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Gewinnspiel: Dreimal „Berlin 1936“ von Oliver Hilmes zu gewinnen

54books verlost zusammen mit dem Siedler Verlag 3 Exemplare von Oliver Hilmes‘ neuem Buch Berlin 1936.

Berlin 1936 ist vor allem daher so gelungen, weil Hilmes es schafft das Gleichgewicht aus unterhaltsamen Tratsch, nüchterner Meldung, Tagespolitik und Zeitgeschichte zu halten. Das Lokalkolorit wird nie aufdringlich und selbst bei den Skandalen und Stargeschichten beschleicht den Leser nie das unangenehme Gefühl der Schnüffelei. Zur Balance trägt bei, dass eben nicht nur Anekdoten von Stars nacherzählt werden, sondern Zeitgeschichte anhand des Lebens einfacher Bürger aufgezeigt wird, der Barbesitzer und Soldat auf Geheimmission, bereits gegängelte Juden und Sinti, Besucher der Spiele und Fans von Sportlern. Der in diesen beiden Wochen omnipräsente Sport fügt sich in Berlin 1936 in die Ausgewogenheit des gesamten Buches sein. Natürlich hat Jesse Owens seinen Auftritt, doch auch die Schilderungen der Ereignisse der Leibesertüchtigung, erzeugen keine erzählerlische Unwucht. Man möchte fast sagen, perfekt komponiert.

Alles was ihr hierfür tun müsst, ist einen Kommentar unter diesem Beitrag zu hinterlassen.

Teilnahmebedingungen
Das Gewinnspiel endet am 29. Mai 2016 um 18:00 Uhr. Zu gewinnen gibt es jeweils einmal das neue Buch von Oliver Hilmes „Berlin 1936“. Unter allen bis zum Ende des Gewinnspiels abgegebenen Kommentaren wird das Los entscheiden. Die Gewinner werden per Email benachrichtigt und der Gewinn ihnen kostenfrei zugesandt. Die Namen der Gewinner werden nicht veröffentlicht. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von 54books. Eure Daten werden nur für den Versand an den Siedler Verlag, München übermittelt, sie werden nicht gewerblich oder zu Werbezwecken genutzt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
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Die herrliche Welt des Scheins – Berlin 1936 von Oliver Hilmes

Die Propaganda, zumindest die rassistische, antisemitische, hält im August 1936 für kurze Zeit die Luft an, denn es ist Olympiade. Das Dritte Reich möchte sich von seiner besten Seite zeigen, friedvoll, friedliebend und weltoffen. Im selben Jahr hatte Hitler zwar die Verträge von Locarno gebrochen und die Wehrmacht im Rheinland einmarschieren lassen, aber dies sollte nicht die größte Sportveranstaltung der Welt stören. Ebenso wenig der bereits tobende Bürgerkrieg in Spanien, der heimlich von Deutschland auf Seiten Francos untersützt wird.

berlin 1936 oliver hilmes coverOliver Hilmes, bekannt durch seine Alma Mahler Biographie, seine Arbeiten zu Ludwig II., der Familie Wagner und Franz Liszt hat die Zeit der olympischen Spiele in Berlin als Aufhänger für sein neues Buch genommen. Der Berliner Historiker wirft sich ins Nachtleben der 30er Jahre, blickt hinter die Kulissen der Propaganda und schaut den Berühmten über die Schulter. Diese knapp zwei Wochen vom 1. bis zum 16. August 1936 reichen Hilmes um ein Panoptikum einer Epoche zu zeichnen, den letzten Akt der Inszenierung einer Regierung, eines ganzen Landes, das sich später voll Begeisterung in einen weltumspannenden Krieg werfen wird und hinter dessen Kulissen bereits die Vorbereitungen für diesen laufen.

Hilmes verschneidet geschickt Tagebuchaufzeichnungen von Harry Graf Kessler und dem unvermeidbaren Goebbels, offizielle Äußerungen und Pressemitteilungen und Wetterberichte mit Zeitzeugenberichten. Er nutzt der Technik, derer sich auch Florian Illies in 1913 bediente, Prominente einander beobachten zu lassen, wahre Begebenheiten so zu komponieren, dass hieraus nicht nur eine, sondern die Geschichte, entsteht. Also sitzt der junge Reich-Ranicki im Theater bei Gründgens, Heinrich Maria Ledig-Rowohlt zieht mit Thomas Wolfe, einem geheimen Protagonisten des Buchs, um die Häuser und Mascha Kaléko verlässt ihren Mann, während alle sich das Maul über Pauline Strauss, die Frau des Komponisten Richard Strauss, zerreißen. Hierein fügen sich immer wieder Bilder, die das Kolorit der Zeit nachzeichnen. Einen großen Anteil hieran hat die Musik dieser Zeit, die zwischen wildem „Negerswing“, Propagandafanfaren und dem ewigen Wagner vorkommt.

Berlin 1936 ist vor allem daher so gelungen, weil Hilmes es schafft das Gleichgewicht aus unterhaltsamen Tratsch, nüchterner Meldung, Tagespolitik und Zeitgeschichte zu halten. Das Lokalkolorit wird nie aufdringlich und selbst bei den Skandalen und Stargeschichten beschleicht den Leser nie das unangenehme Gefühl der Schnüffelei. Zur Balance trägt bei, dass eben nicht nur Anekdoten von Stars nacherzählt werden, sondern Zeitgeschichte anhand des Lebens einfacher Bürger aufgezeigt wird, der Barbesitzer und Soldat auf Geheimmission, bereits gegängelte Juden und Sinti, Besucher der Spiele und Fans von Sportlern. Der in diesen beiden Wochen omnipräsente Sport fügt sich in Berlin 1936 in die Ausgewogenheit des gesamten Buches sein. Natürlich hat Jesse Owens seinen Auftritt, doch auch die Schilderungen der Ereignisse der Leibesertüchtigung, erzeugen keine erzählerlische Unwucht. Man möchte fast sagen, perfekt komponiert.

Oliver Hilmes hat bereits in seinen vorherigen Büchern gezeigt, dass Geschichte und Biographien unterhaltsam sein können. Spätestens jetzt hat er bewiesen, dass er auch ein großer Erzähler ist.

Beitragsbild: Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1976-116-08A  CC-BY-SA 3.0

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BGH: Vogel gegen VG Wort (Teil 2) – Die Argumente

Die juristischen Grundlagen des BGH Urteils in Sachen Martin Vogel gegen die VG Wort wurden bereits im letzten Beitrag aufgezeigt: was bereits übertragen wurde, kann nicht erneut übertragen werden. Habe ich meinen Koffer bei Freundin A stehen lassen, kann ich ihn nicht bei Freund B abgeben. Die Autoren haben ihre Ansprüche bereits auf die VG Wort übertragen, die Verlage haben also nichts als einen leeren Koffer erhalten (bzw. genauer gesagt gar keinen Koffer).

Die Argumente der VG Wort

Die Verwertungsgesellschaft hat als Beklagte vor den Gerichten zur Rechtfertigung ihrer Verteilungspraxis mannigfaltige, im weitesten Sinn „unjuristische“, Argumente vorgebracht.

1. „Historisch gewachsen“

Die VG Wort hat vorgetragen, dass die Beteiligung der Verleger historisch gewachsen sei. Eine Verwertung eines Werkes sei nur dann sinnvoll möglich, wenn Urheber und Verleger zusammen arbeiten.

Hierzu führte das Landgericht bereits aus:

Der Gesetzgeber hat dem Verleger kein eigenes Leistungsschutzrecht eingeräumt und es ist nicht Aufgabe einer Verwertungsgesellschaft, eine Billigkeitsgesichtspunkten entsprechende Umverteilung contra legem vorzunehmen.

Gerichte können nicht entgegen eines bestehenden Gesetzes richten. Hier geht es nicht nur, und das verkennen (fast) alle Kommentatoren, um das UrhG und ob Verlage ein Leistungsschutzrecht haben, sondern um Grundprinzipien des bürgerlichen Rechts. Nicht (mehr) vorhandene Ansprüche können nicht übertragen werden! Des Weiteren, und dies sehen auch die meisten Kommentatoren, gibt es im UrhG eben kein eigenes Recht eines Verlegers, dass dieser durch seine Arbeit erwirbt. „Wir sind keine Verwerter“, rufen die Verlage. Bisher aus Sicht des Urheberrechts, aber leider doch.1

Hieran kann kein Gericht in Deutschland rütteln und sollte es auch nicht. Hält man die Gesetze für falsch und möchte sie daher ändern, ist dies Sache der Legislative nicht der Judikative. Hier geht es genau um die Gewaltenteilung, auf die in den letzten Wochen noch alle in der Causa Böhmermann gepocht haben.

Hinweis für Naseweise: Keines der Gerichte hat sich, soweit ersichtlich, mit der Begründung von Gewohnheitsrecht nähergehend befasst. Der Hinweis auf eine historisch gewachsene Verteilungspraxis ist somit juristisch unerheblich.

Martin Vogel schreibt in seiner Stellungnahme zu dem Urteil des BGH auf übermedien.de:

Wenn nun von Verlegerseite beklagt wird, der BGH-Urteil zerstöre eine lang bewährte Verlagskultur, so ist dies ein wenig überzeugender und durchsichtiger Einwand. Denn die beschworene bewährte Kultur beruht darauf, dass die Verleger mit Unterstützung der VG Wort und den in ihren Gremien mit einem Vetorecht ausgestatteten verlegerischen Berufsgruppen eine Verteilung aufrechterhalten, die rechtlich nicht zulässig ist. Rechtswidrige Statuten sind allerdings eine recht fragwürdige Kultur, sie haben keine Bestandsberechtigung.

