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Kategorien wie gut und böse

Schon mal durch einen Buchladen gelaufen? Da gibt es Abteilungen/Regale, die meist logisch nach Oberbegriffen gegliedert sind. Taschenbücher, Hardcover – wer es ganz banal und global mag; Neuerscheinungen, Krimis, Sachbücher, Kochbücher, Humor usw. usf. etwas differenzierter.

Kategorien wie gute und schlechte Literatur existieren im Buchladen nicht. Natürlich wird aber auch nach der Bestsellerliste sortiert, denn was alle lesen, muss ja irgendwie gut sein, zumindest, wer will es dem Buchhändler verdenken, verkauft es sich. Mutige geben manchmal Empfehlungen, heben diese besonders heraus, schreiben gar ihr eigene Meinung auf Zettel und legen sie an die Bücherstapel.

Das Internet dagegen ist voller Meinungen und daraus resultierenden Empfehlungen. Amazon fragt sie im Sterne-System ab und jeder darf seinen Senf dazu geben (Blüten). Es gibt Plattformen und Foren, die nur der Sammlung von Meinungen und Empfehlungen der Leser dienen. Dazu ist die Liste der Literaturblogs lang und wird immer länger. Natürlich werden hier Nischen, weil es eben persönliche Vorlieben sind, bedient. Auch ich bediene eine Nische, mein Freund Tobi von der Buchguerilla zwar eine ähnliche, setzt aber einen anderen Schwerpunkt. So ist eigentlich also für Abwechslung gesorgt.

Wohin das hier führt?

Mir liegt es fern mich zum Retter der Kultur aufzuschwingen, die Grenze zu ziehen zwischen guter und schlechter Literatur (was immer das sein mag) und alle zu verdammen, die sich nicht an meine Maßstäbe halten. Ich möchte gar nicht, dass alle gut finden, was ich gut finde, schlecht finden, was ich schlecht finde. Vor allem will ich kein naseweiser Oberlehrer sein. Aber:

Blogs mit Namen wie Kuschelmamas Schmökerstube, Schmetterlings Traumfänger und Katzenkittys Lesesalon (entstammen alle meiner unendliche Phantasie, braucht ihr nicht googlen) haben übergenug Leser, erfreuen sich einer Kommentarwut dieser und haben meist 500 Likes bei Facebook. Das ist nicht (nur) der Neid der aus mir spricht, aber eben auch kein Qualitätsnachweis für Besprechungen, schon gar nicht für den Inhalt des Besprochenen.

Trivialliteratur hat durchaus – auch in meinen Augen – ihre Daseinsberechtigung. Ihr Zweck ist einfach(e) Unterhaltung. Nicht immer möchte man jeden Satz zweimal lesen müssen, möchte einfach abschalten und in eine andere Welt oder Geschichte als die eigene eintauchen. Aber die besprochenen Bücher sind – in meinen Augen – nicht trivial. Sie sind unter dieser Schwelle. Qualität mag bei Literatur nicht unbedingt objektivierbar sein, aber bei einem Raster mit den Parametern “Originalität der Geschichte” und “Ausdruck der Sprache” fallen viele dieser Bücher bereits durch. (An ein Raster mit den 13 Kategorien Gelferts will ich gar nicht denken.) Adjektive, Satzbausteine, Adjektive, Phrasen, Adjektive und Schablonen machen keinen Autor, keinen Schriftsteller, bei manchen eben nur Text, Masse.

Mit dem eBook schwämmt zu diesem, von Verlagen zumindest vorab gefilterten (kommt natürlich auf den Verlag an), Ballast auch noch der ganze Quatsch von den “selbstverlegten Autoren”. Die “Indieautoren” alle sind sie Autoren: das 14-jährige Mädchen mit den Vampiren, der 35-jährige mit seinen Kriminalgeschichten und alle pensionierten Lehrer mit ihren heimeligen Kinder(detektiv)geschichten. Am lächerlichsten sind meist die Anpreisungen der eigenen erotischen Geschichten (50 shades lassen anrüchig grüßen).

Nichts also mit der vielgelobten Diversität der Blogosphäre, es sprechen doch alle nur über die selben Schmöker.

Warum verschließe ich nicht einfach die Augen vor diesen mir missliebigen Dingen? Ich werde es versuchen und ab jetzt die Füße in diesem Thema still halten, ich wollte es nur mal gesagt haben: Behaltet euren Schund für euch! Bei mir existieren Kategorien und diese sind zwar diffiziller als nur gut und schlecht, das sind aber die beiden Worte, die auf den Kisten stehen, in denen ich grob vorsortiere.

Gerne darf man mich der Überheblichkeit bezichtigen und mir mit Argumenten, lieber noch mit Beispielen, die Vorzüge einer Gattung (Comic/Graphic Novel) oder eines einzelnen Werks nahe bringen und ich lasse mich auch ebenso gerne auf einen Diskurs ein.

Das Gute für alle Kuschelmamas, Schmetterling und Katzenkittys: Lesen, egal was, macht zumindest nicht dümmer. Aber ob man davon schlauer wird, hängt nun einmal von der Lektüre ab.

