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54books Posts

Luxusgut!

Das passt nun wirklich nicht in einen Literaturblog, erhitzt aber dennoch momentan tagtäglich die Gemüter, da ich außerdem aus (immer) aktuellem Anlass „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer lese, passt es also auch irgendwie doch. Außerdem trifft es ebenso genau meine Meinung, die ich vielleicht nach der Lektüre des Buches revidiere, aber sicher in der Rezension darlegen werde.

Vermutlich treibt uns also nicht die Unwissenheit dazu, Billigfleisch zu kaufen. Wir weigern uns schlicht, Fleisch als das anzuerkennen, was es ist: ein Luxusgut. Wenn wir Discount-Bratwürste für 70 Cent, Billig-Bolognesesoße für 99 Cent oder Räucherlachs für 2,50 Euro kaufen, sagen wir damit auch: Sie sind nicht mehr wert. Täglich billiges und leckeres Fleisch zu konsumieren, scheinen wir als Grundrecht zu betrachten. Um nicht darauf verzichten zu müssen, kaufen wir lieber täglich Billigfleisch als einmal pro Woche gutes. So ist es kein Wunder, dass der Druck auf die Hersteller steigt, noch mehr Tiere für noch weniger Geld auf noch weniger Platz zu halten. Oder das Fleisch zur Not mit dem rund viermal billigeren Pferdefleisch zu strecken.

Schuld am Pferdefleisch-Betrug sind also zweifellos die Hersteller. Doch auch der Verbraucher sollte sich bewusst machen, dass er beim Kauf eine Verantwortung trägt und den Machenschaften der Lebensmittelindustrie nicht hilflos ausgeliefert ist. Er muss hinterfragen, wo sein Essen herkommt und sein Bewusstsein für den Wert von Fleisch und Tierprodukten schärfen. Vor allem aber muss er sich klarmachen, dass Billigpreise selten ein glücklicher Zufall sind, sondern meistens ein Zeichen dafür, dass in der Handelskette jemand zu kurz gekommen ist – entweder die Zwischenhändler, die Tiere oder die Fleischqualität.

http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2013-02/Pferdefleisch-Kommentar-Verbraucherschutz

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Weiter weg

Ein kurzes Zitat von Jonathan Franzen, das mich heute morgen im Zug begeisterte und ich nicht für mich für mich behalten kann:

Wenn Sie jeden Tag eine Stunde damit verbringen, an Ihrem Facebook-Profil zu basteln, wenn Sie keinen Unterschied darin sehen, Jane Austen auf einem Kindle oder als gedrucktes Buch zu lesen, oder wenn Sie Grand Theft Auto IV für das größte Gesamtkunstwerkt seit Wagner halten, freue ich mich für Sie, solange Sie es für sich behalten.

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“Welch Schauspiel! Aber ach! Ein Schauspiel nur!”

Und die letzte Szene suggeriert: es war doch alles bloß ein Spiel.  Ein filmisches Spiel in theatralischen Kulissen mit musicalesquen Choreographien, so verfilmt Joe Wright “Anna Karenina”.

Eine gute Idee in vielen Szenen, durch geschicktes Einbinden einer Bühne, gar des ganzen Theaters inklusive Publikum, und seien es nur die Darsteller selbst, den Film im Schauspielhaus aufzuführen.
Erscheint es anfangs hin und wieder zu aufgesetzt entfaltet dieser Einfall über den Film eine eigene Dynamik, die als Spielerei zu starken Bildern führt: einzelne Darsteller blicken auf das Geschehen wie auf die Bühne; Anna im Spot, wenn alle Welt sie als Ehebrecherin anstarrt; starke Umsetzung wie Kitty auf ihrem ersten Ball immer mit anderen statt Wronski tanzt und Anna nur mit diesem; besonders hervorzuheben das Pferderennen, bei dem Wronski stürzt und dessen Pferd das Rückgrat bricht.
Und immer wieder, wie auch im Roman, das starke Leitmotiv des ungeheuren, todbringenden Zuges. Weiterlesen “Welch Schauspiel! Aber ach! Ein Schauspiel nur!”

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Blogger schenken Lesefreude

Eine schöne Aktion zum Welttag des Buches im April, an der auch ich teilnehme. Von mir gibt es natürlich ein hier schon rezensiertes Buch, aber natürlich nur eines, das mir auch gefallen hat!

Ich zitiere einfach mal den offiziellen Text:

“Wir Buch-Blogger sind Botschafter in Sachen Lesefreude und deswegen ist der Welttag des Buches unser Tag! An diesem besonderen Feiertag wollen wir die Welt mit unserer Begeisterung für Bücher anstecken. Wir werden bloggen wie die Wilden und wir werden Bücher verschenken!

