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Gespräch mit Harald Martenstein oder Interview mit Vogelscheiße

© C. Bertelsmann Verlag
© C. Bertelsmann Verlag

An keinen meiner bisherigen Gesprächspartner, auch die noch nicht veröffentlichten, war es so schwer heranzukommen. Über seinen Verlag kam keine Antwort, auch die ZEIT blieb stumm und als ich die Hoffnung schon aufgegeben hatte, leitete der Tagesspiegel meine Email an ihn weiter und er schrieb zurück. “Interview: gerne!” und seine Handynummer ließ er mich wissen, nur erreichen konnte ich ihn auf dieser nicht – unterwegs in Hamburg auf dem Harbour Front Literaturfestival. Also spreche ich Harald Martenstein auf die Mailbox und er ruft mich am nächsten Tag zurück. Zugegeben ein erhebendes Gefühl, wenn “Harald Martenstein ruft an” auf dem eigenen Handydisplay erscheint. Wir haben einen Termin ausgemacht, uns getroffen und unterhalten. Wir sprachen über modernen Journalismus, Blogs, neue und alte, gute und schlechte Bücher, solche die man seinen Freunden aufdrängt und Kritik an politisch inkorrekten Kolumnen. Das Ergebnis dieses interessanten, lustigen Gesprächs mit einem Kultur- und Gesellschaftskritiker, der unfassbar belesen ist:

Ihre Kolumne

54books: Gefühle – Rentner – Busen – Teamwork – Carla Bruni; Das ist von allem etwas. Gibt es Themen, die auch ein Harald Martenstein nicht anfasst?

Harald Martenstein: Da würde ich zunächst mal nein sagen. Ich habe Kolumnen geschrieben, die Über Juden hießen oder Über Neger. Ich glaube, dass man zu jedem Thema einen Dreh finden kann, was nicht bedeutet, dass man über jedes Thema lustig schreiben kann. Aber die Kolumne ist ja auch nicht immer lustig, wenn ich mal das Gefühl habe, dass es keinen humoristischen Aspekt gibt, lass ich’s bleiben. Aber für mich ist nicht wichtig, dass sich daraus der Humorfunke schlagen lässt, sondern dass ich einen Zugang zu dem Thema finde und das ist bei jedem Thema möglich.

Themen, die nicht machbar sind, sind Themen die mich überhaupt nicht interessieren. Nicht irgendwelche Tabus würden mich abschrecken, sondern Dinge, die mich einfach nicht interessieren.

54books: „Ein Land, das von Kindern regiert wird, stelle ich mir so ähnlich vor wie Uganda unter der Herrschaft von Idi Amin. Bestenfalls käme Italien unter Silvio Berlusconi dabei heraus.“ Diese Aussage ist genauso lustig wie politisch unkorrekt, ebenso Ihre Forderung nach einem Mahnmal für die rauchende Frau im Dritten Reich. Dürfen Sie das einfach sagen, weil man weiß, dass der Martenstein dabei zwinkert oder ist das die Narrenfreiheit des Kolumnisten?

Harald Martenstein: Was die ZEIT angeht habe ich, nicht völlige, aber weitgehende Narrenfreiheit. Ich glaube, dass ich fast alles machen kann. Das ist am Anfang meiner Kolumnistentätigkeit noch nicht so gewesen, aber als dann die Akzeptanz da war, sind die Grenzen weitergefasst worden.

Was politische Korrektheit angeht, glaube ich aber, dass man es nicht zu einer Masche machen sollte, dass man immer dagegen ist. Das bin ich auch gar nicht. Ich finde es falsch Leute zu beleidigen, Leute zu diskriminieren. In vielerlei Hinsicht stehe ich ganz auf der Seite der politischen Korrektheit, nur dann, wenn es ins Wahnsinnige umschlägt… Es gibt ja kaum etwas Gutes unter der Sonne, das sich durch gewaltige Übertreibung nicht in Terror verwandeln kann. Zuneigung zu Menschen ist was Wunderschönes, aber wenn Ihnen ein Mensch jahrelang auf Schritt und Tritt folgen würde und Sie mit seiner Zuneigung erdrückt, Ihnen keine Luft zum Atmen lässt, dann schlägt es ins Negative um – so ist es mit allen Sachen.