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Folge 54books.

12s Kommentare

  1. Ich hatte schon sehr oft ganz ähnliche Gedanken. Ich sehe das Problem eben, ähnlich wie Du, gar nicht im Lesen und Vorstellen des Trivialen, denn das gehört einfach dazu und ist manchmal sehr wohltuend. Ich sehe das Problem darin, wo jemand den Anspruch verteufelt und die Inhaltsleere zur großen Literatur hochstilisiert. Ich sage es in diesem Zusammenhang immer gern (gerade weil mir auch oft vorgeworfen wird, ich sei der Trivialliteratur gegenüber sehr intolerant): Ich habe früher leidenschaftlich Wrestling geguckt, weil sich dazu so hervorragend abschalten ließ. Ich wäre aber nie auf die Idee gekommen, diesen Sport und dieses Business für total tiefsinnig und clever konstruiert zu halten. Ist aber auch nicht schlimm, lustig war es trotzdem. De facto haben aber in der Tat die Bücherblogs am meisten Erfolg, die ohne Ende Lesestatistiken veröffentlichen und Gewinnspiele, deren Seiten quietschbunt sind, sodass man sich mitunter schon vorkommt wie im Ballparadies eines Möbelhauses. Die Rezensionen sind oft keine, sondern sowas wie: „Hihi, war totaaaal nett xD“. Diese Blogs sind mehr sowas wie Tupperpartys mit Literatur. Aber das kommt heutzutage eben an. „Chantal, tu ma die Oma winken“ (wer es wirklich wissen will, kann ja mal googeln) ist ein absoluter Verkaufsschlager. Dazu muss man eigentlich nichts mehr sagen.

    • Hehe, Wrestling hab ich früher auch immer geschaut (und auf Konsole gespielt 😉 ). Da gab’s doch aber auch immer ordentlich Story außenrum…

  2. Oha. Also diese Blogs u.Ä. haben durchaus ihre Daseinsberechtigung. Muss man ja nicht gut finden, aber es gibt halt genug Leute, die das lesen und sich dort neue Literaturtipps holen.
    Trivialliteratur ist das, was den ganzen Rest mit finanziert. Wenn der Buchhandel keine 50Shades verkaufen würde, würde es ihm sicher ’ne Ecke schlechter gehen.
    Und um ein Beispiel zu bringen: Diogenes kann es sich erlauben eine riesige Backlist immer noch im Programm zu haben und lieferbar zu halten, obwohl sich da selten mal was verkauft, eben weil man auch Bestseller wie eine Donna Leon oder Martin Suter im Programm hat (das ist jetzt noch das schöngeistige Beispiel). Diese Querfinanzierung von kleinen Auflagen anspruchsvoller Titel durch trivialere Konsumliteratur machen so gut wie alle Verlage.
    Folglich gibt es auch die Blogs, auf denen Leser ebendieser Konsumliteratur über ihre Leseerlebnisse berichten wollen und sollen.
    Und lesen soll ja nicht immer schlauer machen sondern gerne auch mal nur unterhalten – immer noch besser als sich vom Fernseher berieseln zu lassen und den Kopf ganz abzustellen 😉

    • Ja, diese Querfinanzierung ist in der Tat ein wichtiger Punkt, auch in der Buchhandlung. Rein vom Literarischen allein könnte keine Buchhandlung überleben.

  3. Moin 😉

    man ich kenne deinen Blog noch nicht aber ich will mehr solcher Beiträge 😀

    Ich lese nur selten Bücher die „alle“ Lesen denn die interessieren mich nicht wirklich. 50 Shades habe ich bis heute nicht angerührt und das Geld ist es mir auch nicht wert…. ^^

    Generell kann man nur persönlich die Meinung äußern ob man das Buch „gut“ oder „schlecht“ findet, wer anders bewertet, soll es halt tun. Wer auf Ach und Krach Leser um sich scharrt durch Gewinnspiele ist meiner Meinung nach ein bisschen doof.. ich habe schon sehr oft erlebt das einem Blog nicht wegen der Rezis sondern den Gewinnen folgt. Als Blogger setzt man sich dann ja selbst unter Druck und darauf hätte ich keinen Bock.

    Liebe Grüße
    Becky

  4. Ich finde deine Meinung sehr interessant und auch nachvollziehbar. Ich selbst habe einen Blog, der hoffentlich nicht zu bunt ist, gelegentlich auch einen Roman bespricht, der nicht ganz so trivial ist und mittelmäßige Besucherzahlen zu vermerken hat.

