leidenschaft. Gleich, wie man sich entscheidet, dieses Buch muss man gelesen haben!

Ach, um das jetzt klarzustellen: ich lese keine Liebesromane!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Dandelion von Frank Duwald.

When I am dead, my dearest

When I am dead, my dearest,
Sing no sad songs for me;
Plant thou no roses at my head,
Nor shady cypress tree:
Be the green grass above me
With showers and dewdrops wet;
And if thou wilt, remember,
And if thou wilt, forget.

I shall not see the shadows,
I shall not feel the rain;
I shall not hear the nightingale
Sing on, as if in pain:
And dreaming through the twilight
That doth not rise nor set,
Haply I may remember,
And haply may forget.

Christina Georgina Rossetti

30 Songs von Büchern inspiriert

Es gibt bei Spotify eine Playlist von NME, auf der 30 Songs versammelt sind, die sich auf Bücher oder Autoren beziehen bzw. von diesen inspiriert wurden. Mit dabei eindeutige Titel wie Sylvia Plath von Ryan Adams oder Albert Camus von Titus Andronicus, aber auch etwas verwinkeltere für Eingeweihte. Wer einzelne Titel enträtselt möge dies bitte mit uns unten in den Kommentaren teilen, denn ich kann nicht mal mehr als die beiden genannten entdecken.

Lesen lassen – Die Kassette ist tot, lang lebe die Kassette!

Als Kind habe ich Kassetten gehört! Gab es Bandsalat nahm man einen Bleistift und rollte alles wieder auf, wollte man gekaufte (bespielte) Tonträger überspielen, klebte man die beiden Löcher auf der Oberseite mit dünnen Streifen Tesafilm zu, wollte man selbst bespielte vorm Überspieltwerden von Anfängern bewahren, brach man die beiden Plastikpinökel heraus, zum Aufnehmen musste man dann …

Doch schon als mein Bruder zur Grundschule ging, lag die Kassette im Sterben. Die CD hatte schon lange auf-, nein überholt, es gab MP3-Player, die MiniDisc war damals bereits gescheitert und meine Festplatte fasste mehr Musik als jede Sammlung meiner Eltern. Nur das Genre Hörbuch stemmte sich gegen die Moderne und wurde zum Teil noch auf Band ausgeliefert. Die ersten Teile von Harry Potter kamen in Doppel-Hüllen, später wurden Pappkisten für das Fassen der Lesung eines Bandes nötig. Jedem der unkt alle 16 (?) Kassetten des vierten Bandes gingen spielend leicht auf nur eine MP3-CD (heute gibt es alle sieben Bände auf 14 CDs), möchte ich folgende Anekdote entgegenhalten:

Der jüngste Sohn meiner Eltern war damals vielleicht zehn Jahre alt, seine große Schwester kurz vor dem Abitur, sein großer Bruder Zivildienstleistender (eine Tätigkeit, an die sich nur die Altvorderen erinnern können, die noch die Kassette kennen), seine Eltern waren bereits dreimal Eltern und er lauschte tagein tagaus Harry Potter, gelesen von Rufus Beck. Die offene Bauweise unserer Wohnung und die Gnade, die dem Jüngsten wohl stets zuteil wird, führte dazu, dass alle Anwesenden mithörten.

Natürlich kamen die Bänder durcheinander, also sprang die Hörgemeinde notgedrungen zwischen den Teilen. Dies stellte aber für niemanden ein Problem dar, alle waren tief im Stoff und konnten inzwischen die größten Teile mitsprechen. Bis sich nun aber der Verlag dieser Reihe darauf versteifte die letzten Bände nicht mehr auf Kassetten herauszubringen, kam es zu einem tragischen Zerwürfnis der eingeschworenen Fangemeinde im Hause W. Überall flogen zerkratzte CDs herum, niemand merkte sich bei welchem “Track” man gerade gewesen war als man das Vorlesen stoppte, die ersten Scheiben verweigerten den Dienst und Rufus Becks Stimme schallte nur noch selten durch unsere Wohnung, andere Hörbücher wurden für die Gemeinschaft nie wieder angeschafft.