2. Verwaltungsaufwand

Die VG Wort trug vor, die Berücksichtigung des genauen auf einen Urheber und auf seinen Verlag entfallenen Anteils sei organisatorisch nicht umsetzbar. Es sei nicht möglich sei, im einzelnen Fall nachzuvollziehen, ob der Autor oder der Verlag wahrnehmungsberechtigt ist, daher verteile man pauschal nach den Schlüsseln 50:50 (Wissenschaft) bzw. 70:30 (Belletristik).

Dieses Argument betrifft die Vermischung von den „Vogel-Fällen“, bei denen die Ansprüche vor Übertragung an die Verlage bereits komplett auf die VG Wort übertragen waren und diese bei denen noch eine (Teil-)Übertragung an Verlage möglich war (vgl. Teil 1).

Das Landgericht hat der Verwertungsgesellschaft durchaus zugebilligt, dass bei der Ausschüttung solch großer Summen2 an eine solche Menge von Berechtigten3 Pauschalisierungen erforderlich seien. Allerdings sei es einzelnen Autoren nicht zumutbar, wenn sie durch die Pauschalisierungen offensichtlich unangemessen benachteiligen werden und sahen dies im Falle Vogels als gegeben. Selbst wenn es im Ergebnis nämlich so wäre, dass den Verlegern in Bezug auf die Gesamtausschüttungen etwa 50 % zustehen würden, da 50 % der Autoren für ihre Werke keine Vorausabtretungen an die VG Wort vorgenommen hätten, so könne doch nicht übersehen werden, dass die Verleger an dem individuellen Werk von Vogel keine Rechte haben. Deshalb sei das bisherige Verteilungssystem für Martin Vogel offensichtlich ungerecht und er würde mit seinem Werk die Abtretungen anderer Autoren finanzieren, die ihrerseits zu Unrecht begünstigt wären, soweit sie alle Rechte an die Verleger abgetreten haben bevor die Werke bei der VG Wort gemeldet wurden.

3. Die anderen Verwertungsgesellschaften

Die VG Wort argumentiert, dass Verleger eine vergleichbare Leistung zur Vermittlung urheberrechtlich geschützter Werke erbringen, wie es auch Veranstalter, Tonträgerhersteller, Sendeunternehmen, Filmherstellern und Datenbankherstellern tun. Für diese sieht das Gesetz ausdrücklich ein Leistungsschutzrecht vor. Da wie bei 1. auch hier die Gerichte an Recht und Gesetz gebunden waren, und in diesem Rahmen neben der Möglichkeit der Auslegung bestehenden Rechts, nur eine sehr enge Möglichkeit der Schaffung von Richterrecht besteht, sowie zuletzt auch hier die Gewaltenteilung besteht, gab es für diese keine andere Möglichkeit als wie geschehen zu urteilen, denn ein vergleichbares Recht ist nicht gesetzlich vorgesehen.

4. „Vogel wusste was er tat“

Die VG Worte trug in der Berufung vor: „Der Kläger habe als Mitglied der Beklagten und Teilnehmer der Mitgliederversammlungen die Verteilung gekannt und sie gebilligt.“ Bei dieser Argumentation sollte man sich erneut vor Augen führen, dass es für Autoren nur eine Möglichkeit gibt an die Vergütungen, die nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden können, zu gelangen, nämlich durch die Mitgliedschaft bei einer solchen (vgl. Teil 1). Praktischerweise gibt es für Martin Vogel genau eine zuständige Verwertungsgesellschaft: die Beklagte, die VG Wort. Für Vogel gab es daher drei Möglichkeiten zu verfahren:

  1. Auf die ihm nach dem Gesetz zustehende Vergütung verzichten.
  2. Nehmen was die VG Wort ihm zahlt.
  3. Mitglied der VG Wort sein, nehmen was man ihm zahlt und darauf zu klagen, dass dies zu wenig ist.

So sieht es bereits das Landgericht München I:

Etwas anderes folgt auch nicht daraus, dass die Verteilungspläne der Beklagten bereits seit Beitritt des Klägers eine Ausschüttung an die Verleger vorsehen und dass der jeweils gültige Verteilungsplan durch einen Mehrheitsbeschluss der Mitgliederversammlung beschlossen wurde. Der Kläger als einzelner Autor hat faktisch keine andere Möglichkeit als die Verteilungspläne der Beklagten zu akzeptieren, wenn er Anteil an den auf § 44 a ff. UrhG basierenden Ausschüttungen haben möchte. Es liegt ein faktisches Monopol vor, da gemäß dem gesetzlichen Leitbild stets nur eine Verwertungsgesellschaft zur Wahrnehmung der Ansprüche berufen ist. Insofern kann aus dem Beitritt des Klägers zur Beklagten kein konkludenter Rechtsverzicht hergeleitet werden. Etwas anderes folgt auch nicht aus der Tatsache, dass die Beklagte den Verteilungsplan in der Mitgliederversammlung verabschiedet hat. Es widerspricht dem Willkürverbot in § 7 UrhWG und ist daher auch nicht durch Mehrheitsbescheid zu begründen, wenn Anteile der auf das Werk des Klägers entfallenden Vergütung an den nicht berechtigten Verleger ausbezahlt werden.

5. „Kleckerbeträge“

Es war in den Diskussionen unter anderem zu lesen, Vogel hätte wegen eines kleinen Betrags von lediglich knapp 3.000 Euro die Verlagswelt in eine Krise gestürzt4. Bei diesem „Argument“ muss man sich verwundert die Augen reiben. Wer verschenkt denn Geld? Da kann eine Vertragsbeziehung noch so symbiotisch sein, wer liebt sich denn unter Geschäftspartnern mit dünnen Brieftaschen so sehr, dass er dem Gegenüber sagt „Nimm Du, ich habe genug“? Erneut auf juristische oder marktwirtschaftliche Grundlagen wie ein synallagmatische Verträge oder „do ut des“ einzugehen, erspare ich mir aufgrund der Absurdität dieses Vorbringens.

6. Hauptargument: Wie sollen Verlage finanziert werden?

Im Buchmarkt melden sich Britta Jürgs und Christoph Links zu Wort. Die Entscheidung des BGH bringe die unabhängigen Verlage in eine existenzgefährdende Situation, da diese nicht nur zukünftig auf diese Einnahmen verzichten sollen, sondern auch für die vergangenen Jahre seit 2012 massive Rückforderungen durch die VG Wort zu erwarten haben. Links trägt vor, den Verlagen, die dieses Geld nicht in kurzer Frist zurückzahlen können, drohe daher die Insolvenz5. Sie hätten „natürlich“ diese Gelder, die sie als ihren gerechten Anteil dafür betrachten, was sie in die Werke an Leistung stecken, längst in neue Bücher investiert.

Mut? Mut nennen andere doch unternehmerisches Risiko!

Links gab in seiner Rede nach der Verleihung des Kurt Wolff Preises an, er würde gut 50.000 Euro zurückzahlen müssen, beim Verbrecherverlag soll es sich um immerhin 25.000 Euro handeln, bei Wagenbach immerhin noch 20.000 Euro. Der Verleger des Verbrecherverlags, Jörg Sundermeier, schreibt in der FAZ: „Das zahlt niemand aus der Portokasse“, hat damit sicher recht, schaute er vorher in die seine, verkennt aber einen sehr wichtigen Punkt: Seit August 2012 leistete die VG Wort an Verlage nur noch unter Vorbehalt. Das jetzige Berufen darauf man habe nicht damit gerechnet, dass auch der BGH so entscheiden würde wie die Gerichte zuvor, und das besagte Geld bereits ausgegeben, nennt man juristisch Bösgläubigkeit.6 Die Verlage wussten also seit Ende 2012 beim Ausgeben des Geldes, dass dieses ihnen möglicherweise bzw. mit zunehmender über Instanzen gereifter Entscheidungsfestigkeit ziemlich sicher, nicht zusteht und daher zurückzuzahlen ist.7

Es ist unverständlich, wenn nach dem gerade verkündeten Urteil des BGH das Schicksal der kleinen Verlage beklagt wird. Auch sie hätten mit einem für sie negativen Urteil rechnen müssen. Alle Beteiligten in den Gremien sowie der Börsenverein haben ihnen Sand in die Augen gestreut, nicht anders die staatliche Aufsicht.

Martin Vogel in seiner Stellungnahme auf Übermedien

„Ein fatales Urteil“

Wiebke Porombka schlägt daher in der Zeit die Hände über dem Kopf zusammen und klagt, durch die Pflicht, nun rückwirkend die gezahlten Ausschüttungen zurückzuerstatten, könnten einige Verlage unmittelbar in die Insolvenz gezwungen werden. Die Entscheidung des BGH nennt sie daher „ein fatales Urteil“. Ein solches ist es sicher, für die, die wider besseres Wissen das Geld ausgegeben haben, von dem sie wussten, dass es ihnen mit großer Wahrscheinlichkeit nach der aktuellen Rechtslage nicht zusteht. Stefan Niggemeier nennt die Praxis der nun Gebeutelten daher „schöner Verlegen – mit dem Geld anderer Leute“.