Wer kann mitmachen? Weiterlesen Blogger schenken Lesefreude
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Asche auf mein Haupt

Letzte Woche habe ich meine Online-Käufe noch mit meiner Heimatliebe gerechtfertigt, diese Woche muss ich alles zurücknehmen, denn gestern kam in der ARD eine Doku mit dem Titel “Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon” und diese wurde wo gedreht, natürlich zu Hause – in Bad Hersfeld.
Ich habe mich zwar nie der Illusion hingegeben Amazon würde seine Mitarbeiter, z.B. die “Picker und Packer” in Watte packen, aber die aufgedeckten Methoden und Missstände sind für den sorgenlosen Online-Einkäufer doch erschütternd. Leiharbeitsfirmen sind bekanntermaßen sowieso die moderne Form der Sklaverei, aber Amazon weiß auch noch wo sie ihre Mitarbeiter “internieren” können und wie sie sie gefügig machen, diese Umstände zu ertragen und nicht zu mucken.
Leider verwehrt mir die ARD-Mediathek den Link zu finden (die ist auch echt unübersichtlich!), daher kann ich hier nur die offizielle Sendeankündigung und die umfassende FAZ-Frühkritik angeben. Vielleicht hat irgendein Amazonanwalt die ARD schon abgemahnt?!

Doch lieber wieder zum örtlichen Offline-Buchhändler!

[Nachtrag] Hier der Link zum Beitrag in der ARD-Mediathek: http://www.ardmediathek.de/das-erste/reportage-dokumentation/ausgeliefert-leiharbeiter-bei-amazon?documentId=13402260

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Deutschland deine Krimis

Einer der höchsten Juristen des Landes war vor seiner Stelle als stellvertretendem Vorsitzenden des 2. Strafsenats beim BGH Musiker, Kraftfahrer und Postzusteller. Heute, eben tätig als Richter, gibt er seit mehr als 10 Jahren einen der wichtigsten Kommentare zum Strafgesetzbuch heraus, ist Professor in Würzburg und geisterte kurzzeitig durch die Medien, weil er sich den Umgang des BGH mit seinen Mitarbeitern (mit ihm) so nicht gefallen lies.

Prof. Dr. Thomas Fischers Vita liest sich erst kurios und dann wie die eines Karrieristen. Dieser Mann kann nicht so selten wie man vermuten mag, aber selten genug damit man es erwähnen muss, schreiben. Dies mag nicht unbedingt (allein) an seinem Werdegang liegen, der doch in nuce durchaus sympathisch anmutet, aber ich denke , dass so jemand nicht nur aus der Lebenserfahrung seiner Position, Macht und seines Wissens schöpft, sondern ihm mag auch zu Gute kommen, dass er eben nicht stromlinienförmig, sondern über Umwege zu dieser (seiner Lebenserfahrung und Position) gelangte. Weiterlesen Deutschland deine Krimis

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Neuerwerbungen 1 – Global denken, lokal kaufen

So gern ich Amazon auch mag und seine Vorzüge genieße, aber hin und wieder sollte man doch sein Geld auch zum örtlichen Buchhändler tragen. Merkwürdigerweise habe ich aber z.B. eine Abneigung gegen Thalia, was bei einer Pro-Einstellung zu Amazon inkonsequent scheint, denn das Nebeneinander von Büchern mit Katzenbabykalendern, Haushaltshilfen und Plundern stößt mich ab. Bücher sind ein Konsumgut und Leute verdienen mit ihnen Geld, aber manchmal will ich das gerne ausblenden und bei Amazon werde ich nicht (immer) bei der Suche nach xyz auch noch auf den Hello-Kitty-Badezusatz aufmerksam gemacht, dort gelingt mir das visuelle Selektieren.

Bei den meisten Lesern völlig unumstritten ist dagegen die Affinität zu örtlichen, bitte freien, Buchhändler. Meine Heimatstadt hatte zu meiner Schulzeit zwei ernstzunehmende Buchhändler in der Innenstadt: die Buchhandlung “Oertel” und die “Hoehlsche Buchhandlung”. Weiterlesen Neuerwerbungen 1 – Global denken, lokal kaufen

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Neuerwerbung: Maria Stuart

Bin in letzter Zeit nicht ganz sparsam gewesen, was Neuerwerbungen anging, möchte aber, einem allgemeinen Beitrag vorgegriffen, eine besonders hervorheben.

Beim Schlendern durch Prag habe ich gestern in einem kleinen Antiquariat namens “Antikvariát u zlaté cise” eine interessante Entdeckung gemacht. Versteckt zwischen diversen Büchern der Kategorie “Deutsche Bücher” (selbstverständlich nur ein kleines Regal in einem tschechischen Buchladen) fiel mir folgendes Buch in die Hand:2_thumb.jpgIm Kopf kurz nachgerechnet: Erstausgabe! Ich muss zugeben, dass ich keine besondere Ahnung von der Materie habe, aber jeder fängt mal an. Bis jetzt stehen aber immerhin schon eine Erstausgabe von Heinrich Mann und “Fabian” von Erich Kästner in meinem Regal.

Der Umschlag ist leider nicht mehr der allerfrischste und auch die Bindung etwas lose, aber die Seiten selbst, sind in wunderbarem Zustand, fast ungelesen, das Buch riecht fast gar nicht und ich freue mich, allein schon über den Umstand es gefunden zu haben.

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