Seitdem habe ich keine Geduld mehr für Hörbücher. Schuld kann also nur der Tod der Kassette sein.

Denn als ich wiederum Kind war, spielte sich Ähnliches, nur mit weniger Beteiligten, mit Jim Knopf ab. Die Kassetten waren nahezu unkaputtbar und starteten immer dort, wo ich zuletzt geendet hatte. Und dies ist tatsächlich eines der Hauptvergehen der Verlage: die Stückelung der Tracks ist nicht großzügig genug. Ich setzte mich doch nicht vor meinen CD-Player und spule zu Minute 15:37, ist ja schließlich kein Kassettenrekorder.

Weil ich neben meinem guten Geschmack, aber auch über eine sagenhafte geistige Wendigkeit verfüge, habe ich mich in letzter Zeit wieder an Hörbücher und -spiele herangewagt. Dies sind die Beobachtungen, die man nebenher notierte:

+ man kann sagenhaft gut geistig unanstregende Dinge nebenher tun
– ich bin viel zu ungeduldig, um geistig unanstrengede Dinge länger als 15 min zu tun

+ man kann viel schneller, viel mehr Bücher hören als lesen
– ich bekomme nur die Hälfte mit, weil ich ja keine geistig unanstregenden Dinge dabei tue

+ man kann dabei einschlafen
– man kann dabei einschlafen (und findet nie wieder raus wo man war)

+ die Sprecher lesen viel besser als die meisten anderen Menschen, die einem sonst so vorlesen
– die Stimme in meinem Kopf reicht mir völlig (und ist sehr wohlklingend)

+ es gibt sehr (!) gute Hörspielbearbeitungen von Klassikern
– bei Hörspielen habe ich immer die Besorgnis Einzelheiten der Prosa zu verpassen

Ach und es gibt soviel mehr Positives, aber ich habe das Problem im Hörbuch nicht markieren zu können und im Gesamteindruck lese ich viel zu gern selber, als dass ich jemals ein begeisterter Hörer werden würde und vieles andere mehr. Damit dieser Text aber nicht nur Fixierung von Hörbuchwissenschaft und meiner Vergangenheit dient, habe ich fünf Hörtipps für ambitionierte Einsteiger und Fortgeschrittene gesammelt.

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Ein klassisches Hörspiel mit dem König unter den deutschen Sprechern Gert Westphal, das atmosphärisch in Perfektion Kafkas Prosa umsetzt.

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Eine Box voller Stefan Zweig Geschichten, was gibt es Besseres? Bin im Zug zum Ende von Brennendes Geheimnis eingeschlafen. Hatte mir vorher aber notiert unbedingt Teile des Anfangs in Über mich zu übernehmen, im Buch hätte ich einfach markiert.

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Das Debüt des Mitbegründers des Hamburger Vorzeigeclubs Uebel & Gefährlich von 2011 fängt viel Charme der Hansestadt ein. Der Clubbesitzer und Journalist schreibt sehr unterhaltsam, Florian von Manteuffel liest wunderbar und zusammen ergibt das leichte, aber gute Unterhaltung.

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Was ganz anderes no.1: kann man aus Tagebüchern vorlesen? Ja man kann und es macht erstaunlich viel Spaß, nicht nur weil Max Frisch viel Interessantes aus seiner Zeit in Berlin zu erzählen hat, sondern weil auch das Uninteressante wunderbar verpackt wird. Max Frisch hat immer noch keinen Telefonanschluss in der neuen Wohnung? Mehr davon!

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Was ganz anderes no. 2: Aus den ganz großen frühen Jahren des Benjamin von Stuckrad-Barre sind diese Live-Aufnahmen. Mit “Gastauftrittseinsprengseln” von Christian Kracht, Harald Schmidt und Christian Ulmen, den ebenfalls ganz großen der späten 90er. Zeitreise in das Damals, als es noch Kassetten an jeder Ecke gab.