    An einer Stelle sagst du, es spricht nicht nur der Neid aus Dir, aber jedes Mal, wenn ich ein Reclam-Heft bespreche oder einen Roman wie „Roman eines Schicksalslosen“ merkt man doch: es interessiert wenig und das deprimiert. Mich zumindest – da bin ich ehrlich. Denn auch bei diesen Rezensionen habe ich mir Mühe gegeben. Nicht jedes Buch ist für jeden Leser etwas und ich muss zugeben: Meine Lesestatistik besteht aus trivalen Romanen und pornösen Büchern, aber ich weiß warum, denn mein Germanistik Studium ist mit seinen Texten anspruchsvoll genug. Ein wahrhaft schlechter Grund Tolstoi und Rilke im Regal zu lassen, aber irgendwo ist für mich Schluss mit Analyse und Interpretation, denn damit fange ich unweigerlich auch auf dem Sofa an. Aber bei z.b. „Shakes of…“ ist es sehr unwahrscheinlich, dass ich brauchbaren Metaphern und ähnlichem begegne. 😉 Jetzt habe ich mich gerechtfertigt, obwohl ich deine Meinung nur bemerkenswert fand und mich gar nicht angegriffen gefühlt haben!

    Behalte also deine Meinung, lies die guten Bücher aus deinem Regal- mich hast du als Leserin definitiv dazu gewonnen.
    Lg

  5. Witzig, ich bin gleichzeitig deiner und ganz anderer Meinung als du und das als Buchhändlerin und Bloggerin. In meiner Lehrzeit habe ich gelernt, den Impuls zu kontrollieren, bei bestimmten Büchern sagen zu wollen „nehmen Sie das nicht, dieses Buch gefährdet Ihre Itelligenz und ist darum gemeingefährlich!“ Wozu haben wir schließlich den freien Willen? Wenn ich aber im Pausenzimmer ein Buch wie „Das Lied von Eis und Feuer“ hervorhole, so kommt von meinen Kollegen schon gehäuft die Frage „SOWAS liest du?“ und ich denke mir, ja, na und, ich hab halt Spaß dran. Und das ist für mich einer der wichtigsten Punkte bei „guter“ Literatur – sie muss Spaß machen. Und – bei aller Liebe zur Literaturwissenschaft – ausgeklügelte Metaphern allein machen keinen Spaß.
    Was mich aber bei Mamamausis Bücherkiste & Co. oft stört, ist der inflationär gebrauchte Ausspruch „Ich lese Alles!“ Wobei dieses Alles nach den Rezensionen geschlossen die Bereiche All-Age-Fantsy, Romantic Fantasy und manchmal noch Kriminalliteratur umfasst. Wenn ich das lese möchte ich weinen und dramatisch die Hände ringend fragen „und wo bleibt die Belletristik?“. Sie darf doch nicht so einfach wegignoriert werden, es gibt sie doch noch.
    Dass dann auf Blogs wie dem deinen die gleiche Frage aufkommt, freut mich sehr, denn das zeigt mir, dass es noch Menschen gibt, die die Genres am Leben halten, die oberhalb des Trivialen liegen und die trotzdem anerkennen können, dass auch Trivialliteratur Literatur ist.
    Liebe Grüße,
    Mareike

  6. 54books 54books

    Liebe Leserinnen und Leser,

    ich freue mich über eure Kommentare und will gar keinen besonders hervorheben. Im Gegenteil will ich mich bei allen für Zuspruch, aber auch Kritik, bedanken! Ein solcher Blog lebt nur durch seine Leser, denn ich will nicht nur einfach meine Gedanken in den anonymen Äther senden, sondern auch diskutieren. Dass es hierbei z.T. hochhergehen kann, sieht man an den Beiträgen, die sich u.a. auf diesen hier, aber auch auf die Twitter-Diskussion der Buchguerilla, beziehen. Daher hierzu nochmal die Links:

    http://toechterregalias.wordpress.com/2013/07/02/gastpost-wieder-loschen-bitte/
    http://www.texteundbilder.com/von-xten-und-bchern/
    http://www.isshoo.net/erika_wordpress/?p=4095

    Mögen mir meine Leser weiterhin gewogen bleiben und diskutieren wollen. Ich danke für euch für jede Rückmeldung.

    Euer Tilman

  7. ich bekenne: ich bin ein Bücher-Snob!….
    ich lese gern anspruchsvolle Literatur, ja – ich gebs zu .-)….. aber: und bei mir stimmt es vielleicht ansatzweise …. aber ich lese fast alles….
    und da ich ein Paralell-Leser bin, kann es vorkammen dass ich heute morgen meinen werten Kafka lese, dann zwischendurch ein dickes Comicbuch zu Ende bringe und dann – vor den Unibüchern – den neusten UrbanFantasy-Schmöker…. :-)…..
    (okay, wenn wir schon bei Geständnissen sind: ich les eigentlich nix mit Sport :-))…..

    Trivial…. was ist schon Trivial…. gar nicht so einfach!…..
    Wiele sog. Höhenkammliteratur ist eigentlich arrogante hoch geputschte Schemaliteratur, die zufällig grad den Modegeschmack der kritiker trifft :-)…

    aber ja: um mal den lieben Augustinus (oder wars Aquin? :-)) abzuwandeln: ich weiß immer genau, was schlechte, was gute Literatur ist, nur wenn ich nach gefragt werde, kann ich es nicht mehr sagen 🙂

    PS: Shades of Grey ist aber soooo schlecht nun auch wieder nicht….. ganz nette Zwischenmahlzeit eben 🙂

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