Wolfgang Michael schreibt bei irights.info und in seinem Blog: „Wenn verdienstvolle Verleger nun verschreckt aus allen Wolken fallen, weil sie Gelder auf falscher Grundlage erhalten haben, ist das nicht den Autoren oder den Richtern des BGH anzulasten, sondern jenen Funktionären, die bis zuletzt stur darauf setzten, dass die Klage gegen die VG Wort keinen Erfolg haben würde.“

In der Verlagsbranche baden die Wenigsten in Geld, aber welcher Autor wird mit seinem Schaffen reich? Bedenke man, schreibt der Autor einen Bestseller, verdient doch ebenso der Verlag. Die gute, besondere Arbeit (herausragendes Cover, sorgfältiges Lektorat, spezielles Marketing und Werbung), auch verlegerischer Mut (insoweit hinken die Beispiele Witzel und Haratschwili, die Karen Köhler in der Zeit bringt) kommen doch in Scheinen ebenso an die Verlage zurück, verkauft sich ein Buch gut. Die Standardarbeiten eines Verlags, die Grundpflichten des Vertrages zwischen Autor und Verlag, und das sind Lektorat, Vertrieb, Marketing etc. doch, werden sowieso durch eine entsprechende Beteiligung abgedeckt. Natürlich bleibt viele herausragende Literatur unbesprochen, unentdeckt und ungekauft, aber das liegt an den Gesetzen der Marktes und geht dem Hersteller von Waren genauso wie dem Dienstleister, dessen Angebote nicht abrufen werden.

Auch das Argument der Finanzierung taugt daher nicht dazu, das gefundene Urteil zu verwerfen. Wenn Jo Lendle also dramatisch schreibt „Lesen Sie gern? Bücher? Dann war der 21. April ein schlechter Tag für Sie.“ Kann man nur erwidern „Mögen Sie gern stringente, widerspruchsfreie und nachvollziehbare Urteile des Bundesgerichtshof? Dann war der 21. April ein guter Tag für Sie.“

III. Was können Verlage tun?

Was Verlage nun tun müssen, um an das vorher rechtswidrig ausgeschüttete Geld zu kommen erklärt Günter Poll:

Das bedeutet, dass eine Verlegerbeteiligung in Zukunft allenfalls über ausdrückliche (schriftliche) und eindeutige Abtretungserklärungen (diese gibt es bisher weder bei der VG Wort noch bei der GEMA), nicht aber durch den Verteilungsplan als solchen erreicht werden kann. In Bezug auf die Reprographievergütung ist dieser Weg aber sehr wahrscheinlich durch das Urteil des EuGH i.S. HP v. Reprobel (s.o) endgültig verschlossen, weil der EuGH in diesem Urteil keinen Zweifel daran gelassen hat, dass diese Vergütung („gerechter Ausgleich“) ausschließlich den Urhebern zusteht.

Erst Recht kann der deutsche Gesetzgeber nicht, wie unmittelbar nach dem Urteil vom Börsenverein gefordert, eine Regelung schaffen, wonach die Reprographievergütung doch wieder hälftig den Verlegern zufiele – denn genau dies hat der EuGH als europarechtswidrig verworfen.

Selbstverständlich kann die jahrelang geübte Praxis nun vom Gesetzgeber in die nie gefundene Form, nämlich die eines Gesetzes, gegossen werden. Nur rückwirkend ist das Kind in den Brunnen gefallen. Dass sich der Autor Martin Vogel zurückholt was ihm nach Vertrags- und Rechtslage zusteht, sollte ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden.

Hinweis: Mir ist bewusst, dass in der Verlagslandschaft besonders emotional argumentiert wird. Dies liegt nicht nur an der „Produktion“ von Literatur mit Herzblut, sondern auch in dem Umstand begründet, dass die wenigsten der Beteiligten reich werden. Trotzdem habe ich versucht die meisten Argumente, die im durchaus recht einseitig geführten Diskurs vorgetragen wurden, abzuarbeiten. Dieser Beitrag befasst sich, ebenso wie der vorherige, nur mit der aktuellen Rechtslage bis zum Urteil des BGH in Sachen Martin Vogel gegen VG Wort. Dies ist keine Bewertung oder Empfehlung in rechts- oder kulturpolitischen Fragen. Zuletzt wird auch die Frage nach einem eigenen Leistungsschutzrecht oder Verwertungsrecht der Verlage aufgrund Lektorats und weiterer Unterstützung bei der eigentlich „Schaffung“ des Werks ausgeklammert.

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BGH: Vogel gegen VG Wort (Teil 1) – Die rechtlichen Grundlagen

Das Urteil des BGH in der Sache Martin Vogel gegen VG Wort hat seit dem Erscheinen der Pressemitteilung mit der Meldung, dass die bisherige Auszahlungspraxis der VG Wort unzulässig ist, für großen Wirbel gesorgt. Es folgten allgemeines Martin-Vogel-Bashing und Kassandrarufe, die deutsche Verlagskultur würde untergehen. In diesem Beitrag versuche ich im ersten Teil möglichst wertfrei, weil formaljuristisch, wie es auch die entscheidenden Gerichte getan haben, die zur Entscheidung führenden Grundlagen aufzuzeigen1 und in einem zweiten Teil einige Argumente der Parteien, die nun auch durch die Diskussionen gereicht werden, darzustellen und zu beleuchten.

Der Tatbestand

Wer einen literarischen oder wissenschaftlichen Text veröffentlicht, kann sich bei der VG Wort anmelden. Sie ist eine Verwertungsgesellschaft (VG), ein Verein, der treuhänderisch für Autoren Teile ihrer Verwertungsrechte vertritt. Wer das Werk nach der Erstveröffentlichung z.B. durch Vervielfältigung oder Nachdrucken nutzt oder es verleiht, muss hierfür an die VG Wort einen bestimmten Betrag zahlen.

Bisher hat die VG Wort die nach einem komplizierten Verteilschlüssel berechneten Summen nicht nur an die Autoren, sondern auch an deren Verlage gezahlt. Ein Wissenschaftsautor erhielt von den Zahlungen 50%, ein literarischer Autor immerhin 70%. Dies war die jahrelang von Autoren unwidersprochene Praxis. Im Jahr 2011 wandte sich hiergegen der Urheberrechtler und (wissenschaftliche) Autor Martin Vogel an das Landgericht München. Er war der Meinung, dass den Autoren nicht nur ein Anteil dieser Vergütung zusteht, sondern diese in Gänze. 2

Das Landgericht3 gab ihm Recht, das Oberlandesgericht4 ebenso. Die Revision setzte der BGH aus, um die Entscheidung des EuGH in ähnlicher Sache (Reprobel-Entscheidung) abzuwarten. In der Sache, aber auf anderer Rechtsgrundlage, entschied der EuGH ebenfalls zugunsten der Autoren. (Auch) in Ansehung dessen bestätigte der BGH Ende April 2016 die Vorinstanzen.5

Die Entscheidung in Sachen Martin Vogel gegen VG Wort

Alle Gerichte entschieden, dass die VG Wort nicht berechtigt ist Teile der Vergütung an Verlage abzuführen. Diese stünden vielmehr vollständig den Autoren zu.

Die Klage hat Erfolg, soweit der Kläger die Feststellung verlangt, dass der Abzug eines Verlegeranteils […] zu Unrecht erfolgte.

LG München I, Urteil v. 29.03.2012, Az. 7 O 28640/11, Rn. 73

So sieht es auch das Oberlandesgericht München.

Das Landgericht hat zu Recht festgestellt, dass die Beklagte nicht berechtigt ist, von den auf die Werke des Klägers entfallenden Erlöse einen Verlegeranteil in Abzug zu bringen. […] Die Beklagte [VG Wort] nimmt die ihr übertragenen Rechte der Urheber und Leistungsschutzberechtigten gemäß §§ 54, 54 c UrhG (Geräteabgabe) sowie gemäß § 27 Abs. 2 UrhG (Verleih) wahr. Auch wenn diese Ansprüche nur von einer Verwertungsgesellschaft wahrgenommen werden können (§ 27 Abs. 2, § 54h Abs. 1 UrhG), sind allein die Urheber und Leistungsschutzberechtigten als originär Berechtigte anzusehen.

OLG München, Urteil v. 17.10.2013, Az. 6 U 2492/12

Und zuletzt der BGH.

Das Berufungsgericht hat mit Recht angenommen, dass die Beklagte seit  dem  Jahr  2008  nicht  berechtigt  war  und  ist,  den  auf  verlegte Werke  des Klägers entfallenden und an diesen auszuschüttenden Anteil an ihren Erlösen gemäß § 3 Abs. 1 bis 3 des Verteilungsplans Wissenschaft in der Fassung vom 21.  Mai  2011  (Verteilungsplan  2011)  und  § 3  Abs. 2  Buchst. b  des Verteilungsplans in der Fassung vom 2. Juni 2012 (Verteilungsplan 2012) unter Abzug  eines  pauschalen  Verlegeranteils  von  der  Verteilungsmasse  zu berechnen (Urteilstenor zu I a).

BGH, Urteil v. 21.04.2016, Az. I ZR 198/13

Die rechtlichen Grundlagen

Um diese Entscheidung zu verstehen, muss man einige Grundlagen6 des Urheberrechts vor Augen haben. Aber, anders als fast alle anderen Kommentatoren behaupten, der Hauptknackpunkt für die Entscheidung befindet sich nicht im Urheberrecht, sondern schlicht im BGB.

Für den vorliegenden Fall reicht es sich drei Rechte des Urhebers anzusehen. Alle diese drei Rechte entstehen bereits mit dem Schaffen des Werks: die Nutzungsrechte (1.), der Status als Urheber (2.)7 und die Rechte auf Reproduktionsvergütung (3.)8.

1. Das Nutzungsrecht

Wer ein Werk geschaffen hat muss dieses auch nutzen können. § 31 UrhG sieht daher folgendes vor:

(1) Der Urheber kann einem anderen das Recht einräumen, das Werk auf einzelne oder alle Nutzungsarten zu nutzen (Nutzungsrecht). Das Nutzungsrecht kann als einfaches oder ausschließliches Recht sowie räumlich, zeitlich oder inhaltlich beschränkt eingeräumt werden.