Falls Du, lieber Leser, eines dieser Hörbücher genießen willst, magst Du Dich bei mir melden, ich überspiele das dann und sende es unfrei per Bote im Eselkarren zu Dir.

Wie liest Du, Wolf?

In „Wie liest Du?“ stellen in regelmäßig unregelmäßigen Abständen Kritiker, Autoren und Verlagsmitarbeiter, Blogger, Vielleser und Buchhändler ihre Art des Lesens vor. Hier geht es nicht um einzelne Inhalte, sondern vielmehr um die Technik sich ein Buch zu erarbeiten – den Akt des Lesens von außen betrachtet. Heute mit Wolf Schmid, der unter dem Heteronym Konrad Geyer außergewöhnlich bloggt und unter eigenem Namen seinen Debütroman Pedalpilot Doppel-Zwo veröffentlicht.

1. Überspringst Du einzelne Stellen – gar Kapitel – oder liest Du ein Buch, wenn dann komplett?

Das kommt sehr auf meinen Status mit einem Buch und auf das Buch selbst an. Sprechen wir von Sachbüchern oder von Büchern, die ich bereits gelesen habe, ist alles möglich. Manchmal ist mir danach, ich lese ein paar Seiten oder Kapitel, oder entlang meiner Markierungen (>6,7), oder ich lese zum Beispiel diverse Romananfänge, diverse Abgänge. Bei ungelesenen Prosatexten ist es eine andere Sache. Es gibt Zeiten „zwischen“ Büchern und Zeiten „in“ Büchern. „Zwischen“ ist alles möglich. Ich verbringe Zeit mit verschiedenen Büchern und hoffe, dass eines davon mich abholt. Das geht manchmal schnell, vor allem deshalb, weil ich gerne kontextualisiert lese und das eine Buch das andere mitbringt. Das geht manchmal aber auch sehr langsam – z.B. jetzt gerade – seit einigen Wochen lese ich nur noch in Bücher hinein, die auf der Seite lagen, aber keines erwischt mich wirklich. Sobld mich aber eines erwischt, lese ich es schnellstmöglich durch…

2. Schummelst Du und springst vor, um das Ende schneller zu erfahren?

Da ich relativ wenig Spannungsliteratur lese, spielt das Ende keine so große Rolle. Manchmal lese ich ein paar Seiten am Ende, nur um mal zu sehen, auch um mich selbst bei der Stange zu halten oder wenn es auf der Kippe steht zum Weiterlesen zu animieren. Sonst versuche ich schon alles zu lesen. Ein Kapitel, das ich bei „Unendlicher Spass“ übersprungen habe, verfolgt mich bis heute.

3. Nutzt Du Lesezeichen (immer dasselbe/andere?) oder legst Du ein Buch offen auf die Nase?

Als Lesezeichen benutze ich das, was sich gerade anbietet: Fresszettel, Postwurfsendungen, Bankbriefe, Karteikarten, Taschentücher, etc… Manchmal liegt ein Buch offen, aber da ich vor allem unterwegs viel lese, ist das nicht so häufig. Seit einiger Zeit lese ich nach Möglichkeit mit Post-it’s (6., 7.), und damit ist der Post-it-Block das Lesezeichen.

4. Liest Du Taschenbücher einseitig, wie ein Magazin, indem Du das Cover komplett umklappst?

Nein. Ich finde ja gerade deutsche Taschenbücher oft viel schöner als die Hardcover, rororo, dtv, die samtigen Papiere, die gestrichenen Deckel. Darum behandle ich sie mit sehr viel Respekt. Das Cover umklappen ist da definitiv nicht drin, außerdem halte ich das auch nicht für bequem.

5. Liest Du lieber kurze oder lange Kapitel?

Eigentlich mag ich die Abwechslung. Wenn es immer dieselbe Länge ist, langweilt mich das oft und spiegelt sich meistens in einer marktkonformen und eher mutlosen Literatur wieder. Ich mag das Nebeneinander von minimalistischen Schlaglichtkapiteln und uferlosen Marathonkapiteln, aber irgendwelche Meilensteine sind grundsätzlich nicht falsch. Wenn es zum Konzept passt, verzichte ich auch gerne darauf.

