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Gespräch mit Isabel Bogdan über „Der Pfau“

Isabel Bogdan, Autorin „Der Pfau“, Kiepenheuer&Witsch ©Smil
© Smilla Dankert

Seit der Frankfurter Buchmesse 2014 kenne ich Isabel Bogdan und wir sind die allerbesten Freunde auf der Welt. Manchmal gehen wir Kaffee trinken und Torte essen oder treffen uns auf Veranstaltungen, zum Beispiel bei Lesungen in ihrem schönen großen Wohnzimmer, zu denen sie immer wieder befreundete Autoren einlädt, auf Konzerten, Geburtstagen oder beim Resteessen an Neujahr.

Als wir uns bei einem Abendessen des mairisch Verlags in Frankfurt kennenlernten, erzählte Isabel gerade das erste Mal in großer Runde, dass ihr Roman im Frühjahr 2016 bei Kiepenheuer & Witsch erscheinen wird. Was damals noch sehr weit entfernt schien, steht nun [im Januar 2016] kurz bevor. Mit zwei Tüten Backwaren unter dem Arm komme ich leicht verspätet in der großen Altbauwohnung in Hamburgs Osten zu einem sehr langen Frühstück an, das bis nach Mittag dauert und aus dem ein Interview zu Isabels Debüt werden soll.

Weil ich mich leicht verspäte, schicke ich die erste Frage vorab per Whatsapp.

54books: Ist Dein Roman ein Kammerspiel?

Zwanzig Minuten später öffnet mir Isa die Tür und wir sprechen Breakfast-Sprech (Tee/Kaffee/die Größe von Hühnereiern).

IB: Habe die Sache mit dem Kammerspiel mal im Wilpert [Sachwörterbuch der Literatur] nachgesehen, Du fragst jetzt aber nicht nur sowas, oder?

Tue ich natürlich nicht, sondern wir unterhalten uns entspannt, wie immer, nur dass eine von uns beiden langsam zu realisieren scheint, was sich auf sie zubewegt. Denn Der Pfau ist ein ziemlich gutes Buch, und nachdem die erste Begeisterungswelle über das wirklich gelungene Cover abgeebbt ist, folgt nun die nächste, diesmal über den sehr gelungenen Inhalt.

IB: Ich war neulich in einem Buchladen und wollte mir was für meine Schwiegermutter empfehlen lassen. Die freundliche Buchhändlerin holt Jane Gardam [Ein untadliger Mann], die sei sehr gut. Ich sage also: „Ja, das weiß ich, das habe ich übersetzt.“ Sie blickt mich an, „Sie sind Frau Bogdan? Ich hab Ihren Roman gelesen, der ist ja so toll, ich freue mich schon so drauf, den zu verkaufen. Das ist mir ja total peinlich, dass ich Sie nicht erkannt habe.“ – Ich so „Bitte? Peinlich, dass Sie mich nicht erkannt haben?“ Wieso hätte sie mich erkennen sollen. Und ich war total platt, dass sie sofort die Verbindung gezogen hat Gardam – Pfau – Bogdan.

54books: Buchhändler sind auch immer noch wichtiger als so ein Zirkus wie das Literarische Quartett, da haben doch die Verkaufszahlen nicht mal gezuckt bei den ersten beiden Sendungen. Anders bei Gardam und Auerhaus von Bov Bjerg.

IB: Die Bücher sind ja beide nicht mehr neu, da merkt man das jetzt schon deutlich. Bov Bjerg steht jetzt auf Platz 3 der Bestsellerliste und Jane Gardam auf 10, beide Bücher haben sich schon vorher ordentlich verkauft, aber das ist nun nochmal ein Sprung. Eigentlich wollte ich das Quartett auch gar nicht mehr sehen, weil es mir auf kein Buch Lust gemacht hatte, und das soll doch eigentlich eine solche Sendung zumindest auch machen.

54books: Wo wir bei anderen Büchern sind, hast Du eigentlich Angst vor dem anderen Pfau bei KiWi, der Pfaueninsel von Thomas Hettche?

IB: Als das rauskam, bin ich fast geplatzt vor Neid. KiWi war mein Traumverlag und dann kommt dieses Buch und ich dachte „Das darf nicht wahr sein – das hätte mein Cover sein können, und wenn sie jetzt eine Pfaueninsel haben, kauft KiWi doch nicht nächstes Jahr ein Buch das Der Pfau heißt. Aber jetzt sind die Cover ebenso wenig vergleichbar wie der Inhalt, und beide passen wunderbar.

54books: Du betonst, dass Kiepenheuer und Witsch Dein Traumverlag für Der Pfau war. Wieso wusstest Du das so genau?

IB: Bei KiWi hab ich schon immer das Gefühl, die machen nicht so viel wie geht, sondern nur die Bücher, hinter denen sie stehen. Das hat mich am Anfang aber echt Nerven gekostet. Erst musste Olaf Petersenn [Isabels Lektor bei Kiepenheuer & Witsch] es lesen, und wenn der es gut findet, müssen es die anderen aus dem Lektorat lesen, und wenn die es gut finden, muss es die Werbeabteilung lesen und der Vertrieb und das Marketing, weil sie es nur kaufen, wenn es alle gut finden. Das ist natürlich klug, weil wenn ein Lektor ein Buch gut findet, der Vertrieb aber nicht, nutzt es dem Buch nichts. Es ist toll, wenn ein gesamter Verlag hinter einem Buch steht und sich dafür einsetzt, das merke ich jetzt.

54books: Bisher hast Du fast ausschließlich übersetzt, wie kommt man dann aber als Autorin eines Romans an seinen Wunschverlag?

IB: Erst habe ich versucht, neben dem Übersetzen zu schreiben, aber das hat nicht gut funktioniert. Ich brauche immer ein bisschen Druck, damit ich was schaffe. Also habe ich mir eine Agentin gesucht. Für die Kontakte zu Verlagen hätte ich sie nicht unbedingt gebraucht, aber für die Verhandlungen, das Einschätzen von Angeboten, den Verkauf der Taschenbuch- und Hörbuchrechte, das hätte ich alles so nicht gekonnt.

54books: Vor fünf Jahren hast Du den Hamburger Förderpreis für einen Romananfang bekommen. War das damals schon Der Pfau?

IB: Ja! Der Pfau war erst eine Kurzgeschichte. Sie endete mit einer schlüssigen Pointe [diese wird hier wegen Spoilergefahr nicht verraten]. Dann fiel mir auf, dass das ja gar nicht das Ende der Geschichte ist, und habe weiter geschrieben. Als dann die Frist für den Förderpreis ablief, habe ich einfach kackfrech „Romananfang“ drübergeschrieben, weil es nun kein Ende mehr gab, es war nicht einfach eine längere Kurzgeschichte, sondern hing total in der Luft. Und ich dachte, wenn Du den Preis kriegst, kannst Du immer noch einen Roman draus machen.

 

isabel bogdan der pfau cover
Glitzert in echt mega!

54books: Dein Roman beginnt mit dem Satz „Einer der Pfauen war verrückt geworden.“ Er steht auch auf dem Rücken, statt eines Klappentextes. Also ein Kaliber wie „Ilsebill salzte nach“?

IB: Ich habe tatsächlich mit diesem Satz angefangen, das war schon der erste Satz der Kurzgeschichte. Ich finde nach wie vor, dass es ein guter erster Satz ist. Keine Ahnung, ob es ein gutes Buch ist, aber den ersten Satz finde ich immer noch gut.

54books: Nach dem ersten Roman sollen die persönlichen Referenzen abnehmen, weil alle Anekdoten schon in das Debüt geflossen sind. Bist Du leergeschrieben?

IB: Nein, das meiste im Roman hat mit mir gar nichts zu tun. Ich kenne das Setting sehr gut, dieses schottische Anwesen. Und dass an einem Morgen hintereinander zwei Vögel ins Zimmer kamen, das ist mir dort passiert. Aber die meisten anderen Dinge sind ausgedacht oder hier und da zusammengeklaubt und neu kombiniert, haben aber mit mir gar nichts zu tun.

54books: Den Musikgeschmack Deines Mannes finde ich auch in manchen Szenen wieder. Hast Du eine Liste mit den gesungenen Liedern?

IB: Nein, eine Liste habe ich nicht, aber die Lieder gibt es natürlich alle.

[Ich lese die Szene aus der Küche vor, in der Jim und Helen in der Küche sitzen und singen.]

54books: „Caledonia“, ist das dieser B.B. King Song?

IB: Nein, das ist von Dougie MacLean, ein wunderschöner und ganz berühmter Song, quasi die inoffizielle schottische Nationalhymne.

Langsam verlieren wir den professionellen Faden, spätestens als wir versuchen ein Foto vor Isabels großem Regal zu schießen. Zwei sehr heitere erwachsene Menschen, haben drei angenehme Stunden beim Frühstück verbracht und trennen sich nachdem Zeit für das Mittagessen wurde. Ein zweiter Teil des Interview, in dem wir über Isabels Tätigkeit als Übersetzerin sprechen, folgt.

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Folge 54books.

6 Comments

  1. Immer fein, wenn kluge Frauen auf charmante Männer treffen.

    • 54books 54books

      Alter Charmeur!

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