(2) Das einfache Nutzungsrecht berechtigt den Inhaber, das Werk auf die erlaubte Art zu nutzen, ohne dass eine Nutzung durch andere ausgeschlossen ist.

Jeder bei einem Verlag veröffentlichende Autor überträgt meist eine Fülle an Rechten an seinen Vertragspartner. Hierzu zählen in der Regel nicht nur die Rechte zur Veröffentlichung und Verbreitung gemäß § 1 S. 2 VerlagsG , sondern auch solche zur Übersetzung, zur Unterlizenzierung für Film- oder Hörspieladaptionen und viele weitere Nutzungsrechte.

2. Das Urheberrecht

Das Urheberrecht „an sich“ kann nicht übertragen werden. Wer nach § 7 UrhG Urheber ist, bleibt dies. Ich kann meinen Roman unter Pseudonym veröffentlichen, ich kann ihn durch einen anderen veröffentlichen lassen, der Urheber bleibe immer ich.

3. Das Recht auf Reproduktionsvergütung

Das dritte hier exemplarisch herausgegriffene Recht des Urhebers ist gemäß § 54 UrhG9das auf Zahlung einer angemessenen Vergütung durch die Hersteller „von Geräten und von Speichermedien, deren Typ allein oder in Verbindung mit anderen Geräten, Speichermedien oder Zubehör zur Vornahme [von] Vervielfältigungen benutzt wird“ – den Urhebern muss also eine angemessene Vergütung dafür gezahlt werden, dass ihre Werke kopiert oder scannt oder sonst wie digitalisiert bzw. vervielfältigt werden können.

vogel gegen vg wort bgh urteil
Unter anderem diese drei Rechte entstehen dem Urheber eines Werkes.

Drei Koffer voller Rechte

Nun hat der Urheber drei Koffer voller Rechte. Die Nutzungsrechte werden meist an den Verlag übergeben, damit dieser die komplette Verwertung und Verwaltung des Werks sinnvoll betreiben kann. Der Status als Urheber ist nicht übertragbar.

Jetzt kommt aber einer der Hauptknackpunkte der Entscheidung und des gesamten Streits: die Rechte des dritten Koffers kann der Urheber nur nutzen, wenn seine daraus resultierenden Ansprüche durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden10. Die VG Wort zieht also für alle bei ihr gemeldeten Autoren diese Vergütung ein und verteilt sie dann über einen Schlüssel wieder an ihre Mitglieder.11 Der Autor bekommt also, so sieht es das Gesetz erstmal vor, 100% seines Geldes aus den Ansprüchen, nur dass er die VG als zentralen Eintreiber benötigt.

Etwas pikant: es gibt nur die VG Wort, die Ansprüche der Autoren können aber nur durch eine Verwertungsgesellschaft wahrgenommen werden. Dies hat der Gesetzgeber so vorgesehen, da sonst Autoren und Zahlungspflichtige in Bürokratie und Einzelabrechnungen versinken würden. Der Autor hat somit zwei Möglichkeiten: nehmen was die VG Wort ihm gibt oder auf diese Ansprüche von vornherein verzichten.12

vogel gegen vg wort bgh urteil
Jeder der Beteiligten erhält bzw. behält einen Rechtekoffer: die Nutzungsrechte werden an den Verlag übertragen, der Status als Urheber verbleibt bei diesem und der Anspruch auf Reproduktionsvergütung wird an die VG Wort übertragen.

Die VG Wort als Treuhänder

Martin Vogel und fast alle anderen Autoren Deutschlands haben ihr Recht auf Reproduktionsvergütung an die VG Wort übertragen, sonst hätte diese nicht deren Ansprüche im eigenen Namen (als im Namen der VG) geltend machen und einziehen können, um sie dann später wieder (zurück) zu verteilen. Die Ansprüche der Autoren wären anders nicht für diese realisierbar gewesen. Daher hat beispielsweise Vogel alle seine entstehenden Rechte dieser Art pauschal bereits im Jahr 1984 (!) an die VG Wort übertragen, auch für die Bücher, die er erst noch schreiben musste.13

Bleiben wir im Bild: die VG Wort hat von Vogel dessen (gesamten) Koffer mit den Ansprüchen auf Reproduktionsvergütung erhalten. Die Verlage erhielten den Koffer mit den Nutzungsrechten und gingen davon aus, dass in dem Koffer, auf welchem „Nutzungsrechte“ steht, eben auch noch ein Kulturtäschchen mit (zumindest einem Teil), der Ansprüche auf die Vergütungspauschale enthalten ist. Die Verlage haben den Koffer aber leider nie geöffnet um nachzusehen, sondern vertrauten, unterstützt von Branchenvertretern und der Praxis der Verwertungsgesellschaft, darauf, dass auch die anderen Rechte enthalten sind.

Nun kommt aber Knackpunkt 2 und entscheidende Hürde:

Überträgt Martin Vogel alle seine Rechte nach § 54 UrhG auf die VG Wort, gibt dieser also Koffer Nr. 3 (Reproduktionsvergütung), und räumt nur eine Sekunde später seinem Verlag alle Rechte ein, erhält dieser nur noch Koffer Nr. 1 (Nutzungsrechte), denn Koffer Nr. 2 (Urheberrechtsstatus) kann nicht übertragen werden und den Koffer Nr. 3 hat schon ein anderer vorher erhalten!

Dieser Fakt, dass eine bereits abgetretene Forderung nicht erneut abgetreten werden kann, wurden die letzten Jahrzehnte durch Autoren, Verlage und VG Wort ignoriert. Verlage sind davon ausgegangen, dass ihnen ebenfalls ein Anteil der Vergütungen der VG Wort zusteht, denn sie nahmen an, dass ihnen diese Ansprüche abgetreten wurden.

vogel gegen vg wort bgh urteil

Durch die Klage Vogels wurde dieser Praxis und dieser Rechtsauffassung eine Absage erteilt. Doch dies trifft eben nicht nur Martin Vogel und seinen Verlag, sondern alle die bisher so verfahren sind. Denn…

… soweit ersichtlich handelt es sich dabei um keinen Einzelfall, da zumindest eine Vielzahl von Autoren einen solchen Wahrnehmungsvertrag unterzeichnen, um in den Genuss der Ausschüttungen der VG Wort zu kommen. In dieser Art von Fallgestaltungen werden Abtretungen an Verlage deshalb regelmäßig zeitlich später liegen. Sie gehen dann ins Leere, weil der jeweilige Autor keine Rechte mehr hat, die er abtreten kann.

LG München I, Urteil v. 29.03.2012, Az. 7 O 28640/11, Rn. 83

Das OLG hat diese Ansicht bestätigt:

Mit Recht hat das Landgericht im Streitfall angenommen, dass der Kläger [Martin Vogel] im Wahrnehmungsvertrag aus dem Jahr 1984 die […] gesetzlichen Vergütungsansprüche [Reproduktionsvergütung] an die Beklagte [VG Wort] abgetreten hat, so dass der C. H. B.-Verlag, der die Werke des Klägers verlege, von diesem – neben dem Verlagsrecht – keine gesetzlichen Vergütungsansprüche mehr erwerben konnte. Da der Kläger als Berechtigter bereits über die ihm zustehenden gesetzlichen Vergütungsansprüche zugunsten der Verwertungsgesellschaft verfügt habe, habe er hierüber nicht nochmals (wirksam) verfügen können. Ein gutgläubiger Erwerb daran durch den Verlag scheide aus, da ein gutgläubiger Erwerb an Rechten und Ansprüchen nicht möglich sei. Im Falle einer doppelten Abtretung der Ansprüche entscheide daher grundsätzlich die zeitliche Priorität, so dass im Streitfall die spätere nochmalige Abtretung derselben Ansprüche an den Verlag unwirksam sei.

OLG München, Urteil v. 17.10.2013, Az. 6 U 2492/12

Das ist insoweit tatsächlich, nicht nur richtig, sondern Stoff der ersten beiden Semester Jura! Das wussten daher sowohl die Richter des LG, des OLG, als auch des BGH.14

Wiebke Porombka schreibt in der Zeit, dass diese Entscheidung „erschreckend und kaum nachvollziehbar“, sowie „kurzsichtig“ sei. Und weiter: „Wo das BGH-Urteil auf Zustimmung stößt, da kann diese nur von denjenigen kommen, die blind sind für das, was die Arbeit von Verlagen ausmacht und bedeutet.“ Darauf kann nur erwidert werden, wer das Urteil des BGH in Sachen Vogel gegen VG Wort juristisch für falsch hält, ist blind für die Grundlagen unseres Rechtssystems oder möge zumindest eines der Urteile lesen, bevor er oder sie kommentiert.

Nota bene: insoweit dem Leser dieser Text als polemisch erscheint, sei darauf hingewiesen, dass sich fast alle bisherigen Kommentatoren der Entscheidung ausschließlich auf emotionale Gründe beriefen, die eine schlichte Verweigerung waren eine eindeutige (keine Instanz hatte Zweifel daran!) Rechtslage anzuerkennen. Es ist zudem einmalig wie ein Kläger, dem Recht zugesprochen wurde, wie eine Sau durchs Dorf getrieben wird.

#freebird

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Wem gehören meine Rezensionen auf Amazon?

Per Twitter erreichte mich die Frage wem die Rechte an meinen Rezensionen, die ich auf Amazon veröffentliche, gehören und ob es von den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) Amazons her zulässig ist, bereits in einem Blog veröffentlichte Rezension auf Amazon ebenfalls zu posten bzw. umgekehrt.

Das Recht an Rezensionen bei Amazon

Das Urheberrecht an sich ist nicht übertragbar. Urheber ist gemäß § 7 UrhG der Schöpfer des Werkes und er bleibt das auch. Amazon lässt sich durch seine AGB daher grundsätzlich nur die Nutzungsrechte gemäß § 31 UrhG einräumen. Hier heißt es unter anderem in Punkt 8:

Besucher dürfen Rezensionen, Kommentare und andere Inhalte verfassen, […]

Dies regelt ersichtlich für den Nutzer nur die Möglichkeit überhaupt Inhalte „für“ Amazon zu schreiben. Amazon nimmt hiervon selbstverständlich beleidigende, obszönse, illegale usw. Äußerungen aus, ebenfalls solche die Spam sind oder nur plumpe Werbung, die löscht Amazon kommentarlos. Weiter heißt es:

Wenn Sie Inhalte auf der Webseite einstellen oder Materialien einsenden, gewähren Sie, soweit nicht anderweitig geregelt:

(a) Amazon das (1) nicht-ausschließliche, (2) unentgeltliche, (3) unterlizenzierbare und (4) übertragbare Recht zur Nutzung, Vervielfältigung, Änderung, Bearbeitung, Veröffentlichung, Übersetzung, Herstellung abgeleiteter Werke, Verbreitung und Wiedergabe dieser Inhalte weltweit in allen Medien;

Nummerierung in Klammern durch 54books

Amazon lässt sich also die Nutzungs-, Vervielfältigungs-, Änderungs-, Bearbeitungs-, Veröffentlichungs-, Übersetzungsrechte durch den Urheber übertragen, ebenso das Recht von den Inhalten abgeleitete Werke herzustellen, sowie das Recht die Inhalte zu verbreiten und wiederzugeben. Die meisten dieser Rechte sind bereits vom Namen her selbsterklärend.

Amazon muss sich die meisten dieser Rechte bereits einräumen lassen, um eure Rezension überhaupt auf der eigenen Seite veröffentlichen zu dürfen. Die Regelung ist daher nicht irgendwie besonders ausufernd oder gar bösartig zu weitgehend, sondern nötig, damit das Bewertungssystem überhaupt zulässig ist. Das Vervielfältigungsrecht braucht Amazon dafür eure Rezension auch für andere Ausgaben des Buches zu nutzen (habt ihr beispielsweise das Hardcover bewertet, hat Amazon ein Interesse daran, diese Rezension auch für das Taschenbuch nutzen zu können). Das Änderungs-/Bearbeitungsrecht könnte Amazon nutzen, um einzelne Fehler zu bessern oder Teile eurer Obszönitäten zu entfernen ohne die ganze Bewertung zu löschen (naja als würde Amazon das machen, aber sie könnten). Selbstverständlich dürfte Amazon aufgrund der obigen Rechteeinräumung auch „abgeleitete Werke“ herstellen, also z.B. eine Sammlung der schlechtsten Rezensionen, und eure in einer solchen veröffentlichen. Chance und/oder Risiko, dass dies passiert, schätze ich allerdings relativ gering ein.

Geltungsbereich der Rechteübertragung

(1) nicht-ausschließlich

Amazon lässt sich die Nutzungsrechte nicht-ausschließlich einräumen, dies heißt, dass ihr eure Texte weiterhin frei nutzen dürft und sämtliche Rechte weiter auf andere übertragen dürft.

Aber Achtung: anderen könnt ihr diese Rechte nun nicht mehr ausschließlich einräumen!

(2) unentgeltlich

Das Wort dürfte sich für jeden, der Texte im Internet veröffentlicht, von selbst erklären.

(3) unterlizenzierbar

So wie ihr auch weiterhin alle Rechte an den Texten weitergeben könnt, kann auch Amazon die von euch übertragenen Rechte weitervergeben. Dies kann bereits notwendig sein, wenn Amazon einem Tochterunternehmen ebenfalls erlaubt eure Texte zu nutzen, kann aber natürlich auch heißen, dass Dritte ein Nutzungsrecht via Amazon erhalten.

4) übertragbar

Amazon darf die Rechte nicht nur als Lizenz weitergeben, sondern kann diese auch komplett auf Tochterunternehmen und/oder Dritte übertragen.

Unwiderrufliche Nutzungsrechte

Amazon will eure Texte nicht nur Nutzen dürfen, sondern die eingeräumten Rechte auch behalten. Daher lauten die AGB weiter:

[Wenn Sie Inhalte auf der Webseite einstellen oder Materialien einsenden, gewähren Sie, soweit nicht anderweitig geregelt:]

(b) Amazon und seinen Unterlizenznehmern und Übertragungsempfängern das Recht den Namen, den Sie im Zusammenhang mit diesen Inhalten einsenden, zu verwenden.

Habt ihr also unter Klarnamen oder Katzenkittys Bücherhimmel eine Bewertung auf Amazon veröffentlicht, erlaubt ihr, dass dieser Name von Amazon im Rahmen der Zugänglichmachung genutzt werden darf.

Sie stimmen zu, dass die Rechte, die Sie oben stehend eingeräumt haben, unwiderruflich während der gesamten Schutzdauer Ihrer Immaterialgüterrechte, die im Zusammenhang mit diesen Inhalten und Materialien stehen, gewährt sind. […]

Das große A hat keine Lust darauf sich mit euch auseinanderzusetzen, wenn ihr ihnen die Rechte, aus welchen Gründen auch immer, wieder entziehen wollt. Daher ist in den AGB vorgesehen, dass die Nutzungsrechte, wurden sie einmal eingeräumt, nicht mehr (komplett) an euch zurückfallen können. Verständlich bei einem Riesenkonzern, vielleicht doof für euch. Bis zum Auslauf eures Urheberrechts, in der Regel also erst siebzig Jahre nach dem Tod des Rezensenten, behält Amazon daher die Nutzungsrechte, komme was wolle.

Duplicate Content

Amazon verbietet euch daher nicht, eure Rezensionen im eigenen Blog oder anderen Plattformen zu nutzen. Dies kann aber aus SEO-technischen Gründen ungünstig sein, das ist aber ein Kapitel für sich.

Die aktuelle Version der Amazon AGB ist hier abrufbar.

[Stand der AGB Amazons und des hierauf aufbauenden Beitrags ist der 8. Mai 2016]

Die Regelungen bei Lovelybooks.de

Die Leseplattform Lovelybooks benötigt selbstverständlich ebenfalls bestimmte Rechte, um eure Rezensionen, Kommentare und Bewertungen veröffentlichen zu können. Diese sind weniger weitgehend als bei Amazon, was unter anderem aufgrund des eingeschränkteren Nutzungsbereichs zu erklären ist, denn lovelybooks versteht sich momentan nur als Bewertungs- und Kommunikationsplattform, während Amazon einen sehr viel weiteren Bereich abdecken will. Bei Lovelybooks heißt es daher in § 7 der AGB:

(2) Der Nutzer räumt aboutbooks [Betreiber GmbH von lovelybooks] ein räumlich und zeitlich uneingeschränktes, kostenloses Nutzungsrecht an den von ihm in seinem Bücherkatalog veröffentlichten Inhalten, insbesondere an den Bewertungen, Rezensionen und Kommentaren ein. Das Nutzungsrecht erfasst insbesondere das Recht, die Inhalte online im Internet öffentlich zugänglich zu machen, sowie in Printmedien abzudrucken und zu veröffentlichen.

Auffallend im Gegensatz zu Amazon ist, dass Lovelybooks keine Regelung zum Widerruf vorsieht. Ich gehe daher davon aus, dass ihr eure Rechte jederzeit zurückrufen könnt. Auch bei Lovelybooks ist die Rechteübertragung nicht exklusiv, ihr dürft dieselbe Rezension also auch auf anderen Plattformen nutzen.

[Stand der AGB von lovelybooks.de und des hierauf aufbauenden Teils des Beitrags ist der 9. Mai 2016]

Rechteübertragung an Facebook

Sämtliche obengenannten Grundsätze gelten auch für Facebook. Das Netzwerk hat sehr zergliederte Nutzungsbedingungen, was dem User eigentlich helfen soll sich zurecht zu finden, meist aber doch eher für Verwirrung sorgt. Die relevante Passage findet man momentan auf der Unterseite Terms unter 2. (Teilen deiner Inhalte und Informationen) heißt es unter Nr. 1 dort:

Für Inhalte, die durch Rechte am geistigen Eigentum geschützt sind, wie Fotos und Videos (IP-Inhalte), erteilst du uns ausdrücklich nachfolgende Genehmigung, vorbehaltlich deiner Einstellungen für Privatsphäre und Apps: Du gewährst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jedweder IP-Inhalte, die du auf bzw. im Zusammenhang mit Facebook postest (IP-Lizenz). Diese IP-Lizenz endet, wenn du deine IP-Inhalte oder dein Konto löschst; es sei denn, deine Inhalte wurden mit anderen geteilt und diese haben die Inhalte nicht gelöscht.

Bei Facebook ist die Rechteübertragung ausdrücklich widerruflich und endet mit der Mitgliedschaft (anders als bei Amazon!). Die Plattform weist aber im Folgenden darauf hin, dass ein einfaches Löschen der Inhalte nicht zwangsläufig dafür sorgt, dass diese aus dem Netz und Netzwerk verschwinden und außerdem Inhalte und Informationen für jedermann sichtbar und individualisierbar sind, wenn sie mit der Einstellung „Öffentlich“ bei der Veröffentlichung versehen wurden.

[Stand der AGB von Facebook und des hierauf aufbauenden Teils des Beitrags ist der 9. Mai 2016]

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Wie lang dürfen Zitate aus Rezensionen sein? – Blogs und Urheberrecht (Teil 3b)

Grundsätzlich unterliegen Zeitungsartikel dem urheberrechtlichen Schutz, da sie in aller Regel aufgrund ihrer individuellen Prägung Werkcharakter im Sinne von § 2 Abs. 2 UrhG haben. Die vielfältigen Möglichkeiten, ein Thema in einer Zeitung darzustellen, und die fast unerschöpfliche Vielzahl der Ausdrucksmöglichkeiten führen dazu, dass journalistische Arbeiten nahezu unvermeidlich die Individualprägung ihrer Urheber enthalten. Sofern die Zeitungsartikel nicht lediglich eine Tatsachenberichterstattung beinhalten, sondern sich ihrerseits mit literarischem Schaffen befassen und literarische Werke feuilletonistisch darstellen, ist diese individuelle Prägung sogar noch eher anzunehmen als bei herkömmlichen Artikeln der Nachrichtenredaktionen oder anderer faktenorientierter Teile der Tagespresse.

Die Urheberrechtsfähigkeit ist auch bei bloßen Auszügen aus den betreffenden Artikeln anzunehmen, wenn sie einen gewissen Umfang erreichen und für sich gesehen selbstständige persönliche Schöpfungen im Sinne des § 2 Abs. 2 UrhG darstellen. Unter dieser Voraussetzung kann auch kleinen Teilen eines Sprachwerks urheberrechtlicher Schutz zukommen. Lediglich bei sehr kleinen Teilen – wie einzelnen Wörtern oder knappen Wortfolgen – wird ein Urheberrechtsschutz meist daran scheitern, dass diese für sich genommen nicht hinreichend individuell sind.

LG München I Urteil vom 12.02.2014 – 21 O 7543/12

Wir erinnern uns noch einmal kurz wie man rausfindet, ob man aus einem Text zitieren darf. Die Prüfungsschritte sind:

  1. Ist der Ausschnitt gemäß 2 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 UrhG als Sprachwerk urheberrechtlich schutzfähig, wenn ja
  2. hat der Zitierende Rechte zur Nutzung erworben (ausdrückliche oder konkludente Rechteeinräumung gemäß den § 31 ff. UrhG oder Branchenübung oder Gewohnheitsrecht), wenn nein
  3. besteht ein Zitatrecht?

Ab wann ist der Ausschnitt aber so lang, dass ihm selbst Urheberrechtsschutz zukommt?

Weil der Jurist immer nur „Kommt darauf an“ sagt, hat der Service- und Wohlfühlblog 54books für den geneigten Leser aus dem oben zitierten Urteil des LG München I vom 12.02.2014 1 die wunderbarsten Stellen rausgesucht. In der Sache stritten sich die FAZ und buch.de über die Zulässigkeit der Verwendung von Rezensionsausschnitten. Das Urteil des LG ist die kleine Schwester der bereits in Teil 3a besprochenen Entscheidung, gegen die buch.de vor dem OLG (erfolglos) in Berufung ging.

buch.de hatte unter anderem aus einer Biografie Stefan Georges2 zitiert. Dort heißt es: „Diese Biographie lässt alles weit hinter sich, was in der letzten Zeit an literarischen Biographien erschienen ist. Karlaufs Buch ist so frisch und frei erzählt, so klug in seiner Argumentation und so bewusst in seinen Auslassungen, dass man dieses Stück Geistesgeschichte atemlos liest wie einen Thriller.“ Bereits in diesen wenigen Zeilen, so das LG, kommt die individuell-schöpferische Tätigkeit des Journalisten zum Ausdruck, der sein Leseerlebnis, das durch die Klarheit des Buches geprägt ist, darstellt, wie es nur aufgrund eigenen persönlichen Erlebens möglich wird. Die individuelle Darstellung bedient sich daher auch einer Sprache, die von der persönlichen Ausdrucksweise deutlich stärker geprägt ist als von Alltagsformulierungen.

Auch ein Rezensionsausschnitt zu Die Brüder Karamasow erreicht, laut LG, Werkcharakter, zumal die individuell-prägende Formulierung von einem „gigantischen Teppich“ und der Appell „Fort mit Euch, ihr alten Übersetzungen!“ eine feuilletonistisch-schöpferische Stelle der Gesamtrezension zeigt, in die der Journalist seine Persönlichkeit hat einfließen lassen.

Gleiches gilt für den Auszug aus der Besprechung zu Gewitternacht3, in der die stark eigenschöpferischen Adjektive „federleichte und gruseltiefe“ sowie die höchst pointierte Aufzählung „Himmel, Tod und Hunde“ enthalten sind.

Auch der Auszug zu Dracula4 enthält eine unterhaltende, aber dennoch prägnante, die individuelle Formulierungskraft des Journalisten widerspiegelnde Beschreibung, die mit dem Stilmittel der Alliteration von der „Geburt des Vampirs aus dem Geiste unserer medialen Moderne als Gleichsetzungskritik“ spricht. Auch der Vergleich des Vampirs mit der heutigen Zeit, der „heilen Datenwelt“ hat Witz und zeigt die individuelle Ausdrucksweise des Autors.

Besonders kraftvoll in seiner Sprache zeigt sich der Autor des Rezensionsausschnitts zu dem Buch Hitlers Volksstaat5, der die Massenmorde des nationalsozialistischen Regimes drastisch als „kühl kalkuliertes Mittel der Steuerpolitik“ und „Inflationsdämpfer“ beschreibt. Der krasse Gegensatz zwischen dem historisch Geschehen und den ökonomischen Wirkungen wird in diesen Formulierungen ebenso klar wie offenbar im rezensierten Werk. Diese Formulierungen gehen weit über das in der Alltagssprache Übliche hinaus und zeigen die persönlich-geistige Auseinandersetzung des Autors mit dem besprochenen Buch.

Gleiches gilt auch für die Rezension von Auf der anderen Seite der Welt, in der der Autor auf individuelle Weise Formulierungen wie die „postapokalyptische Version des Zauberbergs“ oder ein „schwarzes Loch“ als Begriff für eine Zeitepoche verwendet.

Eines der Hauptprobleme erkannte das LG darin, dass sich in den Ausschnitten gerade die feuilletonistisch-prägenden und auf die individuelle Schreibweise des Autors hinweisenden Teile der Gesamtrezensionen wiederfanden, die es jeweils rechtfertigen, trotz deren Kürze von einer ausreichenden Schöpfungshöhe gemäß § 2 Abs. 2 UrhG auszugehen.

Deswegen gab es ebenfalls Schutz für:

  • Feuerwerk kriminalistischer Harmlosigkeit
  • ein Roman der Abenteuer, der ungezügelten Leidenschaften, der großmütigen Taten und menschlichen Verirrungen
  • vergast der Züchter seine Nerze, zerschlitzt der Schlächter das Kälbchen
  • die unsichtbare Zündschnur (…) brennt knisternd, ehe uns die Sprengung ins Gesicht schlägt
  • die Fähigkeit in aller Sinnlichkeit die verklungene Welt der eigenen Kindheit wiederzubeleben
  • dass hier ein Humus ist, auf dem eine neue europäische Gemeinsamkeit wachsen könnte
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#einfachWeiterlesen – Nr. 1

Bücher sind nicht das ideale Medium für sämtliche ideellen Inhalte. Dies war immer so, aber jetzt ist es augenfällig geworden. Es wird einem zukünftig unangemessen erscheinen, in gedruckter Form Titel zu kaufen, von denen abzusehen ist, dass man sie nur einmal liest, möglicherweise sogar widerwillig, weil man es aus professionellen Gründen oder um mitreden zu können muss. Außerdem gibt es neue ästhetische Formen […], die im Print gar nicht denkbar sind.

Christiane Frohmann: Einfach Weiterlesen

Nicht selten habe ich postuliert niemals ein „eBook“ zu lesen. Die alte Diskussion um Haptik, Geruch und deren Freunde hat inzwischen einen Bart wie Blogger vs. Feuilleton. Es gibt Titel, die im Druck nicht zu finanzieren sind, weil nur fünfzig Leute sie kaufen würden, weil sie zu kurz sind und Heftchen nur verkaufbar sind, wenn sich darin eine Krankenschwester in einen Arzt verliebt, oder Druck und dessen Vorlauf schlicht zu lange dauern würden, die Titel aber heute relevant sind.

Niemand verlangt, dass Du die Kölner Ausgabe von Böll auf dem Handy liest, man darf aber voraussetzen, dass Dir, wenn Du Literatur konsumieren willst, die Darreichungsform egal ist.

Es ist das Gesetz aller organischen und anorganischen, aller physischen und metaphysischen, aller menschlichen und übermenschlichen Dinge, aller echten Manifestationen des Kopfes, des Herzens und der Seele, dass das Leben in seinem Ausdruck erkennbar ist, dass die Form immer der Funktion folgt.

Louis Sullivan – „The tall office building artistically considered“

Drei Beispiele für die Möglichkeiten, die elektronische Titel bieten.

Arthur Cravan: König der verkrachten Existenzen

cover-arthur-cravan-koenig-der-verkrachten-existenzen-mikrotext-2016-400pxMan schämte sich der Homosexualität seines in ärmlichsten Verhältnissen gestorbenen Onkels, deswegen erfuhr Fabian Avenarius Lloyd erst zwei Jahre nach dessen Tod von seiner Verwandtschaft1 mit Oscar Wilde. Die eigentlichen Karrierepläne wurden aufgegeben, sich selbst stattdessen das Pseudonym Arthur Cravan. In Paris publizierte er in der Zeitung Maintenant, die er selbst gegründet hatte und verlegte, er veranstaltete absurde Veranstaltungen, bevor es Dada gab, und verbreitete Gerüchte über den verblichenen Onkel2. Als der erste Weltkrieg ausbrach desertierte er, ließ sich verabredungsgemäß sechs Runden vom ehemaligen Schwergewichtsweltmeister Jack Johnsohn3 verhauen, traf Leo Trotzki und ertrank bei einem missglückten Bootsausflug im Pazifik.

Die Kunst, die Kunst, ich scheiße auf die Kunst, schreibt Cravan und schafft in seinen bei Nautilus und in Auswahl Mikrotext erschienen Texten ebensolche. Er ätzt und spuckt Galle, streunt durch Paris, verspottet die etablierte Literaturszene, die ihm den Eintritt verwehrt. Der Nouveaubeton Paris‘ – vor hundert Jahren.

Cravan trifft André Gide und schreibt darüber ein Portrait, das zugleich Karikatur und Spiegelbild ist. Der berühmte Text über sein Treffen mit Oscar Wilde war so detailliert und passend, dass nicht Wenige Cravan glaubten der Meister sei noch am Leben4

Emmanuel Bove: Gesamtausgabe

Man wird sich fragen, warum Bove so lange vergessen blieb. In den Literaturgeschichten taucht sein Name so gut wie nicht auf; von einigen kurzen Rehabiloitationsversuchen abgesehen, waren die mesiten der rund dreißig Bücher, die er geschrieben hat, lange Zeit unauffingbar. Gewiss war die außerordentliche Diskretion des Menschen, bis zum völligen Rückzug, einer der Gründe für seine Vergessenheit.

bovelesebuchbildaSo schreibt Jean-Luc Bitton in seinem Essay Haben Sie Emmanuel Bove gelesen?, der dem kostenlosen Bove-Lesebuch voransteht, der bei der Edition diá erhältlich ist.

Die Frage jedoch: Wie konnte man diesen Schriftsteller vergessen?, kann auch der Biograph Bitton nicht erklären. Rilke und Beckett verehrten ihn, die Kritik hat ihn gefeiert und die Antwort soll natürlich sein: er wurde nicht vergessen und soll wiederentdeckt werden. Eine erste Renaissance gab es bereits als Peter Handke begann Bove neu zu übersetzen. Meine Freunde, Armand und Bécon-les-Bruyères. Eine Vorstadt sind Anfang der 80er bei Suhrkamp erschienen. Danach wurde es wieder ruhiger. Mit Auslaufen des Urheberrechts macht die Edition diá nun das Gesamtwerk Boves wieder zugänglich. Wieso sich dieses zu Entdecken lohnt, weiß wieder Bitton.

Boves Stärke ist es, dass er seine Figuren nie verachtet oder verurteilt, er schaut ihnen, wie ein Laborant durch das Mikroskop, beim Leben zu. Und er beschreibt uns schlicht, was er sieht, was er gehört hat und was wir nicht mehr sehen oder ausdrücken können, mit einer fast besessenen Sorge ums Detail.

Zum Einstieg in das Werk Boves lohnt das umfangreiche, kostenlose Bove Lesebuch, das man bei der Edition diá herunterladen kann.

Weitere Informationen zu Leben und Werk findet man auf der eigens eingerichteten Homepage für emmanuelbove.de.

Rowohlt Rotation

978-3-644-05371-7Kurz vor der Leipziger Buchmesse startete Rowohlt sein neues Digital-Imprint Rowohlt Rotation, erkennbar an rororo, Rowohlts Rotationsromane, angelehnt, das Format das Rowohlt im Nachkriegsdeutschland zu neuer Berühmtheit verhalf. Man konnte günstig und damit für den Leser erschwinglich Taschenbücher, die zu Beginn nur 1 DM kosteten, mittels Rotationsdruck herstellen und so die neue Bundesrepublik mit Literatur versorgen. Bereits die ersten drei Titel – G.K. Chestertons Das fliegende Wirtshaus, William Faulkners Licht im August und Graham Greenes Die Kraft und die Herrlichkeit – spiegeln deutlich wider, was früher unter Unterhaltung verstand, die man günstig unters Volk bringen konnte, aber auch den neuen Anspruch des Digital-Imprints, denn dort kann man als Äquivalent zu Nobelpreisträger Faulkner heute Texte von Vladimir Nabokov, Jonathan Franzen oder Kurt Tucholsky kaufen, statt Graham Green gibt es Joachim Fest über Hannah Arendt oder Stewart O’Nan und anstelle von Father Brown immerhin noch Simon Beckett oder, denn das ist Unterhaltung heute, Jojo Moyes.

Lest doch einfach weiter.

Was eBooks leisten können, das Wiederzugänglichmachen von fast verlorenen oder vergessenen Texten, zeigen alle diese drei Beispiele. Wer nicht bei Nautilus die große Cravan Ausgabe kaufen möchte, kauft bei Mikrotext für Handy oder eReader, Bove wird im Ganzen wieder verfügbar, ein Lesebuch, das gratis erhältlich ist, kann und soll Geschmack machen oder vor Fehlkäufen bewahren und Rowohlt kann aus dem Archiv eines Jahrhunderts Verlagsgeschichte Texte heraussuchen und verfügbar halten, die möglicherweise sonst in dessen Untiefen verschwinden würden. Den Tucholskytext Seifenblasen gibt es bisher nur in Band 16 der Gesamtausgabe versteckt, Uwe Naumanns Mon Oncle – Lieber Klaus wäre zu kurz für den Druck, zu interessant und einzigartig5 um im Wust der Neuerscheinungen zu erscheinen und verloren zu gehen.

To be continued.

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Himmel und Erde – Jürgen Dollase

8Noch nie wurde auf dieser Seite ein Kochbuch besprochen, doch dieses ist außergewöhnlich und voller Text, daher muss diese Ausnahme gemacht werden. Jürgen Dollase ist einer der, wenn nicht der,  profilierteste Restaurantkritiker Deutschlands – quasi der Chef von 54restaurants – und reitet auf einem hohen Ross – as I do. Nur fehlt ihm mein Augenzwinkern.

Man muss also mit dem Ton des Jürgen D. umzugehen wissen, wenn er zum einen voraussetzt, dass der Leser jeden Tag kocht, ihm aber gleichzeitig als Hobbykoch fast jegliche Kompetenz abspricht; er betont, dass bitte stets nur die besten Produkte verwendet werden sollen, berichtet aber sogleich, dass die von ihm verwendeten zum Teil für Otto N. nicht zu bekommen sind. Die Frage muss also zwangläufig lauten, darf ein solcher Meister seines Fach überheblich sein oder täte ihm auch etwas Demut gut, zumal eben keine Spur von Ironie zu spüren ist.

Das [von mir gekochte] Essen scheckte gut, was ich auch – ehrlich gesagt – nicht anders erwartet hatte.

Zudem ist nicht immer ganz klar für welchen Leser Dollase schreibt. Ist es denn eine wichtige Information, dass er bei wenig Lust zu Kochen einfach mal ein Kilo Langustinen pro Person in den Topf wirft? Otto N. wird etwas beschämt an seinem Knopfloch nesteln und betreten zu Boden sehen, während ich die Menge verdoppel. Vor lauter Selbstverliebtheit geht ihm da auch mal durch, ob er nun beim 60. oder 65. Geburtstag Witzigmanns im Tantris das halbe Kalb gegessen hat – geschenkt. Die in der Vorrede sehr gelobten Bilder von Thomas Ruhl sind dafür nicht immer ganz gelungen.

Warum ich dieses Buch doch uneingeschränkt empfehlen kann? Nicht weil, das Cover aussieht als würde sich Neil Young ein Mahl kredenzen oder wir sehen können wie der Grinch in seiner Scheune grillt, sondern weil Dollase ausnahmslos weiß wovon er spricht. Die Einleitung zu jedem Kapitel sind neben allem Brimborium mit das Beste was man in der aktuellen Literatur über das Kochen auf höchstem Niveau lesen kann. Seine Überlegungen zu Aufbau und Struktur von einzelnen Gerichten bis hin zu Menüs sind höchstinteressant, die vorgestellten Rezepte voller Raffinesse und neben dem eigenen Anspruch frei von jedem Dogma. Dollase lässt alles, selbst ihm nicht zusagende Richtungen und Auswüchse des Kochens, als Einfluss gelten und vermittelt am Ende doch worauf es ankommt: die Lust am Kochen und die Freude an einem guten Produkt.

(Bei Dollase ist es wie bei Thomas Fischer, ein absoluter Mann vom Fach, der eigentlich der Welt nur etwas Gutes tun möchte und sein Wissen teilen, dass das leider nicht vom Pferd herunter funktioniert, müssen beide noch lernen. Also absteigen und Hand reichen.)

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Dürfen Verlage und Buchhandlungen aus Rezensionen zitieren? – Blogs und Urheberrecht (Teil 3a)

Der stationäre Buchhandel wie auch die Verlage zitiert schon (gefühlt) immer aus Rezensionen zur Bewerbung von Büchern. Solche Zitate, sind aber keine Zitate im Rechtssinn, weil diese nicht in einem selbstständigen Sprachwerk auftauchen, sondern auf dem Buchrücken, dem Klappentext, Plakaten oder Aufklebern prangen, die den Betrachter aufgrund der sachkundigen Empfehlung zum Käufer machen sollen.

Diese Praxis wird von Verlagen und Handel verständlicherweise gerne genutzt, denn der „Content“ für die Werbung wird (vermeintlich) kostenfrei durch andere hergestellt, deren guten Namen, kein unerheblicher Verkaufsfaktor, man dazu im Paket erhält. Eigentlich hätte ein Urheber als die Buchhandlungen oder Verlage mit diesen Zitaten begonnen, hiergegen vorgehen können. Der historische Rezensent, sagen wir Ludwig Börne, hätte Unterlassung des nicht zulässigen Zitats verlangen können. Weil dies aber nie geschah, entstand Gewohnheitsrecht.

Ohne zu tief auch noch in diese Materie einzusteigen kann man kurz und flapsig sagen: wird eine Rechtshandlung über lange Zeit von allen Rechtsteilnehmern geduldet, so wird diese als Gewohnheitsrecht verbindlich, kann später aber durch den Gesetzgeber wieder geändert werden. 1

Im Hinblick auf die Nutzung von Rezensionsauszügen durch die Verlage zur Bewerbung ihrer Bücher in den Klappentexten besteht […] ein solches Gewohnheitsrecht. Die gewohnheitsrechtlich anerkannte Nutzung von Rezensionsauszügen zur Bewerbung von Büchern in bestimmten Formen ist auch nicht auf die Verlage beschränkt. Auch die Bewerbung der Bücher durch die Buchhändler in ihrer Auslage und durch die Versandbuchhandlungen in ihren Printkatalogen entspricht sehr langer von keiner Seite in Frage gestellter Übung.
OLG München, GRUR-RR 2015, 331, 332 – Buchrezensionen

Heißt im Ergebnis: die Nutzung von Auszügen zur Werbung auf Klappentexten, Verlagsmaterialien, im Laden ist zulässig.

Auszüge aus Rezensionen als Werbung im Internet

Das Internet wiederum gibt es noch nicht so lange wie Ludwig Börne. Die Frage, ob Verlage und Buchhändler dort ihre bisherige Übung einfach fortsetzen dürfen war Anlass der Entscheidung des OLG München vom 27. November 2014. Die Klägerin, die FAZ, ging gegen eine Intenretverkaufsplattform, buch.de, vor, die aus bei der FAZ erschienen Rezensionen Ausschnitte zur Werbung nutzte.

Das praktische „Haben wir immer so gemacht“ zog hier leider nicht, da das „immer“ eine zu kurze Zeitspanne umfasste und das Portal dummerweise vorher bei der Zeitung angefragt hatte, ob man denn eine Lizenz für die Nutzung erwerben konnte. Die Richter erkannten darin unter anderem ein Indiz dafür, dass gerade kein Gewohnheitsrecht besteht. 2

Die Entstehung von Gewohnheitsrecht wurde durch das vorherige Anfragen im Ergebnis sogar verhindert. Man könnte sagen durch die Vorsicht von buch.de. 3

Jedenfalls kann nicht festgestellt werden, dass eine einheitliche Überzeugung der Rechtsgemeinschaft besteht, dass eine lizenzfreie Online-Nutzung von Rezensionsauszügen durch Buchhändler rechtens ist. Als Indiz gegen eine solche allgemeine Rechtsüberzeugung spricht schon das Verhalten der hiesigen Prozessparteien. Die Beklage ist nicht etwa selbstverständlich davon ausgegangen, dass sie zur lizenzfreien Nutzung von Auszügen aus den Rezensionen der Klägerin berechtigt sei, sondern hat vielmehr bei dieser entsprechende Lizenzangebote nachgefragt. Die Klägerin hat nicht etwa mitgeteilt, dass eine Lizenz nicht erforderlich sei, sondern entsprechende Angebote übermittelt.
OLG München, GRUR-RR 2015, 331, 333 – Buchrezensionen

Achtung: Das Werben mit Rezensionsausschnitten im Internet ist daher nicht zulässig!

Achtung 2: Das Urteil gibt keine Auskunft dazu wie die Verlagswerbung im Internet auszusehen hat. Die Frage, ob das Aufführen von Rezensionsausschnitten auf der verlagseigenen Homepage zulässig ist, ist offen. Führt man die Entscheidung des OLG konsequent fort bedarf dies ebenfalls einer Lizenz und wäre dann wohl (meist) kostenpflichtig. Vielleicht halten aber Beteiligten die Füße still bis in diesem Fall Gewohnheitsrecht entstanden ist.

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Christoph Ribbat – Im Restaurant – Eine Geschichte aus dem Bauch der Moderne

Ich habe ein Buch gelesen, dessen Titel, Autor, Verlag und Erscheinungsjahr ich hier noch nicht verrate. Darin geht es darum wie wir essen und was Essen in Restaurants für uns und unsere Kultur bedeutet hat. Es ist aber nicht nur eine Geschichte der Gastronomie, sondern auch der Gesellschaft. Es mischen sich Anekdoten mit naturwissenschaftlichen Fakten, Kuriositäten und Schweinereien, fast and slow and leisure food. Ein heiteres, kurzweiliges Buch habe ich da gelesen, das aber auch manche Schwäche hat.

Der Autor, dessen Namen ich an dieser Stelle immer noch nicht verrate, ist Professor für Amerikanistik an der Universität Paderborn, was überhaupt ganz kurios ist und mancher mag sich fragen, was diesen Herrn dazu befähigt über Esskultur zu schreiben, aber essen tun wir ja alle und klug scheint er auch zu sein. Er schreibt auch ganz gefällig, das erfreut. Und als Wissenschaftler kann man auch gut forschen, als hat er zu philosophierenden Köchen und soziologisierenden Kellnern recherchiert (und umgekehrt), Fastfood verspeist und sicher auch mal zugeschaut wie jemand den Boden wischt oder eine Auster öffnet. Das Buch ist echt nicht verkehrt, aber seinen Titel erfährt man erst am Ende dieser Rezension…

Christoph Ribbat bedient sich in Im Restaurant – Eine Geschichte aus dem Bauch der Moderne einer ähnlichen Verschnitttechnik wie Florian Illies in 1913. Er verschachtelt und arrangiert unterhaltsame Episoden, manche über mehrere Abschnitte hinweg, die meisten nur Intermezzi im großen Ganzen. Doch was Illies unter dem Dach eines Jahres gelingt, funktioniert als roter Faden in Im Restaurant nur bedingt. Die Sprünge zwischen den Enden der Episoden werden zu groß, die Zusammenhänge gehen verloren. Im Restaurant zerfasert.

Dazu kommt leider, dass die häufig arg konstruierten Cliffhanger in einem Buch über das beaufsichtigte Speisen keine Spannung aufbauen, sondern zwangsläufig aufgesetzt wirken. Der seichte Scherz den Namen des Protagonisten erst am Ende des diesen einführenden Abschnitts zu lüften, ist beim ersten Mal sicher ein probates Stilmittel, nur spätestens nach dem dritten Jux führt diese „Spannungsmethode“ dazu, dass der Leser die Wände hochgeht. (Welche Wände erfahren Sie am Ende dieser Rezension.)

Für Einsteiger in die Welt der Bücher übers Kochen (nicht zu Hause am Herd, sondern in der rauen Welt der Gastronomie) bietet Im Restaurant sicher eine unterhaltsame Introduktion. Besser aber sind diese Bücher, mit denen ich damals startete.

Geständnisse eines Küchenchefs: Was Sie über Restaurants nie wissen wollten von Anthony Bourdain

Der Klassiker unter den Restaurantenthüllungsbüchern und über die Leidenschaft, die Köche antreibt. Sex, Koks, vergammeltes Fleisch und Meeresfrüchte, Blut, Geschrei, Alkohol und viel Liebe zum Kochen. Anthony Bourdain wurde mit diesem Buch zu einem Star der literarischen Szene der Köche. Geständnisse eines Küchenchefs war lange vergriffen, nun scheint es wieder zu haben. Wenn man ein Buch über Restaurants und das Kochen liest, dann dieses.

 

Hitze: Abenteuer eines Amateurs als Küchensklave, Sous-Chef, Pastamacher und Metzgerlehrling von Bill Buford

Bill Buford, Literaturchef beim »New Yorker«, kündigt von heute auf morgen seinen Job, um ein Jahr lang im Sterne-Restaurant Babbo Töpfe und Pfannen zu schrubben und das Kochen von der Pike auf zu lernen. Sein Großmeister ist der (TV-)Starkoch der USA Mario Batali. Er lernt im Restaurant und begibt sich im Anschluss nach Italien auf die Spuren der Küche des Landes, lernt bei Nonnas die klassische Herstellung von Pasta und wie man schlachtet. Eine grandiose Kurzzeit-Aussteiger-Geschichte aus Liebe zum Kochen.

Himmel und Erde: In der Küche eines Restaurantkritikers von Jürgen Dollase

Buford ist sicher ein bisschen verrückt und Bourdain nicht nur ein bisschen, aber Jürgen Dollase ist komplett von Sinnen. Dieses „Kochbuch“ ist was für Freaks wie Dollase selbst, zum Nachkochen ist da das wenigste, aber seine Ausführungen über spezielle Zutaten und Techniken, Produkte und Zubereitung, Speisen, Schmausen und Genießen – für Dollase stets nur auf allerhöchstem Niveau; so lesen sich auch seine Schilderungen.

Sitting Küchenbull: Gepfefferte Erinnerungen eines Kochs von Vincent Klink

Der Vincent ist schon ein putziger Mensch, so drollig, dicklich, unterhaltsam wie im Fernsehn ist er auch auf dem Papier. Allein die Anekdote seines Besuchs bei Bocuse ist dieses Buch, den Coming-of-Age-Roman eines Kochs zu lesen wert.

[Das Buch, welches ich las war übrigens Im Restaurant von Christoph Ribbat. Bin außerdem gar keine Wände hochgegangen, das sagt man nur so.]

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