6. Markierst Du? Mit Bleistift, Marker, Klebezettel, einfach die entsprechende Seite umknicken oder schreibst du lieber Stellen raus?

Früher habe ich die Seite umgeknickt bis die Ecke auf die entsprechende Zeile zeigte, von oben, wenn es um eine Stelle in der oberen Seitenhälfte ging, von unten, wenn von unten. Ab und an habe ich auch herausgeschrieben, jetzt klebe nur noch Marker, am liebsten diese:

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Ich liebe die Neonfarben, die Tatsache, dass sie bleiben, punktgenau gesetzt werden können, und doch keinerlei Endgültigkeit besitzen. Sie können jeden Augenblick entfernt oder versetzt werden (wobei ich mir schon oft Gedanken darüber gemacht habe, inwieweit die Lösungsmittel des Klebstoffes evtl. doch das Papier angreifen). Die Hölle allerdings, wenn die Marker zu Ende gehen, ich mitten in einem Buch stecke und die Pipeline für den Nachschub gekappt ist.

7. Schaust Du ältere Lektüre nochmal nach markierten Stellen durch?

Oft und gerne. Es ist immer eine Reise in die Vergangenheit. Ich schaue sie durch und versuche nachzuvollziehen, warum ich dies oder jenes markiert habe, was mir nicht immer gelingt. Eine Zeit lang habe ich nach dem Lesen grundsätzlich über jedes Buch noch entlang meiner Markierungen geschrieben, eigentlich wollte ich die Texte bei Gelegenheit überarbeiten, allerdings sind mir die bei einem Rechnerabsturz im Herbst verloren gegangen, entsprechend ist meine Motivation diesbezüglich nun geknickt.

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8. Welches ist das (nichtwissenschaftliche) Buch, in dem Du am meisten markiert hast?

Ich vermute es ist „On the Road“. Ich habe es in einer retrospektiven Zeit in meinem Leben gelesen, lange nach meiner eigenen Sturm & Drang-Phase, aber im Bewusstsein, dass es damals kaum langweiliger zuging, als bei Kerouac. Außerdem war es aber das erste Buch nach meiner Entdeckung dieser Post-it’s und ich habe die neugewonnen Möglichkeiten einfach voll ausgekostet.

9. Deine liebste markierte Stelle:

Das kommt auf meine Laune an. Zu ihrer Zeit jeweils alle hier, insbesondere 6., 12. und 29. Und dann noch ein paar, die ich versteckt halte, bis ihr Moment kommt.

10. Benutzt Du einen e-Reader? Als Ergänzung zum Gedruckten – ausschließlich – gar nicht?

Bislang nicht. Nicht aus idealistischen, sondern aus ökonomischen Gründen. Ich lese vor allem alte Bücher, kaufe viel in Antiquariaten, insbesondere bei Thomas Leon Heck, wenn ich mich gerade nicht in einer anderen Ecke der Welt befinde, was allerdings oft der Fall ist. Ich verfolge das Thema aber durchaus mit Interesse, wobei ich bei diesen digitalen Dinge leider schnell den Überblick verliere, nicht vollkommen an ihre Existenz glaube, irgendwie existieren sie nur ein bisschen, was im Zusammenhang mit Texten natürlich ohnehin eine alberne Aussage ist, den sie existieren ebenfalls nur ein bisschen, benötigen einen Kopf, um zum Leben zu erwachen. Andererseits reizt mich die Möglichkeit, ganze Bücher nach bestimmten Stichworten scannen zu können, bis aufs Blut. Daher behaupte ich, es ist eine Frage der Zeit und des Geldes.


Mein Name ist Wolf Schmid, mein Blog ist nicht mein Blog, sondern der Blog meines Heteronyms „Konrad Geyer“ (kommentarblog), in dem er über seine Misserfolge, seine Helden und ein recht anstrengendes Experiment schreibt. Unter meinem eigenen Namen erscheint im September mein Debütroman „Pedalpilot Doppel-Zwo“: