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Abbruch

Eco_23736_MR1.inddNormalerweise bin ich ein Durchleser; will heißen, wenn ich das Buch erst einmal angefangen habe und es mir nicht gefällt, lese ich immer in der Hoffnung weiter, dass es besser wird und sobald ich eine solch hohe Seitenzahl passiert habe, dass es lächerlich wäre noch abzubrechen, ziehe ich es auch bis zum Schluss durch.u1_978-3-596-90444-0 Ich kann es nicht ertragen Bücher halb gelesen ins Regal zu stellen, immer quält mich das Gefühl, dass ich vielleicht zehn Seiten vor der einsetzenden Spannung abgebrochen habe.

Jedoch sollte mir meine Zeit eigentlich zu kostbar sein, um schlechte Bücher zu lesen (siehe Blog-Untertitel), also muss ich etwas konsequenter sein und auch mal sagen “Nein gefällt mir nicht, wird wahrscheinlich auch nicht besser”.

„Der Friedhof in Prag” gefällt mir nach 20 % nicht. Es entwickelt sich keine Story, der plakative Antisemitismus geht mir auf den Keks, die Figuren haben nichts.

“Sechs Vorschläge für das nächste Jahrtausend” von Italo Calvino, den ich eigentlich sehr schätze, ist die Wiedergabe von sechs Vorlesungen (die Hälfte von diesen habe ich gelesen), die Calvino vor seinem Tod im Jahr 1985 gehalten hat und in denen er die Werte guter Literatur und deren Zukunft bespricht. Zwar habe ich keine Angst vor literaturtheoretischen Abhandlungen, doch hier springt auf mich der Erkenntnisfunke nicht über. Erwarte ich von dem Werk Umberto Ecos, dass mich eine spannende Geschichte in ihren Bann zieht, erwarte ich von Calvino, dass er spannendes Wissen weitergibt – zweimal wurde ich enttäuscht. Geld sparen und lieber Calvinos hervorragendes “Wenn ein Reisender in einer Winternacht” kaufen.

Tilman Winterling

Tilman Winterling

Tilman Winterling berät als Rechtsanwalt Verlage, Autoren und andere Kreative im Urheber- und Medienrecht. Als Blogger hat er sich sowohl im Bereich der Literaturkritik als auch -vermittlung in der Branche einen Namen gemacht. Rechtsanwalt Winterling ist zudem als Jurymitglied (u.a. Hamburger Literaturförderpreise) und Moderator von Lesungen tätig, sowie gefragter Interviewpartner (u.a. Deutschlandfunk, Radio Eins), wenn es darum geht verständlich und unterhaltsam über rechtliche Themen und solche des Bloggens zu berichten.
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Folge 54books.

4s Kommentare

  1. Ach, ich bin tendenziell auch so ein Durchleser und Zu-Ende-Gucker. Aber es gibt wirklich zu viele gute Bücher, um seine Zeit mit schlechten zu verbringen. Daher bemühe ich mich derzeit, nur die beruflichen, zu rezensierenden Bücher auch zu Ende zu lesen, wenn sie schlecht sind, und die privaten Bücher abzubrechen. Also: Los, abbrechen! 😉

  2. […] Leider waren mir die ersten 100 Seiten bereits zu langatmig und ließen das vermissen, was einen echten Strunk sonst ausmacht: Witz, der auf dem schmalen Grad zwischen brachial und feinfühlig, witzig und albern, wandelt. Stattdessen kurze “Kindersätze” und Belanglosigkeiten. Also: Abbruch. […]

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