54books: „Ein Artikel, der nicht angreifbar ist, kann nur völlig inhaltsleer sein“, sagen Sie in einem Videobeitrag des Tagesspiegels. Sie schreiben jede Woche angreifbare Artikel, weil Sie Stellung beziehen. Viele Leute fühlen sich dann wieder auf die Füße getreten. Denken Sie da nicht manchmal auch, dass es besser wäre inhaltsleer zu schreiben?

Harald Martenstein: Ich merke, dass ich manchmal ein bisschen Nerven zeige und denke, du brauchst mal ein paar Wochen, in denen du keine Hassmails kriegst und dann schreibe ich mal zwei, drei Wochen über summende Bienen – als Synonym für Themen ohne Aufregefaktor. Aber das ist immer nur von begrenzter Dauer. Ich kann aber auch gar nicht klagen, weil ich mehr Zuspruch als Ablehnung bekomme. So gesehen wäre es absolut unangebracht von mir die Jammerplatte aufzulegen. Es ist ja auch nicht so, dass ich irgendeiner Form der Verfolgung ausgesetzt wäre [lacht], überhaupt nicht. Dass man hin und wieder mal angegriffen wird oder ein Kollege versucht einen in die Pfanne zu hauen, weil man irgendwas geschrieben hat, was ihm gegen den Strich geht, das gehört halt zum Geschäft dazu, wenn man das nicht abkann, dann muss man schweigen.

54books: Wie gehen Sie mit der Kritik um? Wollen Sie darauf eingehen, blocken Sie das ab oder nehmen Sie es sich zu Herzen?

Harald Martenstein: Kritik grundsätzlich abzublocken ist dumm. Man muss sie sich erstmal anhören, sacken lassen und prüfen, ob sie berechtigt ist. Manchmal ist sie ja auch berechtigt. Einzugestehen ist da nicht immer ganz einfach, aber so ist es nun mal. Ich habe auch schon Dinge geschrieben, die mich im Nachhinein gereut haben. Manchmal stoße ich auch auf ältere Texte von mir, da denke ich mir, das hättest du besser machen können. Niemand ist unfehlbar. Ich mach auch Fehler, auch sachliche Fehler, in Texten. Den Menschen der soviel Text schreibt, wie ich das tue, und keinen sachlichen Fehler macht, den würde ich gerne mal kennenlernen. Ich kenne aber auch Leute, die so skrupulös, so perfektionistisch sind beim Schreiben, dass sie im Jahr nur zwei Texte zu Stande bringen. Ich will das gar nicht geißeln, wenn diese Texte sehr gut sind, ist das ja in Ordnung, mir würde es nur Leid tun, um die vielen Dinge, die man hätte machen können. Ich schreibe seit vielen Jahren jeden Tag und für mich ist das so wie für andere das regelmäßige Joggen, es gehört zum Leben dazu.

Ich unterbreche die Aufnahme, weil ich immer Angst habe, dass die Aufzeichnung nicht mitgelaufen ist. Harald Martenstein berichtet über seine Tätigkeit an der Journalistenschule in Hamburg, dass ihm das selbst auch schon passiert sei, dass das Gerät nicht aufgezeichnet hat; ebenso von einer Unterhaltung mit Hellmuth Karasek über das Nachvollziehen von verlorenen Interviews aus dem Kopf.

54books: „Der Autor ist tot.“ Sind bei der Flut von Bloggern und anderen Menschen, die ins Internet schreiben alle Autoren? Blogger sind da ja wie Kolumnisten.

Harald Martenstein: Die Leute haben ja früher auch viel geschrieben – Tagebücher, Briefe auf einem ganz anderen Level, als das was wir heute als E-Mails verschicken. Dass Leute schreiben ohne vom Schreiben zu leben, hat es immer gegeben. Ich lese öfter in Blogs herum und das unterscheidet sich zum Teil kaum im Niveau von journalistisch Gedrucktem, andere sind sehr amateurhaft. Aber Sachen die amateurhaft sind und nicht gut, finde ich auch in Zeitungen nicht gut.

Ich mache mir allerdings Sorgen darüber, dass es in naher Zukunft sehr schwer werden könnte vom Schreiben zu leben. Ich werde wahrscheinlich die Kurve noch kriegen.

54books: Ich finde Ihre Kolumnen und fast das gesamte ZEIT Magazin nach wenigen Tagen online, ebenso den Feuilleton der FAS, der Süddeutschen. Das sind alles Themen, die nicht tagesaktuell sind oder sein müssen. Diese Informationsbedürfnisse kann ich auf ganz anderen Kanälen befriedigen. Aber warum gibt es denn alles andere ebenfalls gratis? Muss Journalismus kostenlos sein?

Harald Martenstein: Er darf nicht kostenlos sein, um sich finanzieren zu können. Sie werden vielleicht einen Kolumnisten finden, der es für lau macht, aber Sie können natürlich niemanden auf eine Reportage irgendwohin schicken, wenn zwei, drei Wochen Recherche erforderlich sind. Ich bin früher für GEO unterwegs gewesen, die haben mir dann eine vierwöchige Reise bezahlt, damit ich darüber einen Text schreibe, das geht natürlich nur, wenn Geld vorhanden ist.

Das ist gefährlich. Ich habe aber kein Rezept dagegen. Jetzt versucht man es mit Bezahlschranken, aber ich weiß nicht, ob das akzeptiert wird, ich hoffe es. Ich selber habe, wie viele Leute, mal drüber nachgedacht mich selbstständig zu machen und meine Texte online zu stellen und wer 50 oder 30 Cent dafür bezahlt, kriegt sie dann halt, aber ich habe keine Ahnung, ob das funktioniert. Damit kann man auch böse auf die Nase fallen.

54books: Gibt es Blogs vor denen der Print Angst haben muss?

Harald Martenstein: Ja, die Huffington Post zum Beispiel. Natürlich kann man mit den Onlineauftritten von ZEIT, Spiegel und Tagesspiegel gut über die Runden kommen, da braucht man keine gedruckte Ausgabe mehr. Die Zeitungen haben ihre Funktion als Nachrichtenüberbringer an das Internet verloren, aber dadurch steigt natürlich der Druck analytisch zu schreiben, unterhaltsam zu sein. Die Blüte der Kolumnen hängt auch damit zusammen, man braucht Unterhaltung. So gesehen haben wir Kolumnisten in der ersten Phase des Funktionsverlusts der Zeitungen profitiert. Jetzt sind wir aber in der zweiten Phase und keiner weiß genau wie es weitergeht.

54books: Sie persönlich sorgen sich noch nicht?

Harald Martenstein: Ich bin ja nun älter und glaube nicht, dass in unmittelbarer Zukunft alles zusammenbricht, aber wie es in 20 Jahren ist, weiß ich nicht. Jetzt mit 20 oder 25 in diese Medien zu gehen, ist natürlich ein Risiko.

54books: Machen Sie dann Ihren Studenten Mut oder raten Sie davon ab?

Ich glaube jeder Mensch sollte das machen was ihm Spaß macht. Mein Sohn hat jetzt angefangen Sport zu studieren und mein Rat war immer „Richte dich nicht nach irgendwelchen Prognosen, die sich ja auch ständig ändern, sondern wenn du das machst was dir Spaß macht, wirst du gut darin sein. Wenn du gut bist, wirst du dich auch in einer schrumpfenden Branche behaupten können“.

Auch wenn sich die Printlandschaft verändert und vieles schwieriger wird, die richtig guten Leute werden schon irgendwie eine Möglichkeit finden. Der Rat kann also nicht sein „lass das“, sondern „mach es gut“.

Ihre Bibliothek

54books: In Ihrer Kolumne Über Bücher beschreiben Sie, wie Sie Ihre Bibliothek einkochen wie eine gute Soße, weil Sie Ihren Bestand auf 2000 gedeckelt haben. Für jedes Buch, das Sie neu aufnehmen, muss ein anderes, welches Ihnen nicht oder nicht mehr gefällt, weichen.

„Ein paar Romane findet man so gut, dass man sie Freunde leihweise aufdrängt“, schreiben Sie. Welches war das letzte Buch, das Sie leihweise aufgedrängt haben?

Harald Martenstein: David Vann Im Schatten des Vaters und noch das zweite Buch von ihm Die Unermesslichkeit, dafür habe ich wirklich nach Kräften Reklame gemacht.

Kürzlich sollte ich für eine Fernsehsendung die drei Bücher meines Lebens raussuchen und da habe ich aus der neueren Produktion Sand von Wolfgang Herrndorf genommen. Dabei hatte ich Tschick gar nicht gelesen, weil mich der Plot nicht interessiert hat. Roadmovies habe ich schon so viele gesehen, Tom Sawyer und Huckleberry Finn habe ich gelesen, brauche ich nicht noch mal, dachte ich. Aber nachdem ich Sand gelesen hatte, habe ich das sofort hinterhergeschoben.

Man macht immer wieder die Erfahrung, dass es überhaupt nicht darauf ankommt, ob die Geschichte, das Milieu, die Zeit einen interessiert – völlig egal. Die guten Autoren schaffen es dich dafür zu interessieren, auch wenn dich das Thema, die Umgebung überhaupt nicht zu interessieren scheint. „Bienenzucht im 17. Jahrhundert“ ich bin mir sicher, dass ein guter Autor es schafft ein Buch darüber zu schreiben, das wir beide lesen wollen.

54books: Die ebengenannten Bücher haben dann sicher auch Einzug in Ihre Bibliothek gehalten. Wissen Sie noch welche Sie dafür rausgeworfen haben?

Harald Martenstein: Weiß ich das noch? [überlegt] Ich habe vor einiger Zeit ein paar Romane von Emile Zola aussortiert, obwohl ich Zola schätze und viel gelesen habe, aber ich dachte Zola und ich, das ist ein abgeschlossenes Kapitel. [überlegt weiter]

54books: Es hat mir sehr gefallen, dass Sie [wie in der besagten Kolumne steht] Montauk von Max Frisch aussortiert haben, vor allem, dass Sie darüber zweimal eingeschlafen sind. Genau so ist es mir auch gegangen.

Harald Martenstein: Ja, ein Buch nur aus Angeberei stehen zu lassen, ist ja auch Quatsch. Das lernt man auch, wenn man sagt, der Bücherschrank wird gedeckelt. Da kann es schon mal passieren, dass der Proust verschwindet, ich werde den nicht lesen, es wird einfach nicht passieren.

54books: Haben Ihre eigenen Bücher einen Freifahrtschein für Ihre Bibliothek oder haben die ein eigenes Regal?

Harald Martenstein: Die haben im Keller ihren Platz. Ich habe von meinen eigenen Büchern auch mehrere Exemplare, weil man mal eins verschenkt oder auf der Lesung ist eines kaputt gegangen.

54books: Schwedenkrimi oder Tolstoi – was liest Harald Martenstein im Urlaub?

Harald Martenstein: Ich war gerade im Urlaub. Was habe ich denn da gelesen? – Eva Menasse, Quasikristalle. Von Stephen King habe ich, ich habe seit Jahren keinen Stephen King mehr gelesen, diesen Rummelplatz Thriller [Joyland] gelesen, eines seiner schwächeren Bücher. Was war denn da noch? Das fällt mir noch ein!

54books: „Der Titel ist die halbe Miete“ – wie überschreibe ich mein Interview mit Harald Martenstein?

Harald Martenstein: In Überschriften mische ich mich nicht ein, mache ich bei der ZEIT auch nicht.

54books: Ich danke Ihnen ganz herzlich, es hat mir große Freude gemacht!

Harald Martenstein: Sehr gerne!

Während ich meine Bücher zum Signieren zücke, fliegt über uns eine Möwe und scheißt mir auf den Arm.

Harald Martenstein: [lacht] Ein krönender Abschluss – Interview mit Vogelscheiße.

Wir plaudern über die Güte von Rezensionen bei Amazon, Literaturblogs im Allgemeinen und 54books im Besonderen, da fällt Herr Martenstein noch ein, dass er im Urlaub den neuen Kehlmann „F“ gelesen hat, aber nicht besonders fand, empfiehlt mir im Gehen noch „Nur eine Ohrfeige“ von Christos Tsiolkas und macht sich auf den Weg zur Lesung.

Tilman Winterling

Tilman Winterling

Tilman Winterling berät als Rechtsanwalt Verlage, Autoren und andere Kreative im Urheber- und Medienrecht. Als Blogger hat er sich sowohl im Bereich der Literaturkritik als auch -vermittlung in der Branche einen Namen gemacht. Rechtsanwalt Winterling ist zudem als Jurymitglied (u.a. Hamburger Literaturförderpreise) und Moderator von Lesungen tätig, sowie gefragter Interviewpartner (u.a. Deutschlandfunk, Radio Eins), wenn es darum geht verständlich und unterhaltsam über rechtliche Themen und solche des Bloggens zu berichten.
Tilman Winterling

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8s Kommentare

  1. Sehr schön, sehr witzig und sehr sympathisch! Ich mag seine Kolumnen in der Zeit sehr gern, mit ihnen beginne ich ja immer das „Zeitungsfrühstück“ (http://phileablog.wordpress.com/category/zeitungsfruhstuck/). Gute Idee, die eigene Bibliothek auf die Highlights zu beschränken (mache ich ebenfalls und kann es nur empfehlen) – und 2000 Bücher sind ja nicht allzu einschränkend.

    • 54books 54books

      Ich muss erstmal auf 2000 kommen von dafür kann ich das nur gutheißen 😉

      • : ) Das geht schneller, als man denkt. Aber ich bin dir ja ein paar (Lese)Jahre voraus. Wenn man nicht alle paar Jahre wegen seiner Bücher umziehen will, hilft nur noch die Beschränkung.
        Was die kostenlosen Online-Ausgaben betrifft: Wenn mich eine Zeitung oder Zeitschrift wirklich interessiert, kaufe oder abonniere ich sie auch. Ich lese immer noch lieber Gedrucktes, Jüngeren geht es da möglicherweise anders.

        • 54books 54books

          Ich lese ebenfalls lieber Gedrucktes (siehe), aber einzelne Artikel kann ich auch digital ertragen – außerdem ist da das Format nicht so unhandlich wie bei der ZEIT sonst 😉

          • Wie wahr. Man kann sich sehr unbeliebt machen, wenn man versucht, sie im Flugzeug zu lesen ; )

  2. Wieder ein sehr schönes Interview! Und wie toll, dass es überhaupt geklappt hat. Schon das Zustandekommen des Interviews liest sich ja wie eine Abenteuergeschichte. — Über die Bezahlbarkeit von Inhalten im Internet habe ich in den letzten Wochen mit meinen Studierenden gearbeitet. Sie, die in ein paar Wochen ihren Abschluss als Betriebswirt machen und zumindest mal einen Blick auf die entstehenden Kosten haben müssten, haben keine Idee gehabt, wo eine „Wertschöpfung“ stattfindet, wenn sie im Internet einen Artikel lesen, Bilder anschauen oder gar Filme. Und auch wenn wir fast eine Stunde gebraucht haben, um das Problem zu lösen und sie dabei sehr nachdenklich geworden sind, sind sie doch nicht bereit, für „Content“ zu bezahlen. Und diese Reaktion macht sehr schön die Problematik deutlich. Wahrscheinlich muss man mindestens einen Namen haben wie Martenstein, sodass es funktionieren könnte, Bezahlartikel zu schreiben. Und wahrscheinlich werden für diese Artikel auch nur die eingefleischten Fans bezahlen. — Ich bin auch gespannt, wie diese Entwicklung weitergeht – und trage durchs Bloggen ja selbst auch sehr schön zur Kostenlosigkeit und Überallverfügbarkeit von Content bei.
    Viele nachdenkliche Grüße, Claudia

    • 54books 54books

      Danke Dir sehr für den Kommentar aus der Praxis!

      Gerade diese Frage an einen Journalisten und Insider brannte mir mal auf den Nägeln, denn bei mir ist es inzwischen wirklich so, dass ich mich nach dem Kauf der ZEIT oder das FAS ärgere, wenn zwei Tage später (teilweise sogar noch am selben Tag!) einzelne Artikel gratis online erscheinen, warum sollte ich dann überhaupt die Zeitung noch kaufen? Die Frage ist aber auch, welche Gewinne die Onlineangebot z.B. wieder über Werbung einfahren (wobei inzwischen doch jeder einen AdBlocker hat?!) oder manche tatsächlich dann die Ausgabe der Zeitung kaufen, wenn sie über einen guten Artikel „angefixt“ wurden. Da ich in Wochenzeitungen meist nur den Feuilleton und den Gesellschaftsteil lese, der, wie angesprochen, nicht tagesaktuell sein muss, bin ich inzwischen fast komplett dazu übergangen diese Formate online zu lesen.

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